18. Tag, Sonntag, 21.6.2009 Heute morgen haben wir endlich unser gestern vom „Schicksal gestohlenes“ Frühstück

Wir sind ja in einem B&B und so gibt es ein ordentliches Angebot aus Wurst, Käse, Lachs, Marmelade und natürlich Skyr und Cornflakes. Mit uns am Küchentisch sitzt ein deutsches Pärchen das auch das Ende seiner Tour vor Augen hat und so werden angeregt Islanderlebnisse ausgetauscht.
In der Begeisterung über unsere Reise und deren Schilderungen und dem Aufsaugen weiterer Islandinfos (ok, wir haben uns schlichtweg verlabert), unterhalten wir uns fast eine Stunde und müssen nun etwas Dampf machen – wenn wir noch einen kleinen Reykjavik Rundgang hinbekommen wollen.
Wir verabschieden uns – auch von den überaus liebenswerten Gastgebern (ein Rentnerehepaar) – laden unser Gepäck in den Lada – und fahren die wenigen Kilometer zur Hauptstadt Islands.

Einen Picturestop den wohl nahezu jeder Hauptstadtbesucher einlegt findet man an der Hafenstraße Reykjaviks - das „Gerippe“ eines Wikingerschiffes.

Ein schönes Motiv – einerseits die Stadt im Hintergrund und andererseits der Blick auf den Atlantischen Ozean – heute alles in schlichtem Einheitsgrau nicht ganz so spektakulär.

Dann parken wir in der Innenstadt und beginnen unseren kleinen Rundgang.

Dass heute Sonntag ist und die Geschäfte zu haben ist für uns nicht schlimm. Wir sind ja bekanntermaßen sowieso Shoppingverweigerer und hätten heute auch keine Zeit uns in Läden zu verlustieren – der Flieger von Iceland Air würde darauf keine Rücksicht nehmen.

Reykjavik ist die älteste permanente Siedlung des Landes. Obwohl die ersten Siedler bereits 870 das Land bevölkerten, wuchs das Gebiet nur sehr langsam und wurde erst 1786 offiziell zur Stadt erhoben. In der Stadt leben 117.000 Einwohner – was mehr als einem Drittel der Gesamtbevölkerung Islands entspricht.

Das größte Highlight Reykjaviks ist die große allbeherrschende Hallgrimskirkja deren Fassade den für Island typischen Basaltsäulen nachempfunden wurde. Die Kirche ist allerdings für Arbeiten an der Fassade leider teilweise verhüllt.
Zumindest Leif Eriksson zeigt sich auf seinem Denkmal bei der Kirche unverhüllt (dafür aber wieder vor wolkenverhangenen Himmel).

Leif Eriksson, 975 als Sohn Erik des Roten auf Island geboren – soll um das Jahr 1000 wohl als erster Europäer die Küste Amerikas betreten haben. Wenn man schon nicht Amerika nach ihm benannt hat dann zumindest den Flughafen in Keflavik – den wir in wenigen Stunden leider besuchen müssen.

Kontrastkleidung

Wenn ich das aussprechen müsste stände ich heute immer noch da ....

Auf unserer Stadtrunde kommen wir vorbei an typischen Bürgerhäusern ...

... und einem See mit netter Stadtansicht.

Petra lichtet einige typische Bewohner der Hauptstadt ab ...

Auch ein Skulpturengarten darf nicht fehlen.

Kunst ist in Island ein Volksgut – kann aber auch mal ganz schön düster wirken so wie hier.
Kunst ..... ist ja etwas wo manchmal scheinbar jeder mal darf ..... aber das ist definitiv ein anderes Thema ....
Das Wetter bietet uns noch einmal alles was Island im Sommer so drauf hat, Regen, Getröpfel, Sonne – und das alles innerhalb der 90 Minuten die wir für diesen Stadtrundgang investieren. Reicht aber auch. Museen- und Galerienbesuche einmal ausgenommen würde ich mich schon fragen was man hier länger anstellen sollte ?

Vielleicht Moos ansetzen ?

Kurz nach 12 Uhr fahren wir wieder aus der Stadt und auf der 41 nach Westen. Auch für unseren kleinen Plüschlundi die letzte große Fahrt bevor er sein Heimatland mit uns verlassen muss ....

