1. Tag Donnerstag, 4.6.2009 43 – eine magische Zahl.
Nein – damit ist nicht unser Alter gemeint. Auch unsere Flugnummer lautet anders – des Rätsels Lösung – das ist das Gewicht das unsere beiden Koffer zusammen haben und damit bei für 2 Personen erlaubten 40 kg ohne Probleme eingecheckt werden. Die erste Hürde ist damit genommen. In Johannesburg letzten November war das ja noch anders – da wurden wir nach zweimaligem Antreten vor die „Kofferkommission“ erst mit 42kg und drei Ave Maria durch gewunken.
Inzwischen wiegen wir zu Hause auch mit einer Federwaage vor und haben wirklich nur das Nötigste dabei – dieses Mal ist dieses „Nötigste“ aber noch um einige neue Ausrüstungsgegenstände erweitert worden – das wären u.a.:
- ein Wasserkocher
- Plastikschüsseln/ Teller/Becher
- Mückennetze (in todschickem Grün)
- Mützen, Handschuhe, Schal
- Lange Unterhosen
- 2 Schlafsäcke
- Kaffeepulver (inkl. Milchpulver) und Tütensuppen
- Schlafbrillen
- Alte Wanderschuhe zum Schlammlaufen
- Billig-Flipflops für Gemeinschaftsduschen
- Neu gekaufte winddichte Regenjacken
- Ein selbstgebasteltes Regenkondom für meinen Camcorder
Schon mal eines vorweg – alles Dinge die wir gut brauchen konnten !
Um aber doch noch etwas mehr Gepäck mitzuschmuggeln, haben wir neuerdings immer ein drittes Handgepäck dabei – eine kleine Tasche in der sich mein zerlegtes Manfrotto Stativ befindet – das alleine 3,5 kg wiegt. Damit hatten wir noch nie Probleme – Handgepäck hat bisher nie jemand überprüft – und manche schleppen da ja 5 kleine Koffer in den Flieger....
Unser Flug geht eine halbe Stunde verspätet um 14.30 Uhr mit Iceland Air vom Frankfurter Flughafen ab. Wir bekommen Sitze am Notausgang und haben dadurch angenehme Beinfreiheit. Im Flieger kaufen wir eine Sim-Karte mit Guthaben von Simmin – die ich in mein Handy packe für 2000 ISK (knapp 12 €).
Der Flug ist ereignislos – dauert etwa 3 ½ Stunden und erreicht um 16 Uhr isländischer Zeit (die unserer um 2 Stunden hinterherhinkt also bei uns wäre es jetzt 18 Uhr) den Internationalen Flughafen Keflavik (etwa 30 Autominuten von der Hauptstadt Reykjavik entfernt). Eine halbe Stunde später haben wir uns am Gepäckband unsere Koffer geangelt, ziehen noch je für 30.000 Kronen (Juni 2009 ca. 170 € ) Bargeld mit der EC Karte und lassen uns mit dem Taxi zu Geysir nach „Downtown Keflavik“ fahren, einem Nest mit 13.000 Einwohnern – immerhin die sechstgrößte Stadt Islands !
Das Taxi hält auf einem großen Hof in dem ungeordnet zahlreiche Fahrzeug stehen. Auch einen Lada können wir ausmachen – vielleicht unserer ....
Ein junger Kerl kümmert sich in einem „Büro“ in dem wohl jeder eine Putzallergie hat (mindestens 30 Jahre alter verlauster Teppich, Raum etwas versifft aber einen neuen iMAC vor sich auf dem zusammengeschusterten Tischlein) um den Papierkram. Wir zahlen für den Lada für 17 Tage knapp 1300 € - was aber eine von mir zusätzlich gebuchte Gravel Protection (für Schäden an Unterboden, Lichtern und Scheiben) beinhaltet die mit 85 € zu Buche schlägt.
Die Vollkasko hat einen Selbstbehalt von 2000€. Auch den könnte man auf 375€ drücken für 9€ pro Tag. Diese 150€ verkneifen wir uns – mit wem soll man in Island einen Unfall haben ?
Autos sind in Island sauteuer. Das liegt zum einen an der extrem kurzen Saison – so Ende Mai bis Anfang September und an der hohen Belastung der die Fahrzeuge ausgesetzt sind. In welchem anderen Land gibt es bezogen auf die Größe so viele Schotterpisten und „offizielle Flussdurchquerungen“? Die sind allerdings bei nahezu keinem Vermieter versichert. Unserer hat uns das Autobad zwar genehmigt – aber versichert wären wir in diesem Fall natürlich nicht. Zumindest haben wir keine Beschränkungen bei den F-Straßen – wie sie viele andere Vermieter machen. Das isländische Straßennetz bzw. die Qualität der Straßen ist durch die Anzahl der Stellen der Straßennummer einschätzbar.
Die 1 – also die Ringstraße die auf ca. 1600 Kilometern komplett um Island führt ist fast durchgehend asphaltiert. Dann gibt es einige Straßen mit zweistelligen Nummern die entweder asphaltiert sind oder zumindest ordentliche und in Schuß gehaltene Gravelroads darstellen, die auch von PKWs machbar sind. Dann kommen die dreistelligen Nummern – da wird es für PKWs schon anstrengend (bis unmöglich) – aber zumindest auch diese Straßen sind (normalerweise) die ganze Saison über zu befahren. Eine Sonderkategorie sind die Straßen mit einem F davor. Die meisten davon finden sich im Hochland und bis auf die F35 ist keine für PKW geeignet. Oft müssen Flüsse durchquert werden, manche der F-Pisten machen sogar erst im Juli auf wenn die letzten Schneefelder weggeräumt sind.
So viel vorneweg – wenn man ein Islandversteher werden will.

