7. Tag Mittwoch, 10.6.2009Wir sind gespannt wo es heute hingehen soll – in den Nordwesten bis Akureyri oder in den Süden nach Vik. Da wir es geschafft haben nach 6 Tagen praktisch fast noch keine Ringstraße zu fahren wird es jetzt Zeit das zu ändern – nur die Richtung soll abhängig vom Wetter in wenigen Minuten festgelegt werden.
Inzwischen bevorzugen wir eigentlich die Südvariante – was zwei Vorteile hätte:
1.wir können den stärker „überlaufenen“ Süden noch mehr in der Vorsaison abhandeln, treffen somit auf weniger Leute und finden leichter Zimmer
2.Wir können am Ende um wieder vom Norden zurück nach Reykjavik zu gelangen als Alternative zur Ringstraße die F35 wählen – hätten damit eine Hochlanddurchquerung und könnten mit etwas Glück vielleicht den Gullfoss noch mal bei besserem Wetter sehen – denn da trifft die F35 wieder auf Asphalt.
Um 9 Uhr fahren wir vor das Visitor Center in Borgarnes. Der für Besucher zugängliche PC lahmt (wie sollte es auch anders sein) aber eine Angestellte des Visitor Centers zeigt uns an ihrem PC wie sich das „Vedur“ in den nächsten Tagen entwickelt (oder entwickeln könnte

). So ganz eindeutig ist es zwar nicht aber – mit etwas gutem Willen sieht es im Süden tatsächlich besser aus und sympathischer ist uns diese Möglichkeit aus den erwähnten Gründen sowieso – also bedanken wir uns für die Auskunft und legen fest:
Es wird gegen den Uhrzeigersinn und nach Süden gefahren.
Noch gibt uns Borgarnes nicht frei – für uns inzwischen fast wie ein Bermuda-Dreieck. Denn bevor wir mit unserem Lada wieder an Schafen, Pferden und Wasserfällen vorbeirumpeln können - wollen wir außer tanken auch noch einkaufen – was irgendwie gar nicht so einfach ist. Der erste Laden hat noch zu – der nächste ist noch gar nicht eröffnet ….
Endlich bei Nummer drei dürfen wir unsere Kreditkarte zücken.
Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir endlich diesen Ort – wobei uns Borgarnes durchaus gefallen hat - ein nettes Städtchen.
Wir durchqueren einen gebührenpflichtigen Tunnel, fahren an Reykjavik vorbei Richtung Selfoss und sind gegen Mittag am Seljalandsfoss. Das Wetter ist inzwischen leider wieder wolkenverhangen – ab und zu gibt es auch mal ein paar Tröpfchen.

Noch viel mehr Tröpfchen bekommen wir allerdings am schönen Seljalandsfoss ab ...

.... denn hinter dem kann man sogar auf einem Pfad hindurchgehen.

Eine feuchte Angelegenheit – die man sich aber nicht entgehen lassen sollte.

Neben dem Seljalandsfoss gibt es noch einen zweiten Wasserfall – und die ganze Gegend hier ist wunderschön, ein mäanderndes blumengesäumtes Flüsschen, saftige Wiesen, imposante Berge.
Auch die Strecke wird nun landschaftlich äußerst reizvoll – was man von dem Bereich zuvor zwischen Reykjavik und Selfoss beim besten Willen nicht sagen kann. Aber jetzt halten wir trotz des düsteren Wetters um Bilder zu machen und die isländische Natur zu bestaunen; in der einzelne Höfe und kleine Gemeinden einsam im Schatten der Berge liegen.
Nächster „Programmpunkt“ ist in Skógar das kleine Heimatmuseum in dem es neben den fotogenen Torfhäusern ....

... auch eine Kirche (rechts) zu sehen gibt.

An einem kommt aber wohl kaum jemand in Skógar vorbei - 25 m breit und 60 m hoch – ein Anblick der Islands Vormachtstellung beim Thema Wasserfälle einmal mehr deutlich unterstreicht .....

.... der Skógafoss.
Es beginnt zu regnen und aus zwei große Bussen „entweicht die Ladung“. Menschenmengen – damit können wir ja gar nicht mehr umgehen – schnell weg und weiter nach Osten.

Nur ein paar Kilometer weiter gönnen wir uns einen Abstecher zum Sólheimjökull – einer Gletscherzunge des riesigen Mýrdalsjökull zu dem eine kurze Piste führt
(auf diesen Gletscher kommen wir übrigens im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal zurück ). 
Eine fast unwirkliche Gegend mit Gletscherflüssen und gelbbemooster Lava – faszinierend !

