na dann werde ich mal versuchen euch die schöne Natur von Florida näher zu bringen!
Tag 2 Dienstag 4. November 2014Heute Morgen war um 5 Uhr die Nacht vorbei. Wir haben den Fernseher angemacht und Nachrichten geschaut. Es gab nur Lokalnachrichten. Es standen wohl Wahlen an im County und der Streit ging vor allem um geplante Schulschließungen. Die USA müssen sparen... laut Wetterbericht wird es heute sonnig und warm, so war es dann auch

um halb 7 sind wir zum Frühstück gegangen, wieder sehr lecker, das Sortiment sogar etwas anders als gestern, es wird Abwechslung geboten. Das Hotel kann ich wirklich empfehlen.
Nach dem Auschecken haben wir uns auf den Weg gemacht Richtung Crystal River. Wir sind nordwestlich aus Orlando rausgefahren und dann immer über die "Floridas Turnpike" gefahren (Achtung hier fallen Mautgebühren an). Die Strecke eignet sich bestens für einen Einblick in die Landschaft Floridas. Man fährt durch überwiegend unbewohntes Gelände, überall wächst und wuchert es in saftigstem grün, Palmen und Bäume wechseln sich ab und von den Laubbäumen hängt Spanish Moss herab, immer wieder gibt es Seen, die Fahrt hat uns sehr gut gefallen. Ich weiß auch nicht warum ich keine Bilder gemacht habe, vom Auto aus fotografiere ich sonst auch wenig, wenn dann mit Handy, das mußte aber als Navi dienen und fiel als Fotoapparat aus.
Auf der Höhe von Crystal River biegt man nach Westen auf den HW44 ab und ab da ist man richtig in der Wildnis. Zivilisation kilometerweit keine, kurz vor Inverness kam ein Plakat auf dem Airboot Touren angeboten wurden, leider auf der falschen Straßenseite und keine Wendemöglichkeit sonst hätten wir da angehalten. Hier war mehr Wasser als Land, kann ich mir sehr gut vorstellen dass es Spaß macht mit einem Airboot durch die Sümpfe zu fahren.
Die Strasse führte dann durch Inverness, ein hübscher Ort der ein richtiges Stadtzentrum hat, das nächste Mal wenn ich in der Ecke bin suche ich mir in einer Seitenstraße einen Parkplatz (die wenigen im Ortszentrum auf unserer Route waren besetzt) und schaue mir das Courthouse an und spaziere auf dem Bordwalk um den See. Wir wollten aber möglichst früh im
Ellie Schiller Homosassa Springs Wildlife SP sein und sind ohne Pause weiter gefahren. Kurz vor Erreichen des Parks fuhren wir durch ein ziemlich häßliches Einkaufs- und Geschäftsviertel und haben uns sehr gewundert als das Navi meinte: "Sie nähern sich dem Ziel", wo soll denn hier ein Park sein

auf dem Parkplatz vor dem unscheinbaren grauen Gebäude zu dem uns das Navigon gelotst hatte blieben wir stehen und tatsächlich war das das Visitorcenter. Ohne Navi wären wir sicher vorbei gefahren.
Innen gab es einen Andenkenshop und etliche Schaukästen mit Fotos und Zeitungsartikeln über den Park, alles sah irgendwie 50 Jahre alt aus (paßt doch schon wieder), die Zeitungsartikel in den Schaukästen lange vergilbt und die beiden Ranger waren bestimmt schon Rentner. Wenn man dann zum Hinterausgang des Visitor Centers raus kommt steht man an einem Fluß und von hier aus fährt ein Elektroboot in den Park. Wir mußten 10 Minuten warten (um halb 10 waren wir angekommen), dann fuhr das erste Boot. Kaum ist man ein paar Meter gefahren ist man in einer anderen Welt:

ein Mangrovenwald, fast schwarzes ganz stilles Wasser, sowas idyllisches habe ich lange nicht gesehen. Die Fahrt dauerte 20 Minuten und allein dafür lohnt der Besuch. Der Ranger der das Boot fuhr hat viel erzählt und auf Tiere hingewiesen

die meisten Fotos sind nix geworden weil ich mitten im Boot saß und immer irgendwelche Köpfe im Bild hatte, Aufstehen während der Fahrt durfte man nicht. Die schönen Schmuckenten, die wir gestern in Sea World gesehen haben, schwammen auf dem Fluß.
Hier kommt uns das zweite Boot leer entgegen, unsere Fahrt war heute die erste.

