2. Tag Freitag 30.8.13 Auf dem Weg zum Yellowstone: Schritt1 bis CheyenneDas Hotelbett war sehr bequem, trotzdem war ich um 1 Uhr nachts wach, das wäre 9 Uhr in Deutschland, der Jetlag läßt grüßen, mein Freund wurde auch wach. Nach einiger Zeit sind wir beide wieder eingeschlafen und der Wecker weckte um 6:30 Uhr. Mein Schädel brummte etwas aber ich war einigermaßen ausgeschlafen. Da beginnt das Abenteuer Amerika: willkommen im Land der Badezimmerarmaturenamateure. Das hatte ich ganz vergessen dass das immer anders funktioniert, nach einigem drehen, ziehen und hebeln an der Armatur kam schließlich heißes Wasser.
Das Hotelfrühstück war bescheiden: nur Plastikbesteck und Geschirr sogar die bei uns schon lange verschwundenen Styroporbecher, Waffeln, Bagels, diverse Süßteilchen und Weißbrot, Creamcheese und geschälte, kalte, hartgekochte Eier zum warm machen in der Mikrowelle. Dazu allerlei bunte Cerealien, Äpfel und Bananen. Mein Freund meinte: das Frühstück kann noch besser werden, er ißt nämlich morgens immer Wurst und Käse, nix süßes.
Der Shuttleservice zum Flughafen und der Shuttle zu Alamo kamen beide prompt. Es stand niemand vor uns in der Warteschlange und wir ließen uns diesmal keine Zusatzversicherung aufschwatzen, einen Midsize SUV haben wir gebucht. In der Choice Line standen nur 3 Autos! 2 Chevrolet und ein VW Tiguan mit Allradantrieb, der wurde umgehend gecheckt: Ersatzrad und Wagenheber waren vorhanden, am Tacho etwas über 30.000 Meilen, gute Reifen, den nehmen wir! Josef war glücklich dass er nicht mit einem amerikanischen Wagen fahren muss, er hatte auf einen Koreaner oder Toyota gehofft, VW ist natürlich noch besser.
Wir haben wirklich Glück gehabt, eine Minute später kommt das amerikanische Paar, das auch im Shuttlebus saß und muss einen Chevi nehmen.
Das Navigon mit der Amerikakarte von 2010 wurde angestöpselt und dann ging es erst mal zum Walmart Supercenter für die Grundausstattung an Getränken (das wunderbare lila Gatrorade light und Starbucks Kaffee in Glasflaschen, lecker!

), Knabberzeug und Kühlbox. SIM Karten gab es leider nicht, ich hatte eigentlich überlegt eine amerikanische SIM Karte zu kaufen, naja so dringend ist das nicht, WLAN wird es ja wohl überall geben.
Es war dann schon 11 Uhr, total warm und schwül, bestimmt 30 Grad und ich ließ Josef entscheiden: entweder fahren wir jetzt gleich nach Cheyenne und legen uns an den Hotelpool (wär schon was bei dem Wetter und nach Boulder kommen wir gegen Ende des Urlaubs vielleicht wieder zurück) oder wir fahren nach Boulder zum wandern. Mein Freund ist nicht der Typ der gern faul am Pool liegt (dass wir nicht mehr nach Colorado kommen würden hat er natürlich nicht geahnt), also auf zum Royal Arch Trail. Leider haben wir vergessen im Supermarkt nach Strassenkarten zu schauen (dass ich besser wieder zurück gegangen wäre war mir da noch nicht bewußt), aber das Navi fand problemlos zum Chautauqua Park im Westen von Boulder. Der Park ist wohl sehr beliebt, wir bekamen kaum noch einen Parkplatz. Es gab Picknicktische und wir tranken erst mal einen kalten Kaffee im Schatten eines riesigen Baumes.

Ich dachte ja Chautauqua sei einfach ein Eigenname, das stimmt aber nicht, ein Schild gibt Auskunft:
„Chautauqua“ was that idea of communal summer learning and play that started in New York in 1876 and quickly swept across the nation to 10,000 communities. Along with the Chautauqua Movement came the popularity of useful leisure , including outdoor play. Most Americans believed that nature could uplift both the heart and the mind. And nowhere better than beneath the “Chautauqua Slab” of Boulder.Ein Besucher dieser Outdoorvolkshochschule:

unser erstes Wildlife in diesem Urlaub

Wo die Wanderwege beginnen gibt es sogar ein Rangerhäuschen

hier bekamen wir eine Wanderkarte und der einfachste Weg wurde aufgemalt und erklärt, ein super Service, das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Gleich am Anfang sah man die berühmten Flatirons von Boulder

das Foto gibt die Farbe nicht richtig wieder, die waren richtig rot.
Der Weg war bestens beschildert, man konnte nix falsch machen.

Es war richtig heiß und das Sonnenspray lag noch irgendwo im Koffer, blauer Himmel und es ging gleich bergan. Der Weg führte bald durch Kiefernwald

manchmal war es auch felsig und man ging über Geröllhalden

und jetzt waren wir auch näher an den Flatirons Felsen, hier stimmt die Farbe am Foto

wir waren nicht alleine unterwegs, ein älteres Paar kam uns entgegen, sie waren am Arch und fanden ihn toll. Es geht allerdings vorher nochmal steil runter und dann das letzte Stück noch mal steil rauf bis zum Arch.
Sieht man hier am Weg, dass es wirklich steil war?

