11. Tag, Sonntag, 14.6.2009So liebt man den Blick morgens aus dem Fenster – strahlend blauer Himmel !
Also war die Entscheidung gleich hierher zu fahren in Egilsstaðir vorgestern auf jeden Fall richtig.
Auf diesen Tag freue ich mich schon lange – heute geht es in meinen Lieblingsnationalpark „Jökulsárgljúfur“.
Wie kann man einen Lieblingsnationalpark auf Island haben wenn man noch gar nicht dort war ?
Ganz einfach – dort gibt es einen tollen kilometerlangen spektakulären Canyon.
Die Jökulsá á Fjöllum stürzt etwa 30 Kilometer vor der Mündung in den Atlantischen Ozean in eine bis über 100 Meter tiefe Schlucht – die Jökulsárgljúfur und einige der beeindruckendsten Wasserfälle Islands sind im Park zu finden – allen voran der Dettifoss !
Darauf freue ich mich also wirklich schon lange und heute bei diesem Wetter – die Aussicht darauf, dass in strahlendem Sonnenschein zu erleben steigert die schon große Vorfreude auf 101%

Nach unserem wie immer mit dem Wasserkocher aufgebrühten Kaffee geht es auf der Ringstraße nach Osten.
Allerdings wirklich weit kommen wir (wieder mal) nicht. Wir wollen heute noch etwas nachholen was wir gestern am Solfatarenfeld Hverarönd versäumt haben.

Vom Parkplatz führt ein sehr steiler Pfad auf den 485m hohen Berg Námafjall – so was gleich am Morgen noch ohne Frühstück – eine Aktion die wieder mal typisch für uns ist ……
Wir kommen mächtig ins Schwitzen und die Pumpe bekommt ordentlich Arbeit.

Nach 30 Minuten sind wir auf dem Kamm angelangt.

Auch hier oben sehen wir einige Quellen und Solfataren ....

... aber vor allem der Blick auf den Mývatn ....

.... und hinab auf die unwirkliche Landschaft von Hverarönd ist die Anstrengung wert.

Der Weg führt weiter auf dem Kamm entlang ...

.... und endet schließlich auf der Passhöhe der Ringstraße.

Von dort geht es durch das Solfatarenfeld wieder zurück zum Parkplatz. Absolut klasse !

Da heute so schönes Licht ist (ist in Island sowieso jeden Tag anders – und man könnte seine Aufnahmen täglich mit anderem Licht wiederholen) und kaum Leute unterwegs sind - schlendern wir noch einmal durch das Heißquellen-Gebiet.

Es macht einfach so großen Spaß hier – man könnte tagelang vor einem blubbernden Schlammtopf stehen ...

... und darauf warten den idealen Zeitpunkt einer großen Schlammblase zu erwischen,...

.... dazu diese irren Farben.
Eine Gruppe „Fotografen“ rückt an.
„Oh my Goodness“. Militärhosen, grüngefleckte Westen, alle mit waffenscheinpflichtigen Teleobjektiven die eher wie ein Raketenwerfer aussehen, manche mit Stativen größer und schwerer als sie selbst und alle umkreisen eine Quelle und machen das gleiche Bild ...... na ja ..... muss man auch mögen, auf diese Art durch Island zu reisen ....

Inzwischen ist es 11.30 Uhr. Wir verdrücken noch einen kleinen Imbiß am Parkplatz und fahren dann wenige Kilometer nach Osten bis zur Einmündung der 864 die erst seit 2 Wochen geöffnet ist. War wohl ein schneereicher Winter dieses Jahr.
Es gibt zwei Zufahrten in den Jökulsárgljúfur Nationalpark von Süden. Beide Pisten laufen parallel zur Jökulsá á Fjöllum – die 864 östlich und die F862 westlich des Gletscherflusses. Letztere ist noch geschlossen.
Auf der 864 sehen wir auch einige PKWs, aber Spaß kann das sicherlich keinen machen. Während wir mit einem bei Wellblech deutlich angenehmeren 70er Schnitt über die Piste donnern – müssen die PKWs wegen fehlender Bodenfreiheit doch deutlich langsamer jede Bodenwelle regelrecht zelebrieren.
Nach etwa einer halben Stunde haben wir dann auch an die 15 Pkws überholt und problemlos den Parkplatz oberhalb des Dettifoss erreicht.

Neben einigen Touris sind leider auch unsere „Freunde“ die Mücken wieder da (wie man unschwer an den Leichenfunden am Nummerschild erkennen kann) – wenn auch nicht so schlimm wie am Mývatn.

