2. Tag Freitag, 5.6.2009 Der Wettercheck am Vorabend unserer Reise hatte für heute kein gutes Wetter vorhergeweißsagt – und hat damit leider recht. Verhangener Himmel, auch mal ein paar Tröpfchen auf der Scheibe des kleinen Dachfensterchens durch das ich heute morgen beim Zähneputzen in dem „Gemeinschaftsbad“ für alle Gäste (es gibt aber nur 2 Zimmer – also der Andrang lässt sich überleben) auf die Häuserdächer von Hafnarfjörður blicke. Die Isländer können mit der "heißen Erde" ziemlich gut wirtschaften, denn sie treiben mit dem Dampf Turbinen an und erzeugen Strom damit. Das heiße Wasser fassen sie in Rohre und verteilen es an alle Haushalte. Darum riecht auch das warme Wasser, das in einem isländischen Bad aus dem Wasserhahn kommt schon mal etwas „ungewöhnlich“ nach faulen Eiern - also nach Schwefel. Das kalte Wasser hingegen riecht nach nichts.
Da wir hier ja den Luxus eines B&B haben – dürfen wir uns jetzt als erstes den Magen voll schlagen – ein erster Programmpunkt den wir natürlich besonders ernst nehmen.
Das Frühstück kann man als durchaus üppig bezeichnen – sogar Lachs ist im Angebot – wer’s morgens mag – ich bin da schmerzfrei und knalle mir den auch jetzt gleich mal aufs Brot – was mir ein Augenrollen Petras garantiert.
Gezahlt wird in bar – so werden wir also unsere ersten Scheinchen los. Mit Axel, dem Hausvorstand vom Helguhus B&B unterhalten wir uns noch kurz über unsere Reise und das Wetter – wobei er uns wünscht dass wir es nicht zu heiß haben – tja, die Isländer haben da ein eigenes Empfinden das sich doch signifikant von dem unseren unterscheidet.
Da uns das B&B gut gefällt und auch der Preis gut ist – reservieren wir bei Axel gleich für die letzte Nacht der Reise wenn wir für den dann anstehenden Rückflug wieder in den Bereich Reykjavik zurückkehren müssen. Von Axel bekommen wir auch einen Tipp wo wir unsere Vorratsproblematik (vor allem Getränke) lösen können und so führt uns die erste Fahrt heute zu einem großen Supermarkt am Stadtrand von Hafnarfjörður. Bier ist hier dank Wechselkurs auch nicht viel teurer als zu Hause – also verabschiede ich mich von dem vollmundig ausgegebenen Plan „dies wird ein trockener Urlaub“ und kaufe gleich mal einen Sixpack.

Wir drehen noch eine Runde durch Hafnarfjörður – der Ort in dem jedes Jahr Islands größtes Wikingerfest gefeiert wird. Die Wikinger waren es auch die Island im Jahre 870 entdeckt haben sollen und auch die ersten Siedler waren norwegische Wikinger die sich im 9. und 10. Jahrhundert auf der Insel niederließen.

Unser neuer ganzer Stolz (in der Bildmitte

)
Wir nehmen nun endlich mal Fahrt auf – über die 413 verlassen wir den „Großraum Reykjavik“ und landen dann auf Islands Nummer 1 – der Ringstraße - und rattern und knattern mit unserem Lada gen Osten.
Bereits nach wenigen Minuten nähern wir uns einem Womo und kurz bevor es eine Überholmöglichkeit gibt – macht es auf unserer Windschutzscheibe auch schon „klack“. Ein von den Reifen des Womos abgeschossener Stein hinterlässt einen daumennagelgroßen Abdruck im Glas in Höhe der Scheibenwischer auf unserer Windschutzscheibe.
Eigentlich war die zusätzliche Gravel Protection ja dafür gedacht, dass wir solche Schäden auf den üblen Pisten abseits des Teers versichert haben – und nun erwischt es uns auf der Ringstraße – auf jeden Fall war die Versicherung jetzt schon eine gute Idee.
Etwa 1 Stunde später durch absolut langweilige, archaische Landschaft biegen wir kurz vor Selfoss auf die 35 nach Norden ab. Das Wetter ist nach wie vor düster und verhangen – aber zumindest trocken – bisher.
Wir halten an einem Parkplatz der einen Aussichtspunkt verspricht. Eiskalter Wind schlägt uns ins Gesicht – also erstmal warm anziehen.

