Autor Thema: Lava, Lada, Lundis - Island 2009  (Gelesen 177283 mal)

Horst

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Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« am: 03. Oktober 2013, 11:26:05 »
Hallo zusammen,

ich möchte Euch noch einmal zurück in die jüngere Vergangenheit führen und auf unsere erste Islandreise einladen.
Bevor es die aktuelle aus dem Jahr 2013 zu lesen gibt ist leider noch viel zu schreiben und Bilder zu bearbeiten - das ist bei dieser Reise aus dem Jahre 2009 bereits geschehen deshalb darf die als Lückenbüsser über unseren Islandeinstieg berichten.
Petra war zunächst dagegen, daß ich diesen Bericht hier bringe, da sie mit den Bildern heute gar nicht mehr zufrieden ist (ältere Kamera, unzureichende Bildbearbeitungtechnik) aber ich vertraue darauf, daß ihr dem Rechnung tragt und das mit den Fotos schon richtig einschätzen könnt.
Es ist halt wie bei uns Menschen - nicht das Äußerliche zählt sondern die "inneren Werte" und die müsst Ihr jetzt halt in dem Bericht entdecken.  ;)

Zu Island selbst.
Ihr habt es ja sicher schon einige Male lesen dürfen/müssen - Island hat bei mir /uns inzwischen eine Sonderstellung. :)
War früher USA unser Mekka zu dem wir wie besoffen gereist sind ohne an etwas anderes zu denken so gilt das heute fast ähnlich für Island.
Da könnten wir immer hin.
Warum das so ist, warum man in ein Land will in dem die Mietautos so sündhaft teuer sind und das das anstrengendste Wetter hat das ich aus meinen Reisen kenne .... vielleicht könnt Ihr es uns am Ende dieses oder eines irgendwann folgenden Berichts sagen, ich selbst kann es gar nicht zu 100 % erklären. :)
Freundliche, gelassene Leute, die geliebten Lundis, Geysire, Vulkane, Wasserfälle und überhaupt Natur so großartig wie fast nirgendwo aber das alles sagt es nur unzureichend was uns dieses kleine Land bedeutet.

Nun gut, genug der Vorrede oder auch wieder nicht - starten wir mit dem Prolog.







Prolog

Schon immer mal wollte ich nach Island – ok, vielleicht auch erst seit 20 Jahren – im Kindergarten wusste ich noch nichts von den Gletschern, Bergen, Wasserfällen und heißen Quellen dort. Gescheitert war das bisher hauptsächlich immer an zwei Dingen:
dem unberechenbaren Wetter (das hat mir schon immer Respekt eingeflößt) und den immensen Kosten die das teure Island durch seine kurze Saison (Juni-August) schon immer verursachte.
Im Sommer 2008 hatte ich mich innerlich durchgerungen – Island soll seine „Chance“ bekommen. Allerdings sollte es nicht 2008, sondern erst ein Jahr später so weit sein. Nach der tollen Jordanienreise war es bereits Sommer als wir uns Gedanken über die nächste Reise machten, das teure Island kam da kurzfristig nicht mehr in Frage. Es wurde dann zuerst USA geplant – am Ende aber nach Südafrika geflogen. 2009 sollte also unser Island-Jahr werden.

Im Winter begann ich mit den ausführlichen Vorbereitungen. Auch Petra reizte ein neues Land und der Kontrast zu den letzten Reisen in die arabische Wüste und den afrikanischen Busch aber noch wusste sie nicht so recht, was sie von Island halten sollte. Während bei mir mit jeder verschlungenen Reiseführerseite Begeisterung und Vorfreude wuchs, hat sie mich einfach „gewähren lassen“ und sich erst die letzten Wochen vor Abflug intensiver mit dem Thema befasst. Wir sind beide sehr gespannt wie uns Island gefallen wird, wie wir mit dem Wetter klarkommen, ob wir finanziell gut über die Runden kommen.

