Es ist gemein wenn du mir solche Köstlichkeiten vor Augen führst 
... und jetzt setzte ich noch einen drauf.
16. Tag, Freitag, 19.6.2009 Inzwischen können wir mit dem Wetter hochzufrieden sein – als wir heute gegen halb 8 die Bettdecke von der Nasenspitze herunterziehen strahlt die Sonne in unser Barackenzimmerchen.
Landmannalaugar – wir kommen !
Wie zuletzt auch gibt es zunächst mal nur Kaffee Marke „selbstgekocht“ und eine heiße Dusche. Dann werden die schicken blauen Schlüpfer übergestreift und das Gepäck ins Auto verladen. Noch ein paar Liter Sprit von der Zapfsäule vor dem Gebäude und 2 Kaffee aus dem Shop später, brausen wir gegen 9 Uhr die (noch) geteerte 26 nach Osten.

Schon nach 5 km war es das mit dem achsenschonenden Teil der Fahrt – wir biegen auf die F208 nach Süden die kaum am Kraftwerk Sigalda vorbei von Teer in holprige Wellblechpiste übergeht. Erst seit wenigen Tagen ist die F208 (für Allrad) nach Landmannalaugar freigegeben. Wir werden zwar gut geschüttelt aber im Gegensatz zu gestern ist das für alle Beteiligten (also den Lada und uns) keine wirkliche Herausforderung.
Später im Sommer wird die Strecke sogar für PKW freigegeben – wobei das schon ein mörderisches Gegurke sein muss. Der Wind hat gegenüber gestern sogar noch einmal zugelegt – fast orkanartig pfeift er über die Landschaft und einmal erleben wir sogar eine Art Sandverwehung.

Die Strecke ist landschaftlich (wie fast immer) sehr schön, führt an Seen und der Tungnaa vorbei immer mehr auf das Bergpanorama von Landmannalaugar zu.

Sie endet für uns etwa einen Kilometer vor dem Ziel in Landmannalaugar vor einem Fluß, der uns versicherungstechnisch zu tief aussieht. Der Fluß hat hier zwei Arme – die direkt zweimal hintereinander gefurtet werden müssen. Alternativ führt eine Fußgängerbrücke und ein Weg den Kilometer zur Hütte des isländischen Wandervereins – dem Ausgangspunkt aller Wanderungen in Landmannalaugar.

Wir reihen uns also neben den anderen Fahrzeugen am kleinen Parkplatz ein und erledigen ungeduldig (ich) unser Frühstück; Petra macht das gemütlich.

Die Hütte ist schnell erreicht. Hier gibt es auch eine warme Quelle in der man baden könnte. Wir vergleichen unsere Unterlagen mit einer Wanderkarte die an einer Hauswand angebracht ist und entscheiden uns für die Runde zum Brennisteinsalda und die Schlucht Grængil, die mit etwa 3-4 Stunden angegeben ist.
Wir ziehen Mütze und Handschuhe an, kontrollieren ob genug Akkus, Kassetten und Speicherkarten im Rucksack bereit liegen und sind etwa gegen 11 Uhr auf dem Weg.
Der Wanderweg ist mit sporadischen Holzpfählen markiert und führt zunächst einen Hang hinauf und dann durch ein riesiges Gebiet erkalteter tiefschwarzer Lava.

Um uns herum nimmt uns das Bergpanorama gefangen.

Die Berge leuchten in der Sonne in den unterschiedlichsten Farben wie die Farbpalette eines Malers - wobei Orange dominiert.
Ein Paradies unter Islands paradiesischen Landschaften .....

Besonders markant für Landmannalaugar sind neben den Farben die Schneefelder, die sich oft weit hinein in den den Hochsommer als weißer Farbtupfer auf den Bergen halten.

Schon jetzt kennt unsere Begeisterung keine Grenzen - jeder Meter der Wanderung ist ein Genuß. Wir kommen vor lauter Schauen, Staunen, Fotografieren und Filmen kaum voran.

Glücklicherweise ist es seit wir auf die Hochfläche aufgestiegen sind, im Vergleich zum Orkanwind zuvor, fast windstill (good Hairday

).

Nach etwa 30 Minuten bietet sich ein Abstecher nach Vondugil an. Vondugil ist ein von unzähligen kleinen Gletscherflüssen durchzogenes Tal an dessen Ende einige Fumarolen zu finden sein sollen.

Das Tal übt auf uns eine so große Faszination aus, dass wir uns auf den Weg dorthin begeben.
Es geht vorsichtig balancierend über einige Schneefelder am Berghang entlang, um die moorähnlichen nassen Wiesen zu vermeiden.
Dann liegen die schier unendlich vielen Arme des Gletscherbaches Námskvísl vor uns die es zu überwinden gilt.

Das ganze ähnelt einer Tour durch ein Labyrinth – oft springen wir über zwei, drei Flüsse und müssen dann doch wieder umkehren weil es trockenen Fußes nicht mehr weitergeht.

