11.Tag, Mittwoch 7.8.2024
Das schöne Wetter an diesem Morgen müssen wir noch einmal genießen, es wird nicht von längerer Dauer sein.
Wir verabschieden uns vom Mobil-Home und der Region rund um Kenmare und dem Ring of Kerry, die uns ausnehmend gut gefallen hat.

Den Südwesten Irlands prägen 5 Halbinseln die man als auch 5 Finger bezeichnet. Von diesen 5 Peninsulas sind 4 relativ groß und landschaftlich besonders lohnend, nur die deutlich kleinere Sheep’s Head Peninsula fällt hier etwas ab, weshalb wir die auch ausgelassen hatten und nun mit Mizen Head, Beara und Iveragh 3 der großen 4 Halbinseln besucht haben.
Der letzte größere Finger der 5 südlichen Halbinseln Irlands, der uns noch fehlt, ist die Dingle Halbinsel zu der wir heute fahren.

Bevor die nächste Regenfront den Südwesten Irlands trifft, fahren wir noch einmal die Route vorbei an Lough Barfinnihy ...

... und zum Lady’s View.

Heute können wir die Erhabenheit dieses Aussichtspunkts ohne Nebel genießen.



Die Sonne verabschiedet sich.

Dann erreichen wir die Dingle Halbinsel und leider ist die angekündigte Regenfront inzwischen da.
Am Inch Beach wechseln wir in unsere Regenhosen. Der Wind bläst uns den Nieselregen waagerecht ins Gesicht.

Nach wenigen Metern Richtung Strand geben wir auf und kehren zurück zum Auto.

Nach einer kurzen Müsli-Pause versuchen wir es mit der Stichstraße zum Annascaul Lake Valley ...

... und dem gleichnamigen See.
Das lohnt sich gleich doppelt. Zum einen, weil es hier gerade nicht regnet und zum anderen, weil sich der Abstecher durchaus lohnt.

Das Tal wird von hoch aufragenden Bergen begrenzt, ...

... der See schmiegt sich an den Fuß der Berge am südlichen Eingang des Tals. Sicher ein schönes Wandergebiet.
Zeit für eine Kaffeepause. Die wollen wir im nahen Annascaul einlegen.
Beeilen müssen wir uns dabei nicht, denn der Regen legt jetzt so richtig los.

Danach fahren wir in Annascaul zum South Pole Inn. Ein Pub um die Mittagszeit und wir wollen gar nichts essen?
Ungewöhnlich für uns, dass wir mal ein Ziel auf dem Zettel haben, dass wir wegen einer Person besuchen, die schon lange nicht mehr lebt. Noch dazu jemand, den in Deutschland wohl kaum mehr als eine Handvoll Leute kennen. Oder kennt hier jemand Tom Crean?

Hinter zwei der größten Polarforscher der Geschichte steht ein Mann aus Kerry, Irland. Sein Name wird vielleicht von Scott und Shackelton überschattet, aber im South Pole Inn in Annascaul ist Tom Crean (1877-1938) ein Held.

Das Pub, das inzwischen von seiner Enkelin weitergeführt wird, hat nicht nur diverse Biermarken des Polarforschers im Programm, sondern gleicht mehr einem Museum als einem Pub.

Die Wände sind voll mit faszinierenden Aufnahmen aus der Zeit der Polarexpeditionen mit Scott und Shackleton. Tom Crean verstarb 1938, aber in seinem Pub, dem South Pole Inn, ist er noch immer präsent.

