Autor Thema: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014  (Gelesen 44609 mal)

Paula

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #60 am: 30. Juni 2014, 10:08:07 »
schade dass das Wetter so schlecht war. Ansonsten erinnert mich Danzig an die Hansestadt Lübeck. Die Burg hätte mir auch gefallen, ich mag so alte Gemäuer.
Und die Katze ist ja putzig, wie sie aus dem Fenster schaut um zu gucken ob es wohl noch regnet  :)
Viele Grüße Paula

Andrea

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #61 am: 30. Juni 2014, 10:21:56 »
Ich glaube, Danzig wirkt nur wegen des Wetters so trostlos. Wenn ich mir das alles nämlich mit Sonne vorstelle, dann kann ich mir schon vorstellen, dass auch Danzig sehr schön ist. Okay, ich komme ja auch aus Hannover, da muss man die schönen Gebäude wirklich suchen...  ;)
Liebe Grüße, Andrea



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Birgit

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #62 am: 30. Juni 2014, 10:32:06 »
Ja, das stimmt! Danzig ist absolut "Stadt am Meer". Nun war ich in Lübeck nur mal kurz und auch schon vor längerer Zeit, aber ich dachte in Danzig sehr oft, wie hanseatisch es dort wirkt.

Und ja, Andrea, am nächsten Tag war das Wetter deutlich besser, das hatte echt versöhnt. Und natürlich war es auch ein Übersättigungseffekt nach mehreren schönen Städten.

Flicka

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #63 am: 30. Juni 2014, 15:02:26 »
Ich dachte bei den Fotos auch gleich, dass das alles bei Sonnenschein sicher ganz anders wirkt. Denn da waren schon viele schmucke Häuser dabei.

Was den Kanal angeht: Ich glaube, das hatte ich zuletzt mal im Fernsehen gesehen und fand es klasse. Schade, dass der Kanal derzeit renoviert wird. Aber was die Selbstvermarktung und den Zugang zu Informationen angeht, scheint man in Polen ähnlich wie in Frankreich gestrickt zu sein. Dort stößt man auch mit schöner Regelmäßigkeit auf Internetseiten, auf denen nicht mal Schließungstage oder Öffnungszeiten zu finden sind. Wenn man als besuchs- und zahlungswilliger Tourist durch solche Nachlässigkeiten abgeschreckt wird, ist es ja für beide Seiten schlecht.


Birgit

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #64 am: 30. Juni 2014, 16:06:26 »
Ja, sollte Polen mir mal einen Bewertungsbogen vorlegen, dann wäre die Kritik, die ich einzutragen hätte, sicherlich die Frage von strukturiertem Ausweisen dessen, was man machen kann, durchgehend vernünftige Beschreibung und Beschilderung. Die können so stolz auf ihr Land sein, warum dann nicht ein wenig mehr die Vorzüge in den Vordergrund stellen und sie bewerben?

Birgit

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #65 am: 01. Juli 2014, 07:45:28 »
SO, 15.6.2014: Solidarnosz und nach Zoppot

Reisen schlaucht, und wie ich feststellen muss, ist ein Roadtrip nicht nur in den USA anstrengend, sondern auch in Europa. ich stelle mir den Wecker nicht, schließlich will ich heute nur noch ein bisschen Danzig ansehen und dann nur die halbe Stunde nach Zoppot fahren. Mich drängt nichts, denn sollte ich heute in Danzig etwas verpassen, kann ich ja in den nächsten Tagen nochmals wieder kommen.

Als ich nach fast 9 Stunden Schlaf aufwache, scheint die Sonne vom Himmel. Ich beschließe nochmals in die Stadt zu rollern und Danzigs Innenstadt eine Chance zu geben. Gestern war die Stadt eben eine von vielen mit bunten Häusern, aber leider in sehr ungemütlicher Atmosphäre. Und siehe da, Danzig wirkt in der strahlenden Sonne deutlich freundlicher als gestern. Ich rollere nochmals etwa den gleichen Weg ab und schieße "Vergleichsfotos".








