Freitag, 13. März 2015: Sevilla – Conil de la FronteraHeute morgen gehen wir erst einmal frühstücken und suchen uns ein Lokal aus, das sich dem Stierkampf gewidmet hat. Das Ambiente ist aus meiner Sicht sehr spanisch, auch wenn es ein merkwürdiges Gefühl ist, den Schinkentoast unter den Glasaugen eines ausgestopften Stiers zu essen.


Elsa will heute einen entspannten Stadtbummel machen und ein wenig shoppen, ich will erst mal in den Alcazar und dann erst shoppen. Zum Parasol Metropol wollen wir beide, als verabreden wir uns für den frühen Nachmittag dort und ich mache mich auf den Weg durch die Stadt.





Auf dem Weg zum Alcazar komme ich an der Plaza Nueva vorbei, wo einige Demonstranten Schilder hochhalten und Parolen skandieren. Wenn ich es richtig verstehe, geht es um niedrige Renten. Wir haben bisher schon überall Wahlplakate gesehen, die Wahl ist wohl am 22. März.
Im Alcazar tummeln sich Reisegruppen und Schulklassen. Ich bin gespannt, ob der Alcazar das halten kann, was der Reiseführer verspricht, nämlich feine maurische Ausschmückungen nach Art der Alhambra. Erst einmal bin ich ein wenig enttäuscht, denn um den Reisegruppen zu entgehen, nehme ich nicht das große Tor am zentralen Platz, sondern biege nach rechts ab und durchstreife ein paar Räume. An die Alhambra erinnert hier – vorsichtig formuliert – sehr wenig.

Also nochmal zurück und zusammen mit den Reisegruppen durch das große Tor. Aha, jetzt weiß ich, warum alle hierher laufen, denn hier entfaltet sich tatsächlich maurische Pracht. So wie auf der Plaza de Espana wurde auch hier im Alcazar gedreht, aber nicht für Star Wars, sondern für die Szenen, die im Film „Königreich der Himmel“ im Palast in Jerusalem spielen.











Anschließend spaziere ich noch durch einen Raum mit riesigen Wandteppichen.





Dann zieht es mich hinaus in den Garten. Dort blühen ein paar Kirschbäume, was mich natürlich an meine Japanreise erinnert, aber oh Schreck: Unverfrorene Spanierinnen reißen Blüten ab und stecken sie sich in die Haare, so ein Frevel! Zartbesaitete Japaner würden wahrscheinlich ohnmächtig werden, wenn sie so etwas miterleben müssten.



Ich werde zwar nicht ohnmächtig, aber richtig begeisterungsfähig bin ich heute insgesamt auch nicht mehr. Also spaziere ich nur noch kurz durch den Garten und lege dann einen ausgedehnten Bummel durch verschiedene Geschäfte ein, wo ich mir immerhin zwei CDs mit spanischer Gitarrenmusik kaufe. Eigentlich wollte ich noch tonnenweise Schuhe und Handtaschen erwerben, aber so richtig will mir heute nichts gefallen. Einige Schuhe, die ich ganz witzig finde, weil sie ein wenig danach aussehen, als hätte jemand aufs Geratewohl Lederstücke mit einer Heißklebepistole und groben Nadelstichen zusammengebastelt, kosten zwischen 150 und 200 Euro pro Paar, und ich überlege, ob ich mir nicht irgendwo ein paar Lederreste besorgen und ins Schuhgewerbe einsteigen soll. Eine Heißklebepistole habe ich immerhin. Aber vermutlich fehlt mir noch der bekannte Designername.
Ich hole mir noch ein Schokoeis und treffe mich mit Elsa am Parasol Metropol. Auch sie kommt ohne Einkaufstaschen, hat sich dafür aber noch das Flamenco-Museum angeschaut, das sehr empfehlenswert sein soll. Als ich meine CDs zeige, muss Elsa lachen: Seit Tagen lästere ich immer über den etwas zerrupften "Jesus", der auf den Briefmarken auf Elsas Postkarten abgebildet ist. Jetzt stellt sich heraus, dass eine meiner CDs denselben "Jesus" zeigt, nur dass es sich dabei um den Gitarrenspieler Paco de Lucia handelt.
Vom Metropol Parasol sind wir dann beide etwas überrascht: Der sah auf den Fotos deutlich größer und höher aus. Wir finden schließlich nach einigem Suchen den Aufzug im Untergeschoss, mit dem man auf das Dach der Konstruktion fahren kann, und wenn man die Aussicht hier zwar nicht als den grandiosen Ausblick auf die Stadt beschreiben kann, den der Reiseführer verspricht, so ist es trotzdem schön, die Runde über den kurvig angelegten Besucherweg zu drehen. Und nach all dem Historischen ist etwas Modernes auch mal eine nette Abwechslung. Leider verliert Elsa auf dem Parasol eine schon geschriebene und adressierte Postkarte, die sie eigentlich in den nächsten Briefkasten werfen wollte. Um es vorwegzunehmen: Irgendein netter Besucher muss die Karte gefunden und eingeworfen haben, denn sie kommt ein paar Tage später bei der Empfängerin in Deutschland an.



Damit ist unser Sevilla-Besuch abgeschlossen. Wir holen in unserer Unterkunft unser Gepäck von der Rezeption ab, programmieren das Navigationsgerät und machen uns auf den Weg nach Conil de la Frontera. Heute am Freitagnachmittag geraten wir zunächst noch in den Berufsverkehr, dann können wir aber auf die Autobahn Richtung Cadiz abbiegen und lassen die Staus hinter uns.
Das Navigationsgerät tut heute sein bestes, spanische Städtenamen bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln. Malaga wird schlicht zu „Laga“, aus Cadiz macht das Gerät ein prägnantes „Sdits“. Elsa mutmaßt, wir seien in der spanischen Entsprechung des Lands der Schtis angekommen und das Navigationsgerät wähle nur die hiesige Aussprachevariante.
Ob richtig oder falsch ausgesprochen, diese Frage stellt sich bei unserem Zielort Conil nicht mehr, auch wenn das Navi den Namenszusatz „de la Frontera“ vorsichtshalber weglässt. Wir kreisen unser Hotel, das Fuerte Conil Costa Luz, langsam ein, bugsieren den Seat schließlich in eine Parklücke und machen uns zu Fuß auf die Suche nach der Rezeption. Dort werden wir nett mit Sherry empfangen, bekommen die gebuchten Zimmer mit seitlichem Meerblick zugeteilt und stellen beim ersten Blick vom Balkon fest, dass man das Meer tatsächlich sehen kann, und zwar ohne sich, wie Elsa befürchtet hat, suchend übers Geländer zu hängen. Wir erkunden noch ein wenig die Hotelanlage und gehen hinüber zur Straße, von der aus man den Strand überblicken kann.




Heute abend haben wir keine große Lust mehr, uns außerhalb des Hotels etwas zu essen zu suchen und buchen das Buffet im hoteleigenen Restaurant. Das Essen ist reichhaltig und lecker, wir merken aber, dass wir in einer regelrechten deutschen Hochburg gelandet sind. Ein paar spanische Kinder gibt es, und die spielen dann unverdrossen bis Mitternacht im Gang vor unseren Zimmern. Direkt nach dem Sandmännchen geht offenbar nicht mal der spanische Säugling ins Bett.
Egal, wir haben morgen sowieso einen entspannten Tag ohne Programm vor uns und wollen in Conil Sonne, Strand und Meer genießen.
Gute Nacht!