Samstag, 7. März 2015: Malaga – NerjaAls heute morgen um sieben Uhr die Sonne aufgeht, befindet sich unser Flieger schon irgendwo in der Nähe von Bordeaux. Elsa und ich schauen aus dem Fenster in den roten Feuerball und nehmen den schönen Sonnenaufgang als gutes Omen für das Wetter auf unserer bevorstehenden Reise.


Gegen halb neun ist es so weit: Wir landen in Malaga. Wolken sind nur beim Landeanflug über dem Meer zu sehen, der Flughafen liegt unter einem makellos blauen Himmel. Bis wir uns aus einer der letzten Sitzreihen aus dem Flieger geschoben haben, dauert es eine Weile, und dann stellen wir am Flughafen verblüfft fest, dass die Ausschilderung nicht nur dreisprachig ist (deutsch, englisch, spanisch), sondern dass die deutsche Ausschilderung oft in der ersten Zeile steht. Offenbar ist man hier auf uns sprachunkundige Touristen gut eingerichtet.

Am Gepäckband müssen wir eine Weile warten, bis unsere Koffer endlich erscheinen, dann zieht es Elsa magisch zum Zoll. Nein, zu verzollen hat sie nichts. Aber seit gestern nachmittag hat Elsa ein kleines Problem. Vielleicht haben die am Zoll ja Schlüssel für TSA-Schlösser? Und wenn das so wäre, dann könnte hier vielleicht jemand ihr Kofferschloss öffnen? Denn die Zahlenkombination für das im Koffer eingebaute Zahlenschloss mit TSA-Funktion hat sich Elsa gestern leider nicht ganz so gut gemerkt, bevor sie den Koffer zugeschlossen hat - und mich vermutlich deshalb vor der Abreise mit den Worten: „Ich bekomme Alzheimer“ empfangen. So hat sie derzeit keine Ahnung, wie sie an den Kofferinhalt wieder herankommen könnte. Immerhin hat sie im Moment reisetaugliche Sachen an, und großzügig wie ich bin, habe ich ihr schon angeboten, jeden Morgen ihre abends gewaschenen Klamotten mit meinem neuen Reisebügeleisen wieder in Form zu bringen. Richtig überzeugt scheint Elsa von dieser Lösung aber nicht zu sein.
In den Zollbereich kommen wir nicht ohne weiteres hinein, aber zwei Uniformierte der Guardia Civil kommen gerade heraus. Die werden gleich mal von mir mit der unkonventionellen Frage überfallen, ob vielleicht jemand Elsa Koffer öffnen könnte. Wir erklären, deuten auf das TSA-Schloss, äußern die Vermutung, dass der Zoll das bestimmt aufschließen könne. Die Beamten sind hilfsbereit, erklären uns zwar, dass man Elsa Koffer nicht aufschließen könne (angeblich hat man in Malaga keine Schlüssel für TSA-Schlösser), helfen uns dann aber mit einem Multitool, eine der Reißverschluss-Ösen so aufzubiegen, dass man den Zipper, der im Kofferschloss hängt, aus der Öse befreien und so vom Reißverschluss trennen kann. Wir bedanken uns vielmals und beschließen, die andere Öse später im Hotel genauso aufzubiegen.
Jetzt suchen wir den Schalter von Europcar. Die Buchung ist bezahlt, eigentlich müssen wir nur für Elsa als Zweitfahrerin gesondert bezahlen. Aber hier zieht man das volle Upgrade-Prozedere durch. Fürsorgliche Fragen, ob wir denn nicht ein Auto für mehr Gepäck bräuchten, werden gefolgt von Vorschlägen, ein Auto mit GPS zu nehmen. Das koste normalerweise 50 Euro Aufpreis pro Tag, aber als supergünstiges Sonderangebot nur 20 Euro pro Tag, und es sei auch höher, so dass wir auf der Reise besser sehen würden. Wir lehnen ab. Dann ist die Versicherung dran. Einmal ablehnen reicht nicht, ich muss zweimal erklären, dass ich das Supersorglospaket ohne Selbstbeteiligung nicht will. Dann versucht man uns wie selbst verständlich die erste Tankfüllung auf die Rechnung zu setzen und übergibt uns schließlich die Schlüssel des gemieteten Kleinwagens mit dem Hinweis, das Auto habe keine Schäden. Falls wir doch Schäden finden würden, könnten wir sie ja fotografieren. Gerade als wir unsere Sachen nehmen und uns auf den Weg zur Parkgarage machen, bekommen wir noch mit, dass der Mieter neben uns am Schalter sich wundert, warum auf seinem Mietvertrag ein höherer Preis stehe als auf seiner Reservierung. Ihm wird erklärt, dass er dafür ja einen Mercedes mit Automatik bekomme.
So, das war ja zu erwarten, denke ich, als uns der angeblich schadenfreie Seat Ibiza kurz darauf in der Parkgarage schon mit einem Unfallschaden an der Stoßstange anlacht, und suche mir eine Mitarbeiterin von Europcar, die diesen und mehrere weitere deutliche Schäden im Formular markiert.
Und dann haben wir endlich das Auto und können uns auf den Weg machen. Wir freuen uns, dass wir endlich unterwegs sind und dass unsere Koffer wie angegossen in den Kofferraum passen. Und außerdem ist mir inzwischen aufgefallen, dass die upgrade-fixierte Mitarbeiterin bei Europcar vergessen hat, uns die Gebühr für den Zweitfahrer zu berechnen, na sowas.
Elsa fährt, ich bediene das mitgebrachte Navigationsgerät, und trotz Navigationsgerät finden wir den Weg aus dem Flughafengelände und auf die Schnellstraße. Hier ist das Navi dann doch wieder in seinem Element, verblüfft uns gleich mit einer Blitzerwarnung und sucht uns den Weg über die autobahnähnliche Schnellstraße nördlich an Malaga vorbei und Richtung Nerja. Trotz Autobahn und dichter Bebauung bis an die Küste genießen Elsa und ich beim Blick auf den blauen Himmel und die doch erkennbar südländische Vegetation das Gefühl, endlich in Andalusien angekommen zu sein.
In Nerja drehen wir eine kleine Ehrenrunde durch den Ort, finden dann aber doch die Tiefgarage unter der Plaza de Espana, und von hier aus sind wir in wenigen Minuten an unserem Hotel, dem Puerta del Mar angekommen. Netterweise können wir jetzt, um halb zwölf, schon in unsere Zimmer einchecken. Elsas Zimmer liegt direkt an einem kleinen Innenhof und hat einen kleinen Balkon, mein Zimmer hat ein Badezimmer von der der Größe, in der man vermutlich das Zimmer, in dem ich in Tokio gewohnt hatte, komplett unterbringen könnte. Mein Schweizer Taschenmesser und ich nehmen uns dann Elsas Koffer an. Leider bin ich offenbar nicht so feinfühlig wie unser Helfer am Flughafen, denn beim Versuch, die zweite Öse aufzubiegen, bricht sie komplett ab. Elsa ist trotzdem erst mal glücklich, dass ihr Koffer offen ist und sie an ihre Sachen kann. Und weil jetzt die ganze Spannung von ihr abfällt, schafft sie es plötzlich auch binnen Minuten, sich die Zahlenkombination zusammenzubasteln und das Schloss zu öffnen, an dem nur noch die Zugteile des Reißverschlusses hängen. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass wir das ganze Kofferproblem suboptimal gelöst haben.