Was wir uns neben toller Natur in jedem Fall erhoffen sind Beobachtungen der Papageientaucher - in Island „Lundis“ genannt. Die kleinen, dank ihrer roten Schnäbel auffälligen Vögel sind im Sommer in Island sehr verbreitet – aber zur rechten Zeit am richtigen Ort und das nötige Glück braucht es schon – sonst bleibt nur die Ansicht auf den Postkarten .....

Inzwischen ist durch den isländischen Bankencrash eine neue für uns erstaunlich positive Situation eingetreten – der Kurs der isländischen Krone ist seit dem Herbst 2008 stark abgewertet – wir können auf „zivilere Preise“ hoffen.

Da Island mit seinen beiden kritischen Punkten (Wetter & Kosten) für Leute denen das Geld nicht seitlich herauswächst (wie leider bei uns) – gut geplant werden sollte – haben wir uns auch hinsichtlich unseres Gepäcks diesmal mehr Gedanken gemacht als sonst – hoffentlich wird sich das lohnen.

Auch mit der Anmietung eines Mietwagens ist das für Island so eine Sache. Schon ein PKW hätte uns für diesen Zeitraum 1000 € gekostet – ein SUV wäre nicht unter 1800 € zu haben gewesen. Not macht erfinderisch, bzw. man geht auch mal ein kleines Risiko ein – und zwar das – nicht bei den großen bekannten Vermietern zu buchen sondern bei einem kleinen Isländischen > Geysir.is – der für uns eine Sparvariante im Programm hat – einen völlig abgespeckten kleinen aber allradgetriebenen Lada Niva.

Das Auto könnte sich als der eigentliche (wenn auch eigenwillige) Star der Reise herauskristallisieren – dazu später natürlich noch (viel) mehr   .....

Flüge bekamen wir günstig über Iceland Air (300€) und entschieden hatten wir uns für den billigeren Frühsommer und den Monat Juni. 4.6. – 21.6. sollten unsere Reisedaten sein.

Am Donnerstag den 4.6. befüllen wir unser Auto, fahren nach Frankfurt zum Airport und  ......

 

.......  unser Abenteuer Island kann beginnen ........



Eine Übersichtskarte von Island
Zur Erklärung: Wir landen auf der Halbinsel Reykjanes, auf jeden Fall im Programm sind Geysir & Gullfoss und natürlich der Nationalpark Þingvellir, ebenfalls fest eingeplant ist die Halbinsel Snæfellsness - wenn wir es schaffen sogar die Westfjorde.
Fixpunkte sind Husavik, der Mývatn (Mückensee), der Jökulsárgljúfur NP (u.a. mit dem Dettifoss), die Ostfjorde sowie der Gletschersee Jökulsarlon, der Skaftafell NP, das sehenswerte Vik.
Schön wäre auch eine Hochlanddurchquerung auf der F35 vorbei am Heißquellengebiet Hveravellir, ob wir das auch schaffen wird sich zeigen.



Also dann viel Spaß bei:



Ich bin mit dem, was Du sagst, nicht einverstanden, aber ich werde bis zum Tod Dein Recht verteidigen, es zu sagen. Voltaire.

soenke

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #1 am: 03. Oktober 2013, 11:44:56 »
Hallo,
erster und ich sitze mit Vorne! Basta! ;D

Hallo Horst, dein Reisebericht kommt wie gerufen. Habe nämlich gerade meine Planung für nächstes Jahr gemacht. Im November nach Australien und Ende Mai solls nach Island gehen.
Habe 2 Varianten: 1. 8 Tage Südisland bis Jökursalon + Halbinsel Snaefellsnes  oder 2. 13 Tage Inselumrundung
Habe auch schon die Details herausgearbeitet. Beide Reisen sollen erstmal eine Schnuppertour werden ohne das Hochland, weil zu meiner Zeit die Strassen gesperrt sind.
Also, du siehst, ich bin vorbereitet:  8)

So, jetzt bin ich mal gespannt, was du uns so alles zeigst!! Habe bestimmt viele Fragen, was dich hoffentlich nicht stört!!