 
Dann sitze ich in der prallen Sonne in einem Café am Wasser und frühstücke sehr lecker.

Was mir von Danzig noch fehlt, ist das Danzig, das die Solidarnosz geprägt hat. Damals 1980 war halt immer mal ein Typ mit merkwürdigem Bart im Fernsehen, bei dem die Nachrichtensprecher sich offenbar lange Zeit nicht sicher waren, wie dessen Name ausgesprochen wird, Lech Walesa. Er hat hier gewirkt. Und aus diesem Grunde gibt es eine hochinteressante Ausstellung, in der man einen kurzen Einblick bekommt in das Leben mit dem Kommunismus. Die Eintrittskarte besteht aus Bezugsmarken. Man kann dann super aufbereitete Filmdokumente verfolgen mit Gegenständen aus der jeweiligen Zeit, in der der Weg des bröckelnden Kommunismus eindrucksvoll beschrieben wird.



 

Eigentlich hätte ich es wissen müssen, aber bis heute war mir nicht so ausdrücklich bewusst, dass Polen das erste Land war, in dem der Kommunismus beendet und eine Republik gegründet wurde- und das Land ist mit Recht stolz darauf.

Man kann sich hier schon so eine gute Stunde aufhalten und dann noch ein paar Schritte weiter gehen bis zum Denkmal für die Solidarnosz und dem Museum, das dort errichtet wird, wo der Widerstand begann, das ist die ehemalige Leninwerft. Leider wird dieses Museum - oder besser gesagt, Begegnungsstätte, erst Ende August eröffnet, aber ich bin trotzdem beeindruckt.









   

Es ist wieder mal ein Ort in Polen, in dem europäische Zeitgeschichte erlebbar und lebendig wird. In Krakau war es der Holocaust, Warschau habe ich viele Jahre lang verbunden mit trockenen Berichten in den Nachrichten von "hinter dem eisernen Vorhang" in den 80ern, dass beispielsweise ein Herr namens Jaruzelski das Kriegsrecht ausgerufen habe, hier in Danzig kann ich erfahren, wie diese Phase ihr Ende nahm. Eine runde Sache, wie ich finde, und Puzzleteilchen, die für mich Geschichtsunterricht waren, oder die schon Geschichte sind, obwohl sie zu der Zeit, als ich zur Schule ging und noch Geschichtsunterricht hatte, kaum absehbar waren, fügen sich sehr bildlich und spürbar zu einem Ganzen.

Es bleibt ein Land mit einem Volk, das in der eigenen Geschichte viel herumgeschubst wurde, und das meiner bescheidenen Ansicht nach den Sprung in das jetzige System mit Bravour geschafft hat. Ich fühle mich hier sehr wohl. Hier ist man echt auf Zack, es gibt kein Gegängel, alles geht sehr leicht und locker und fix.

Und man merkt, dass es hier weiter gehen soll, dass man sich nicht auf den mittlerweile schon 25 Jahren der dritten polnischen Republik ausruhen will, sondern weiter machen will, und das vor allem ganz offensichtlich ohne zu moralisieren und so, dass man allen anderen ihren Weg lässt. und das finde ich total angenehm zu spüren bei jedem Schritt, den ich in diesem Land mache.

Und so wie in den Köpfen mancher aus Westdeutschland, die immer noch von "Dunkeldeutschland" sprechen und noch nie in den nun schon nicht mehr ganz so neuen Bundesländern waren, die Mauer noch fallen muss, so musste auch in meinem Kopf die Mauer in Bezug auf "den Ostblock" fallen, und das ist auf dieser Reise durch Kultur und Natur und Geschichte dieses Landes geschehen. Polen ist somit mal wieder ein Land, in dem etwas begann.

Ich rollere über diese Themen nachdenkend wieder zum Hotel zurück, das übrigens ziemlich genau dort liegt, wo die ersten Schüsse des zweiten Weltkrieges fielen.