Um 17 Uhr halten wir den Schlüssel für unseren Lada Niva in der Hand und laden unser Gepäck ein (zum Glück bringen wir alles unter – hätte ich gar nicht gedacht). Wohlweislich lasse ich mir noch Ersatzrad und Werkzeug zeigen (man hat da ja so seine Erfahrungen ... ) – eine Erklärung der Instrumente des Fahrzeugs erübrigt sich – es gibt keine.
Die ersten 3 Kilometer mit unserem Russischen Gospodin lassen mich erst mal zweifeln.
Ok, dass kein CD Player, Radio oder sonst irgendwelche Anzeigen (nicht mal eine Uhr) vorhanden sind – damit konnte man rechnen. Aber dass die Kupplung bei jeder Betätigung quietscht und der Wagen ein ständiges gespenstisches Rattergeräusch von sich gibt – ist schon gewöhnungsbedürftig.
Auch der Rückwärtsgang geht nur mit einem schmissigen karateschlagähnlichen Handzug in seine Stellung (zumindest meistens).
Wir entscheiden uns aber den Lada zu behalten und nicht noch ein paar Scheinchen für den gleich kleinen aber modernen Suzuki Jimny hinzublättern – der Lada hat was – fast so was wie eigene Persönlichkeit – auch wenn sich das bei einem Auto völlig geisteskrank und bescheuert anhört – es ist wahr !

Blick in den Lada Intimbereich.
Immerhin 2 Sitze, Lenkrad, Brems- und Kupplungspedal, Schalthebel, Handbremse .....

...... Lüftung (leicht verstaubt) .....

.... sogar ein Tacho, Tankanzeige, Motor-Temperaturanzeige und sogar ein Drehzahlmesser.
Welches moderne Wägelchen kann da schon mithalten ......

Ordentlicher Kofferraum (es wird ja nicht unbedingt eine Shoppingtour - also sollte der Platz reichen)
Keflavik und sein Flughafen liegen wie Reykjavik auf der Halbinsel Reykjanes. Es ist ja noch lange hell und es scheint sogar die Sonne – also warum nicht noch ein paar Kilometer fahren und auf eine erste kleine Erkundungstour gehen – bevor wir in das vorreservierte B&B nach Hafnarfjörður fahren ?
Gedacht – gemacht.

Die Halbinsel Reykjanes präsentiert sich wie eine Welt vom dunklen Stern. Außer düster wirkenden Lavasteinen die oft von gelbem Moss überzogen sind, gibt es nicht viel. Plattes Land – für Island ungewöhnlich – und die spärliche Vegetation (kaum Gras) vermittelt Hochlandcharakter.
In der Ferne künden Rauchsäulen immer wieder vom vulkanisch aktiven Gebieten (die auf Reykjanes auch zur Wärmeerzeugung genutzt werden) wie man sie vielleicht nirgendwo besser erleben kann als auf Island. Die ganze Insel ist übersät von erkalteter Lava – stumme Zeugen von diversen Vulkanausbrüchen der letzten Jahrhunderte. Etwa 130 aktive Vulkane befinden sich derzeit auf Island, die man 30 Vulkansystemen zuordnen kann
Leider verschwindet die Sonne so schnell wie sie gekommen ist und unser erster Stop an der „Brücke über den Kontinenten“ (an der ungeteerten Straße 425) erfordert gleich das Anziehen einiger wärmerer Sachen.