10 Meter hinauf auf einem kleinen Hügel blicken wir urplötzlich in einen Vulkan mit seinem Kratersee namens Kerið.

Hier zieht's wie Hechtsuppe .....

Gegen Mittag erreichen wir Haukadalur – das bekannteste Heißquellengebiet Islands.
Sämtliche Naturwunder (und davon gibt es in Island ja nicht gerade wenige – die ganze Insel ist ein einziges Naturwunder) sind in Island kostenlos !
Ein Umstand der uns sehr sympathisch ist – nicht nur weil er uns Geld spart. Eine Ideologie, dass Natur uns allen gehört und man nicht dafür bezahlen muss passt zum gelassenen und entspannten Klima das wir hier antreffen – genauso wie der Umstand – das es keine Öffnungszeiten gibt – die Natur hat immer geöffnet .....
Wir stellen uns auf „Menschen“ ein – es ist aber letztendlich gar nicht so schlimm – wir sind spürbar noch in der Vorsaison – aber ganz alleine ist man hier wohl nie – außer vielleicht mitten in der Nacht – was ja lichttechnisch auch machbar wäre.....

Farbenspiele in Haukadalur


Vorbei am großen Geysir – dem alle anderen Geysire auf der Welt ihre Bezeichnung zu verdanken haben (isländisch Geysa bedeutet „strömen/wirbeln“) - der aber nur in unregelmäßigen Abständen, bestenfalls einmal am Tag ausbricht, ....

... sehen wir uns einige heiße Quellen an ....

... und wenden uns dann dem absoluten Star des kleinen Gebietes zu: dem Strokkur.

Seine Ausbrüche erfolgen regelmäßig im Abstand von 8 bis 10 Minuten und manchmal bis zu drei Mal kurz hintereinander mit einer Höhe von 25 bis 35 Metern.

Besonders faszinierend beim Strokkur („Butterfass“) ist eine grüne Wasserblase die sich beim Ausbruch knapp einen Meter nach oben wölbt .....

..... und aus der dann der Wasserdampf nach oben schießt.

Ein Anblick der süchtig macht.

Immer und immer wieder möchte man „die Blase“ sehen – für das Foto den perfekten Sekundenbruchteil erwischen, wenn die grüne Wölbung ihren Höhepunkt erreicht.
Ein Bus mit Holländern rollt an – alle im orangen Dress (die Fußballnationalmannschaft Hollands spielt wohl heute Abend auf Island) und alle haben obligatorisch ein Bier in der Hand. Einen Meter vom Ausbruchkrater des Strokkur liegt ein Fußball (!?) und einer der Holländer steigt über die Seilabsperrung und angelt den Ball vom Rand der heißen Quelle.
Wenn Strokkur in diesem Moment nach etwas frischer Luft ist – gibt es für den Holländer das gleiche wie für seine Nationalmannschaft bei großen Turnieren – ein Ausscheiden in der Vorrunde .....

Zeit für einen Coffee-Break und Aufwärmen in der Cafeteria – gegenüber dem Geysirgebiet.
An den Preisen ist erkennbar, dass auch der Isländer weiß was ein Tourist ist und wo er in Häufung auftritt.
Auch in den angeschlossenen Shop werfen wir noch einen Blick und können (ich) bei einem Plüsch-Lundi nicht widerstehen – an sich sind wir solchen Objekten ja seit gut 30 Jahren entwachsen, aber die Vorstellung in unseren Lada quasi als „innere Kühlerfigur“ hinter der Windschutzscheibe einen Lundi zu setzen ist so schräg – da können wir einfach nicht anders.

Freunde fürs Leben
Damit hat sogar unser ansonsten absolut puristische Russe eine „Innenausstattung“ bekommen.
Hoffentlich bleibt das nicht der einzige Lundi den wir zu Gesicht bekommen.....
Schon bald entwickelt sich aus der Nummer ein weiterer Gag – wer beim Fahren den Lundi umkippt muss mit Hohn & Spott seines Beifahrers rechnen – auf „bösem Gravel“ ist diese "Regel" natürlich außer Kraft gesetzt.

Abgesehen vom Lada die nachfolgend wichtigsten Teilnehmer der Reise:
Petra, der "kleine Lundi", mein Kamerastativ.

