Montag, 9. März 2015: GranadaHeute nacht war es in unseren Zimmern angenehm temperiert, so dass Skiunterwäsche und Wolldecken nicht gebraucht wurden. Gegen viertel vor neun marschieren wir los, kaufen uns unterwegs noch Snacks für eine kurze Mittagsrast und nehmen dann an der Plaza Nueva den Fußweg hinauf zur Alhambra. Vorbei führt der Weg an einer Statue von Washington Irving, dessen Erzählungen von der Alhambra Elsa als Reiselektüre dabei hat. Heute morgen ist es noch kühl, aber die Sonne scheint schon vom wolkenlosen Himmel.

Von hier aus sind es nur noch ein paar Meter, dann betreten wir die Alhambra sozusagen durch den Hintergang, nämlich durch die Puerta de la Justicia, wo früher Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden. Hier gibt es keine Ticketkontrolle, unsere Tickets müssen wir innerhalb der Alhambra nur an den Bereichen vorzeigen, wo man Eintritt zahlen muss. Dafür gibt es hier auch keine Information und keine Ticketschalter. Will man sich nicht nur das allgemein zugängliche Gelände der Alhambra anschauen, sondern z.B. auch in die Nasridenpaläste, kann man den Eingang also nur nehmen, wenn man seine Reservierung schon in ein Ticket umgewandelt hat und es nicht noch am Eingang abholen muss.

Auf dem Gelände der Alhambra haben offenbar mehrere Katzenkolonien das Terrain unter sich verteilt. Die Katzen räkeln sich noch verschlafen in der Morgensonne.


Wir sind unternehmungslustiger und machen uns erst mal auf den Weg zur Alcazaba, der Festung, die als ältester Teil der Alhambra errichtet wurde. Zwischendurch kann Elsa an einem Stand vor dem Palast Karls des V. noch einen Audioguide ausleihen, womit sich die Frage löst, wie man an einen Audioguide kommt, wenn man nicht den Haupteingang benutzt.
Die Mauern des Alcazaba leuchten in der Sonne, auf dem Turm flattern die Fahnen, und hübsche Ausblicke auf die Stadt gibt es auch. Der Kern der Festung stammt schon aus dem 13. Jahrhundert, und von den roten Festungsmauern soll die Alhambra, die Rote, ihren Namen erhalten haben. Vom Festungsturm wurden früher die Glocken geläutet, die den Leuten unten mitteilten, dass es jetzt Zeit war, die Felder zu bewässern.






Wir schlendern durch die Festung und den angeschlossenen kleinen Garten und schauen anschließend noch kurz in den Palast Karls des V.


Dann ist es auch schon zwanzig nach zehn, und wir stellen uns in die Schlange am Nasridenpalast. Zum Glück ist hier heute morgen alles ziemlich entspannt. Angesichts der Tatsache, dass die Alhambra zu den meistbesuchten Touristenzielen Europas zählen soll, habe ich insgesamt mit viel mehr Andrang gerechent. Um halb elf dürfen die Wartenden zum Eingang des Nasridenpalastes vorrücken, und ein paar Minuten später sind wir schon im Mexuar, dem ehemaligen Gerichts- und Empfangssaal.



Der Reiseführer berichtet, die Wandornamente in den Nasridenpalästen seien nicht für die Ewigkeit gemacht, sondern bestünden nur aus Holz und Gips und seien früher alle buntbemalt gewesen. Spinnweben Gottes habe man die filigranen arabischen Schriftzüge genannt. Einen Sinn für Verwirrspiele hatten die maurischen Erbauer auch: Im angrenzenden Patio gibt es zwei Tore, und die damaligen Besucher wussten nicht, aus welchem Tor der Sultan erscheinen würde.


Der Sultan erschien durch das linke Tor, und wir gehen in Gegenrichtung hindurch und in den Myrtenhof. Von den Längsseiten gingen früher die Frauengemächer ab, an der Stirnseite lag der Thronsaal des Sultans.







Schließlich kommen wir zum vielgerühmten Löwenhof und den ihn umgebenden Räumen. Leider wollen nicht nur wir dorthin, auch einige asiatische Reisegruppen fallen eine nach der anderen dort ein, und wie es in Asien üblich ist, will natürlich jeder einzelne vor dem Löwenbrunnen fotografiert werden. Es ist gar nicht so leicht, eine Lücke zwischen den Reisegruppen abzupassen.








Wir lassen uns Zeit, Elsa lauscht dem Audioguide, ich schieße ein Foto nach dem anderen, aber irgendwann haben wir dann doch die letzten Kacheln bewundert und verlassen schließlich die Nasridenpaläste durch einen kleinen Garten.

Weiter geht es durch die Gartenanlagen der Alhambra. Vorbei an Orangenbäumen und ehemaligen Wohntürmen und mit Blick auf den Generalife und die Gartenanlage spazieren wir weiter durch die Anlage.


Als wir schließlich die Gartenanlage des Generalife betreten, ist es schon zwölf Uhr. Wir setzen uns auf einer Bank in die Sonne und machen erst einmal ein kleines Picknick, bevor wir die Gartenanlage erkunden. Mir haben es vor allem die Orangenbäume angetan, die gartenkundige Elsa hat aber auch ein Auge für die anderen Blumen und Bäume entlang des Weges. Von hier aus hat man auch wieder einen schönen Blick hinüber zur Alhambra.




Schließlich wartet noch der Generalife mit seinen Innenhöfen auf uns, wo kleine Fontänen sprudeln.

Die Zeit scheint zu fliegen, und bis wir den Rückweg durch die Gartenanlage und hinüber in die Alhambra geschafft haben, ist es schon fast zwei Uhr.