Hier reiben die Erdplatten von Europa und Amerika aneinander und driften jährlich weitere 2 cm auseinander. Interessant – aber sicher kein Must See.
Als ich für ein Foto aus dem Auto die Scheibe der Fahrertür herunterkurbeln will – geht das nur unter Einsatz all meiner Kräfte. Ok – in Zukunft wird halt ausgestiegen.
In Island wird übrigens auch tagsüber mit Licht gefahren. Licht hat unser Lada sogar (erstaunlicherweise) aber kein akustisches Warnsignal wenn man vergisst es auszuschalten. Hmmm ...... ob das zwei Wochen lang gut geht ?
Noch ein Special unseres „Russian Hummer“ wie man den Lada „leicht“ ironisch nennt – er hat natürlich keine Zentralverriegelung. Also müssen beide Seiten aufgesperrt werden oder man beugt sich durch den Wagen um dem Beifahrer das Knöpfchen hochzuziehen. Dabei ist aber darauf zu achten, daß man den linken Fuß leicht nach hinten anstellt – die Fahrertür kommt nämlich automatisch zugeflogen und fällt einem sonst ins Kreuz (das 300seitige Handbuch – „How to drive a Lada“ werde ich wohl demnächst beginnen )

Weiter geht es über trostlose düstere Pisten zu den heißen Quellen von Krisuvik.
Wir parken unseren Lada und spazieren auf Holzbohlenwegen durch das kleine Gebiet mit orangefarbiger Erde, Dampf und Geblubber an allen Ecken und Enden und dem für solche Gebiete typischen Schwefelgeruch.

Schade, dass keine Sonne scheint und es ungemütlich kalt ist – Krisuvik erscheint mir als sehr lohnend und bietet einige schöne Motive für Augen und Kameras.


Petra ist müde von Anreise und Flug und das Wetter und die düstere Umgebung lösen bei Ihr heute keine Begeisterungsstürme aus. Ich habe Hoffnung, dass sich das noch ändern wird.

Von Krisuvik führt die Straße nach Norden. Petra sind neben mir leicht die Augen zugefallen – so bekommt sie den schönsten Teil der Strecke mit schwarzen Felsen die sich um einen See postieren nur mit einem halben Auge mit.

Um 20 Uhr (inzwischen 22 Uhr deutscher Zeit) schlagen wir im Helguhus Bed & Breakfast auf, das sich am Rande des kleinen Städtchens Hafnarfjörður (mit 24.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Islands – aber zum Ballungsraum Reykjaviks gehörend) auf.

Wir werden freundlich begrüßt und schleppen unsere Koffer über ein kleines Wendeltreppchen an den Familienbildern an der Wand vorbei in den ersten Stock – wo früher vielleicht mal die inzwischen ausgezogenen Kinder gewohnt haben.

In Windeseile haben wir uns in dem kleinen Zimmer ausgebreitet.
Alles ein bisschen so wie bei den 7 Zwergen – und Petra stößt sich auch gleich mal den Kopf irgendwo an. Inzwischen ist es nach unserem deutschen Zeitempfinden schon 23 Uhr. Für richtig schwer essen (gehen) nicht mehr das Wahre – also kommt gleich der Wasserkocher zum Einsatz und wir machen uns ein leckeres Tütensüppchen.
Damit dieser Reise der Titel „Zwei Suppenkasper in Island“ erspart bleibt – sollen die Süppchen aber mehr als Plan B dienen wenn wir nichts anderes abgreifen können oder wollen.
Damit endet unser erster Tag in Island – na ja es waren ja nur wenige Stunden – aber immerhin ist bisher alles gut gegangen – und morgen geht es dann ja erst so richtig los. Auf dem Programm stehen Geysir und Gullfoss – 2 Ziele am sogenannten Goldenen Zirkel.
Wir sind gespannt auf diesen Tag und natürlich das Wetter und schlafen nach einem langen Tag schnell ein.
Übernachtung: Helguhus Bed & Breakfast, Hafnarfjörður
Preis: 8900 ISK (52 €) mit Frühstück
Bewertung: 7 von 10 (Ein Gefühls-Wert aus Qualität, Komfort, Freundlichkeit, Lage & Preis bezogen auf alle Zimmer unserer Reise – das beste Zimmer wird eine 10 bekommen das schlechteste eine 1)
Kommentar: eine gute Wahl, dadurch dass es außerhalb von Reykjavik liegt preisgünstig, Frühstück gut, nette Vermieter, Hafnarfjörður bietet alles was man als Tourist braucht – man ist in 15 Minuten in der Hauptstadt.
Bild des Tages:
Nicht auf den Hund - aber auf den Lada gekommen.
Wer hätte gedacht, dass ein Russe mal der Star einer unserer Reisen werden würde ......