Ich setze mich ins Auto und mache mich auf nach Zoppot. Hier tobt heute, an dem schönen sonnigen Sonntag, der Bär!

Zoppot ist ein sehr nettes Seebad à la Binz: Quirlig, voll, traditionell und modern, aber am Strand ist genügend Platz. Eine Bar reiht sich an das nächste Restaurant.

Es ist noch zu früh zum Einchecken, aber mein Auto darf schon am Hotel stehen. Erst gehe ich an den Strand in einem der vielen niedlichen Strandlokale die Nase in die Sonne recken und ein paar Piroggen essen. Ich gehe auf die Seebrücke, die hier übrigens Eintritt kostet. Es ist die größte Seebrücke Europas mit über 500 Metern Länge. Hier finde ich eine windgeschützte Bank und mache weiter mit Ausruhen. Das ist ja das Herrliche an der See. Man kann sie mit geschlossenen Augen genießen und muss nichts tun um mitten drin zu sein und genau das Richtige zu machen.

















   
   


Ich kann in das sehr niedliche Zimmer in der Villa Sedan einchecken und fühle mich hier gleich sehr wohl.

Ich mache mich bald wieder auf den Weg, Idefix mal das Meer zeigen. Er mag zwar keinen Strand und stellt sich im Sand äußerst störrisch an, aber die Strandpromenade gefällt ihm gut. Hier entscheiden wir uns für den breiten Radweg neben dem Fußweg.



 

So langsam ist der Tag herum. Ich schätze, auch heute werde ich wieder herrlich schlafen!

Paula

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #66 am: 01. Juli 2014, 08:45:35 »
oh das Solidarnosz Museum schaut wirklich interessant aus! Ich erinnere mich gut an die Fernsehsendungen in den 80ern aus Polen, das ist das erste Stück Zeitgeschichte, das ich als Jugendliche bewußt mitbekommen habe. Nach Danzig muss ich unbedingt mal.

Und Zappot gefällt mir bestens, diese Seebrücke ist ja nicht nur lang sondern auch sehr breit, ja das kann ich mir gut vorstellen da eine Weile zu sitzen  :)
Viele Grüße Paula

Andrea

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #67 am: 01. Juli 2014, 08:55:29 »
Wusste ich´s doch, dass Sonne hilft, Danzig auch schön zu finden!  ;D

Wieder ein toller Tag! Ich habe übrigens 1989 Abitur gemacht und eines der Themen in Gemeinschaftskunde waren das Wettrüsten und Abrüstungsprogramme, Warschauer Pakt und Nato... Ein Jahr später habe ich meinen Lehrer getroffen und ihn gefragt, ob er nun seine Unterlagen an den Geschichtslehrer weitergegeben hätte.  ;)

Von daher ist das, was du da alles zeigst und beschreibst auch von mir erlebte Geschichte. Mit ähnlichen Erinnerungen (Walessa, Walensa, Walännsa...).

Aber die größte Seebrücke hätte ich - ganz ehrlich -  in England vermutet!
Liebe Grüße, Andrea



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Birgit

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #68 am: 01. Juli 2014, 14:15:08 »
Das freut mich total, dass ihr das nachempfinden könnt. Die Wende war damals für mich etwas ganz Besonderes. Ich habe fast geheult, als ich nach vielen Transitfahrten nach Berlin dann Anfang 1990 vor der offenen Mauer am Brandenburger Tor stand, meinen Pass nicht dabei hatte und der Grenzer einfach sagte 'ach, kein Problem, kommen Sie einfach bei mir wieder durch auf dem Rückweg.'

Mein Vater war 3 Jahre zuvor gestorben, 1986, war ein großer Berlinfan und somit hatte er mir da viel Bezug zu Berlin weiter gegeben und vor dem Brandenburger Tor standen wir oft und schauten rüber in eine völlig andere Welt.

Und auch in dem Museum und an der Werft war ich richtig gerührt und bin es nun wieder, wenn ich daran denke. Das hat nochmals vieles hervorgeholt...