Auch der Blick aus nächster Nähe auf den Gletscher zu dem wir vom Parkplatz spazieren lohnt die wenigen zusätzlichen Kilometer.
Auch die weitere Strecke bis Vik i Mýrdal – oder kurz „Vik“ zwingt noch ein paar Mal zu unvermittelten Stops – manchmal auch einfach auf der Straße, was aber kein Problem ist. Selbst hier auf der 1 ist so wenig Verkehr, überhaupt ein weiterer großer Pluspunkt Islands – nirgendwo bisher auf unseren Reisen konnte man so entspannt Autofahren wie in Island.

Apropos Autofahren – was können wir heute Neues von unserem Lada berichten ?
Nun, so langsam kennen wir alle seine Macken und haben uns daran gewöhnt. Auch daran, daß man sich immer umstellen sollte wenn man sich gerade vorher im Auto unterhalten hat (was wegen des Ratterns etwas lauter ausfallen muss) und gleich nach dem Aussteigen auf nicht Ladageeichte Menschen trifft. Man will ja niemanden in Grund und Boden schreien.

Vik ist ein bezauberndes Örtchen in phantastischer Lage. Das Örtchen schmiegt sich an den mächtigen Reynisfjall – sozusagen der Hausberg Viks, das kleine Kirchlein thront malerisch auf einem Hügel von Lupinen umringt, und der Strand gilt als einer der schönsten der Welt – wozu auch die im Meer stehenden Basaltfelsen der Reynisdrangar beitragen; und das alles vor der Kulisse des Mýrdalsjökull.

Kirche und Berge in Vik i Mýrdal

Blick auf die Reynisdrangar
Bevor wir uns aber den Reizen der Umgebung hingeben können muss eine Unterkunft organisiert werden. Das kleine Hostel das hier kaum Zimmer anbietet ist bereits voll. Wir entscheiden uns für das Hotel Lundi (bei dem Namen …. ) das auch ein Guesthouse mit Schlafsackunterkünften anbietet.
Na ja – klein (Bettenlänge 1,70m), alt und gut abgewohnt und dazu die Koffer in den 3.Stock wuchten … zudem macht die Uralt-Küche im Keller nicht unbedingt Lust sich da auszutoben … dürfte mal wieder ein Restaurantbesuch angesagt sein.
Da wir unsere Ansprüche in punkto Zimmer vor der Reise schon gut nach unten disponiert haben macht uns das aber nichts aus – überhaupt war es bisher überall sauber – und wir konnten weit günstiger übernachten als wir gehofft hatten.
Wir fahren um den Reynisfjall wieder aus dem Ort nach Westen und nehmen die Stichstraße 218 zum Kap Dyrhólaey. Leider kommen wir hier nicht weit. Der größte Teil der Straße die auf einem Felsen bei einem Leuchtturm endet und den Blick hinab auf ein Felsentor im Meer ermöglicht ist vom 1.5. bis 25.6. gesperrt, was wir aber schon vorher wussten.
Grund sind die dort brütenden Papageitaucher die dort in Scharen in den oberen Etagen der Felsen ihren Nachwuchs in kleinen gegrabenen Höhlen aufziehen.

Der kurze Abstecher lohnt sich aber trotz verschlossenem Tor, denn immerhin gibt es hier einige interessante von Wind und Wasser geformte Wellenfelsen.

Vik gilt ja als regenreichster Ort Islands. Heute ist es immerhin trocken und mit etwas Glück kämpft sich sogar noch die Sonne durch, die schon gelegentlich durch einige Wolkenfetzen blinzelt.
An klaren Tagen kann man von der Küste bei Vik die Westmänner-Inseln sehen.
Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Film „Free Willy“ und seinen Star – den Orca Keiko. 1998 kam Keiko wenige Kilometer von hier auf der Insel Heimaey an (der größten der kleinen Westmänner-Inseln) – denn in isländischen Gewässern wuchs er einst auf bevor er für Hollywood „entdeckt“ wurde.
Die „Free-Willy-Stiftung“ beschäftigte ein ganzes Forscherteam, das jeden Atemzug Keikos dokumentierte. 20 Jahre hatte Keiko in den Betonbecken Nordamerikas Kunststücke gezeigt und sich durch den Kinofilm endgültig neben Flipper zum bekanntesten Fisch der Welt katapultiert. Keiko tat sich schwer seine Bucht mit Vollpension zu verlassen und im offenen Meer selbst für sich zu sorgen. Durch unzählige Trainingseinheiten ließ er sich dann doch noch von einem Leben in Freiheit überzeugen, schwamm nach Norwegen kam dort aber auch nicht ohne Menschen aus und starb 2003 an einer Lungeninfektion. Das Experiment das viele Millionen Dollar verschlungen hatte war gescheitert. Ein Happy End wie im Film war Keiko leider nicht vergönnt……

Direkt an der Westseite des Reynisfjall führt eine zweite Stichstraße (die 215) bis zum Meer.
Nur wenige Meter sind es vom Parkplatz bis zum pechschwarzen Strand.