Vom Parkplatz geht es etwa 500 Meter hinab zum Wasserfall ...

... und man kann schon mal einen ersten Blick in die Schlucht der Jökulsá á Fjöllum werfen.

Der 100 Meter breite Dettifoss gilt durch die Kombination aus Volumenfluss und Fallhöhe als der mächtigste Wasserfall Europas und ergießt seine grau-braunen Wassermassen hier an dieser Kante der Schlucht über 45 Meter in die Tiefe.

Beeindruckend wie die Gischt gen Himmel sprüht !

Wir gehen noch einen Kilometer weiter flussaufwärts zum 10 Meter hohen Selfoss – der uns durch seine hufeisenförmige Wasserfallkante ebenso gut gefällt wie sein bekannter Nachbar Dettifoss.

Fotoshooting am Sellfoss

Weiter geht die Fahrt auf der 864 nach Norden – aber nur für 2000 Meter – dann kommt schon der nächste kurze Abzweig zum 27 Meter hohen Hafragilsfoss – mit tollem Blick auf die Schlucht.

Rückweg vom Aussichtspunkt
Unser Lada bringt uns die letzten Kilometer weiter nach Norden bis zum Besucherzentrum in Ásbyrgi das wir gegen 16 Uhr erreichen.
Mit dem Handy wird erst mal eine Unterkunft organisiert – ein Gästehaus einige Kilometer westlich von hier. Wie üblich reicht die Angabe des Vornamens – inzwischen wissen wir dass wir uns auf eine telefonische Zusage absolut verlassen können.

Danach sehen wir uns kurz um, blicken von einer Terrasse hinter dem Besucherzentrum auf die von Buschwerk umgebenen Felseninseln von Ásbyrgi.
Wir erkundigen uns ob die F862 die im Westen der Jökulsá á Fjöllum zur Ringstraße zurückführt, morgen aufmacht – was leider nicht der Fall ist, da wohl noch einiges an Schnee auf der Piste liegt.
Es gilt zu überlegen, was wir mit den restlichen Stunden des Tages anfangen wollen. Eine eventuelle Wanderung hier in Ásbyrgi verschieben wir auf morgen. Das könnte man auch bei etwas schlechterem Wetter bewerkstelligen und heute ist es noch so sonnig; also entscheiden wir uns für die spektakuläreren Gebiete des Nationalparks am Fluss weiter südlich. Dazu müssen wir zwar auch die eigentlich gesperrte Allradpiste F862 unter die Räder nehmen, die aber wie wir erfahren immerhin bis zum Wanderparkplatz Vesturdalur geöffnet ist.
Die knapp 10 Kilometer lange Jeeppiste lässt sich bis Vesturdalur gut mit unserem Lada befahren. Wir stellen das Auto am Parkplatz ab und wandern an der Jökulsá á Fjöllum entlang nach Süden.

Da zumindest rund um den Parkplatz eine Mückenkonferenz tagt, empfiehlt es sich kurzzeitig mit unserem schicken Kopfschmuck anzugeben.

Immer wieder gibt es schöne Blicke auf den Fluss und den Canyon durch den sich das Wasser zwängt.

Besonders markant sind zwei zusammenstehende Lavafelsen namens Karl og Kerling (der Sage nach ein alter Mann und eine alte Frau) die auf einer Geröllhalde am Ufer des Flusses nebeneinander stehen.
Sieht irgendwie friedlich aus – ob das wirklich Mann & Frau sind ?

Auch wenn der Weg von hier noch den ganzen Canyon entlang nach Süden geht kehren wir hier um und sind nach insgesamt einer Stunde am Auto zurück. Dort treffen wir die „Lada-Polen“ die wir vor zwei Tagen in den Ostfjorden kennengelernt hatten. Schon eine kleine Kuriosität am Rande – so klein ist Island ja auch nicht.
Wir unterhalten uns, hören dass die beiden in 2 Tagen die F35 fahren wollen – was wir in 3 Tagen auch vorhaben und tauschen kurz ein paar Erlebnisse der letzten Tage aus.

Dann geht es auf die nächste Wanderung – diesmal vom Parkplatz nach Norden – in die Hljóðaklettar (Echofelsen) – ein ungewöhnliches Gebiet mit Basaltformationen, Höhlen und riesigen Skulpturen.