Paula, ja, fahr nach Danzig und Zoppot, nimm Fahrräder mit und mach dir ein paar schöne Tage dort und in den Masuren!


Susan

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #69 am: 01. Juli 2014, 14:57:07 »
Uff, da hatte ich ja einiges aufzuholen.
Aufgewachsen bin ich gar nicht so weit weg von Hannover am Deister. Vor 40-45 Jahren sah das dort auch noch recht ländlich aus. Würde man heute kaum mehr vermuten.  ::)

Die Seen schreien ja geradezu nach Fahrrad und vielleicht Kayak, zumindest Boot. Und wenn es dann noch so tolle  Mohnblumenfelder gibt  :toothy9:  Wie schön, dass denn an der See auch wieder die Sonne schien!
Liebe Grüße
Susan


Birgit

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #70 am: 02. Juli 2014, 08:02:01 »
MO, 16.6.2014: Slowinski Nationalpark

Wieder acht Stunden Schlaf gehabt, perfekt!

Im Hotel gibt es ein tolles Frühstück, toll allerdings wohl vor allem für diejenigen, die Fisch und Fleisch schon morgens mögen. Aber es gibt auch Kuchen und Obst und Baguette mit Käse, Rührei und allerlei Salate, die mit meiner morgendlichen Aversion gegen zu viel Rohkost und zu viel Fleisch konform sind.

Überhaupt kann ich die Villa Sedan absolut empfehlen: Total schnuckeliges Hotel in einer alten Villa, gut in Schuss, super zentral, super freundlich, geschmackvoll. Einzig und allein: hellhörig ist das Haus, sodass man beispielsweise die alten Holzböden quietschen hört, wenn der Mensch im Nebenzimmer auf und ab geht. Und sehr klein sind die Zimmer. In meinem Doppelzimmer zur Einzelnutzung müsste Gast Nr. 2 im Bad sein oder regungslos im Bett liegen, wenn Gast Nr. 1 im Zimmer in Aktion ist.



Ich will heute in den Slowinski Nationalpark fahren, der ist zwei Stunden Fahrt entfernt. Hier gibt es riesige Wanderdünen zu betrachten.

Die Navi leitet mich sicher hin, und auch hier gibt es einen großen, bewachten Parkplatz. Und übrigens kostet der Eintritt nur 6 Zloty (1,5 Euro) und Parken 2,5 Zloty für die begonnene halbe Stunde. Von wegen Nationalparkpass für 80 USD oder 20 USD Einzeleintritt wie in den USA *grins*

Dank Idefix muss ich die 5,6 Kilometer zu den Dünen nicht zu Fuß, mit dem Elektrokarren oder einem Leihfahrrad zurücklegen, und wieder erntet der kleine Kerl jede Menge Aufmerksamkeit und Anerkennung. Auf der halben Stunde Hinrollern überhole ich wieder etliche Schulklassen. Finde ich übrigens gut, dass die Klassen hier alle immer eine Art Erkennungszeichen haben, alle haben jeweils rote Kappen, blaue Kappen, gelbe Halstücher oder grüne Rucksäcke, sodass die Lehrer immer genau wissen, worauf sie beim Zählen schauen müssen und verlorene Schäfchen ihre Gruppe schnell wiederfinden.



Die Dünen sind riesig, und das Hochstapfen ist anstrengend..Na gut, ist bestimmt gut für die Waden.

Die Kids machen sich einen Spaß draus mit einem Affenzahn die Dünen kreischend herunterzurennen oder seitlich zu rollen.

Hier sieht man Bäume, die von den Dünen erstickt wurden und nur noch vertrocknet herausragen. Die Dünen wandern je nach Wind um bis zu 10 Meter pro Jahr.

Ich stapfe bis zur Ostsee und laufe hier ein paar Minuten herum. Dann trete ich den Rückweg an, zuerst zu Fuß durch den Sand, dann von den Fahrradständern aus mit Idefix.



