Da ich nächste Woche kaum Online komme gleich den letzten Tag mit hintendrauf!
18.Tag 17.7.2013, MittwochWird es heute ein letzter schöner Tag einer tollen Reise?
Nun, der erste Blick morgens um 7 Uhr aus dem Fenster verheißt (mal wieder) nichts Gutes.
Wie wir wissen muss man dem in Island aber auch nicht zuviel Bedeutung beimessen – auch heute ist „noch alles drin“.
Wir frühstücken erstmal gemütlich und packen unsere Sachen zusammen.
Sollten wir mal wieder in diese Gegend kommen haben wir uns einen Knick ins Ohr gemacht – hierher kehren wir gerne zurück.
Wir hatten gestern noch überlegt wie wir den letzten Tag gestalten sollten und uns für das Sogin-Gebiet auf der Halbinsel Reykjanes entschieden (von wo ja auch morgen unser Rückflug von Keflavik startet).
Eine Landschaft, die viele Facetten bieten soll – Vulkane, Seen, und bunte Berge – klingt gut und eine tolle Wanderung soll es dort auch geben.
Entgegen 99% der sonstigen Island-Reisenden sind wir inzwischen richtige Reykjanes-Fans geworden und können den auf den ersten Blick kargen Landschaften doch sehr viel abgewinnen. Man muss sich dort nur ein bisschen auf die Suche machen.
Mit dem von vielen Islandjüngern dagegen gehypten Snaefelsness konnten wir uns bisher nicht anfreunden – kann ja aber noch kommen.
Gegen 10 Uhr haben wir schnell den Großraum Reykjavik erreicht.

Am Straßenrand zeugen zwei dekorative Unfallwracks für einen Aha-Effekt.
Es gibt also auch Verkehrsunfälle in Island.
Trotzdem ist es wahrscheinlicher, daß man beim Laufen ein Schaf rammt.
An einer Tanke gibt es noch einen Kaffee und wir rufen bei ICR an ob wir das Auto statt am Flughafen auch beim vorgebuchten B&B in Keflavik abgeben können – kein Problem – wir machen eine Uhrzeit aus und dann soll der Wagen dort von ICR abgeholt werden, ohne uns Kosten dafür zu berechnen.
So gewinnt man Stammkunden.
Auf einer Aufnahme aus dem Internet waren in der Nähe von Hafnarfjördur grün bemooste Steine am Ufer einer Lavaküste abgelichtet, die Petra gerne noch vor die Linse bekommen würde. Also das Runde muss ins Eckige (nur mal andere Baustelle).
Laut unseren Informationen könnten die Steine in der Nähe eines Golfplatzes sein.
Etwas komisch kommen wir uns zwar schon vor, als wir statt mit Eisen Siebzehn mit unseren Stativen am Abschlag aus dem Clubhaus vorbeimarschieren.
Ein geteerter Weg führt entlang des angelegten Grüns, das auf der Meerseite den bemerkenswerten Kontrast der Lavafelsen bietet.

Ein paar Blümchen gibt's auch - und es war Sommer ...

Wir finden tatsächlich die Stelle die wir gesucht haben – nur die Ebbe die wir aus unserem Geldbeutel kennen, ist noch nicht so weit im Gange wie wir es für unsere Aufnahmen bräuchten.
Da wir schon mal hier sind machen wir trotzdem das Beste draus, klettern ein wenig in den Steinen und mühen uns ein paar Bilder ab.
Das eigentliche Highlight des Tages soll ja dann die Wanderung durch das Sogin-Gebiet werden – das Wetter ist inzwischen auf deutlich freundlichere Temperaturen mit diversen Sonnenstrahlen umgeschwenkt. Der morgendliche Regen ist schon wieder Geschichte.

Nur ein paar Autominuten westlich von Hafnarfjördur führt eine Piste nach Süden in ein landschaftlich bizarres aber hochinteressantes Gebiet.
Bemooste Lava soweit das Auge reicht ...

... mit Kratern ...

... und Vulkanbergen als Sahnehäubchen.

Einer dieser Vulkane, der markanteste der Region ist Keilir.
Durch seine vorgeschobene Stellung hebt er sich so deutlich durch seine Höhe von den umgebenden flachen Schildvulkanen und Lavafeldern ab, dass er geradezu als Wahrzeichen der Halbinsel gelten kann. Man erkennt ihn von Weitem an schönen Tagen selbst von der Südküste der Halbinsel Snaefelsness aus.

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt nach Süden haben wir einen kleinen Parkplatz erreicht, ziehen unsere Gummistiefel an, starten das GPS und wandern los.

Die Idee mit den Gummistiefeln erweist sich nur wenige Minuten später als goldrichtig als wir durch einen Canyon und einen seichten Fluß marschieren.

Das Gelände ist durch vorangegangene Regenfälle sehr weich, schlammig und matschig – normale Wanderschuhe könnte man sich hier schnell ruinieren.

