1.Tag 30.6.2013, SonntagDer erste Protagonist dieser Reise ist unser Wecker, der uns morgens um 7 Uhr aus einem unruhigen Schlaf weckt.
Die letzten Tage haben Körner gekostet und wir waren mehr mit dem Tierarzt beschäftigt als mit unseren Reisevorbereitungen.
Zum Glück sind unsere Katzen während unserer Abwesenheit bestens versorgt - das beruhigt doch einigermaßen.
Wir laden die Koffer ins Auto und starten um 9 Uhr Richtung Flughafen München, bzw. zum daneben befindlichen Shuttle- und Parkplatzbetreiber Airparks, den wir 90 Minuten später erreichen.
Die kurze Shuttle-Fahrt zum Flughafen wird als die mit Abstand gefährlichste in die Geschichte dieser Reise eingehen.
Wie jemand als Berufsfahrer während der gesamten Fahrt völlig bekloppt auf seinem Smartphone rumtippen kann und dann einhändig in jedes Kürvchen brettert als wenn wir ein Dauer-Abo für Achterbahnfahrten gebucht hätten, wird uns auf ewig ein Rätsel bleiben. Hier hätte sich die Einnahme von Reisetabletten wie man sie vor einer üblen Schiffspassage auf rauer hoher See benötigt hätte, absolut gelohnt.
Nicht verwunderlich ist dann, daß wir auch noch bei C statt bei D am Terminal abgeladen werden - aber Hauptsache raus aus dem Bus, damit sich der Magen wieder beruhigen kann.
Der Check In bei Icelandair verläuft dagegen unproblematisch, nur den 3.Koffer den wir kostenpflichtig für 35€ dazu nehmen (und den wir dann in der Unterkunft in Reykjavik für die Tage die wir in Grönland sind deponieren wollen) verschafft uns noch mal eine kleine Wartezeit - die 35€ können nur bar bezahlt werden (!?) und dazu braucht man eine Kasse die die Dame von Icelandair scheinbar aus einer Bank in der Downtown von München holen gehen muss, denn wir warten eine geschlagene Viertelstunde bis sie mit dem eckigen Kästchen zurückkommt.
Nun, das ist kein Problem - wir sind diesmal mit genügend Zeit zum Flughafen gefahren.
Die zwei Stunden bis zum Abflug vertreiben wir uns mit unseren selbstgestrickten Broten und Getränken und schnaufen erst einmal durch, die erste Hürde ist geschafft, wir sind tatsächlich am Flughafen und immerhin auch schon unsere Koffer los.
Irgendwann wird es Zeit durch die Security zu gehen - immer wieder aufs Neue schön wie man zu Hause alles durchdacht, wohlüberlegt und säuberlich in seinen Rucksack packt um es dann dank eines Security Checks irgendeines Teils das im Rucksack ganz unten liegt völlig hektisch und chaotisch wieder zurück in denselben zu würgen.
Es hat inzwischen eine gewisse Tradition, daß wir uns im Duty Free Shop etwas Hochprozentiges für den Schlaftrunk mitnehmen - meist Gin, den man dann mit der Schweppes Tonic, die es in Island fast überall gibt zu einem netten GinTonic kombinieren kann.
Pünktlich heben wir um kurz nach 14 Uhr ab, sehen uns im Flugzeug einen isländischen Film an (der unerwartet richtig gut ist - eine schräge Komödie um eine Hochzeit), kaufen an Bord gleich eine Sim-Karte mit Telefon- und Internetguthaben und relativ schnell sind die 4 Stunden um und wir landen in Keflavik, dem Internationalen Flughafen Islands - etwa eine Stunde westlich der Hauptstadt Reykjavik.
Zurück in Island - was für ein Gefühl !