Von der Anlegestelle aus quert man eine Strasse, da ist dann der Westeingang des Parks wo man 13 $ Eintritt pro Person zahlen muss
Das Skulptur am Eingang zeigt die Hauptattraktion des Parks: die Manatees. Sie sind auch der Grund warum ich diesen Park ausgesucht hatte: Es gibt hier nämlich ein Unterwasserobservatorium wo man die Tiere in ihrem Element beobachten kann. Das Junge beißt seiner Mama übrigens nicht in die Flosse sondern es trinkt. Die Zitzen liegen in den "Achselhöhlen".
In diesem Park, der eigentlich ein kleiner Zoo ist, gibt es einen Rundweg von einer Meile. Ziel ist es die Tiere Floridas zu präsentieren, da wundert man sich natürlich über diesen Burschen hier:

Michael, darf ich vorstellen: das ist Lu

Lu wurde 1960 im Zoo von San Diego geboren und lebt seit 1964 hier im Park, also seit genau 50 Jahren. Mit dieser Zahl muss es was auf sich haben.

Er verdiente sein Futter als Darsteller in zahlreichen Filmen. Der Park war früher im Privatbesitz und als er vom Staat übernommen wurde hat man beschlossen alle exotischen Tiere zu verkaufen und nur noch in Florida einheimische Tiere zu zeigen. Viele Besucher des Parks schrieben daraufhin Briefe an den Governor von Florida mit der Bitte dass Lu bleiben darf.
"The Govenror declared Lu to be an Honorary Citizen of the State of Florida so he could live out his days at the park" 
Manchmal sind die Amerikaner echt zum Piepen, aber andererseits ist das doch eine elegante Lösung. Ich kann mir nicht vorstellen dass unseren Prinzipienreitern hier so etwas eingefallen wäre.
Vögel gab es besonders viele, das Fotofrafieren war nur nicht so einfach weil viele hinter Maschendraht gehalten werden und da macht meine Kamera oft Probleme. Meist war der Maschendraht scharf

die Pelikane haben mich wieder sehr begeistert

dieser junge Puma ist noch nicht lange im Park, er war verletzt und wurde hier gesund gepflegt, er ist jetzt an Menschen gewöhnt und kann nicht mehr ausgewildert werden. Es gab auch Luchse, Wölfe und Schwarzbären.

im Park finden regelmäßig Ranger Talks zu verschiedenen Themen statt, hier haben wir uns einen Vortrag über Alligatoren angehört. Leider durfte man das Tier nicht anfassen. Die Rangerin war Alligatoren Fan und hat sich sehr bemüht beim Publikum Verständnis für die Tiere zu wecken. Ich habe mir vor allem gemerkt dass Alligatoren eigentlich Angst vor Menschen haben und vor ihnen flüchten. Wurden Sie jedoch einmal von Menschen gefüttert sind sie gefährlich, denn dann ist "Mensch" gleichbedeutend mit "Futter" und die nächste Frau mit Handtasche die ihnen begegnet hat dann eine Handtasche und einen Arm weniger...darum ist Alligatoren füttern auch strengstens verboten, die Tiere sind wohl weder besonders intelligent, noch sehen sie gut. Es gibt heutzutage 1,5 bis 2 Millionen Alligatoren in Florida, der Bestand ist gesichert und sie dürfen jetzt zu bestimmten Zeiten wieder gejagt werden. Alligatoren leben nur im Süßwasser.