 







 

Es ist noch früh, und in Zoppot habe ich morgen noch einen ganzen Tag. Also möchte ich sehen, wie es auf der Halbinsel Hel so aussieht, eine sehr lange, sehr schmale Landzunge, auf die so gerade eben eine Straße, eine Bahnlinie und ein viel genutzter Radweg nebeneinander passen. Ich nehme also sozusagen den "Highway to Hel", auf dem ich auch glatt geblitzt werde. Ist das schon das Höllenfeuer? Bin gespannt, ob etwas bei mir ankommt und was das kostet, seufz!

Hier finde ich einen Parkplatz und muss mich zwischen dem begrünten Ufer zur Landseite und dem Strand auf der Seeseite entscheiden. Ich nehme natürlich die Seeseite, auch wenn es hier natürlich windiger ist. Es ist aber trotzdem gerade warm genug um im Sommerkleid nicht zu frieren. Ich ruhe mich ein wenig in der Sonne aus und lasse mich vom Rauschen des Windes und der See einlullen. Na, wenn das "the hel" ist, dann bleibe ich noch ein bisschen.





 

Das nächste Mal will ich eigentlich nur für ein Foto halten in einem winzigen Ort, der trotz der schmalen Insel eine Kirche hat, na ja, das muss hier so sein. Jedenfalls bietet der Ort eine bessere Aussicht auf das Ufer zur Landseite.

Allerdings gibt es hier ein nett aussehendes Ausflugslokal, und ich habe wahnsinnig Kohldampf. Hier bestellt man drin und sucht sich aus, was man will. Mir wird Heilbutt empfohlen und ich entscheide mich für die empfohlenen Kartoffelpuffer und zwei Salate aus der Salattheke als Beilage. Ich sitze an einem Tisch in einer sonnigen und windgeschützten Ecke und harre der Dinge, die da kommen.

Und was da kommt, ist sehr gut: Ein imposantes Stück butterweicher Fisch mit Kräuterbutter mit einem Berg der bestellten Beilagen. Das alles auf Plastiktellern, aber irgendwie cool. Das sind doch die Momente, von denen ein guter Urlaub lebt, nicht unbedingt in jedem Fall das im Reiseführer angepriesene Highlight.



 

Ich habe es fast geahnt, und genau so kam es. Nach dem unerwartet schönen relaxten Aufenthalt kann der Ort Hel selbst am Ende der Landzunge nicht mehr viel bieten. Man fährt auch zunächst an etwas bedrückend wirkendem militärischen Gelände vorbei, wo bei Androhung des Abschleppens Halteverbot herrscht. Und Hel selbst erfüllt mir nun endlich das in meinen stumpfen Vorurteilen gestrickte Bild eines polnischen abgelegenen Küstenortes: Ein sehr nüchterner Hafen, Zweckgebäude aus längst vergangenen Zeiten, irgendwie nun für "Modernes" wie Fitnessstudios genutzt, dazwischen wackelige Buden, die Essbares und Billigkitsch anbieten.



Der Ort versucht sich aufzuwerten mit Seehunden, die hier in einem kleinen traurigen Becken aus Beton gehalten werden. So traurig wie das Becken selbst wirken auch die Tiere, eines schnarcht vor sich hin.

Ich sehe zu, dass ich zurück komme und nehme in Zoppot noch in einem Pub nahe des Hotels einen Cocktail zu mir.

Andrea

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #71 am: 02. Juli 2014, 08:32:39 »
So wie das letzte Bild, so stellte ich mir Polen vor. Ein Glück, dass du diese Mauer bereits eingerissen hast!
Liebe Grüße, Andrea



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Birgit

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #72 am: 03. Juli 2014, 07:57:21 »
MI, 17.6.2014: Ostsee genießen in Zoppot

Der letzte Tag ist angebrochen. Der letzte Tag ist es deshalb, weil ich am kommenden Wochenende schon wieder etwas vorhabe und finde, dass die Reise von Süden nach Norden und von Stadt zu Landschaft so wie es ist eine runde Sache ist im Gegensatz zum Chaos meiner Wohnung, der zwei Tage Aufmerksamkeit gut tun werden. Also werde ich morgen den langen Ritt zurück in Angriff nehmen. Wenn es nicht klappt, kann ich sicher auch kurzfristig irgendwo ein Hotel finden. Ich habe ja genug Buchungsapps auf dem Handy.