Flüsse gibt es in Island wie Sand am Meer und im Frühsommer blühen fast überall Lupinen.

Das Wetter ist immer noch mies (düster, windig, kalt) aber (noch) trocken. Wir fahren zum Gullfoss – dem zweiten Ziel des sogenannten „Goldenen Zirkels“ (einer Runde ab Reykjavik zu Geysir, Gullfoss und Þingvellir) nur eine Handvoll Kilometer von Haukadalur entfernt.
Vom Parkplatz oberhalb der Fälle führt ein kurzer Weg zu einem Aussichtspunkt oberhalb des „Goldenen Wasserfalls“ ...

... und eine Treppe hinab zu den beiden Fallstufen die fast im 90 Grad Winkel zueinanderstehen.

Was für ein Erlebnis !

Diese Wassermassen, die beiden breiten Kaskaden – selbst bei heute schlechtem Licht einfach zum Niederknien.

Auf einem teilweise nassen Pfad kann man bis zu einigen Felsen am Rande der oberen Kaskaden gehen (es gibt in Island abgesehen von den Geysirgebieten praktisch nirgendwo Absperrungen – jeder handelt auf eigene Verantwortung) und das Erlebnis so nah an den vorbeirauschenden Wassermassen zu sein ist zutiefst beeindruckend.

Wieder zurück am Parkplatz stellt sich Regen ein. Schön, dass er freundlicherweise gewartet hat bis wir fertig waren.
Auf dem Rückweg kommen wir nochmal am Haukadalur vorbei und betanken unseren Lada. Bei einem 30-Liter Tank sicher etwas das wir noch öfter genießen dürfen. An den Zapfsäulen wird bargeldlos mit Karte und PIN getankt – was auch mit EC- Karte funktioniert. Das Benzin kostet gut einen Euro – Billigland Island ......
Wir fahren weiter nach Laugarvatn. Kurz vor der Abreise hatten wir hier für die 2. Nacht noch das Hostel Laugarvatn reserviert – das war’s dann auch schon mit den Vorbuchungen.

Gegen 18 Uhr parken wir unseren Lada vor dem ersten Hostel der Reise. Zwischen einigen SUV’s sieht er schon ein bisschen mickrig aus – na, mal sehen was er drauf hat wenn es ernst wird.
Im Hostel gilt an der Eingangstür erstmal „Schuhe ausziehen“. Wir haben ein kleines Doppelzimmer reserviert – das sauber aber recht schlicht sicher keinen gehobenen Ansprüchen gerecht werden würde. Es gibt eine Küche die man nutzen kann und ein Gemeinschaftsbad und extra 2 WCs. Auf dem Zimmer fehlt dergleichen Luxus – außer zwei Betten, einem Schrank und einer Lampe auf einem kleinen Tischen zwischen den Einzelbetten ist nichts in dem kleinen Raum – was auch gut so ist – sonst müssten wir einen Koffer mangels Platz im Auto lassen.
Viel mehr als wir Zwei, unsere Schlafsäcke und zwei Bierdosen passt nicht in das Zimmer - ist aber ok.
Nur 100 Meter vom Hostel entfernt haben wir ein Restaurant ausmachen können – das sich als Pizzabude entpuppt. Also beschließen wir den Tag mit 2 Pizzen – und je einem Bierchen aus unseren neu erworbenen Beständen auf dem Zimmer.
Morgen soll sich das Wetter bessern. Zudem hoffen wir noch auf eine Öffnung in letzter Sekunde der Kaldidalur (F550) um so von Þingvellir auf landschaftlich schöner Strecke zum Hraunfossar zu gelangen.
Das könnte ein spannender Tag werden ....
Übernachtung: Hostel Laugarvatn
Preis: 6800 ISK (39 €) Frühstück nehmen wir extra dazu >1100 ISK pro Person (6€)
Also Gesamtpreis 9000 ISK (51€)
Bewertung: 4 von 10
Kommentar: Spartanisch aber ok – Lage im Gebiet zwischen Þingvellir und Geysir schon recht gut – große Auswahl an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in der Ecke nicht. Internet ist auf altem PC gegen kleine Gebühr möglich (es steht einfach ein Kaffeebecher da in den man seine paar Kronen reinwirft)
Bild des Tages:

Am Gullfoss