Nach einer kurzen Pause machen wir uns dann auf den Weg zum Balcon de Europa, gerade mal hundert Meter vom Hotel entfernt. Palmen vor einem strahlend blauen Himmel, Wellen, auf denen das Sonnenlicht funkelt, Straßencafes, Eisdielen, Restaurants an der Plaza, wir sind sehr angetan. Schon jetzt Anfang März schieben sich viele Touristen durch die Straßen, obwohl der Reiseführer behauptet, sie kämen erst ab April. Trotzdem ist der Ort nett, und irgendwann wirft Elsa im Überschwang des Urlaubsgefühls Schuhe und Strümpfe ab und hält schon mal die Füße am kleinen Strand neben dem Balcon de Europa ins Meer. Das Meer bedankt sich mit einer großen Welle, und Elsas Hosenbeine sind nass. Na ja, immerhin kann sie sich jetzt eine Ersatzhose aus dem Koffer holen.





Mittags lassen wir es uns erst bei Tapas und Cervezas gut gehen und stoßen auf den Urlaub an. Dann halten wir eine lange Siesta auf der Dachterrasse des Hotels. Von der Terrasse kann man hinunter auf die Straßen und hinüber aufs Meer sehen. Ab und zu fliegen Möwen über uns, von den Straßen und Plätzen klingt immer wieder Musik zu uns herauf. Wir liegen in der Sonne und sind erst mal faul. So lange haben wir die Sonne herbeigesehnt, jetzt muss sie auch genossen werden.


Am frühen Abend tigern wir dann etwas unentschlossen durch die Straßen. Es gibt Palmen, Orangenbäume und Bananenstauden zu sehen, wir sind aber auf der Suche nach einem netten Restaurant. Am besten spanische Küche, irgendwie authentisch, andererseits aber keine Bar mit Plastikstühlen an winzigen Tischen, und wenn noch niemand drinsitzt, ist es irgendwie auch kein gutes Zeichen, wenn es rappelvoll ist, ist es natürlich auch nicht gut, denn das können ja nur Touristen sein, und draußen auf einer Terrasse wollen wir auch nicht sitzen, dazu ist es uns zu kalt. Wir landen schließlich in dem Restaurant, das uns heute mittag schon ein paar Tapas auf der Terrasse serviert hat und wählen schließlich das Menu und eine Flasche Wein. Während wir den ersten Gang vertilgen, beginnt ein paar Meter weiter eine vierköpfige Flamenco-Truppe ihre Darbietung, begeistert beklatscht von einer Mischung aus Karl Lagerfeld und Ray Charles. Von Flamenco haben wir leider nicht die geringste Ahnung und sind immerhin schon damit zufrieden, dass man uns kein obskures Ringelreihen darbietet. Die Sängerinnen und Sänger sind mit Inbrunst bei der Sache, und die Damen tanzen sich die Seele aus dem Leib. Leider ist das ganze mindestens so laut wie befürchtet, verhindert tiefsinnige Tischgespräche und fördert stattdessen unseren Alkoholkonsum.



Gegen halb zehn Uhr spazieren wir nochmal zum Balcon de Europa. Trotz der langen Siesta sind wir hundemüde, und nachdem wir gemeinsam mit Alfons dem Viertelvorzwölften (oder so) noch eine bewundernden Blick auf den hellen Mond geworfen haben, der wie ein Leuchtturm über der Küste steht, zieht es uns ins Bett.

Morgen werden wir erst mal gemütlich frühstücken und dann nach Granada aufbrechen.
Gute Nacht!