Wir geben den Audioguide ab und nehmen wieder den Weg hinunter zur Plaza Nueva, wo wir uns hungrig auf eine der ersten Restaurant-Terrassen setzen, die uns über den Weg läuft. Sonderlich gut war unsere Wahl nicht, wie wir bald merken, man könnte das ganze auch fast als Touristenfalle bezeichnen, aber für ein paar Tapas und ein leckeres Cerveza der Marke „Alhambra 1925“ ist es dann doch ganz okay.

Wir schauen noch südlich der Kathedrale auf einem Platz vorbei, essen ein Eis und stellen dann fest, dass die Kathedrale geöffnet ist. Also schauen wir mal hinein, allerdings sind wir nach so viel Pracht und Herrlichkeit in den Nasridenpalästen nicht mehr leicht zu begeistern, und eiskalt ist es in der Kirche auch noch. Die 4 Euro Eintritt hätten wir uns eigentlich sparen können. Ich entschädige mich dafür, indem ich ein paar – eigentlich verbotene – Fotos mache, aber um mich herum zückt auch jeder andere die Kamera. Also wird Santiago, der spanische Nationalheilige, als Maurentöter auf Speicherkarte gebannt.


Gegen vier Uhr kommen wir am Hotel an, und obwohl Elsa erst noch unternehmungslustig verkündet, noch ein wenig die Stadt auf sich wirken lassen zu wollen, schließt sie sich mir dann doch an und legt ein wenig die Füße hoch.
Heute abend wollen wir uns von dem langen Spaziergang durch die Alhambra erholen und uns ein wenig verwöhnen lassen. Im "Hammam Al Andalus" haben wir ein Ritual Al-Andalus vorgebucht. Was wir davon zu erwarten haben, wissen wir noch nicht so genau, als wir unsere Sachen zusammenpacken und uns gegen halb sechs auf den Weg zum Hammam in der Nähe der Plaza Santa Ana machen.
Zum Glück ist das Hammam schon ab der Plaza ausgeschildert, denn es befindet sich in einer kleinen Gasse oberhalb des Platzes.

Wir gehen die Treppe hinauf, bekommen jede ein Papierarmband, das uns als berechtigt für das Ritual Al Andalus ausweist, und nach kurzer Wartezeit in einem orientalisch dekorierten Zimmer dürfen wir dann hinunter in die Umkleidekabine. Hier ist erst mal leichte Verwirrung angesagt: Alles ist in ein schummriges Dämmerlicht getaucht, und ähnlich wie im Nachtzoo sehen wir erst mal so gut wie nix. Während sich links und rechts auf Tuchfühlung andere Besucherinnen umziehen, tasten wir nach einem leeren Spind, verstauen unsere Sachen und geben mühsam unsere selbst erdachten Zahlenkombinationen ein. Elsas Spind ist gleich mal kaputt, das Schloss geht nicht und sie muss die Sachen umräumen. O je, das fängt ja gut an.
Aber dann gewöhnen sich die Augen an das Dämmerlicht, und als wir schließlich den Badebereich betreten, fügt sich alles wie von selbst. Es gibt mehrere verschieden temperierte Becken, ein Dampfbad und den Massagebereich. Eine Mitarbeiterin erklärt uns, sie würde uns für die Massage abholen, und wir tauchen erst mal in das warme Becken ein, um uns zu akklimatisieren. Schön ist es hier, wie eine Alhambra in Miniaturformat, wenn man mal von dem fehlenden Löwenhof absieht.
Schon bald werden wir für unser gebuchtes Ritual Al Andalus abgeholt und in einen anderen Bereich des Hammams gebracht. Es ist herrlich entspannend, einfach nur so mit geschlossenen Augen da zu liegen, während der Körper nacheinander mit einem Peeling behandelt und dann in viel Schaum gehüllt und weiter massiert wird. Ab und zu gießt der Masseur einen Schwall heißes Wasser über mich, wunderbar. Zum Abschluss gibt es noch eine entspannende Rückenmassage, dann legen wir uns noch ein paar Minuten auf den heißen Stein und lassen die Massage nachwirken.
Völlig entspannt testen wir nacheinander die verschiedenen Becken. Mein Lieblingsbecken mit heißem Wasser ist wie ein Raum der Alhambra gestaltet, mit feinen Verzierungen an den Wänden, einer hohen wie in Holz getäfelten Decke und durchbrochenen Fenstern oben unter der Decke, durch die von außen warmes Licht hineinströmt.
Nach eineinhalb Stunden Bade- und Masssagezeit kündigt ein Gong an, dass wir den Badebereich jetzt verlassen müssen, also machen wir uns fertig und stehen schließlich um acht Uhr wieder in der schmalen Gasse vor dem Hammam. Wir sind uns einig: Dieser Besuch hat sich absolut gelohnt.
(Wer sich dafür interessiert:
http://granada.hammamalandalus.com/de/ )
Eigentlich wollten wir uns vor dem Essen erst mal im Hotel aufhübschen, aber als wir eins der Restaurants finden, das uns der Hotelportier empfohlen hat, meinen wir nach dem ersten Blick hinein, dass wir in die Snackbar-Atmosphäre auch in leicht verknautschtem Shirt passen. Dann führt uns der Kellner doch in einen etwas gediegeneren Restauant-Bereich, na ja, was solls, man kennt uns hier ja nicht. Das Essen ist lecker, und ich gönne mir nochmal das Alhambra-Bier von heute Mittag.
Als wir schließlich müde im Hotel ankommen, fallen wir gleich in die Betten. Morgen werden wir Granada verlassen, ein wenig wandern und dann mal schauen, ob wir das Hotel in Cordoba anhand der Beschreibung auf der Hotelseite finden.
Gute Nacht!