22. August Auf den Weg ans Meer, Abstecher inklusiveHeute machen wir uns auf den Weg zurück ans Meer, mit dem ein oder anderen Stopp dazwischen. Zuerst soll es an den längsten Fluss der iberischen Halbinsel gehen: dem
Rio Tejo (Tajo). Er entspringt im Gebirge östlich Madrids und fließt über 1000 km südwestlich bis in den Atlantik.
Ich habe die GPS-Koordinaten eines WoMo-Parkplatzes ins Navi eingegeben, doch das leitet uns ein wenig in die Irre. Offenbar missversteht TomTom die Landebahnen eines alten Militärflughafens als Straßen. So landen wir aber nur vor einem großen Absperrzaun. Also umdrehen und nach Gefühl weiter. Schließlich finden wir eine Straße mit entsprechender Ausschilderung zu unserem Ziel, einem ausreichend großen Parkplatz am Ufer des Tejo.

Das Wasser sieht hier ziemlich klar aus. Leider scheint der "Strand" auf der anderen Flussseite zu liegen.
Der Parkplatz ist hier wegen einer kleinen Insel, ein Granitfelsen von etwa 75 x 310 m Fläche. Schon die antiken Bewohner dieser Gegend, die Lusitaner, bebauten diese mit einer Festung, die auch die diversen Eroberer wie Römer und Mauren beibehielten. Von den letzten leitet sich auch der noch heutige Name
Castelo de Almourol ab.

Um Almourol ranken sich viele Geschichten über Duelle, Eroberungen und verhängnisvolle Liebe.
9. Jahrhundert: Donna Beatriz und der Mohr (Maure)
Beatriz war die Tochter des westgotischen Kriegers Dom Ramiro. Der grausame Kämpfer tötete für eine Tasse Wasser eine maurische Frau und ihre Tochter. Wenig später nahm er einen 11 Jahre alten maurischen Jungen gefangen und machte ihn zum Knappen auf der Burg Almourol, wo der Dom mit seiner Familie lebte. Was der Kämpfer aber nicht wusste: der Junge war der Sohn bzw. Bruder der beiden Ermordeten.
Aus Rache vergiftete der Knappe langsam die Frau bis sie schließlich starb. Während der Burgherr auf Kriegszug war, verliebten sich die Tochter Beatriz und der Junge ineinander. Dies erstickte die Rachegelüste des Mauren. Als Dom Ramiro vom Feldzug zurück kam, brachte er einen Ritter mit, dem er Beatriz als Frau versprochen hatte. Der Knappe berichtete Beatriz von den gräulichen Taten ihres Vaters – und seinem eigenen Mord an ihrer Mutter. Das Pärchen verschwand, niemand erfuhr je ihr weiteres Schicksal. Dom Ramiro starb von Gewissensbissen gequält.
Man sagt, in manchen Vollmondnächten kann man den Mohr noch sehen, wie er Beatriz umarmt. Und den Dom Ramiro kniend zu ihren Füßen, um ihre Vergebung flehend.
Eine zweite Geschichte handelt von der Eroberung der Burg aus den Händen der Mauren:
Im frühen 12. Jahrhundert war der arabische Emir Almorolon Burgherr auf der Felsinsel. Des Emir wunderschöne Tochter verliebte sich in einen christlichen Ritter. Sie ließ ihn jede Nacht in die festung hinein schleichen, damit sie Zeit miteinander verbringen konnten. Doch der Ritter nutzte das arme Mädchen nur aus. Eines Nachts öffnete er das Tor für seine Kameraden, die daraufhin die Burg eroberten. Almorolon und seine Tochter mit dem gebrochenen Herzen stürzten sich Arm im Arm von den Burgzinnen in den Fluss.Tatsächlich eroberte der erste portugiesische König die Festung auf der Felseninsel und übergab sie dann den Tempelrittern. Im Laufe der Jahrhunderte nahm die Bedeutung der Festung als Verteidigungsposten ab und sie verfiel. Ab den späten 1950er Jahren wurde die Burg langsam rekonstruiert.

Gern hätten wir uns das Castelo näher angesehen, aber das Fährboot hat leider gerade Mittagspause. An einer Stelle könnte man vielleicht sogar zu Fuß rüber kommen, aber dort stehen dicke Verbotsschilder. Daher endet unsere Stippvisite recht schnell. Auf diese Burg bin ich übrigens durch eine amerikanische Seite über Lego-Nachbauten aufmerksam geworden

Wir müssen dringendst tanken, daher fahren wir schnurstracks zum nächten größere Ort. Dort werden wir aber nicht fündig und es geht noch eine Ecke weiter bis Torres Novas. Das durstige WoMo kann sich dort bis oben hin volllaufen lassen. Ich stocke die Vorräte auf. Weiter geht es in Richtung Norden zum nächsten Ziel. Dabei durchqueren wir eine Hügellandschaft mit Kalksteinabbrüchen. Solchen Stein-Lastern kann man dort öfter begegnen...

bzw. hinterher zockeln. Ich möchte nicht unter
die Räder kommen
Auf dem Weg streifen wir außerdem einen der bedeutendsten katholischen Pilgerorte:
Fátima. Er ist bekannt für die Marienerscheinungen nebst Prophezeiungen und das
Sonnenwunder vom 13.10.1917. Wo früher nur ein kleines Dorf stand, findet der Pilger nun die viert-größte katholische Kirche der Welt mit 9000 Sitzplätzen, den momentan neuesten Kirchenbau und den weltgrößten Kirchplatz dazwischen. Und natürlich alles, was der Pilgertourist sonst noch braucht.

