15.Tag, Samstag 10.9.2011Heute machen wir mal Urlaub und schlafen richtig bis 9 Uhr aus.
Na ja – gefühlt ist das erst 8 Uhr – wir sind ja noch an die Alaska-Zeit gewöhnt. Wir frühstücken auf dem Zimmer und besprechen die weiteren Tage.
Den Dempster wollen wir morgen trotz zweifach geflicktem Reifen bis in die Northwest Territories fahren (falls wir es schaffen). Bis Inuvik ist uns die Strecke zu weit (man fährt hier in der Region sowieso sehr viele Kilometer) und wir erhalten uns die Chance, am Ende vielleicht noch Valdez oder den Portage Glacier zu schaffen. Vor allem der Portage wurmt uns sehr – den würden wir zu gerne sehen.
Wir sehen nochmal im Visitor Center in Dawson's Innenstadt vorbei und lassen die netten Damen für uns im Eagle Plains Hotel am Dempster Highway wegen einer Zimmerreservierung für morgen anrufen. Während unsere 30$ Telefonkarte bei Telefonaten nach Deutschland kaum leer werden will, killt ein einziges „lokales" Gespräch das Guthaben erschreckend im Sekundentakt.
Die Reservierung ist kein Problem – die 149$ eigentlich auch nicht – wenn es auf dieser Reise eine alternativlose Zimmerübernachtung gibt, dann diese.

Dawson City

Wir verlassen die Stadt für ein paar Stunden und fahren die Bonanza Creek Road, ...

... die sich in schönstes Herbstlaub gekleidet präsentiert, ...

... und durch die teilweise durchgepflügte Landschaft der Goldfelder führt, ...

... zur Gold Dredge Nr.4.

Da wir vom Visitor Center wissen, daß um 11 Uhr eine Führung an der Dredge beginnt, haben wir uns nicht lange mit Fotostops entlang der Straße aufgehalten – das heben wir uns für den Rückweg auf.
Pünktlich erreichen wir die Dredge, kaufen für je 6$ zwei Tickets für die gleich beginnende Führung.
Unsere Führerin durch die Dredge ...

... die sich gleich mächtig ins Zeug legt. Wie wir erfahren hat Parks Canada diese einst im Eis versunkene Dredge für 1$ gekauft und wieder hergerichtet (wobei die Arbeiten noch andauern).
Etwas Hintergrundinfo:
Nachdem man herausgefunden hatte, daß kaltes Wasser den Perma(Dauer)-Frostboden viel effektiver auftaut als andere Maßnahmen begannen die Kolosse mit ihren gigantischen Schaufelketten die Bachbetten und den Talgrund zu verschlingen. Im Inneren der Dredges wurde das Erdreich sortiert und ausgewaschen, das goldhaltige Material setzte sich auf dem Grund ab und konnte so wesentlich effektiver gefördert werden.
Erst in den 60er Jahren wurde diese Art der Goldgewinnung eingestellt.

Auf der rund einstündigen Führung durch die Etagen der Dredge, hören wir manch alte Geschichte und natürlich viele Informationen zum Arbeitsalltag der Arbeiter, denen es aufgrund der sonst herrschenden Kälte nur an 150 Tagen im Jahr möglich war mit der Dredge zu arbeiten.
Am Ende der Führung sehen wir uns noch einen kurzen Film über die Goldförderung von damals an.

Überbleibsel des früheren Personals.


Wir fahren noch ein Stück auf der Piste entlang dem Bonanza Creek nach Süden.
Immer wieder sehen wir kleine Camps, bei denen teilweise recht abenteuerlich und mit kleinem Ertrag noch immer nach Gold geschürft wird. Hält man den Wagen an solchen Camps an, kommt schnell ein kläffender Hund angelaufen – hier sind Besucher unerwünscht.

Gut zu erkennen, wie man den Boden ausgebeutet hat. Wie Würmer ziehen sich die Hinterlassenschaften der Goldgräber durch die Gegend.