Island - das ist für uns Zauber, Magie, Schönheit, unbändige Kraft und Abenteuer und - die Gewissheit - dass man nie weiß was dieses Land diesmal mit uns vorhat.
Zunächst können wir dieses wundervolle Land allerdings nur wenige Stunden genießen. Bereits morgen Mittag geht unser Flug weiter nach Grönland.
Wir hatten uns durchgerechnet, daß es kaum mehr kostet uns für diesen halben Tag einen kleinen Mietwagen zu nehmen und die Stunden zu nutzen als mit Taxi oder Bus nach Reykjavik zu fahren.
Das war eine sehr gute Idee, denn Island empfängt uns ungewöhnlicherweise mit strahlendem Sonnenschein.
Bei der Gepäckausgabe gibt es unterirdisch einen kleinen Supermarkt – der kennt uns schon – denn hier wurde auch bei unseren beiden vorangegangenen Ankünften in Keflavik die erste Notversorgung an Getränken sichergestellt.
In der Ankunftshalle wartet Arthur von ICR schon mit einem Namensschild auf uns. Wie schon beim letzten Mal vertrauen wir auch diesmal dem Mietwagenvermieter ICR und mit Arthur, den wir auch 2010 schon kennen- gelernt hatten, gab es sehr netten und völlig unkomplizierten Kontakt.
Arthur führt uns zu unserem Mietwagen, einem Suzuki Liana. Im Wagen werden schnell die Vertragspapiere ausgefüllt und die Kreditkarte gezückt. Von Arthur erfahren wir, daß der isländische Sommer bis auf eine Handvoll Tage bis jetzt ausgefallen ist. Dann hoffen wir mal, daß wir da mehr Glück haben.
Den Suzuki sollen wir morgen einfach am Airport in Reykjavik unverschlossen irgendwo abstellen und den Schlüssel ins Handschuhfach legen. Man würde den Wagen schon finden - und klauen ... das kommt hier nicht vor. Wir müssen uns erst wieder daran gewöhnen, daß wir in Island sind.

Es ist inzwischen 17 Uhr Ortszeit (2 Stunden Zeitverschiebung zu uns - also 2 Stunden hinterher) als wir das Flughafengelände verlassen und auf die 425 entlang der Westküste der Halbinsel Reykjanes nach Süden unterwegs sind.
An der kleinen "Brücke über die Kontinente", die einen Graben, der die amerikanische und europäische Erdplatte trennt überspannt, fahren wir achtlos vorbei. Vor 4 Jahren hatten wir hier mal gehalten und das ganze für Nonsens befunden - was der Sache sicher auch ziemlich nahe kommt.

Unser Ziel ist da schon wesentlich lohnender - die heißen Quellen und Fumarolen von Gunnuvher.

So schön das Wetter auch ist - der Wind bläst in einer Orkanstärke wie wir es bisher in Island noch nicht oft erlebt haben - obwohl der Wind hier immer eine tragende Rolle spielt.
Definitv kein Wetter für Toupetträger.....

Dementsprechend peitscht der Qualm der Quellen in ständig wechselnder Richtung waagerecht über die Wege und Filmen und Fotografieren wird zum Himmelfahrtskommando für unsere Kameras und Objektive.

Wir fahren einen Feldweg zu einigen weiter entfernt liegenden Quellen.


Ein tolles, farbenfrohes Gebiet, das uns viel Spaß macht ...

... und der Aufstieg auf einen Hügel belohnt uns mit einem klasse Blick über einen See und das Kraftwerk, das neben dem Thermalgebiet die Erdwärme in Energie umwandelt.

Weiter führt unser Weg nach Osten. Sowas wie ein Geheimtipp ist das Brimketill - ein natürliches Felsenbecken in dem sich wie in einem Pool das Meerwasser sammelt.
Laut meiner Beschreibung habe ich von einem unscheinbaren Holzwegweiser gelesen der tatsächlich so unscheinbar ist, daß wir daran vorbeidonnern.
Erst im letzten Moment sehen wir das Hinweisschild, das auch gut auf einem Grab eines Goldsuchers im 19. Jahrhundert stehen könnte und dessen Buchstaben nur entziffern kann, wenn man auch weiß was drauf stehen soll.
Eine kurze Piste führt Richtung Meer und dann geht es weglos noch etwa 200 Meter über zerklüftete Lavafelsen. Wir erreichen die Lavaklippen und blicken hinab zum Meer und tatsächlich, ...

... da liegt es, das Brimketill.

Das Meer klatscht so aufbrausend gegen die Felsen, daß man selbst hier oberhalb aufpassen muss keine Dusche zu bekommen.
Was uns zumindest hier gelingt, auf dieses Thema kommen wir noch einmal zurück.