Unser Interesse gilt heute aber etwas anderem, so sehen wir im Vorbeifahren nur riesige Parkplätze. Die Gegend besteht auch aus Karst, daher findet man hier einige Tropfsteinhöhlen. Eine schmale Straße führt uns durch den Wald zum großen Parkplatz der
Grutas da Moeda.
Wir kommen grad recht zu einer Führung. Da wir die einzigen sind, die sie auf Englisch wünschen, kommen wir an die Spitze der Gruppe. So haben wir meist einen unverstellten Blick. Die Höhle hat eine Temperatur von konstant 18°, recht erfrischend nach der Sommerhitze draußen.

Von Raum zu Raum steigen wir bis 45 m in die Tiefe und bewundern, was das tropfende und fließende Wasser geformt und geschaffen hat.


Neben Stalagmiten und Stalagtiten sehen wir auch gespinstförmige Auswaschungen. Die Farbpalette reicht von weiß über rot nach braun. All diese Kammern haben bestimmte Namen die ich jetzt aber nicht mehr so recht zuordnen kann.


Leider sind auch schon Veränderungen durch den Einfluss der Führungen zu sehen. Zum Beispiel Algen, die sich aufgrund der Beleuchtung bei den Führungen an den Formationen ansiedeln.

Die Grotten zählen zu den sogenannten nassen Höhlen. Tatsächlich hören wir es beständig Tropfen und Rauschen. Ab und an können wir einen Blick auf unterirdische Bächlein und Teiche erhaschen. Im Winter und nach starkem Regensteht manchmal auch der Weg fußhoch unter Wasser.



die "Quelle der Tränen"

Die Führung dauert eine gute halbe Stunde, danach werden wir noch zu einem kleinen Drink eingeladen. Ich bin der Meinung, dass es hier mal eine coole Grotten-Bar gab. Nun aber sehen wir nur ein großes Gebäude mit Souvenirladen und Cafeteria. Immerhin bekommen wir noch den
Abafadinho da Moeda - einen Weinbrand, ähnlich dem Metaxa, aber mit weniger Umdrehungen.

Für Kerlie gibt es ein Eis. Die Grotte ist nicht die schönste oder eindrucksvollste aller Tropfsteinhöhlen, die wir besichtigt haben, doch eine nettes Ziel am Weg.
Die Fahrt geht jetzt weiter nach Westen zur Küste. Das Navi führt uns wieder reichlich komisch über allerlei Sträßchen und Dörfer. So kommen wir nicht an dem bekannten Kloster von Batalha vorbei. Aber für Besichtigungen ist es eh schon etwas spät. Wir passieren die Städte Leiria und Marinha Grande und kommen in den küstennahen Gürtel aus Pinienwald.
Schon 1463 diente
São Pedro de Moel dem Herzog in Leiria als Seewohnsitz. Noch heute gibt es dort mehr Feriendomizile als ständige Einwohner. Wir schlagen unser Quartier auf dem
Orbitur Campingplatz auf, am Ortseingang schön im Pinienwald gelegen. Ich bin froh, dass wir reserviert haben, denn es ist Freitagabend und schon ziemlich voll.
Ein Bad im Meer darf es noch sein, also machen wir uns mit "kleinem Gepäck" zu Fuß auf den Weg. Am ersten Kreisel ist "Praia" in zwei verschiedenen Richtungen ausgeschildert. Wir halten uns rechts und laufen einige hundert Meter an Ferienhäusern vorbei, ehe wir einen Strandabgang finden. Von der Klippe führt eine Treppe hinunter. Das Geröll an deren Fuß ist dann nicht gerade Badelatschen geeignet, gottlob hab wenigstens ich Turnschuhe an.

Es ist gar nicht mal so spät, erst gegen 19 Uhr, doch wir sind beinah die Einzigen hier.

Bei Flut ist die Ecke hier der Sandfeuchte nach zu urteilen nur ein äußerst schmaler Strand. Die Klippe und der Leuchtturm darauf heißen
Penedo da Saudade. Hier stürzte sich die Frau des letzten Herzogs vor Trauer von der Klippe, als ihr Ehemann hingerichtet wurde. Bei stürmischer See kann man angeblich immer noch ihr Klagen hören.

Wir finden eine größere Lücke zwischen den Felsen, wo Gatte und Kerlie sich gleich begeistert in die Brandung stürzen


Ich finde das Wasser erwartungsgemäß reichlich kalt, brr... Bin also schnell wieder draußen und schieße lieber ein paar Brandungsbilder.

Das Wasser läuft grad zur Ebbe ab, immer mehr Felsen zeigen sich. Jetzt kommen doch noch ein paar Besucher, menschliche Muschel"ernter". Wenn ich die denn essen dürfte, käme ich glatt in Versuchung mich ihnen anzuschließen.


Der Leuchtturm wäre ein netter Platz für den Sonnenuntergang, aber unsere Mägen protestieren

Naja, morgen ist auch noch ein Tag.