Irgendwann und irgendwie erreichen wir schließlich das Ende des Tales, bewundern die leuchtenden Berge ...

... und finden in einem Seitental sogar die dampfenden Löcher und siedenden Quellen,

.... eingerahmt von Rhyolithängen und der Ebene von Námskvísl.

Vor lauter bombastischer Natur darf man nicht den Blick für Details verlieren.

Wohl selten passt der Ausdruck „wundervoll“ so treffend wie auf dieses Tal .....

Der Rückweg gestaltet sich gar nicht so einfach. Wie beim Dreisprung hüpfen wir über die Bachläufe und stehen dann unvermittelt wieder auf einer kleinen Geröllinsel von der es nicht mehr ohne Fußbad weitergeht.
Wie Känguruhs bewegen wir uns wieder zu den Schneefeldern am Berghang zurück ....

... und setzen die eigentliche Wanderung fort die sich nicht nur geografisch dem Höhepunkt annähert.

Wir erreichen den 855m hohen Vulkan Brennisteinsalda.

Der Berg trägt seinen Namen Brennisteinsalda (zu deutsch „Schwefelwelle“) zu recht. Schwefelablagerungen haben die Hänge gelborange gefärbt. Andererseits weist er noch eine erstaunliche Mischung anderer Farben auf, die durch vielerlei Einflüsse zustande kommen: Grün (Moose), Rosa und Beige (Rhyolith), Grau, Blau und Schwarz (Basaltgestein, Pechstein und Ascheablagerungen).

An seinen Hängen ist die Erde stellenweise immer noch heiß, es dampft und qualmt aus allen Poren des Berges.
Unterhalb des Vulkans reichen die leuchtend schwarzen Lavafeldern heran, in denen man mit etwas Phantasie Trolle, Figuren oder Türme erkennen kann.

Schlag auf Schlag geht es weiter. Kurze Zeit später ist die Schlucht von Grænagil erreicht, die sich direkt am Fuße des Berges Bláhnúkur am Rand des Lavastroms Laugahraun entlang windet.
Grænagil bedeutet „Grüne Schlucht“. Der Name kommt von dem grünen Rhyolit-Fels am Eingang der Schlucht. Durch die Schlucht schlängelt sich malerisch ein Gletscherfluß der uns auf den letzten Metern der Wanderung begleitet, die im weiten Tal bei der Berghütte endet.

Die Szenerie der Berge und Gletscherbäche die wir beim Verlassen der Schlucht nach der letzten Kurve um die Felsen zu sehen bekommen setzt noch einmal eins oben drauf – das Herz hüpft vor Freude – auch ohne dass es über Flüsse springen muss.

Diese 4 Stunden Wanderung war jeden Millimeter und jede Sekunde lang wie ein unfassbar schöner Traum. Selten erlebt man eine so tief empfundene innere Zufriedenheit mit sich und der Welt wie jetzt und hier nach dieser Tour. Das beste Geschenk das man bekommen kann und sicherlich mit das stärkste, was ich bisher auf Reisen erleben durfte.

Wir wandern noch den Kilometer zurück zum Auto wieder über die Fußgängerbrücke...

... und sehen anderen beim Furten durch die zwei Flussarme zu.
Ich bedauere fast dass ich nicht doch durchgefahren bin – nicht um den einen Kilometer zu sparen – das sieht einfach nach Spaß aus.

Nächstes Mal wird im Auto die Badekappe aufgesetzt und dann geht’s ab durch den Fluß ......

Auf dem Rückweg legen wir einen Stop am Kraftwerk Sigalda ein. Hier gibt es einen kleinen aber sehenswerten Wasserfall der eine ungewöhnliche Farbmischung seines Wassers zu bieten hat – wohl wieder Trollmilch dabei ......

Wir fahren die 26 zurück nach Westen. Kurz nachdem die 32 von der 26 abzweigt kann man (nähe Kraftwerk Bláskógar ) auf der 32 den Abstecher zu Islands zweithöchstem Wasserfall - dem Haifoss unternehmen.
8 relativ ätzend zu fahrende Kilometer später haben wir eine Anhöhe erreicht von der man in eine Schlucht mit zwei Wasserfällen blickt.

Links der 122m hohe Haifoss ....... rechts der ähnlich hohe Granni.
Hier oben pfeift ein Wind der unbeschreiblich, fast orkanartig über uns hinwegbläst. Wir machen schnell ein paar Aufnahmen und fahren weiter. Genießen kann man den Aussichtspunkt bei dem starken „Gebläse“ sowieso nicht.

