14. Tag, Mittwoch, 17.6.2009 Da wir für heute ehrgeizige Ziele ausgegeben haben und neben der Hochlanddurchquerung auf der F35 – deren Ausgangspunkt wir erst noch erreichen müssen, auch noch auf die Schnelle das bekannteste Freilichtmuseum Islands sowie abends Gullfoss & Geysir in den Tag quetschen wollen – stehen wir heute mit Hilfe des Weckers um 7.30 Uhr auf.
Eine Stunde später sind wir beide geduscht, die Koffer sind in den Lada gewuchtet, wir haben einen Kaffee intus und tuckern durch das leicht verregnete Akureyri in Richtung einer Tankstelle.
Das Tanken hatten wir gestern ganz vergessen – außerdem nutzen wir einen kostenlosen Service den es an vielen Tankstellen in Island gibt – einen Wasserschlauch um unseren Wagen abzuwaschen.
Nein, wir sind nicht über Nacht einer Gehirnwäsche (mit einem Tankstellenschlauch) zum Opfer gefallen und sind plötzlich penible Autofetischisten geworden (vielleicht weil unser Auto so ein Hingucker ist ) – unsere gestrige Fahrt zum Aldeyarfoss hatte unserem jagdgrünen „Flitzer“ ein dichtes Staubband verliehen, das sich durch den Regen heute Morgen in eine üble Schlammschicht verwandelt hat. Jedes Öffnen einer Türe oder des Kofferraums ist mit Dreckspritzern auf Hose und Jacke verbunden – also bekommen sogar wir mal einen Sauberkeitsanfall der aber nach 30 Sekunden und einem entschlammten Auto schlagartig wieder vorbei ist !

Auf der 1 geht es ca. 80 km nach Westen und als kurzen Abstecher von der Ringstraße auf der 75 nach Norden zum Freilichtmuseumshof Glaumbær, den wir gegen 9.30 Uhr erreichen.
Obwohl das Museum ja gerade erst geöffnet hat stehen schon 3 Autos auf dem kleinen Parkplatz – man mag sich vorstellen wie das später am Tag wird.
Hauptsehenswürdigkeit in Glaumbær sind neben der Kirche die 6 Torfhäuser die malerisch in Reih und Glied im Gras stehen und die in keinem Bildband über Island fehlen dürfen.

Der Torfhof war die vorherrschende Hausform der Landbevölkerung in Island. Als die Wikinger die Insel besiedelten, brachten sie ihre gewohnten Langhäuser mit. Dafür wurden große Holzmengen verbraucht. Durch Holzmangel in Island entwickelte sich später diese Hausform. Sie war im ganzen Land verbreitet und wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bewohnt. An einigen Orten in Island sind solche Gebäude heute als Museum zu besichtigen. Durch das verwendete Material waren die Häuser nicht sehr lange haltbar, und es war im Haus kühl und feucht.

Wie gestern beweisen wir gutes Timing. Wir sind gerade auf dem Rückzug zu unserem Lada, da rollen zwei große Busse auf den Parkplatz, gleich sieht man vor lauter Menschen die Häuser nicht mehr ......

Wir fahren die 75 wieder zurück zur Ringstraße.
An der Kreuzung in Varmahlið kaufen wir uns noch zwei Kaffee „to go“ und rufen im Hotel Geysir an und machen ein Zimmer für heute klar. Das ist zwar diesmal ein teurer Spaß aber wir wollen am Abend und am Morgen noch mal ein paar Aufnahmen vom Gelände in Haukadalur und vor allem vom Strokkur machen (vor einigen Tagen war das Licht ja leider nicht gut und heute kommen wir noch einmal direkt dran vorbei) also schlucken wir den Preis – dafür gibt’s dann halt auch zu Hause drei Wochen Tütensuppe.
Wir folgen der Ringstraße ein kurzes Stück nach Westen und treffen auf typische kreisrunde Schafspferche die man bei vielen Höfen in Island findet.
Schon seit einigen Minuten versuche ich die zwei kochend heißen Kaffeebecher die ich seit Varmahlið auf Wasserwaagenniveau halte vor einer Eruption auf meine Hose zu bewahren – was mir tatsächlich und völlig unerwartet gelingt – das muss ein guter Tag werden.