Ein trauriger Moment - also muntern wir uns gegenseitig schon mal mit einem Küsschen auf.
Wo findet man schon einen solchen Freund - der immer für einen da ist, nie widerspricht und auch nie zu unpassenden Zeiten aufs Klo muss.
Um 16:30 Uhr geht unser Flug nach Frankfurt – also fahren wir noch den 10km Abstecher auf der 43 zur Blauen Lagune.
Zum Baden in der 38°C warmen Lagune haben wir dieses Mal natürlich keine Zeit mehr – auch wenn es verlockend ist.

Das hellblaue Wasser ist aber ein so faszinierender Anblick das sich der kleine Umweg auf jeden Fall gelohnt hat.
Zu lange sollte man auf das Wasser nicht blicken. Die Wasseroberfläche reflektiert aufgrund der Kieselsäure das Sonnenlicht das uns nun doch noch auf Reykjanes vergönnt ist so stark, daß es nicht nur diese ungewöhnliche Farbe erhält, sondern bei längerem hinsehen fast wie ein Spiegel in unseren Augen blendet.

Der 5000 m² große See entstand übrigens als „Abfallprodukt“ des nahe gelegenen Geothermalkraftwerkes Svartsengi, das die Energie des gleichnamigen Vulkansystems nutzt.
Wir fahren nach Keflavik und schaffen es endlich mal in einen Bonus (Islands ALDI) und kaufen uns von unseren restlichen Kronen noch ein paar Snacks (auf dem kurzen Flug gibt es ja nichts), tanken letztmalig voll ....

... und fahren dann zu Geysir um unserem Lada Niva „Good bye“ zu sagen.
Wer hätte gedacht, dass uns selbst der Abschied von dieser Seifenkiste schwer fallen würde. Ist aber so.
Per Taxi fahren wir zum Airport Keflavik. Unserer Koffer ledig kaufen wir uns an einem Kiosk je ein Sandwich und setzen uns nach draußen in die Sonne die uns Island zu unserem Abschied schenkt.

Skulptur am Airport mit Symbolcharakter - wir hängen Island am Haken.
Das Land ist uns in Herz und Verstand gefahren - wer hätte das gedacht .......?
Pünktlich um 16:30 Uhr fliegen wir ab und landen gut 3 ereignislose Stunden später in Frankfurt. Diesmal hatten wir keine Sitze am Notausgang – aber da der Flieger nicht voll war, hatten wir zumindest zwischen uns einen Sitz frei. Ein durchaus angenehmer Umstand – übermäßig viel Platz bietet Iceland Air ( wie die meisten anderen Airlines inzwischen) seinen Kunden nicht an – insgesamt ist die Airline aber absolut ok.
Bild des Tages:

An der Blauen Lagune
Das war’s mit unserer Reise nach Island und somit folgt auch gleich das Fazit von
„Lava, Lada, Lundis“
– unserer Islandreise im Juni 2009. Fazit:Könnte man eigentlich in 4 Worten abhandeln.
Wir wollen wieder hin ! Island hat uns begeistert, bezaubert, fasziniert und völlig von unserem „normalen Leben“ zu Hause entrückt. Jetzt wo diese Reise vorüber ist empfinden wir Sehnsucht nach den wilden Flüssen, den Wasserfällen, den Gletschern, den Fjorden, den dampfenden farbigen Quellen, den Lupinenfeldern, der Einsamkeit abseits der Ringstraße, den langen Tagen mit Licht bis in die Nacht, der Unkompliziertheit der Menschen, den Lundis denen wir genauso ewig zusehen könnten wie dem Strokkur wenn er mit seiner Blase gen Himmel schießt.
Wir sind mit unterschiedlichen Erwartungen angereist. Ich war gespannt ob Island das halten kann was es in Reiseführern verspricht, Petra war anfangs aufgeschlossen aber auch vorsichtig zurückhaltend.
Im Endeffekt hat es uns gleichermaßen umgehauen und wir sind mit fliegenden Fahnen untergegangen. Jede Sekunde auf Island hat etwas geboten das entweder spannend, atemberaubend oder einfach nur schön war.
Es war jeden Morgen einfach nur Freude in den Lada einzusteigen und zu sehen was uns der neue Tag bringt.
Es hat uns rückblickend auch großen Spaß gemacht im Urlaub selbst mal was zu kochen (das perfektionieren wir das nächste Mal noch wenn es selbstgebratenen Lachs gibt