Ganz anders ist das am Ursprungsort des Goldrausches von 1896 am Discovery Claim – wo Parks Canada an einem Parkplatz etliche Schautafeln errichtet hat, die die wilden Zeiten vor gut hundert Jahren vor dem Auge des Besuchers wieder aufleben lassen.

Schon etwas besonderes auf die Stelle des kleinen Bonanza Creeks zu blicken, an der George Carmacks und seine indianischen Begleiter Skookum Jim und Tagish Charley am 17.8.1896 das erste Gold fanden und damit die Welt veränderten.
Trotz Adlerblick können wir keine Nuggets im Fluß entdecken – schade – das hätte der Reisekasse mehr als gut getan.

Auch das erproben alter Techniken führt nicht zum Erfolg.

Auf der Rückfahrt zum Highway 2 (Klondike Highway) gönnen wir uns einige Foto- und Filmstops um das herrliche Herbstlaub abzulichten.
Vom Klondike Highway fahren wir die 5 Meilen lange Straße hinauf zum Midnight Dome der seinen Namen der Tatsache verdankt, daß man hier im Sommer um Mitternacht die Sonne sehen kann.
Hier oben erlebt man nicht nur geographisch einen Höhepunkt. Der Blick schweift über die Goldfelder, auf die Flußtäler des Yukon und Klondike River, den Top of the World Highway der sich bergauf nach Alaska windet ...

... und natürlich auf Dawson City, von dessen staubigen Gassen und Wildwest-Fassaden wir uns gleich noch einmal auf einem letzten Rundgang verabschieden wollen.

Das beeindruckendste dieses 360° Panoramas ist eindeutig der Blick auf den Yukon ...

... mit seinen Flußinseln.

Davon können wir uns kaum losreißen.

Noch ein Blick in die herbstlichen Berge und dann ...

... geht's zurück nach Dawson City.

Raddampfer SS Keno

Als wir uns gerade von Dawson City verabschieden wollen, sticht die Sonne dramatisch durch die schwarzen Wolken.
Eine Stimmung wie man sie sich für ein letztes Foto nicht besser wünschen könnte.
Dawson City ist ein Juwel und wirkt immer noch so, als ob der Goldrausch gerade erst vor ein paar Wochen vorübergegangen wäre.
Inzwischen ist es 17 Uhr, das Wetter zieht sich zu und wir ziehen weiter.

Auf dem Klondike Highway nach Südosten entdecken wir am Straßenrand ein Porcupine (Stachelschwein). Überfahren haben wir davon schon einige gesehen – aber dieses ist erfreulicherweise (für uns und das Stachelschwein) noch am Leben.
Das scheue Tier abzulichten ist gar nicht so einfach – na ja, wer mag das schon, wenn einem Leute mit großen Kameras auf die Pelle rücken und das Foto dann ins Internet stellen.
Also geben wir uns mit den Rücklichtern des scheuen Tieres zufrieden.

Wir fahren weiter, insgesamt 25 Meilen bis zur Klondike River Lodge, die sich direkt an der Kreuzung des Klondike und des Dempster Highways befindet.

Lodge und Zimmer sind schon gut in die Jahre gekommen, aber immerhin haben wir uns morgen ein paar Meilen Fahrt gespart.
Morgen wird es mal wieder spannend. Es geht auf den Dempster Highway.
Kein Versicherungsschutz, ein doppelt geflickter Reifen und 465 Kilometer durch die arktische Wildnis über den Arctic Circle bis hoffentlich zur Grenze der Northwest Territories....
Übernachtung: Klondike River Lodge, am Highway 2
Preis: 110 $ / 115 Can$ (mit Steuer)
Kommentar: Eindeutig mindestens 20 $ zu teuer, sehr in die Jahre gekommen, aber wie viele Motels im Yukon – eben mit wenig bis keiner Konkurrenz
Bild des Tages:
In Dawson City, Yukon