In freudiger Erwartung  Sönke

Andrea

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #2 am: 03. Oktober 2013, 12:06:12 »
Sönke, rutsch mal! Ich passe da auch noch auf die Bank!
Liebe Grüße, Andrea



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Horst

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #3 am: 03. Oktober 2013, 15:29:58 »
Hi Andrea & Sönke,

na dann hereinspaziert ins Abenteuerland.  ;)


Habe bestimmt viele Fragen, was dich hoffentlich nicht stört!!
Es wird mir eine große Freude sein.  :)

Je nachdem was Dir bei diesem Bericht gefällt, wirst Du schon selbst ein paar Ziele entdecken können, die unbedingt dabei sein sollen und wenn Du auch nur ein klitzekleines bisschen Begeisterung für Natur hast wird das in Island die Qual der Wahl - das kann man sicher ohne zu sehr zu übertreiben behaupten.  :)

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Paula

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #4 am: 03. Oktober 2013, 16:21:28 »
Andrea und Sönke auf der Rückbank: ich komme in eure Mitte  :)

Dass die Natur in Island herrlich ist glaube ich sofort, jetzt bin ich mal sehr gespannt ob das Wetter mitspielt!
Viele Grüße Paula

Ilona

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #5 am: 03. Oktober 2013, 17:18:18 »
Dann setze ich mich auf Sönke's Schoß  :verlegen: :zwinker:.
Liebe Grüße

Ilona

"Man muss viel laufen. Da man, was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, nicht gesehen hat" (Erich Kästner)


Silv

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #6 am: 03. Oktober 2013, 18:11:06 »
Dann setze ich mich auf Sönke's Schoß  :verlegen: :zwinker:.

Und ich quer drüber!   :totlach:
Liebe Grüße
Silvia

Horst

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #7 am: 03. Oktober 2013, 18:48:18 »
Hi Paula, Ilona & Silv,

auch Ihr seid hiermit anstandslos an der nichtvorhandenen isländischen Immigrations-Kontrolle vorbeigekommen.
Viel Spaß in Island.  ;)
Ich bin mit dem, was Du sagst, nicht einverstanden, aber ich werde bis zum Tod Dein Recht verteidigen, es zu sagen. Voltaire.

Shadra

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #8 am: 04. Oktober 2013, 00:47:03 »
.. is noch Platz ... ??
Schöne Grüße
Nele

Manche Menschen schwimmen mit dem Strom. Andere schwimmen gegen den Strom. Und ich steh hier mitten im Wald und find den blöden Fluss nicht!

Horst

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #9 am: 04. Oktober 2013, 15:53:40 »
.. is noch Platz ... ??
Natürlich Nele - es ist zwar nicht das Rotel - aber da geht noch was ....  ;)
Ich bin mit dem, was Du sagst, nicht einverstanden, aber ich werde bis zum Tod Dein Recht verteidigen, es zu sagen. Voltaire.

Horst

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #10 am: 04. Oktober 2013, 16:58:45 »
1. Tag Donnerstag, 4.6.2009

43 – eine magische Zahl.

Nein – damit ist nicht unser Alter gemeint. Auch unsere Flugnummer lautet anders – des Rätsels Lösung – das ist das Gewicht das unsere beiden Koffer zusammen haben und damit bei für 2 Personen erlaubten 40 kg ohne Probleme eingecheckt werden. Die erste Hürde ist damit genommen. In Johannesburg letzten November war das ja noch anders – da wurden wir nach zweimaligem Antreten vor die „Kofferkommission“ erst mit 42kg und drei Ave Maria durch gewunken.