Es wird Zeit sich auf den Weg nach Reykjavik zu machen. Einen kleinen Fotostop legen wir noch um die Blaue Lagune ein, Islands Vorzeige- (und einziges wirkliches Nepp-) Ziel.
Island steht ja eigentlich für kostenlose Natur und Parks - die Blaue Lagune ist da eine unrühmliche Ausnahme aber eben derart beliebt, daß auch die 35€ Eintritt die man inzwischen für einen Besuch berappen darf noch nicht genug abschrecken und auch nicht, daß man hygienisch dort inzwischen schon grenzwertige Erfahrungen machen darf.
Haare, Pflaster, Müll – wer hier auf den Knien auf Tauchgang geht kann sich seine ganz besonderen Souvenirs mit nach Hause nehmen.
Die sollen dann aber immerhin kostenlos sein.
Da es schon langsam auf 20 Uhr zugeht, legen wir gleich mal die neue Simkarte ins Handy und rufen bei unserer Unterkunft an, daß es noch etwas später wird. Wenn wir vor 23 Uhr kämen – kein Problem.
Heute haben wir keine Kochgelegenheit beim Zimmer mit dabei (was im Stadtgebiet von Reykjavik auch nicht so leicht zu bekommen ist wie außerhalb) und wir erinnern uns an eine gute Pizzeria bei Hafnarfjördur das wir gerade passieren.
Petra weiß auch noch wo wir hinfahren müssen und so sitzen wir eine Viertelstunde später draußen in der Sonne, gönnen uns schon mal ein Tuborg Light dazu und genießen die ausgezeichnete Pizza und überhaupt, daß wir hier sitzen können. Vor ein paar Tagen sah das ja alles noch ganz anders aus. Übrigens, schon mal eine wirklich wesentliche Info: die Supermärkte und Tankstellen in Island dürfen nur Lightbier um die 2,5 % verkaufen – wer richtiges Bier haben will muss in eine Vinbudin, die es nur in den Städten und großen Orten gibt.

Wir fahren weiter nach Reykjavik.
Reykjavik – das ist Islands absolute Monstermetropole – die Überstadt, der Moloch, das Kairo und Mexico City Islands.
Ok, etwas dick aufgetragen für ein Kaff mit gut 100.000 Einwohnern.
Aber – rechnet man zum Großraum Reykjavik noch die nur wenige Kilometer entfernten Hafnarfjördur und Kopavogur dazu leben fast zwei Drittel aller Isländer hier.
Also 200.000 von 300.00. Mehr sind es ja nun mal nicht.

Wir navigieren durch die Stadt und erreichen das Palshus Guesthouse direkt hinter dem Domestic Airport Reykjaviks. Man könnte meinen, wir hätten uns mit der Auswahl dieser Unterkunft etwas gedacht.
Petra – bei jeder unserer Reisen „Zimmerbeauftragte“ hat hier für bezahlbares Geld eine Unterkunft mit guter Lage gefunden, die wir nach unserem Grönlandtrip und der abendlichen Rückkunft von dort noch einmal wahrnehmen werden.
Das hat den Vorteil, daß wir unseren dritten Koffer, der u.a. die Gummistiefel, die Wathose, unsere Schlafsäcke usw. beheimatet (und den wir bei je 1 erlaubten Gepäckstück auf dem Grönlandflug sowieso nicht mitnehmen können) hier bei der Gastgeberfamilie lassen dürfen, was Petra schon vorher per E-Mail abgeklärt hatte.

Das Zimmer ist wie üblich in Island sehr sauber aber extrem klein.
Wenn man sich einen Spucknapf mit Vorhängen vorstellt ….. getroffen.
Gut, daß sich im Zimmer gegenüber niemand eingemietet hat – so können wir die Koffer in den Mini-Gang stellen – sonst hätten wir nicht mal mehr ins Zimmer gepasst (was natürlich hauptsächlich an Petras Leibesfülle liegt).
Eigentlich sind wir todmüde aber jetzt so gegen 22 Uhr ist das Licht gerade so schön – und Reykjavik haben wir noch nie mit Sonne gesehen – also letzte Reserven mobilisieren und noch einmal los.

Wir fahren zur Halgrimskirkja – dem absoluten Wahrzeichen Reykjaviks – eine Kirche deren Äußeres Lavabasaltsäulen nachempfunden ist – ein architektonisches Meisterwerk. Überhaupt, die Isländer sind ein recht kreatives Volk, das u.a. Kunst und Literatur sehr hoch hält.
Die Kirche und die Statue von Leif Eriksson dem ja vor rund 1000 Jahren die Entdeckung Amerikas nachgesagt wird, leuchten im Abendlicht – fantastisch.

Ein letzter Stop am Wikingerschiff unten an der Hafenstraße und gegen 23 Uhr sinken wir erschlagen aufs Bett, ein letzter Schlummertrunk der uns fast aus den Händen gleitet und schon sind wir im Reich der Träume die uns schon nach Ilulissat Grönland geleiten – für uns ein absolutes Traumziel – also passt es ja auch, daß wir zumindest gedanklich bereits auf dem Weg dorthin sind.
Übernachtung: Palshus, Reykjavik
Bild des Tages:
Gunnuvher - Islands Natur empfängt uns gebührend stürmisch.