Die Schlucht von Sogin wird jeden begeistern der die isländischen Farben mag.

Blau, grau, orange-rot, braun, türkis und obendrauf ein grüner Überzug wie eine Kuchengussmasse.


Wir wandern weiter und erreichen den Djupavatn, einen herrlich gelegenen See.



Wir folgen etwas oberhalb des Ufers einem Schafspfad dem See entlang.

Einen wirklichen Weg gibt es schon lange nicht mehr und dieser Weg verliert sich auch schnell in den Felsen.
Ein Weitergehen würde eine ziemliche Kletterpartie bedeuten worauf wir heute an unserem letzten Tag keine Lust haben.

Wir kehren also wieder um und gehen den Weg vom Parkplatz einfach in die andere Richtung.

Als Ziel ist der Spakonuvatn ausgegeben, ein weiterer See der höher am Berg zu finden sein soll.
Nach einem Aufstieg von einer knappen Stunde erreichen wir schließlich den See.
Wahrlich ein toller Anblick über halb Reykjanes – auch der markante Vulkan Keilir ist in der Ferne deutlich zu entdecken und außer ein paar Schafen genau wie schon vorher auf dem Weg zum Djupavatn – weit und breit kein Mensch zu sehen und das nur eine halbe Stunde von der Mega-Super-Duper-Metropole Reykjavik entfernt.


Überhaupt die ganze Gegend mit bemoosten Lavafeldern, Vulkankegeln und Kratern, dazu die bunten Liparitberge von Sogin auf die wir von hier oben hinab blicken, gefällt uns sehr sehr gut.


Nach 3 ½ Stunden Wandern haben wir mit diesem See einen tollen Abschluß unseres letzten Islandtages erlebt.

So ganz war es das aber noch nicht.

Da es noch früh am Abend ist, machen wir noch einen kurzen Abstecher vorbei an einigen Trockenfischgestellen ...

... zum Kleivarvatn, ...

... lassen es dort aber mit ein paar Aufnahmen bewenden.
Mit Arthur von ICR haben wir für den Abend die Wagenabgabe vereinbart und etwas zu Essen brauchen wir ja auch noch.
Letzteres absolvieren wir noch einmal „altbewährt“ auf dem Weg bei Castello Pizza in Hafnarfjördur.

Danach geht es auf die letzten Kilometer nach Keflavik zu Bernhards Bed & Breakfast.
Ein sehr komfortables Zimmer und überhaupt ein sehr geschmackvolles B&B mit wunderbaren Gastgebern.
Per Handy gebe ich Arthur Bescheid, daß er das Auto abholen kann und eine halbe Stunde später sind wir unseren treuen Japaner los.
Ich hoffe, man sieht sich …..

Auf dem Zimmer packt Petra unsere Koffer für morgen früh und ich überwache das mit dem ersten Feierabend-Bier.
Bei mir macht sich schon gedrückte Stimmung breit.
Island zu verlassen fällt mir jedes Mal schwerer.
Mit Arthur von Iceland Car Rental hatte ich eben noch ein nettes Gespräch.
Duschen, ein letztes Viking –
Island Du wirst uns fehlen...
Ü: Bernhards Bed & Breakfast
Abreise Wir müssen am nächsten Morgen so früh los, daß es für ein Frühstück nicht reicht. Unsere Gastgeber haben uns aber freundlicherweise ein Lunchpaket geschnürt mit allem drum und dran und wir haben das beste „Sandwich des Hauses“ für den Heimweg nach Franken im Gepäck – da kann ja nichts schiefgehen.
Ein Taxifahrer ist bereits bestellt der uns mit etwas schräger Musik zum Airport fährt und schon irgendwie unfassbar per Handschlag verabschiedet.
Auch das ist Island.
Am Airport gibt es unerwartet lange Schlangen beim Check In, da anscheinend alle Passagiere die sonst hier pro Woche aufschlagen gleichzeitig heute Morgen einchecken wollen.
Als Petra dann auf dem Damenklo etwas Wasser für das Schlucken einer Tablette holen will dies auch gegenüber der üblichen Schlange auf dem Damenklo erwähnt erntet sie den Spruch einer Landsfrau „das würde sie ja selbst nicht glauben“.
Tja, die Heimat ruft.
Fazit:Für uns ist Island inzwischen weit mehr als ein Reiseland.
Es ist für uns eine Herzensangelegenheit, so ein ganz besonderes Gefühl wenn wir nach monatelangem Entzug wieder hier sein dürfen.
Mehr kann man sich von einem Reiseland nicht wünschen. Mehr geht nicht.
Noch ein Spruch über Island den wir im Boardmagazin von Iceland Air lesen:
„Das Besondere an Island ist nicht nur die wunderbare Natur sondern auch daß der Premierminister im Telefonbuch steht“.
Danke für's mitlesen!