Hier finden wir neben spektakulären Basaltsäulen ....

.... auch Papageitaucher (Lundis) die im Meer schwimmen.

Auch das Felsentor von Dyrhólaey kann man gut von hier erkennen.

Das beeindruckendste sind aber natürlich die im Meer stehenden Lava-Felsnadeln - die Reynisdrangar.

Da schlägt das Filmerherz wieder schneller.

Einige der im Meer schwimmenden Lundis drehen ein paar Flugrunden über dem Wasser und landen oberhalb der Basaltsäulen im Felsen.

Petra verrenkt sich fast den Hals um mit ihrem Tele ein paar Aufnahmen zu ergattern.

Einfach immer wieder herrlich den Kleinen zuzusehen.

Macht einfach Freude hier große und kleine Dinge zu entdecken.
So langsam bekommen wir Hunger – auch wenn wir heute noch etwas vorhaben. Wir wollen hoch auf den Reynisfjall wandern in der Hoffnung, neben schönen Blicken auf Küste und Felsen vielleicht sogar einen Lundi oben an den Klippen zu entdecken. So gut wie in Látrabjarg sind die Chancen hier sicher nicht – aber wer nicht wagt der nicht gewinnt.
Aber das verschieben wir mal auf nach dem Essen – ab 21 Uhr gibt es in den meisten Restaurants in Island nichts mehr auf den Teller – also fahren wir wieder um den Berg herum zurück nach Vik. Große Auswahl an Lokalen gibt es im kleinen Vik nicht – aber das Strondin erweist sich als sehr gutes Restaurant – sowohl von der Einrichtung als auch dem Essen. Da wir heute irgendwie Lust auf Pizza haben verschmähen wir manch interessant klingende Alternative – aber Lachs und Lamm gibt es irgendwann anderswo noch.

Blick vom Restaurant zum Meer

Nach dem Essen geht es um 20.30 Uhr in einigen Kehren zu Fuß steil hinauf auf den Reynisfjall.

Inzwischen hat sich die Sonne durchgekämpft und wir bekommen herrliche Blicke in „Fotografen-Licht“ auf die Küste, Berge und den Ort serviert.
Oben angekommen müssen wir erst mal tief durchatmen – das hat Körner gekostet – mit vollem Pizzabauch.
Nach einigem erfolglosem Herumirren auf dem Felsen ohne Lundierfolg, entscheiden wir uns auf eine verlassene, verfallene Hütte zuzugehen die sich in der Nähe der Klippe befindet.
Vorsichtig treten wir an den Rand und trauen unseren Augen kaum.

Unfassbar – wie auf einer Postkarte sitzt eine Gruppe Lundis direkt am Klippenrand !

Im Hintergrund die Felsnadeln der Reynisdrangar ...

.... eine Szenerie wie im Film.

Immer wieder fliegen Lundis heran, setzen sich vor ihrer Höhle ins Gras während andere wieder Richtung Meer hinab starten.

Klasse – ein Riesenerlebnis aus nächster Nähe !

Dieser Berg mit seiner Klippe ist sogar für Islandverhältnisse ein Superlativ – nicht nur wegen der Lundis – der Blick von hier oben ist überwältigend. Nach Osten steht das Felsentor von Dyrhólaey in der Brandung, direkt unterhalb die Felsnadeln der Reynisdrangar, nach Westen blickt man auf Vik und den weiteren Küstenverlauf – im Hintergrund nach Norden die scheinbar unendlichen Gletscher des Mýrdalsjökull.
Alles wird uns hier oben wie auf einem Präsentierteller serviert und vor allem Lundis ohne Ende !
Viele Aufnahmen später sind wir gegen 23 Uhr doch gut geschafft wieder im Zimmer und schlafen gleich ein.
Ein absolut phantastischer Tag in einem Wahnsinnsland – und Vik könnte einer unserer absoluten Lieblingsorte auf Island werden.
Übernachtung: Hotel Lundi (Guesthouse)
Preis: 5200 ISK (29 €) ohne Frühstück mit Schlafsack WC & Bad auf dem Gang
Bewertung: 2 von 10
Kommentar: sauber und in Vik. Das ist das Positivste was man über das Zwergenzimmer berichten kann.
Bild des Tages:

Lundis in Vik - auf dem Reynisfjall