Yay, Erst- und Zweitstimme verschenkt 
Naja, die Erststimme geht ja bei vielen flöten, das liegt am Wahlsystem.
Mit dem Austieg aus der Kernenergie hat man den Grünen im Walkampf schon mal ein Thema weggenommen.
Wobei die Entstehung schon sehr skurril war (das vergessen die meisten ja schnell). Es gab ja mal eine Vereinbarung, dass zum Zeitpunkt X die Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollten und die CDU unter Merkel hat sich im Alleingang von der Energielobby erpressen lassen (das war ganz ganz schwach) und hat diese Laufzeiten entgegen aller Vereinbarungen dramatisch verlängert.
Und dann kam ihr das Schicksal von Fukushima (für die Japaner eine schreckliche Katastrophe) zu Hilfe und sie konnte dort ohne schweren Gesichtsverlust die vorgenannte Fehlentscheidung revidieren. Ohne Fukushima sähe das heute anders aus.
Andererseits wurde ein neues Wahlkampfthema geschaffen, was aber (mindestens in unseren Käseblättern) wirkungsvoll unterdrückt wurde: nämlich die Finanzierung der "Energiewende". So, wie es aktuell läuft und nur mit lächerlichen Durchhalteparolen von Herrn Altmann verteidigt wird, ist es ein Unding. Es zahlen wieder einmal diejenigen, die es am schlechtesten können - Rentner, Arbeitslose usw., die situationsbedingt viel zu Hause sind und diesen Umstand mit einer horrenden Stromrechnung begleichen dürfen. Da kann ich konkret einiges zu beitragen. Während die Industrie sich vornehm zurückhalten darf. Auch das läuft ganz schrecklich falsch bei uns. Wenn die SPD mit in die Regierung einsteigt, wird es da vielleicht (hoffentlich) eine Änderung geben. Wir sind hier inzwischen beim 6 bis 8-fachen Strompreis der USA angelangt (für Privathaushalte). Das Gießkannenprinzip, die Befreiung von der Ökozulage auch für Betriebe zu gewähren, die überhaupt nicht im allergeringsten im internationalen Wettbewerb stehen (das ist ja die Argumentation), versteht niemand und kann auch keiner wirklich begründen.
Dagegen wetten würde ich auch nicht, das wird wohl so kommen. Was ich mir aber nicht vorstellen kann, ist, ob diese Koalition dann auch vier Jahre hält.
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die SPD nach so 2 Jahren "plötzlich" entdecken wird, dass die Linke ja doch koalitionsfähig ist. Wird auf jeden Fall spannend!
Im Moment würde ich das eher als akutes "Druckmittel" sehen - ich meine, man kann das drehen und wenden wie man will. Wenn man ehrlich ist, hat die CDU eher verloren als gewonnen. Der Verlust der FDP wiegt erheblich schwerer als der Zugewinn eigener Sitze. Immerhin könnte Rot/Rot/Grün eine Koalition bilden - und diese ewig lächerliche Argumentation "aber die haben das doch versprochen" - ach herrje, seit wann haben Versprechungen von Politikern einen verwertbaren Inhalt? S.o. - Energiepolitk, oder auch die Eurokrise, wie oft hat Angela Merkel hoch und heilig versprochen, dass sie dies und jenes nicht tut - hat selten länger als ein paar Monate gehalten. Es geht ja schon auf Adenauer zurück "was interessiert mich mein Geschwätz von gestern". Also da würde ich mich nicht so sehr drauf verlassen.
Natürlich sind 6 Sitze extrem wenig (und ich glaube auch nicht, dass man damit sicher regieren kann), aber es ist eine verdammt harte Diskussionsgrundlage und schon heute lese ich so lächerliche Kommentare von einem CDU Politiker, die SPD solle "die Blockadepolitik sein lassen". Genau die Politik, die die CDU auch immer verfolgt, wenn sie ihrerseits im Hintertreffen ist. Ich erinnere da mal an die Zeiten, als die CDU die Mehrheit im Bundesrat hatte und Schröder faktisch nicht mehr regieren konnte, weil die CDU alles abblockte, egal worum es im Inhalt ging.
Das ist ein sehr frommer Wunsch, dass die SPD zum moderaten Preis in eine Regierungskoalition einsteigt. Das wird eine teure Verhandlung, das ist ganz sicher. Deswegen ist es (trotz dieses erheblichen Vorsprungs) kein Sieg für die CDU/CSU - mit der FDP im Boot wäre das um Welten einfacher gewesen.
Ich habe dabei aber kein Problem mit Angela Merkel (hatte ich noch nie und sie hat sicher einen schweren Job, den ich nicht haben möchte), meine Problemfälle heißen Kauder, Söder, Ramsauer. Rösler, Brüderle & Co. haben sich ja zum Glück von alleine erledigt.
Aber Ramsauer tönt ja heute schon wieder: "Die Wähler haben klar entschieden, dass sie eine Autobahnmaut für Ausländer in Deutschland wollen"....