Sein markantes Gesicht mit der Pfeife im Mund ziert die abgenutzten Holzwände. Die Regale sind voll mit Büchern und Zeitschriften, die von dem Mann zeugen, der Annascaul in Geschichtsbücher und Artikel über die Polarforschung brachte.
Wir sind das erste Mal vor ein paar Jahren während einer Doku im Fernsehen („Verschollen im Packeis“ derzeit kostenlos auf Youtube, 90 min) auf Tom Crean aufmerksam geworden.
Wenn jemand überhaupt sowas wie einen Heldenstatus verdient hat, dann Leute wie Tom Crean, die sich mutig ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben für andere einsetzen. Das wohl Ungewöhnlichste an Tom Crean ist sein geringer Bekanntheitsgrad. Der Mann diente als Jugendlicher in der British Navy, kämpfte im Ersten Weltkrieg und überlebte drei der zermürbendsten Antarktisexpeditionen der Geschichte.
Der Autor Michael Smith hat ihm und seinem Leben 2009 mit seinem Buch (deutsch „Der stille Held“) zumindest ein kleines Denkmal gesetzt.
Einige Infos zu den Expeditionen mit Tom Crean:Im Alter von 15 Jahren verließ Crean seine Heimat Annascaul auf der Dingle-Halbinsel, um bei der Royal Navy anzuheuern. Neun Jahre später brach er mit einem gewissen Robert Falcon Scott zu seiner ersten Antarktisexpedition (Discovery-Expedition 1901-1904) auf, die als großer Erfolg gewertet wurde. Auch bei Scotts legendärem Wettrennen mit Amundsen (Terra-Nova-Expedition 1910-1913) und dem Ziel erstmalig den Südpol zu erreichen, begleitete er den berühmten Polarforscher bis kurz vor den Pol und rettete dann mit einem spektakulären Alleinmarsch durch die Eiswüste sich und seinen Kameraden das Leben. Scott entschied damals – 150 Meilen vor dem Ziel am Südpol – drei Männer zum Basislager zurückzuschicken, da ihre Vorräte fast aufgebraucht waren. Einer der Männer war der hochgewachsene, furchtlose Ire Tom Crean. Das Umkehren bedeutete 750 Meilen Fußmarsch, bei minus 29 Grad Celsius, ausgestattet mit vielen Kilogramm schweren Gepäcks. Die letzten 35 Meilen bewältigt Crean allein, weil seine beiden Gefährten nicht mehr weiterkonnten. Im Lager angekommen, macht er sich mit Arzt und Hundeführer erneut auf den Weg, um die beiden zurückgelassenen Männer zu holen – mit Erfolg. Die Hilfe für Scott und die Verbliebenen, die einen Monat nach Amundsen den Südpol erreicht hatten, kam allerdings zu spät.
Wenige Jahre später war er Teilnehmer der Endurance-Expedition (1914-1916) unter Ernest Shackleton, deren Ziel es war, als erste den antarktischen Kontinent zu durchqueren. Doch einen Tag vor dem geplanten Anlandungspunkt blieb die Endurance mit ihrer Crew im Eis stecken. Als das Schiff drohte, durch das Eis zerquetscht zu werden, verließ Shackleton mit seiner Crew das Schiff. Fortan lebten die Männer auf dem Eis und sahen dabei zu wie die Endurance am 21. November 1915 im Eis versank.
Mitte Dezember 1915 erkannte Shackleton, dass es für seine Männer und ihn gefährlich wurde. Das Eis, auf dem sie ausharrten schmolz. Er kündige seinen Männern an, dass er mit ihnen nach Westen marschieren würde. Sie erreichten nach einigen Tagen eine Eisscholle, die die Strömung nach Norden trieb. Mit Booten erreichten sie nach 7 Tagen auf See Elephant Island abseits aller Schiffsrouten. Von hier startete eine der abenteuerlichsten Rettungsmissionen der Geschichte. Shackleton suchte eine Handvoll Männer (darunter Tom Crean) für das Himmelfahrtskommando aus. Mit einem nußschalengroßen Boot sollte das 750 Meilen entfernte Südgeorgien erreicht werden und von dort Rettung für die verbliebenen 22 Männer geholt werden. Nach 17 Tagen erreichten die völlig erschöpften Männer die Küste von Südgeorgien. Nach dem Wunder diese Küste überhaupt erreicht zu haben ging die Legende von Shackleton und seinen Männern Kapitän Worsley und Tom Crean weiter. Denn nun folgte geschichtlich die erste belegte Landüberquerung des Landesinneren von Südgeorgien – und, man mag es heute in Zeiten von Google Maps kaum glauben, das Ganze komplett ohne jede Karte. Sie ließen 3 erschöpfte Kameraden zurück und überquerten die letzten Meilen über Land. Die Männer improvisierten, versuchten ihre Position anhand von Bergketten und Gletschern zu bestimmen. Nach 36 Stunden ununterbrochener Tortur erreichten sie Stromness und damit tatsächlich eine sichere Walfangstation.
Alle Männer, auch die auf Elephant Island konnten gerettet werden.

