MI, 16.10.: Jaipur to PushkarIch bin in Pushkar und will nicht wieder weg! Die Stadt packt mich ähnlich wie Ubud auf Bali. Sicher ist die Stadt ebenso touristisch, aber sie ist auch ebenso heilig. Die Fahrt hierher ist nur kurz, sodass wir schon gegen 12 Uhr am Hotel sind. Anschließend hat Anil frei.
Kurzer Zwischenstopp mit Schnappschuss:

Nach dem Einchecken im wirklich wunderschönen (und von mir ausgesuchten und vorgebuchten) Pushkar Palace direkt am See mache ich mich auf die Stadt zu erkunden, in der Mahatma Gandhis Asche verstreut ist.
Zunächst ein paar Ansichten aus dem und im Hotel:




Der Basar zieht sich durch die ganze Stadt, etwa vom Brahmatempel bis zum Hotel. Ein paar Minuten weiter liegt der Sikhtempel.
Ich gehe los, soll mich bloß nicht zu Donation überreden lassen. Man würde mir Blumen in die Hand drücken, kostenfrei, und mich dann immer wieder zu Donation drängen. Ich hätte auch so Glück und müsste mir es von den Bauernfängern hier nicht kaufen. Anil sei Hindupriester, also wisse er das genau. Gut, dass ich das rote Bändchen aus Jaipur noch am Handgelenk trage, dann könne ich es zeigen und sagen, ich hätte schon gespendet. Doch darauf fällt zumindest einer nicht rein. Er sagt, das sei doch sicher aus dem Affentempel in Jaipur. Gewieftes Bürschchen!
Ich kehre zwischendurch ein in ein relaxt wirkendes Lokal etwas abseits in einem Garten, das offenbar von Studenten geführt wird. An einem Tisch sitzt ein "Indian", von dem ich allerdings nicht recht weiß, ob es ein "Dot-Indian" ist oder ein "Feather-Indian", wie es Donna Leon mal in einer Lesung zum Besten gab. Er isst und fängt anschließend an zu nähen.
Alle Mitarbeiter tragen Mottoshirts und bieten somit Lesestoff. Einer hat das Motto: "Student + dying = studying". Tot machen die sich hier allerdings nicht. Nachdem der Koch mein Essen zubereitet hat, legt er sich in die Hängematte und lässt sich von mir für seine wirklich göttlichen Kartoffeln in Sahnesauce mit einem Hauch Knoblauch und das gemischte Gemüse auf Reis loben. Ich könne gerne abends wiederkommen, dann sei hier gute Musik und ich würde auch ein Bier bekommen. Pushkar ist ja Brahma gewidmet und als heilige Stadt somit eigentlich vegetarisch und alkoholfrei.
Später, abends in einer anderen Kneipe bekomme ich ebenfalls Bier. Gott sieht alles, aber offenbar verzeiht er auch alles.
Ich fotografiere aber zunächst jede Menge aus meiner touristischen Sicht Idyllisches, was für die Leute hier aber meistens harte Arbeit und sicher ziemliche Härte des Lebens ist.




Ein "heiliger Mann" ist heilig und sieht so aus, zum Glück ist er gleichzeitig so weltlich, dass er gegen 10 Rupies für ein Foto für mich posiert.


Ich gehe zum Brahmatempel und besichtige ihn. Alle seine Sachen muss man einschließen, "camera not allowed". Daher gibt es nur Fotos von der Warteschlange.

Immer wieder gehe ich unterwegs zu den Ghats, wo die Leute baden. Manche rufen mir "hallo" zu, besonders viele kleine Kinder sprechen mich an. Ich reagiere manchmal streng, wenn sie betteln und schicke sie weg.
Schuhe aus und barfuß durch den Kuhdung und den Taubendreck. Macht doch nichts, ich habe keine offene Wunde am Fuß. Aber heiß sind die Stufen, sodass ich lieber an den Stellen bleibe, die im Schatten liegen oder die aus hellem Stein sind. Immer wenn ich zu meinen Schuhen zurückgehe, hoffe ich, dass sie erstens noch da und zweitens nicht von einem heiligen Kuhfladen bedeckt sind.
Fotografieren von Badenden ist natürlich verboten. Das gebietet ja eigentlich auch der Respekt schon ohne Hinweisschilder. Ich kann es dennoch nicht lassen. Ein Mann sagt leise drängend und unterschwellig tadelnd: "Madam, no photographing of bathing people." Ich bin ertappt und stecke ein bisschen verschämt die Kamera weg.







Ich schlendere durch den Basar zurück. In den nächsten Hindutempel am Wegesrand darf ich nicht rein, verboten für Fremde. Zähneknirschend akzeptiere ich, versuche aber noch ein paar Fotos mit möglichst vielen bunten Gewändern im Vordergrund zu knipsen. Das fällt einer Frau auf, die gerne fotografiert werden möchte, sodass sie ihre gesamte Familie sich aufreihen lässt und sich dann das Foto zeigen lässt. Oma will aber auch mit aufs Foto und ist auf dem ersten Bild kaum zu sehen, und so muss ich noch einmal knipsen. Alle tätscheln mir den Arm, den Rücken, die Schultern. Eine Frau hält ihren dunkelbraunen Arm neben meinen Weißen, alle lachen.

Nun ist der Sikhtempel dran. Hier muss man sein Haar bedecken. Dafür liegen Tücher parat, aber ich nehme lieber meinen Schal. Ich werde herzlich willkommen geheißen. Wirkt total sympathisch, ich will mehr über die Religion wissen.

Ich gehe zum Hotel zurück, setze mich rechtzeitig auf den Gang vor meinem Zimmer mit Blick auf den See um den Sonnenuntergang zu genießen. Ich tausche mich ein wenig mit einer ebenfalls allein reisenden Frau in meinem Alter aus Neuseeland aus.
Tolle Stimmung! Musik, Trommeln, irgendwelche Gesänge machen sich gegenseitig aus unterschiedlichen Richtungen Konkurrenz, eine Tempelglocke wird geschlagen, die Sonne versinkt dramatisch gegenüber des Hotels. Eine Horde Lemuren sitzt inzwischen auf dem Dach des Hotelrestaurants, also Achtung, Diebe! Ein toller Tag liegt hinter mir!