Da nimmt man doch gerne in Kauf, dass ich auf meinen Händen die nächsten drei Tage Spiegeleier braten könnte.....

Wir suchen uns einen Picknickplatz um unser Frühstück einzunehmen. Für ein Frühstück im Freien ist es zwar eigentlich schon ein wenig kalt (es hat hier vielleicht höchstens 7- 8 Grad) – aber dann zieht man halt einfach drei Pullis an (und sieht schon wieder aus wie das Michelin-Männchen). Dank meines heroischen Einsatzes haben wir dazu ja auch noch zwei nach wie vor kochend heiße Kaffee um uns zu wärmen.

Gut gestärkt biegen wir auf die 732 nach Süden ab und stehen nach wenigen Minuten am Beginn der F35, der „Kjölur“ (manchmal auch Kjalvegur genannt).
Inzwischen sind bei der Kjölur alle Flüsse überbrückt oder verrohrt (also ein großes Rohr führt das Wasser unter der Straße durch), so dass man nirgendwo furten muss und die Strecke auch als „Hochlandquerung für Anfänger gilt“.
In ganz neuen Karten hat die F35 manchmal deshalb sogar ihr F verloren – ist nach dem Winter aber trotzdem wegen Schnee oft bis in den Juni hinein gesperrt und ihr Befahren von vielen Fahrzeugvermietern nach wie vor nicht gestattet.
Auf Rückfrage bei Geysir.is ist uns praktisch mit dem Fahrzeug nichts verboten – nur beim Furten verlieren wir unseren Versicherungsschutz was logisch ist. Im übrigen ist das Furten unseres Wissens nach auch bei keinem anderen Anbieter in Island versichert.
Der nördliche Teil der Kjölur bis Hveravellir ist zwar nicht sonderlich interessant – aber wir kommen auf der Wellblechpiste immerhin gut voran. Für die gut 75 km benötigen wir etwa 1,5 Stunden. Oft können wir mit 70-80 km/h über die Piste brettern, was bei Wellblech ja deutlich angenehmer ist. Wachsamkeit ist aber immer geboten – ein plötzliches tiefes Loch oder ein großer Stein und man hat ein ebenso großes Problem. Erstaunlich wie schnell schon nach kurzer Fahrt auf der F35 die Vegetation zurückweicht. Eben noch saftiges grünes Gras und urplötzlich schier endlose Geröllwüste.

Das Wetter ist düster und bedeckt, gelegentlich bekommen wir auch mal ein paar Tröpfchen auf die Windschutzscheibe aber inzwischen sind wir ja in der Lage den Scheibenwischer bei heruntergekurbeltem Seitenfenster (ohne dass der Fahrer stoppen muss) per „Handschubser“ wieder in Gang zu setzen.

Absolutes Highlight an der Strecke ist das Heißquellengebiet Hveravellir – das auch in etwa die Hälfte der Strecke auf der F35 darstellt.
Eine kurze 2 Kilometer lange Piste führt zu einigen Hütten von denen ein Rundgang auf Holzbohlenwegen beginnt.
Leider regnet es. Also Regenjacke an, gebastelte Klarsichthülle über Videokamera gezogen und los geht’s.

Ein tolles Gebiet !

Das Geothermalfeld besticht durch viele blaue Quellen, sehr schöne Farben ...

... und einen tollen Kegel der unablässig Dampf in den heute verhangenen Himmel bläst.

Wir haben Glück. Der Regen hört unvermittelt auf und die Sonne bricht durch ein kleines Loch in der Wolkendecke.

Ein fast unwirkliches Licht fällt auf die heißen Quellen und dahinter ist der Himmel tiefschwarz – so etwas habe ich vorher noch nie gesehen – aber auch dafür ist Island berühmt – für die außergewöhnlichsten Lichtstimmungen die man sich vorstellen kann und darüber hinaus.

Schneller als wir dachten haben wir hier zwei Stunden verbracht – ein zwar kleines Gebiet - aber mit vielen tollen Motiven.

Auf der weiteren Fahrt nach Süden kämpft sich die Sonne immer weiter durch und der Himmel reißt auf. Die Landschaft wird dazu zunehmend attraktiver.