Gegenüber dem Pub steht Tom Crean verewigt als Statue mit seinen geliebten Hunden auf dem Arm. Ein unbekannter bescheidener Held – so etwas würde es heute im Medien- und Influencer-Zeitalter wohl kaum mehr geben.

Wir fahren zu unserer Unterkunft, etwas außerhalb von Dingle Town, checken ein und lassen den Regen durchziehen.

Am frühen Abend reißt die Wolkendecke auf und wir ziehen los gen Südwesten der Halbinsel Dingle und auf den Slea Head Drive (natürlich auch Teil des 2600 km langen Wild Atlantic Way), eine 30 km lange Panoramastraße um die Westspitze der Insel.

Bevor wir so richtig Küstenfeeling abbekommen, halten wir an einem Ringfort (Fairy Fort). Vom Fort ist kaum mehr etwas zu erahnen aber ein Farmer hat sich hier mit seinen Hunden, Schafen und Eseln niedergelassen und verkauft Futter das man den Tieren geben kann und lässt mit uns auf ein Schwätzchen ein. Da es vom Fort nichts zu sehen gibt, gucken wir dann eben Schafe. So aufdringlich haben wir die sonst fluchtreflexbehafteten Vierbeiner noch nicht erlebt. Wir werden regelrecht bestürmt. Der Farmer demonstriert uns, wie einer seiner Hütehunde auf Pfiff Vollgas gibt und über den Zaun zum Pferch der Schafe springt. Äußerst beeindruckend.
Danach geht es auf dem Slea Head Drive weiter nach Westen.

Am Cashel Murpy halten wir noch einmal an einem Stein-Ringfort von dem es diesmal auch noch etwas zu sehen gibt.

Danach wird der Slea Head Drive immer spektakulärer.

Jede Kurve bietet neue Ausblicke auf die grüne Küste.

Einer der schönsten Haltemöglichkeiten am Slea Head Drive findet sich am Coulmeenoole Beach. Wilde Küstenlandschaft wohin man blickt.

Aufragende Klippen auf der einen Seiten und Felszacken wie bei Sauron’s Burg aus Herr der Ringe, die sich unvermittelt aus dem Meer erheben.

Dunquin Pier nur einen Steinwurf weiter ist nicht minder spektakulär.

Zum einen wegen der einmalig markanten Dreiecksfelsen die aus dem Meer ragen und dem fantastischen Blick von der Küstenlinie zu den Blasket Islands.


Wer sieht hier auch eine liegende Person?

Die Straße führt uns weiter zum Waymont View mit einem letzten herrlichen Blick auf die Küstenszenerie bevor wir über das Landesinnere nach Dingle Town fahren.

Buntes Dingle Town.




Das beste an diesem ungewöhnlichen Tag haben wir aber noch vor uns ohne es zu wissen. Die Fish und Chips die wir uns im „Reel Dingle Fish“ bestellen sind damit nicht gemeint.

Wir haben wieder Lust auf Live Music und dafür gibt es im Süden Irlands keinen besseren Ort als Dingle Town.
Dingle hat wahrscheinlich die höchste Pubdichte pro Einwohner der Welt. Insgesamt über 50 Pubs, womit auf 40 Einwohner ein Pub kommt.
Fast alle bieten Live-Music!
Wir landen im Murphy’s. Ein Glückstreffer.

Wir sichern uns wieder zwei Plätze an der Bar gegenüber den Musikern. Zwei ältere Herren bauen gerade ihr Equipment auf. Gegen 21.30 Uhr geht es los und schon beim erklingen der ersten Töne und der ersten gesungenen Strophe lehne ich mich entspannt zurück und weiß, das wird heute richtig gut. So hören wir klassische irische Lieder, natürlich zugeschnitten auf den Publikumsgeschmack in einen Pub. Die Stimmung ist super und die Leute machen gut mit. So ist es bereits gegen Mitternacht, als wir wieder unser Zimmer etwas außerhalb von Dingle erreichen.
Übernachtung: Reeconnell Dingle