Wir biegen wieder auf die 26 und fahren nach Südwesten. Dominiert wird diese Fahrt von Islands bekanntestem Vulkan und seiner weißen Haube, der Hekla.
Der 6600 Jahre alte und 1490m hohe Zentralvulkan wurde schon im Mittelalter als das Tor zur Hölle bezeichnet. Die Eruptionen des Vulkans haben immer wieder große Teile Islands mit vulkanischer Asche und Gestein bedeckt.
Über Hella erreichen wir die Ringstraße und wie gestern geplant geht es „ungebremst“ weiter auf der 1 nach Osten. Das Wetter ist nach wie vor traumhaft und bei klarer Sicht lassen sich heute auch gut die Westmännerinseln erkennen die einige Kilometer vor der Südküste Islands aus dem Meer ragen.
Der Tag zerrinnt uns so langsam zwischen den Fingern. Inzwischen ist es schon fast 19 Uhr. Wir rufen in Vik wegen einer Übernachtung an und bekommen zunächst zwei Absagen. Spürbar; so langsam kommen wir in die Hauptsaison Islands. Anruf drei ist dann ein Treffer – wenn auch nicht so günstig wie erhofft – aber wie gewünscht mit Küche – wir fahren schon seit ein paar Tagen ein Päckchen Nudeln und Tomatensoße spazieren – die wollen wir nicht mit nach Hause nehmen.

Wir erreichen den Seljalandsfoss. Petra meint dafür hätten wir heute keine Zeit – den könnten wir auch morgen auf dem Rückweg machen – lässt sich aber umstimmen nach dem Motto: „was Du bei schönem Wetter kannst besorgen .....“
Also machen wir wenigstens auf die Schnelle noch ein paar Aufnahmen.

Im strahlenden Sonnenschein sieht der Wasserfall tatsächlich ganz anders aus als vor gut einer Woche bei regenverhangenen Wolken.
Obendrauf gibt es sogar einen Regenbogen spendiert – traumhaft !

Schon beim letzten Mal hat uns die Strecke zwischen dem Seljalandsfoss und Vik besonders begeistert – jetzt im Abendlicht bei diesen Bedingungen möchte man am liebsten jeden Meter für Aufnahmen anhalten. Was wir trotz unseres kleinen Zeitproblems noch ein paar Mal tun.

Island
Gegen 20:30 Uhr erreichen wir Vik und checken im Arsalir Guesthouse ein.
Wenig später haben es auch unsere Nudeln hinter sich und wir sind um halb 10 abmarschbereit um noch einmal hinauf zum Reynisfjall dem Hausberg Viks zu wandern.
Waren die Kehren auch letztes Mal schon so steil ?
Vielleicht hätte ich mich auch bei den Nudeln mehr zurückhalten sollen, ..... zu spät .....

Endlich sind wir auf dem Plateau des Berges angekommen und wandern weiter zu den Klippen.

Kein Wölkchen trübt die Sicht auf Gletscher, Felsen, das Meer und hinüber nach Kap Dyrhólaey.

Leider zeigt sich kein Lundi – wir laufen die ganze Klippe ab – nichts .... schade. Zumindest die Basaltfelsen der Reynisdrangar sind wieder da ....

Als wir schon gehen wollen entdecken wir immerhin einen unserer kleinen Lieblinge der sich wohl für uns erbarmt und sich vor seiner Höhle in die Abendsonne gesetzt hat. Wir mutmaßen, dass einige Lundis in der Höhle Halme gezogen haben oder würfelten, um zu ermitteln wer wegen uns vor die Tür muss.....

Lundi mit den schemenhaften Umrissen der Reynisdrangar im Hintergrund.
Zufrieden wandern wir den Berg wieder hinab und sind um 23:55 Uhr zurück auf dem Zimmer – also gerade noch alles in diesen einen Tag gepackt !

Jetzt ist es aber auch wirklich gut. So ziemlich jeder Knochen meldet sich und ein gewisser Erschöpfungsgrat ist nicht von der Hand zu weisen. Heute haben wir zum Finale der Reise noch einmal richtig Gas gegeben. Das schöne Wetter und unsere Unternehmungen haben uns derart begeistert dass wir am liebsten noch einmal die komplette Insel umrundet hätten.
Morgen lassen wir es gemütlich ausklingen, freuen uns aber noch einmal auf unseren vorletzten Island-Tag vor dem Heimflug.
Das Bier, das wir noch auf die Schnelle im Zimmer trinken hätte es nicht mehr gebraucht – wir schlafen auch so wie ausgeknipst, kaum im Bett liegend, sofort ein.
Was für ein Tag ...
Übernachtung: Arsalir Guesthouse, Vik
Preis: 9800 ISK (56 €) ohne Frühstück, WC & Bad auf dem Gang
Bewertung: 6 von 10
Kommentar: Schönes Haus direkt am Ortseingang von Vik, allerdings schon gut in die Jahre gekommen, Preis/Leistung ungenügend aber inzwischen sind wir auch mehr in die Saison geraten
Bild des Tages:

Unterwegs im isländischen Naturwunder - "Landmannalaugar"