Immer wieder schweift der Blick hinüber zu den beiden riesigen Gletschern Langjökull und Hofsjökull die nun immer dominanter an die Strecke heranreichen. Nicht nur weil wir öfter für Aufnahmen anhalten verringert sich unser Tempo – die Piste ist hier doch etwas schlechter als im Norden.

Kein Problem – wir liegen eigentlich ganz gut in der Zeit und haben die ersten Etappen heute Vormittag wie geplant bewältigt. Jetzt können wir es wieder lockerer angehen.
Natürlich versuchen wir auch einen kleinen Abstecher auf der F347 nach Kerlingarfjöll. Hier ist Allrad zwingend notwendig. Bereits nach einem Kilometer ist das erste „Flüsschen“ zu durchqueren was uns aber gerade mal ein bisschen die Reifen badet.

Wir halten am schönen Gýgjarfoss an dem wohl leider gerade das Jahrestreffen der isländischen Mücken stattfindet. Ohne Mückennetz keine Chance – inzwischen haben sich die Dinger tatsächlich bewährt – wenn sie auch am Anfang leicht gewöhnungsbedürftig sind.

Oberhalb des Wasserfalls müssen wir durch den Fluss auf die andere Uferseite.
Jetzt ist richtiges Furten angesagt. Wir besehen uns die Stelle – besprechen uns kurz und wenige Augenblicke später schwimmt unser Lada durch den Fluss und bringt uns sicher auf die andere Seite. Das hat doch schon mal großen Spaß gemacht

Die Piste steigt an und endet zunächst nach etwa 10km bei einigen Hütten in einem schönen Tal.
Wir erkundigen uns ob wir von hier noch etwas weiter kommen.
Es führt eine Piste hinauf in die Berge – der wir so weit wir wollen und kommen, folgen können. Sie endet wohl in einem Hochtemperaturgebiet mit heißen farbigen Quellen – aber bis dahin ist es uns heute auf jeden Fall zu weit und möglicherweise wäre die Strecke zu dieser Jahreszeit im Frühsommer für unseren Lada auch nicht machbar.

Wir fahren den Berg hinauf bis zu einem Pass.
Eine wunderschöne Stelle. Neben der Straße schlängelt sich ein tiefer Canyon ins Tal hinab ....

... garniert mit einigen spektakulären Felszinnen.

Einen Yeti haben wir hier oben nicht gesehen - aber andere unheimliche Erscheinungen ...

Auf dem Rückweg fahren wir insgesamt drei Mal durch den Fluß – was daran liegt dass ich mein Stativ aufbauen und die Flussdurchquerung filmen muss.

Wieder zurück auf der Kjölur setzen wir unsere Fahrt nach Süden fort. Landschaftlich bleibt es interessant bis spektakulär - bei Hvitarnes sehen wir eine große Gletscherzunge die in den darunter liegenden Gletschersee kalbt.
Nun ist es nicht mehr allzu weit bis zum Gullfoss – dem Ende (oder Anfang ) dieser Hochlandstrecke. 7 Stunden haben wir für die F35 mit Abstechern und Besichtigungen gebraucht. Fahrtechnisch ist die F35 deutlich besser zu bewältigen als die Kaldidalur. Im Prinzip auch für PKW’s machbar – aber eben dann schon sehr anstrengend. Für unseren Lada kein Problem. Bei schnell gefahrenen Kurven kommt er gerne mal etwas ins Schlingern – aber bei Steigungen – bergauf-bergab ist er durch sein geringes Gewicht vergleichbar mit einem leichtgewichtigen Radrennfahrer bei der Tour de France und fährt ins Bergtrikot. Apropos Radrennen – auch einige Radfahrer sahen wir heute unterwegs – gerade im Norden bei Regen und starkem Wind ..... also ich gebe zu – ich bewundere die Leute – aber das ist too much ......
War es am Kerlingarfjöll noch sonnig – ist sie nun die letzten Kilometer wieder verschwunden. Schade, wir hatten uns den Gullfoss diesmal in Sonne erhofft. Plötzlich haben wir wieder Teer unter den Rädern – ein fast ungewohntes Gefühl. Die Straße verliert an Höhe und nähert sich der Hvítá an, die wenige Kilometer flussabwärts Islands eindrucksvollsten Wasserfall mit Nachschub versorgt. In der Ferne sieht man ihn auch schon stauben – den Gullfoss - aber nicht nur das, ausgerechnet über dem Gullfoss scheint ein kleines Sonnenloch in der Wolkendecke zu sein !
wenn das auch noch da wäre wenn wir dort sind .....
Es beginnt ein Wettlauf gegen den Wind der die Wolken wieder zutreibt. 5 Minuten später ist das Auto abgestellt, Kameraausrüstung aus dem Wagen geangelt und wir hasten zum Aussichtspunkt.