Die Basalte bilden Rosetten die an Kirchenfenster erinnern. Die meisten Lavahöhlen die man hier findet sind Schlote von Vulkanen deren lockeres Außengestein von der Jökulsá fortgeschwemmt wurde. Entstanden sind sie bei Ausbrüchen vor ca. 8000 Jahren. Das Zusammentreffen von Feuer, Gasen und Wasser führte zu ungeheuren Explosionen, die die Berge der Umgebung teilweise regelrecht zerrissen.

Noch ein Stück weiter auf dem Weg erreichen wir die roten Kegel der Rauðhólar.

Die rötliche Farbe entstand durch die Oxidation von Eisen in dem geschmolzenen Gestein, als es mit dem Wasser auf seinem Weg an die Oberfläche in Berührung kam.

Vom Gipfel der Rauðhólar hat man einen phantastischen Blick in beide Flussrichtungen, auf den Canyon ...

... und die Felsnadeln, die am roten Hang des Berges vor sich hinerodieren.

Für den Rückweg bietet sich noch eine etwas beschwerlichere Variante an, die mehr am Fluß entlang durch die Lavagebilde zurück zum Parkplatz führt. Hier gibt es auch eine Lavahöhle zu bestaunen.
Eine tolle Zwei-Stunden-Wanderung – die viel Spaß gemacht hat.

Gegen 19:30 Uhr sind wir wieder zurück in Ásbyrgi – kaufen im Shop zwei Tiefkühlpizzen und fahren zum Skúlagarður Gästehaus – das wenige Minuten entfernt direkt an der 85 an der Strecke nach Husavik liegt.
Eine sehr nette Dame nimmt uns in Empfang und während ich schon mal das Auto auslade wird Petra in diverse Geschichtchen aus dem isländischen Alltag eingeweiht. Natürlich wird uns auch die Küche gezeigt und sogar ein nagelneues Pizzablech bekommen wir von der freundlichen Frau.
Da inzwischen die kleinen Männchen die für das Hungergefühl zuständig sind mit ihren kleinen Hämmerchen gegen die Magenwände trommeln, kümmern wir uns schleunigst um das Projekt Pizza. Der Herd will zunächst nicht heiß werden. Ein Fehler in der Elektronik den die Vermieterin mit einem geheimnisvollen Handgriff beseitigt.
Als wir die Pizza dann allerdings einige Minuten später aus dem Herd nehmen pappt das Ding derart am Blech fest, das wir schon fürchten auf Suppe und noch übrige Salzletten umsteigen zu müssen. Mit vereinten Kräften gelingt es dann doch die Pizza vom Blech zu schälen und wir können endlich unseren Hunger stillen.
Das funkelnagelneue Blech hat wohl ein paar unvermeidliche Kratzer abbekommen – kann mich nicht erinnern, daß mir in meinem Tiefkühlpizzaleben schon mal so ein störrisches Ding vorgekommen ist und dann hier wenn man eh schon „scheißhungrig“ ist mit einem geliehenen Blech ….. typisch. Wir bekommen das Blech aber wieder ganz gut hin – genehmigen uns noch ein extra Bier und lauschen dem klagenden und nicht enden wollenden Weinen eines Säuglings einer deutschen Familie von nebenan, die sich auch lautstark (etwa Bundeswehrappell-Phonstärke) „unterhalten“ was deutlich durch das dünne Wändlein dringt.

Draußen können wir durch unser Zimmerfenster eine tolle Lichtstimmung ausmachen die uns noch einmal mit unseren Kameras vor die Tür treibt.
In Island muss man ja meist nicht weit gehen um ein ablichtenswertes Motiv zu finden – so ist es auch hier. Hinter dem Haus gibt es einen mäandernden Fluß, .... Berge in der Ferne ….. einfach ein tolles Land.
Wieder im Zimmer zurück zeigen die Bierchen und der lange Tag trotz des Geplärrs vom Nebenzimmer ihre Wirkung und wir schlafen mit dem Buch in der Hand ein. Auch das war kein wirklich schlechter Tag .......
Übernachtung: Skúlagarður Guesthouse
Preis: 5000 ISK (29 €) ohne Frühstück, mit Schlafsack, Bad & WC auf den Gang
Bewertung: 7 von 10
Kommentar: alles da was man braucht, nahe Ásbyrgi – nettes Haus, sehr günstig, Zimmer allerdings nicht sensationell
Bild des Tages:

Einer unserer (vielen) Lieblingsplätze in Island: das Solfatarengebiet Hverarönd