12. Tag 08.04. Iraklion und UmgebungAm nächsten Morgen regnet es und wir sind froh gestern die Wanderung und Rehymon gemacht zu haben. Heute steht ja unter anderem das Museum auf dem Plan - perfekt für schlechtes Wetter.
Zuerst fahren wir aber nach Knossos. Bekannt ist der Ort vor allem durch die große, aus minoischer Zeit stammende Palastanlage. Die aufwendigen Ausgrabungen zu Anfang des 20. Jahrhundert wurden von dem aus England stammenden Sir Arthur Evans geleitet. Für heutige Archäologie ist dies jedoch eine wissenschaftliche Katastrophe, da er beim Wiederaufbau viel über das alte Aussehen des Palastes nach eigenen Vorstellungen interpretierte. - Für uns dafür umso interessanter.

Der jüngste Palast von Knossos entstand als riesiges Gebäudeensemble von bis zu 5 Stockwerken mit einer umbauten Fläche von 21.000 m² auf einer lichten Fläche von 2,2 ha. 800 Räume sind nachweisbar, doch bis zu 1.300 dürfte der Palast insgesamt besessen haben. Der Palast war zu keinem Zeitpunkt von einer Befestigungsmauer umgeben, an den Außenwänden ohne erhaltenen Schmuck und ist, wie alle Palastanlagen der Minoer, um einen rechteckigen Zentralhof von 53 x 28 m errichtet, zu dem aus 4 Richtungen verwinkelte, vergleichsweise schmale Gänge, reich dekorierte Korridore, herrlich bemalte Säle, aufwendig gestaltete Treppenhäuser bzw. säulenumstandene Galerien führen.
Steuereinnahmen oder Vorräte?? ... Bis zu 400 z.T. mannshohe Pithoi, in denen Wein, Olivenöl, Getreide und Honig aufbewahrt wurde, die ein Gesamtfassungsvermögen von ca. 78.000 Litern gehabt haben dürften hat man gefunden.

Diese Räume und Korridore sind in einer solch verwirrenden, chaotisch anmutenden Anordnung aneinandergefügt, dass sie wegen ihrer labyrinthischen Komposition weniger den Eindruck von Herrschaftsarchitektur, denn von mythisch-kultischer Architektur erwecken.

Nach Ansicht von Archäologen hatte die Stadt im 16. Jahrhundert v. Chr. zwischen 10.000 und 100.000 Einwohner. Ausgegraben wurden Wohnräume mit
Warmwasserheizung, Badezimmer mit Sitzbadewannen und Klosetts mit Wasserspülung. ((
man bedenke wir sind minimum 1.500 Jahre VOR CHR.!!!!)) Der Regen auf dem Palastgelände wurde durch sorgfältig verlegte, konisch geformte Röhren aus Terracotta und abgedeckelte, steinerne Rinnen aufgefangen, die Zisternen waren vergleichsweise klein. Der nahegelegene Bach Kairatos, von dem einige Archäologen annahmen, er sei mit großen Booten schiffbar gewesen, kommt als Trinkwasserversorgung ebenfalls in Frage. Viele Brunnen hat man auf dem Palastgelände nicht gefunden.
Das Herzstück des Palastes ist der sogenannte Thronsaal, der aufgrund eines dort gefundenen Alabasterthrons so genannt wurde. An den Seitenwänden des Vorraums sind steinerne Bänke aufgestellt. Eine kostbare Porphyrschale steht im Zentrum des Vorraums.
Wir hatten Glück und waren früh auf dem Gelände, jetzt drängen sich langsam Heerscharen an Busladungen. Da es auch zu regnen anfängt verlassen wir den Palast.
Wir kurven einige Zeit umher, bis wir einen Parkplatz finden und machen uns dann auf in das archäologische Museum in Iraklion. Hier kommen ein paar der Besonderheiten:
Ein Modell der Palastanlage von Knossos:
Die Bienen von Mália.
Der Diskus von Phaistos: Eine Scheibe aus gebranntem Ton, ist eines der bedeutendsten Fundstücke aus der Bronzezeit. Er ist mit spiralförmig angeordneten Menschen-, Tier- und Pflanzenmotiven versehen, die mit einzelnen Stempeln aufgedruckt wurden. Der Diskos stellt damit den ersten bekannten „Druck mit beweglichen Lettern“ der Menschheit dar, in dem Sinne, dass zum ersten Mal ein kompletter Textkörper mit wiederverwendbaren Zeichen produziert wurde.
Das berühmte Stierspringer-Fresko
Stierkopf aus Steatit. Das Auge besteht aus Bergkristall und Jaspis, die Nüstern sind mit Perlmutt umgeben. Im Genick ist eine Eingussöffnung, im Maul der Ausguss.
Sogenannte kleine Schlangengöttin aus Fayence aus der kultischen Schatzkammer des Heiligtums des Palastes von Knossos, etwa 1700–1450 v. Chr. (Saal IV)
Über 2 Stunden halten wir uns im Museum auf. Danach streifen wir noch kurz durch die Innenstadt.

Der Morosinibrunnen [auch Löwenbrunnen] (erbaut 1628) auf der von zahlreichen Straßencafés umgebenen Platia Venizelou bildet das Herz der Stadt. Der aus acht reliefgeschmückten Wasserbecken mit einer von vier steinernen Löwen getragenen Wasserschale in der Mitte bestehende Brunnen wurde über ein 15 km langes Aquädukt aus den Quellen von Archanes gespeist.
Dann wird es zuviel an Geschichte und wir widmen uns einer anderen kretischen Kulur... Ab in ein Cafe und dort gemütlich sitzen und Backgammon spielen.
Gefahren: 40 km