Inzwischen wiegen wir zu Hause auch mit einer Federwaage vor und haben wirklich nur das Nötigste dabei – dieses Mal ist dieses „Nötigste“ aber noch um einige neue Ausrüstungsgegenstände erweitert worden – das wären u.a.:

 

-         ein Wasserkocher

-         Plastikschüsseln/ Teller/Becher

-         Mückennetze (in todschickem Grün)

-         Mützen, Handschuhe, Schal

-         Lange Unterhosen

-         2 Schlafsäcke

-         Kaffeepulver (inkl. Milchpulver) und Tütensuppen

-         Schlafbrillen

-         Alte Wanderschuhe zum Schlammlaufen

-         Billig-Flipflops für Gemeinschaftsduschen

-         Neu gekaufte winddichte Regenjacken

-         Ein selbstgebasteltes Regenkondom für meinen Camcorder

 

Schon mal eines vorweg – alles Dinge die wir gut brauchen konnten !

 

Um aber doch noch etwas mehr Gepäck mitzuschmuggeln, haben wir neuerdings immer ein drittes Handgepäck dabei – eine kleine Tasche in der sich mein zerlegtes Manfrotto Stativ befindet – das alleine 3,5 kg wiegt. Damit hatten wir noch nie Probleme – Handgepäck hat bisher nie jemand überprüft – und manche schleppen da ja 5 kleine Koffer in den Flieger....

Unser Flug geht eine halbe Stunde verspätet um 14.30 Uhr mit Iceland Air vom Frankfurter Flughafen ab. Wir bekommen Sitze am Notausgang und haben dadurch angenehme Beinfreiheit. Im Flieger kaufen wir eine Sim-Karte mit Guthaben von Simmin – die ich in mein Handy packe für 2000 ISK (knapp 12 €).

Der Flug ist ereignislos – dauert etwa 3 ½ Stunden und erreicht um 16 Uhr isländischer Zeit (die unserer um 2 Stunden hinterherhinkt also bei uns wäre es jetzt 18 Uhr) den Internationalen Flughafen Keflavik (etwa 30 Autominuten von der Hauptstadt Reykjavik entfernt). Eine halbe Stunde später haben wir uns am Gepäckband unsere Koffer geangelt, ziehen noch je für 30.000 Kronen (Juni 2009 ca. 170 € ) Bargeld mit der EC Karte und lassen uns mit dem Taxi zu Geysir nach „Downtown Keflavik“ fahren, einem Nest mit 13.000 Einwohnern – immerhin die sechstgrößte Stadt Islands !

Das Taxi hält auf einem großen Hof in dem ungeordnet zahlreiche Fahrzeug stehen. Auch einen Lada können wir ausmachen – vielleicht unserer ....
Ein junger Kerl kümmert sich in einem „Büro“ in dem wohl jeder eine Putzallergie hat (mindestens 30 Jahre alter verlauster Teppich, Raum etwas versifft aber einen neuen iMAC vor sich auf dem zusammengeschusterten Tischlein) um den Papierkram. Wir zahlen für den Lada für 17 Tage knapp 1300 € - was aber eine von mir zusätzlich gebuchte Gravel Protection (für Schäden an Unterboden, Lichtern und Scheiben) beinhaltet die mit 85 € zu Buche schlägt.

Die Vollkasko hat einen Selbstbehalt von 2000€. Auch den könnte man auf 375€ drücken für 9€ pro Tag. Diese 150€ verkneifen wir uns – mit wem soll man in Island einen Unfall haben ?

Autos sind in Island sauteuer. Das liegt zum einen an der extrem kurzen Saison – so Ende Mai bis Anfang September und an der hohen Belastung der die Fahrzeuge ausgesetzt sind. In welchem anderen Land gibt es bezogen auf die Größe so viele Schotterpisten und „offizielle Flussdurchquerungen“? Die sind allerdings bei nahezu keinem Vermieter versichert. Unserer hat uns das Autobad zwar genehmigt – aber versichert wären wir in diesem Fall natürlich nicht. Zumindest haben wir keine Beschränkungen bei den F-Straßen – wie sie viele andere Vermieter machen. Das isländische Straßennetz bzw. die Qualität der Straßen ist durch die Anzahl der Stellen der Straßennummer einschätzbar.