) gerade auf Island mit den langen Tagen hat man dadurch am Abend noch mehr Flexibilität noch etwas zu unternehmen. Die oftmals eher einfacheren Unterkünfte waren kein Problem – sauber war es immer, das Autofahren ist zu 100% stressfrei und vor allem, Island besteht eigentlich nur aus einer Thematik – grandioser Natur – und das reicht uns vollkommen.
Schon auf dem Rückflug haben wir uns überlegt was wir alles beim nächsten Trip machen wollen – ohne großes Überlegen wären damit bereits locker 2 Wochen gefüllt ohne dass man sich weiter Gedanken über ein zusätzliches „Programm“ machen müsste – das dann ja doch wieder anders kommt .....
Preise (2009):Dank des guten Kurses für Islandverhältnisse unerwartet angenehm. Im Supermarkt und Restaurant fast ähnlich wie bei uns. Sprit mit 1,05 € sogar billiger.
Kosten für Zimmer im Durchschnitt 48€ - wäre sogar billiger möglich gewesen wenn wir es darauf angelegt hätten – die letzten Tage haben den Schnitt durch teure Zimmer nach oben gedrückt.
Wetter:Innerhalb von 5 Minuten kann man alles haben; vom Weltuntergangstief bis zum strahlenden Sonnenschein ein paar Kilometer weiter – Islands Wetter ist durch den oft starken Wind schwer berechenbar und immer für eine Überraschung gut. Nirgendwo sonst wechseln die Lichtstimmungen so häufig mit jedem zurückgelegten Kilometer.
Insgesamt war das Wetter aber sehr stabil und größtenteils trocken. Einen richtig dauerhaften Regenguß mussten wir gar nicht aushalten. Ein Programm wegen Regens völlig abbrechen mussten wir eigentlich nirgends. Die zweite Woche hat uns dazu viel Sonnenschein beschert – vor allem im Norden um den Mývatn.
Islands Farben sind generell so intensiv – selbst ohne Sonne bieten sie Augen und Kameras immer etwas Lohnendes.
Temperaturen:Zwischen 2°C und 18°C war alles dabei. Wirklich gefroren haben wir eher selten. Selbst kühlere Temperaturen fühlen sich in Island wärmer an – vielleicht liegt das an der Erdwärme ?
Wenn der Wind bläst und dazu keine Sonne da ist – dann wird es schon mal Zeit das Mützchen auszupacken.
Mücken:Waren in der ersten Woche nicht vorhanden und traten dann ab dem Mývatn an einigen Orten unangenehm in Erscheinung. Sie stechen zwar nicht – aber sie nerven, gleiches gilt für Busgruppen und den Frankfurter Flughafen. Bei den beiden letzteren hilft leider auch kein Mückennetz .......
Was würden wir zukünftig anders machen ?Eigentlich nichts. Vielleicht zum Furten noch ein größerer Allrad –aber da traue ich auch dem Lada einiges zu.
Dieselbe Tour könnten wir aus dem Stand noch einmal machen – wäre irgendwie doch wieder anders und mit Sicherheit sehr schön.
Was hat uns am besten gefallen ?Mit dieser Frage habe ich gerechnet

Noch nie war das so schwer zu beantworten.
Landmannalaugar war auf jeden Fall ein Hammer – wahrscheinlich das Stärkste das wir erleben durften - aber genauso begeistert waren wir vom Trip zum Dynkur, vom Gullfoss, der Krafla, dem Solfatarengebiet unterhalb des Námafjall, Vik, den Westfjorden, der Kaldidalur, dem Hraunfossar, dem Jökulsarlón, den Gletschern im Süden, Hveravellir, Jökulsárgljúfur Nationalpark, Goðafoss, Aldeyarfoss, unserem besonderen Liebling dem Strokkur in Haukadalur und vielen Landschaften entlang unserer Fahrten und Wanderungen die unsere Reise geprägt haben.
Und was zählt mehr – das größte Lebewesen der Erde zu sehen oder die Lundis auf der Klippe oberhalb von Vik in Reih und Glied ?
Beide Male war die Aufregung so groß wie bei einem Lottogewinn.
Also zusammenfassend:Uns hat’s scheinbar gefallen

Bless Bless ...
... und danke für's mitlesen!
