Autor Thema: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.  (Gelesen 7014 mal)

Hatchcanyon

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Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« am: 03. Februar 2014, 12:07:36 »
Manchmal geschieht schon Merkwürdiges:

Plötzlich ist für 2014 Geld da, um die riesige radioaktive Halde im Norden von Moab weiter abzubauen. Sogar 38 Millionen $, also 2,2, Millionen mehr als erwartet. Und keiner weiss, wer dafür verantwortlich zeichnet.

Bei den nun fast 5 Jahre andauernden Aufräumarbeiten wurden bisher ca. 40% der insgesamt 16 Millionen Tonnen radioaktiven Abfalls abtransportiert und in einer neuen Deponie nördlich von Crescent Junction eingelagert.

Inzwischen weiss man auch, dass in der Halde noch andere unangenehme Funde warten werden. Man hat die alte Atlas Uranium Mill bei ihrem Abbau zum Teil hier vergraben. Nach alten Aufzeichnungen müssen dort auch riesige Säcke gefüllt mit Asbest liegen.

Gruss

Rolf

Andrea

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Re: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« Antwort #1 am: 03. Februar 2014, 22:03:17 »
Handelt es sich dabei um Abfälle aus dem Abbau von radioaktiven Stoffen oder auch aus Kernkraftwerken etc? Haben eigentlich die USA Atommüllendlager?
Liebe Grüße, Andrea



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Hatchcanyon

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Re: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« Antwort #2 am: 04. Februar 2014, 11:27:47 »
Handelt es sich dabei um Abfälle aus dem Abbau von radioaktiven Stoffen oder auch aus Kernkraftwerken etc? Haben eigentlich die USA Atommüllendlager?

Es handelt sich um Abfall der Atlas Uranium Mill, die zwischen Arches N.P. und der Brücke über den Colorado River stand und die abgebauten Erze der Minen rund um Moab aufbereitete.

Weitere Riesenmengen radioaktiven Abfalls befinden sich in Monticello und südlich des San Juan Rivers nahe bei Mexican Hat bzw. der River Bridge. Alle wenig gesichert. Das spezielle Problem in Moab ist, dass der Abfall bei grossen Fluten, wie sie in der Vergangenheit am Colorado River schon mehrfach auftraten, in die Stauseen Powell Reservoir und Mead Reservoir gespült werden könnten und damit das Wassersystem auf tausende Jahre hin verseuchen könnten.

Gruss

Rolf

Andrea

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Re: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« Antwort #3 am: 04. Februar 2014, 12:01:44 »
Na, prima...  :schreck:
Liebe Grüße, Andrea



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Hatchcanyon

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Re: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« Antwort #4 am: 04. Februar 2014, 12:31:17 »
Na, prima...  :schreck:

Allerdings!

Es hat Jahrzehnte gedauert, bis man die Dinge in Angriff nahm. Als die Sanierung Moabs parlamentarisch beschlossen war, ging die haftbare Betreiberfirma mal einfach Konkurs, hinterliess die schmutzige Angelegenheit dem Steuerzahler.

Bei Mexican Hat hat man 5 Millionen Tonnen mit Lehm und grobem Schotter abgedeckt, weil doch eine gewisse Distanz zum Fluss gegeben ist. Wenn man in Richtung Monument Valley fährt, kann man in nicht allzu grosser Entfernung hinter der River Bridge auf der linken Seite diesen grauen Schotterhaufen erkennen, der so gar nicht in die Gegend passt. Das Erz kam übrigens von den sog. Navajo Mines im benachbarten Little Capitan Valley. Angeblich die schmutzigsten Minen der ganzen USA, weil sich die Selbstverwaltung der Natives um nichts kümmerte/kümmern konnte. Man hatte die Natives wohl hinsichtlich der Gefahren ziemlich im Dunkeln gelassen.


Little Capitan Valley - nicht die Minen!

Für Monticello existiert eine Untersuchung des Utah Department of Health (aus 2012), die belegt, dass die Krebsraten in der Bevölkerung hoch sind - auch noch 50 Jahre nach Schliessung der örtlichen Uranverarbeitung (MMTS  = Monticell Mill Tailings Site)

Ein Zitat aus dem Bericht:
Zitat
This study found that the rate of lung and bronchial cancer was elevated for all periods that had a case count larger than three and significantly elevated during three consecutive periods: 1995-1999 (standardized incidence ratio [SIR]=3.3, 95% confidence interval = [1.5-6.2]), and 2000-2004 (SIR =2.8, [1.1-5.9]), and 2005-2009 (SIR = 3.6, [1.2-7.1]).
The lung and bronchial cancer rate was also elevated for males during the 1995-1999 study period (SIR = 3.5, [1.3-7.7]).
Lungcancer has been associated with exposure to radioactive heavy metals such as uranium. The methodology used in this study is unable to conclusively link the observed lung cancers to contaminant exposure from the MMTS. Although in conclusive, these results, like previous investigations, are consistent with an increased risk of lung cancer having resulted from exposure to the MMTS.

Diese bedenkliche Sachlage ist auch der Grund für die dringenden Warnungen, keine Stollen zu betreten. Man kann sich hochradioaktiver Strahlung und Gas (Radon) aussetzen - daneben auch noch Einsturzgefahr und zurückgelassenem, langsam zersetzenden Dynamit, das durch die Zersetzung wieder schlagzündbar wird. Auch das Suchen von Mineralien auf Halden ist oft nicht ohne. Ohne Geigerzähler sollte man das unterlassen.