Die 1 – also die Ringstraße die auf ca. 1600 Kilometern komplett um Island führt ist fast durchgehend asphaltiert. Dann gibt es einige Straßen mit zweistelligen Nummern die entweder asphaltiert sind oder zumindest ordentliche und in Schuß gehaltene Gravelroads darstellen, die auch von PKWs machbar sind. Dann kommen die dreistelligen Nummern – da wird es für PKWs schon anstrengend (bis unmöglich) – aber zumindest auch diese Straßen sind (normalerweise) die ganze Saison über zu befahren. Eine Sonderkategorie sind die Straßen mit einem F davor. Die meisten davon finden sich im Hochland und bis auf die F35 ist keine für PKW geeignet. Oft müssen Flüsse durchquert werden, manche der F-Pisten machen sogar erst im Juli auf wenn die letzten Schneefelder weggeräumt sind.

So viel vorneweg – wenn man ein Islandversteher werden will.



Um 17 Uhr halten wir den Schlüssel für unseren Lada Niva in der Hand und laden unser Gepäck ein (zum Glück bringen wir alles unter – hätte ich gar nicht gedacht). Wohlweislich lasse ich mir noch Ersatzrad und Werkzeug zeigen (man hat da ja so seine Erfahrungen ... ) – eine Erklärung der Instrumente des Fahrzeugs erübrigt sich – es gibt keine. 

Die ersten 3 Kilometer mit unserem Russischen Gospodin lassen mich erst mal zweifeln. 
Ok, dass kein CD Player, Radio oder sonst irgendwelche Anzeigen (nicht mal eine Uhr) vorhanden sind – damit konnte man rechnen. Aber dass die Kupplung bei jeder Betätigung quietscht und der Wagen ein ständiges gespenstisches Rattergeräusch von sich gibt – ist schon gewöhnungsbedürftig. 
Auch der Rückwärtsgang geht nur mit einem schmissigen karateschlagähnlichen Handzug in seine Stellung (zumindest meistens). 
Wir entscheiden uns aber den Lada zu behalten und nicht noch ein paar Scheinchen für den gleich kleinen aber modernen Suzuki Jimny hinzublättern – der Lada hat was – fast so was wie eigene Persönlichkeit – auch wenn sich das bei einem Auto völlig geisteskrank und bescheuert anhört – es ist wahr !

 


Blick in den Lada Intimbereich.
Immerhin 2 Sitze, Lenkrad, Brems- und Kupplungspedal, Schalthebel, Handbremse .....

 



...... Lüftung (leicht verstaubt) .....

 

 

.... sogar ein Tacho, Tankanzeige, Motor-Temperaturanzeige und sogar ein Drehzahlmesser.
Welches moderne Wägelchen kann da schon mithalten ......

 



Ordentlicher Kofferraum (es wird ja nicht unbedingt eine Shoppingtour - also sollte der Platz reichen)

 

Keflavik und sein Flughafen liegen wie Reykjavik auf der Halbinsel Reykjanes. Es ist ja noch lange hell und es scheint sogar die Sonne – also warum nicht noch ein paar Kilometer fahren und auf eine erste kleine Erkundungstour gehen – bevor wir in das vorreservierte B&B nach  Hafnarfjörður fahren ?

Gedacht – gemacht.

 




Die Halbinsel Reykjanes präsentiert sich wie eine Welt vom dunklen Stern. Außer düster wirkenden Lavasteinen die oft von gelbem Moss überzogen sind, gibt es nicht viel. Plattes Land – für Island ungewöhnlich – und die spärliche Vegetation (kaum Gras) vermittelt Hochlandcharakter. 