Black-necked Stilt

Crested Caracara (gehört zur Familie der Falken)

nicht alle Vögel leben in Käfigen, es kommen auch andere "zu Besuch" wie die folgenden beiden

im Park waren viele Ranger unterwegs, sie haben die Wege gefegt und die Käfige abgestaubt (kein Witz, da war einer mit einem Federbusch die Maschendrahtkäfige am Abstauben). Es waren alles Rentner, also so eine Beschäftigung könnte ich mir im Alter auch vorstellen.
Dann kamen wir zu den Manatees. Das Wasser ist ganz flach hier und völlig klar und es gibt viele Fische

Drei Manatees leben ganzjährig im Park, sie sind schon alt und werden viermal am Tag gefüttert. Sie sind deutlich dicker als die freilebenden Genossen. Im Winter ab dem 15. November werden die Tore zum Fluß geöffnet damit wilde Manatees hier im Fluß bei den warmen Quellen überwintern können. Im Winter kann man daher bis zu fünfzig Tiere sehen.

Bei der Fütterung haben wir natürlich zugesehen, es gab lecker Salatköpfe

Vom Unterwasserobservatorium aus:

Ist das nicht einfach klasse? Und morgen werden wir mit Manatees schwimmen gehen!

Hier ist die Absperrung zum Fluß hin, es gab auch noch ein Becken in dem verletzte Manatees behandelt werden.

Dieses graue Zeug das an ganz vielen Bäumen hängt ist Spanish Moss. Dazu gibt es eine lustige Geschichte die uns bei der Fahrt auf dem Boot erzählt wurde: das Moos ist ganz weich und früher wurden damit Matrazen und Autositze gestopft. Das Zeug wurde im Winter geerntet und wenn es nicht sterilisiert wurde erlebte man im Frühjahr seine Überraschung. So kam es zur ersten Rückrufaktion der Autogeschichte bei Ford, als Käfer aus den Sitzen krabbelten. Sozusagen ein Hardware-Bug

In der Nähe von Lu's Gehege machten wir eine Kaffeepause und sofort hatten wir Besuch

Nun sollte es einen Ranger Talk zu Flußpferden geben, aber Lu war nicht amused

Die Rangerin hat ihm einen Apfel zugeworfen, der prallte an seiner überdimensionalen Oberlippe ab und rollte ins Wasser. Lu hat uns nicht mal ignoriert. Diese Gelassenheit imponierte uns

Die Rangerin hat sich dann zu den ausgewachsenen Alligatoren gesellt (also natürlich nur vorm Gehege

) und über sie erzählt

also wer will hier schon schwimmen!

jetzt hatten wir eigentlich alles gesehen und nachdem wir diesen süßen Fratz beim Mittagessen beobachtet hatten gingen wir wieder zur Anlegestelle und fuhren mit dem Boot zurück (man hätte auch mit einer "Tram" über die Straße zurück fahren können, das war ein Pickup mit Anhänger und wäre schneller gegangen, aber mit dem Boot ist es ja viel schöner)

die Bootsfahrt war wieder traumhaft

ein verlassenes Adlernest

kurz vor der Anlegestelle lag dieser riesige Alligator mit Beute im Maul

Der Besuch im Ellie Schiller Homosassa Springs Wildlife State Park hat uns super gefallen und würde ich jedem Floridareisenden empfehlen!
Wir sind dann die paar Kilometer nach Crystal River zu unserem Hotel Plantation on the River gefahren. Es liegt nur wenige Meter von dem Hafen weg wo die Manatee Tour startet.

eine schöne weitläufige Anlage, die Flure wären mal renovierungsbedürftig, der Teppichboden war da ziemlich am Ende seiner Lebenszeit, aber die Zimmer waren schön und die Poolanlage mit Bar einfach super

Wir hatten ein Zimmer zum Parkplatz, die Zimmer zum Fluß bzw. Pool haben eine kleine Terrasse sind aber auch teurer.

an der Bar haben wir uns ein Bierchen und einen Burger als späten Lunch gegönnt und haben den Nachmittag am Pool verbracht.

Hier im Fluß kann man wohl auch Manatees beobachten, am Nachmittag waren aber keine hier. Das Hotel veranstaltet auch Manateetouren (allerdings teurer als bei Captain Maike wo wir gebucht hatten).
Zum Abendessen sind wir im Hotelrestaurant geblieben, nach dem späten Mittagessen gabs nur eine Suppe und Salat. Wer hier richtig speisen will muss seinen Geldbeutel aufmachen, ist ziemlich teuer hier.
Der Tag hat uns super gefallen und wir sind früh ins Bett gegangen, morgen müssen wir wegen der Manatee Tour früh aufstehen.