Unser Einsatz wird belohnt – der Gullfoss ist nicht nur herrlich angestrahlt – obendrauf gibt es auch noch einen wunderschönen Regenbogen der sich über den kompletten Wasserfall spannt.

So macht er seinem Namen „der Goldene“ alle Ehre !
Nach etwa 10 Minuten schließt sich das Sonnenloch. Wir freuen uns sehr, daß wir den - zumindest für mich schönsten und eindrucksvollsten Wasserfall Islands – doch noch in bestem Licht erleben durften.
Zurück am Lada fahren wir weiter zu unserem heutigen Ziel, dem Geysir-Gebiet von Haukadalur das wir gegen 19:30 Uhr erreichen (auch das kennen wir ja schon vom Beginn unserer Reise).

Wir gönnen uns noch eine kurze Stippvisite am Strokkur (einmal Blase gucken muss schon sein).

Dann checken wir im Hotel ein. Unsere teuerste Übernachtung der Reise aber eben strategisch direkt am Geysir – und dafür sind selbst die 84€ schon ok.
Wir bekommen eine schicke Hütte und laden unser Gepäck aus.

Fast irritierend soviel Luxus.
In der Kantine beim Shop kaufen wir uns je ein Sandwich und ein Bier (viel anderes gibt’s da nicht) und im Zimmer gibt's noch lecker Süppchen.

Nach dem feudalen Mahl drehen wir noch eine Runde durch das Geysirgebiet bei sehr stimmungsvollem Abendlicht.
Als wir am Strokkur einmal wieder auf einen Ausbruch warten nähert sich eine Gruppe französischer Bustouristen. Es ist schon befremdlich wenn man vorher stundenlang in der Einsamkeit unterwegs war und dann an so einem Naturwunder steht und die Leute so einen Ort regelrecht überschwemmen.
Leute in einer Herde sind meist grauenvoll. Eben steht man noch gemütlich und alleine in der Natur, wartet andächtig auf den nächsten Ausbruch des Strokkur und im nächsten Moment muss man schon aufpassen, dass einem niemand auf den Fuß latscht so drängen die Franzosen lautstark von hinten heran.
Was mich dann besonders nervt - jeder muss dann unbedingt sein Handy auspacken und seine Befindlichkeiten an Mutti oder den Bewährungshelfer nach Hause telefonieren.
Zum Glück bleiben solche Gruppen nie lange. 2 Ausbrüche maximal – mehr Zeit gibt’s dafür nicht - dann ist der Spuk wieder vorbei.

Der mit dem Blubb

Wir sehen an diesem Abend vielleicht an die 10-15 Mal wie das „Butterfass“ seinen Wasserdampf in den Abendhimmel katapultiert und ziehen uns dann in unsere Luxushütte zurück.
Wir sind gespannt auf morgen.
Wird es uns gelingen den Dynkur Wasserfall zu finden und erreichen wir ihn dann auch ?
Überlebt das unser Auto ?
Das wird eine spannende Angelegenheit !
Heute war es auf jeden Fall mal wieder ein Supertag !
Wie alle Tage ...... 4 haben wir noch ........
Übernachtung: Hotel Geysir (Hütte)
Preis: 14.750 ISK (84 €) ohne Frühstück, Bad & WC diesmal im Zimmer
Bewertung: 8 von 10
Kommentar: verhältnismäßig luxuriös und natürlich tolle Lage – dafür auch dreimal so teuer wie manch andere Übernachtung der Reise – kann man sich aber schon mal gönnen
Bild des Tages:

Hochlanderoberer am Kerlingarfjöll