In der Ferne künden Rauchsäulen immer wieder vom vulkanisch aktiven Gebieten (die auf Reykjanes auch zur Wärmeerzeugung genutzt werden) wie man sie vielleicht nirgendwo besser erleben kann als auf Island. Die ganze Insel ist übersät von erkalteter Lava – stumme Zeugen von diversen Vulkanausbrüchen der letzten Jahrhunderte. Etwa 130 aktive Vulkane befinden sich derzeit auf Island, die man 30 Vulkansystemen zuordnen kann 

Leider verschwindet die Sonne so schnell wie sie gekommen ist und unser erster Stop an der „Brücke über den Kontinenten“ (an der ungeteerten Straße 425) erfordert gleich das Anziehen einiger wärmerer Sachen.

 



Hier reiben die Erdplatten von Europa und Amerika aneinander und driften jährlich weitere 2 cm auseinander. Interessant – aber sicher kein Must See. 

Als ich für ein Foto aus dem Auto die Scheibe der Fahrertür herunterkurbeln will – geht das nur unter Einsatz all meiner Kräfte. Ok – in Zukunft wird halt ausgestiegen.
In Island wird übrigens auch tagsüber mit Licht gefahren. Licht hat unser Lada sogar (erstaunlicherweise) aber kein akustisches Warnsignal wenn man vergisst es auszuschalten. Hmmm ...... ob das zwei Wochen lang gut geht ?

Noch ein Special unseres „Russian Hummer“ wie man den Lada „leicht“ ironisch nennt – er hat natürlich keine Zentralverriegelung. Also müssen beide Seiten aufgesperrt werden oder man beugt sich durch den Wagen um dem Beifahrer das Knöpfchen hochzuziehen. Dabei ist aber darauf zu achten, daß man den linken Fuß leicht nach hinten anstellt – die Fahrertür kommt nämlich automatisch zugeflogen und fällt einem sonst ins Kreuz (das 300seitige Handbuch – „How to drive a Lada“ werde ich wohl demnächst beginnen ) 



Weiter geht es über trostlose düstere Pisten zu den heißen Quellen von Krisuvik.
Wir parken unseren Lada und spazieren auf Holzbohlenwegen durch das kleine Gebiet mit orangefarbiger Erde, Dampf und Geblubber an allen Ecken und Enden und dem für solche Gebiete typischen Schwefelgeruch. 




Schade, dass keine Sonne scheint und es ungemütlich kalt ist – Krisuvik erscheint mir als sehr lohnend und bietet einige schöne Motive für Augen und Kameras. 

 













 








Petra ist müde von Anreise und Flug und das Wetter und die düstere Umgebung lösen bei Ihr heute keine Begeisterungsstürme aus. Ich habe Hoffnung, dass sich das noch ändern wird.

 



Von Krisuvik führt die Straße nach Norden. Petra sind neben mir leicht die Augen zugefallen – so bekommt sie den schönsten Teil der Strecke mit schwarzen Felsen die sich um einen See postieren nur mit einem halben Auge mit. 

 



Um 20 Uhr (inzwischen 22 Uhr deutscher Zeit) schlagen wir im Helguhus Bed & Breakfast auf, das sich am Rande des kleinen Städtchens Hafnarfjörður (mit 24.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Islands – aber zum Ballungsraum Reykjaviks gehörend) auf. 





Wir werden freundlich begrüßt und schleppen unsere Koffer über ein kleines Wendeltreppchen an den Familienbildern an der Wand vorbei in den ersten Stock – wo früher vielleicht mal die inzwischen ausgezogenen Kinder gewohnt haben. 






In Windeseile haben wir uns in dem kleinen Zimmer ausgebreitet.
 
Alles ein bisschen so wie bei den 7 Zwergen – und Petra stößt sich auch gleich mal den Kopf irgendwo an. Inzwischen ist es nach unserem deutschen Zeitempfinden schon 23 Uhr. Für richtig schwer essen (gehen) nicht mehr das Wahre – also kommt gleich der Wasserkocher zum Einsatz und wir machen uns ein leckeres Tütensüppchen.
Damit dieser Reise der Titel „Zwei Suppenkasper in Island“ erspart bleibt – sollen die Süppchen aber mehr als Plan B dienen wenn wir nichts anderes abgreifen können oder wollen.