Aber heute ist heute und ich will all das Gute, das das Land zu bieten hat, nochmals in vollen Zügen genießen. Das bedeutet, ich werde von morgens bis abends Bier trinken. Nein, natürlich werde ich das nicht, aber das Land verführt schon sehr zum Alkohol: Bier und Wodka sind billig und jederzeit überall zu haben. Geht man in einen Supermarkt, fällt erst einmal eine ganze Wand voll Bier auf, die alkoholfreien Getränke nehmen nur manchmal ebenso viel Platz ein. Und es scheint völlig selbstverständlich in offenbar allen Bevölkerungsschichten zu sein, mit der Flasche oder Büchse in der Hand oder dem Glas auf dem Tisch schon morgens um 10 zu beginnen.

OK, egal. Ich gehe durch den noch leeren Ort und kann bei schöner Sonne und fast ohne Menschen einige Aufnahmen machen um euch den Ort vorzustellen.









   

Ich gehe wieder auf die Seebrücke, suche mir eine sonnige und etwas windgeschützte Bank und lasse mir fast zwei Stunden die Sonne ins Gesicht scheinen.





Dann habe ich Hunger und keine Lust mehr und gehe zu einer der vielen Buden am Strand um ein paar Piroggen zu essen. Hier gibt es viel zu beobachten, natürlich wieder mal eins der vielen Brautpaare, Gruppen von Jugendlichen mit Bier, Familien und die ersten Schwimmer.











 

Inzwischen ist es windiger und wolkiger geworden, und ich habe keine Lust mehr, permanent die Jacke an- und wieder auszuziehen.

Was nun? Doch noch einmal nach Danzig? Nein, keine Lust auf Fahren. Also geht es ab in die Sauna. Hier gibt es nämlich einen Aquapark, zu dem Idefix mich nun bringen kann, und während er sich an eine "eiserne Lady" kuschelt um auf mich zu warten, werfe ich mich erst für einige hundert Meter in die Fluten und suche dann den Saunabereich auf, in dem fast nichts los ist und viel Platz.

Keine Ahnung, ob heute zufällig Frauensauna ist oder zufällig keine Männer da sind, jedenfalls ist kein Mannsbild zu sehen. Dennoch geht es bedeckter zu als in deutschen Saunen. Während ich als Ausländerin am Eingang prophylaktisch darauf hingewiesen wurde, dass man die Sauna ohne Badeanzug aufsuchen muss, sitzen hier so ziemlich alle Frauen in ihr Handtuch gehüllt. Nun ja, dem kann man sich ja anpassen.





Idefix an seinem originellen Fahrradständer:



Ich rollere zurück zu einem letzten Abendessen in der Stadt, gar nicht typisch polnisch, sondern sehr modern mit Spinat und Ziegenkäse und getrockneten Tomaten zum Geflügel, aber durchaus mit polnischem Bier, schließlich muss ich ja den Flüssigkeitshaushalt wieder ausgleichen...

 

Andrea

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #73 am: 03. Juli 2014, 08:21:42 »
Ein richtig schöner Relaxtag. Das entspannt schon fast beim Lesen und Bilder gucken!  :)
Liebe Grüße, Andrea



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Paula

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Re: 25 Jahre später... Eine Reise hinter die Mauer im Kopf - Polen 2014
« Antwort #74 am: 03. Juli 2014, 08:50:25 »
Birgit dieser Tag macht mir jetzt so richtig Lust auf Urlaub, übermorgen geht es los  :adieu:
ich hoffe in Holland und Belgien ist am Strand genauso schön! Und belgisches Bier kann bestimmt mit polnischem mithalten ;)
Viele Grüße Paula