Ich war irgendwie völlig fertig, zuhause machen mir solche Wege nichts aus, hier war es aber sehr schwül, immerhin sind Wolken aufgezogen, es war etwas schattiger geworden. Wir machten eine Pause und ich habe mir spaßeshalber den Puls gemessen: 160!

kein Wunder dass mir leicht übel war, das ist definitiv zu viel. Josef meinte wir könnten auch umdrehen aber das kam nun gar nicht in Frage. Die ältere Engländerin eben hat es schließlich auch geschafft, da packte mich jetzt der Ehrgeiz. Wir sind jetzt aber langsamer weitergegangen.
Und dann trafen wir doch wirklich das Paar, das wir heute morgen im Alamo-Shuttlebus kennengelernt haben, manchmal ist die Welt wirklich klein. Sie waren schon auf dem Rückweg (haben aber auch keine längere Stunde im Walmart mit Shoppen verbracht) und wollten noch in den Rocky Mountain NP. Es waren auch viele junge Leute unterwegs, wahrscheinlich Studenten, Boulder ist ja Universtätstadt.
Nach dem steilen Abstieg der hier folgte:

sah man in der Ferne schon den Royal Arch und hatte ihn bald erreicht:

ich hatte ihn mir viel kleiner vorgestellt. Er war schwer zu fotografieren zum Größenvergleich zeige ich euch folgendes Bild obwohl es zu dunkel geraten ist

Es ist wirklich beeindruckend wenn man dort drunter steht und auf der anderen Seite hatte man einen tollen Blick auf Boulder:

An zwei Stellen ist der Arch gebrochen, wie lange er wohl noch steht?

Ich war jedenfalls sehr froh, dass ich es bis hierhin geschafft habe! Auf dem Rückweg fing es zu tröpfeln an darum entschieden wir uns nicht die Runde mit dem längeren Rückweg zu gehen sondern gehen den gleichen Weg zurück, der Regen wurde aber nicht stärker. Es gab auch eine Schutzhütte, in der man auch grillen kann

Es war ein schöner Weg aber jetzt war ich echt froh, dass ich wieder unten war. Am Rand des Parks stehen etliche Häuser, als Wochenendhaus würde mir das auch gefallen:

am Rückweg
Nun ging es weiter nach Cheyenne. Josef startete den Motor und prompt blinkt eine Warnanzeige "Service now", das kann doch jetzt echt nicht wahr sein, dass hat er doch heute Morgen nicht angezeigt. Wir hatten jetzt wirklich keine Lust nach Denver zurück zu fahren und den Wagen zu tauschen, wir ignorierten die Anzeige und machten uns auf den Weg nach Cheyenne. An der I-25 kurz nach der Grenze zu Wyoming hielten wir am 2012 neu gebauten Wyoming Welcome Center in der Hoffnung dort eine Strassenkarte zu bekommen. Leider gab es nur eine kostenlose sehr grobe Touristenkarte aber etliches an Infomaterial das wir auch noch einpackten. Es gab eine schöne Ausstellung mit einem Mammutskelett:

In Wyoming gibt es 60 Ausgrabungstätten wo Mammuts gefunden wurden und natürlich Dinosaurier und sonstige ausgestorbene Tiere und Pflanzen
Auch die Geschichte der Siedler und der örtlichen Indianer ist ausgestellt mit Planwagen, Tipi, vielen Fotos, das ist wirklich interessant gemacht und lohnt den Stopp. Es liegt direkt an der Interstate an der Ausfahrt 4.

Kurz danach waren wir am Hotel dem Little America Cheyenne. Eine sehr schöne Anlage und ein schönes großes Zimmer für 109 $ plus Tax:

Das Zimmer hatte einen Balkon mit Blick auf den Innenhof mit Pool

Leider war der Lärm von der benachbarten Interstate so laut, dass wir keine Lust hatten uns auf den Balkon zu setzten. Witzigerweise war im Bad nicht nur die Kaffeemaschine (das hat man öfter gesehen) sondern auch der Kühlschrank und die Mikrowelle (Küche im Klo…) Bügelbrett und Eisen ist auch wieder vorhanden (nicht dass ich vorhätte sowas zu benutzen).
Josef hatte in Cheyenne das angeblich einzige koreanische Restaurant Wyomings im Internet gefunden, allerdings war es geschlossen und stand zum Verkauf. Es gab aber auch ein chinesisches Restaurant am anderen Ende der Stadt und so kamen wir noch zu einer Stadtrundfahrt, besichtigten wie typische amerikanische Touristen das Kapitol und die Kathedrale vom Auto aus.
Der Chinese hatte zum Glück geöffnet. Das Essen war wirklich gut die Portionen amerikanisch sprich riesig, mindestens doppelt soviel wie man beim Chinesen in Deutschland bekommt. Die Rechnung war dagegen deutlich geringer und wir schlugen 15 % Trinkgeld drauf. Das war wohl mehr als hier üblich ist, der Kellner (Besitzer?) freute sich riesig und holte seine einjährige Tochter damit sie uns zum Abschied winkt.
Kennt sich jemand mit den Gepflogenheiten beim Trinkgeld in den verschiedenen Gegenden aus? Wir hatten öfter den Eindruck, dass 15 % deutlich mehr ist als in Wyoming oder South Dakota erwartet wird. Manchmal konnten wir an Nachbartischen beobachten wieviel Trinkgeld gegeben wurde und das war eher so wie in Deutschland wo ein Betrag aufgerundet wird, also maximal 10 %. In Utah vor 3 Jahren wurde definitiv mehr erwartet. Da stand oft schon ein Trinkgeldvorschlag auf der Rechnung (und das waren dann eher 20 %), das gab es in diesem Urlaub überhaupt nicht.
Gegen 21 Uhr waren wir im Bett aber leider um 2 Uhr wieder wach, wir konnten beide nicht schlafen. Eure Beiträge zum Thema "Service now" haben mich doch sehr beruhigt. Die allgemeine eumerika Meinung war: "ignoriere den Quatsch" -genau! Wir haben eine halbe Stunde gelesen, irgendwann sind wir wieder eingeschlafen.