Damit endet unser erster Tag in Island – na ja es waren ja nur wenige Stunden – aber immerhin ist bisher alles gut gegangen – und morgen geht es dann ja erst so richtig los. Auf dem Programm stehen Geysir und Gullfoss – 2 Ziele am sogenannten Goldenen Zirkel.

Wir sind gespannt auf diesen Tag und natürlich das Wetter und schlafen nach einem langen Tag schnell ein.

 

 

Übernachtung: Helguhus Bed & Breakfast, Hafnarfjörður

Preis: 8900 ISK (52 €) mit Frühstück

Bewertung: 7 von 10 (Ein Gefühls-Wert aus Qualität, Komfort, Freundlichkeit, Lage & Preis bezogen auf alle Zimmer unserer Reise – das beste Zimmer wird eine 10 bekommen das schlechteste eine 1)

Kommentar: eine gute Wahl, dadurch dass es außerhalb von Reykjavik liegt preisgünstig, Frühstück gut, nette Vermieter, Hafnarfjörður bietet alles was man als Tourist braucht – man ist in 15 Minuten in der Hauptstadt.

 

 

 
Bild des Tages:



Nicht auf den Hund - aber auf den Lada gekommen.
Wer hätte gedacht, dass ein Russe mal der Star einer unserer Reisen werden würde ......
Ich bin mit dem, was Du sagst, nicht einverstanden, aber ich werde bis zum Tod Dein Recht verteidigen, es zu sagen. Voltaire.

Ilona

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #11 am: 04. Oktober 2013, 17:35:09 »
Hey, der Lada ist zumindest vom deutschen TÜV verboten  :totlach:. Du hattest schon großes Gottvertrauen mit der Kiste  :toothy9:. Mir wär's mit dem Vehikel nicht wohl gewesen.

Jetzt bin ich aber froh, dass man sich bei deinem RB auch warm anziehen muss  :frier: und ich kann Petra verstehen, dass sie keine Luftsprünge vor Begeisterung machte.

Die Bleibe ist echt winzig und nicht einmal richtig zusammenkuscheln konnte man da  :zwinker:. Hoffentlich hat die Heizung funktioniert, wenn man sich schon nicht gegenseitig wärmen konnte :floet:.
Liebe Grüße

Ilona

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Horst

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #12 am: 04. Oktober 2013, 17:39:27 »
Hey, der Lada ist zumindest vom deutschen TÜV verboten  :totlach:. Du hattest schon großes Gottvertrauen mit der Kiste  :toothy9:. Mir wär's mit dem Vehikel nicht wohl gewesen.
Aussehen tut er vielleicht wie eine Dose Brechbohnen auf 4 Rädern aber warte mal ab - der zeigt noch was in ihm steckt.  8)


Die Bleibe ist echt winzig und nicht einmal richtig zusammenkuscheln konnte man da  :zwinker:. Hoffentlich hat die Heizung funktioniert, wenn man sich schon nicht gegenseitig wärmen konnte :floet:.
Zumindest in den Unterkünften haben wir in Island noch nicht gefroren. ;)
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Andrea

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #13 am: 04. Oktober 2013, 17:46:02 »
Das Auto ist heftig teuer, bei 2000€ Selbstbeteiligung wäre ich wohl keine Buckelpiste gefahren, jeder Kratzer kostet! Oder habe ich das falsch verstanden?

Aber die Unterkunft hat doch einen passablen Preis. Wie ist denn da so das Gefüge? Eher wie in Deutschland oder mehr USA (also günstiger als hier)? Und wenn ihr Kaffee und Tütensuppen dabei habt, schätze ich, dass die Dinge dort nicht erhältlich oder unbezahlbar sind?
Liebe Grüße, Andrea



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Silv

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Re: Lava, Lada, Lundis - Island 2009
« Antwort #14 am: 04. Oktober 2013, 18:43:23 »
Der Lada ist ja schonmal klasse! Hat der die Reise ohne Probleme überstanden? ?  ;)
Liebe Grüße
Silvia