Gruss

Rolf

Andrea

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Re: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« Antwort #5 am: 04. Februar 2014, 12:51:39 »
Man denkt ja gar nicht über so etwas nach, wenn man Urlaub macht. Und wenn ich da gerade an Thomas Reisebericht denke, wie viele Minen er besucht hat und wie interessant ich das durchaus fand, dann wird mir nun doch etwas komisch. Man sollte eben doch nicht nur durch die nostalgische Brille schauen (was ich niemanden und insbesondere Thomas nicht vorwerfe) und mal darüber nachdenken, wie sorglos mit gefährlichen Stoffen da umgegangen wurde und wird. Ich persönlich hätte da wohl bisher nur Sorge wegen der Einsturzgefahr gehabt und wäre vielleicht auch nicht bei jeder Mine informiert gewesen, was da abgebaut wurde.

Naja, und die anders aussehen Haufen mit Geröll o.ä. hätte ich aus purer Unwissenheit einfach nur interessant gefunden und hätte mich vielleicht durch Mitnahme eines Steins oder etwas Sand auch noch in Gefahr gebracht. Sch...

Danke für´s Aufmerksam machen und Sensibilisieren!
Liebe Grüße, Andrea



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Hatchcanyon

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Re: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« Antwort #6 am: 04. Februar 2014, 15:23:13 »
Danke für´s Aufmerksam machen und Sensibilisieren!

My pleasure!

Die Sachlage ist schon nicht ganz ohne. Kommt auch darauf an, wo man sich bewegt. Im Raum Silverton/Creede in Colorado gibt es zumindestens mal nicht die radioaktive Gefährdung, aber Einsturzgefahr und Dynamit schon. Und Vorsicht, manchmal ist man näher dran als man denkt. Zwischen Silverton und Durango führt der ungeteerte Bolam Pass hinüber in die Gegend um Telluride. An diesem Pass gibts alte Minen, die für ihre extreme Radon-Belastung berüchtigt sind. (Dort stehen ausnahmsweise Warnhinweise!) Der Grund ist darin zu suchen, dass sie westlich der Gesteinstrennlinie liegen, die ungefähr auf dem Coal Bank Pass die US 550 schneidet. Westlich ist geologisch Colorado Plateau und damit Uran-Gebiet.

Manche Mineneingänge liegen derart offen da wie dieser hier:

Das war im Übrigen auch ein Versuch, spaltbares Material abzubauen.

Oft wissen Touristen nichts von der Vergangenheit. Zwar gibt es in Visitor Centern und Broschüren genügend Warnungen, aber geschätzte 95% lesen das nicht weil es sie nicht interessiert (2/3 davon sind wahrscheinlich des Englischen nicht ausreichend mächtig).

Es gibt eine ganze Anzahl gerne gefahrener Routen, auf denen man der strahlenden Vergangenheit recht nahe kommt:

- die CO141, oft genutzt um von Moab in Richtung Black Canyon/Silverton/Durango zu fahren. Hier liegen die hochgradig problematischen Siedlungen Uravan und Naturita. Beide Schauplätze sehr aufwendiger Aufräumarbeiten, die sogar die Verlegung von Strassen notwendig machten.

- die Reds Canyon Loop in der San Rafael Swell
- die Temple Mountain Road im südlichen Abschnitt (ebenfalls Swell) nahe des Goblin Valleys (nicht betroffen)
- bei Paradox im gleichnamigen Valley findet sich die Department of Energy Uranium Reserve, auch auf Landkarten schauen macht Sinn, man findet den Radium Mountain.
- die UT 95 südlich von Hite bzw das benachbarte Red-/Blue-/Fry-/White Canyon-Gebiet
- u.v.m.

Dass der Grossraum Moab in jedem Fall dazu gehört und dort nichts einzeln aufgeführt werden muss dürfte klar sein. Weiterhin gehören die Orte Orte Jeffrey City, WY; Grants, NM an der Interstate 40; Ambrosia Lake NM zu den stark belasteten Orten. (Saint George, UT aus einem anderen Grund)

Man ging in der Vergangenheit mit dem Problem äusserst locker um, bis die Todesraten nicht mehr zu leugnen waren. Es gab Schmuckstück, in welche radioaktive Steine eingesetzt waren (Uranium Jewelry auf der Main in Moab), die Miss Atomic Energy 1955 Grand Junction bekam als Siegerpreis eine Lastwagenladung Uran vors Haus gekippt.

Bis heute gibts das:


Und in 1987 stand noch neben dem Best Western Greenwell in Moab ein Abfallcontainer, der nach Aufschrift für die öffentliche Beseitigung von radioaktivem Abfall bestimmt war. Kann sein, dass ich davon noch ein altes Dia besitze?

Es gibt ein hochinteressantes Buch zum Thema:
Yellowcake Towns
Michael A. Amundson
University Press of Colorado
ISBN 0-87081-662-4

Die Einleitung des Buchs ist hier in digitaler Form zu finden: Yellowcake Towns

Gruss

Rolf

Palo

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Re: Moabs radioaktive Altlast kann weiter abgebaut werden.
« Antwort #7 am: 05. Februar 2014, 05:20:37 »
Ganz Amerika ist verseucht, das wisst ihr nur nicht.

Offene Minenschachte gibt es ueberall im Westen, die sind nicht unbedingt verseucht, verlangen aber jaehrlich ihre Opfer. Ich denke da nur an die Bradshaw Mountains, die nur so mit Minenschachten gepfeffert sind.

Gruß

Palo