Es geht los - vorher noch die Route:

Übersicht unserer Route:
Anchorage - Homer - Seward - Anchorage - Palmer - Glennallen - McCarthy - Paxson - Healy (Denali) - Fairbanks - Tok -
Dawson City [Yukon] - Dempster Highway - Skagway - Haines - Tok - Valdez - Glennallen - Portage - Anchorage
1.Tag, Samstag 27.8.2011Unsere Reise beginnt wie leider schon so oft – mit der ungeliebten Strecke auf der baustellengepflasterten A3 nach Frankfurt.
Ein langer Tag steht uns bevor der mit der Abfahrt zu Hause um kurz nach 6 Uhr beginnt und in Girdwood, Alaska nach X Stunden enden soll.
Wie auch in den letzten Jahren bei Abflug von Frankfurt wollen wir bei Tour Care parken und uns zum Flughafen shutteln lassen. Wir haben auch die Bestätigungsmail dabei – allerdings blöderweise eine Anfahrtsbeschreibung völlig vergessen. Nicht mal die Telefonnummer findet sich auf unserem Ausdruck, da wir nur die erste Seite des Mail-Ausdrucks mitgenommen haben.
Wir rufen bei der Auskunft an – zunächst heißt es – kein Eintrag. Daraufhin ein Weiterleiten an eine Spezialistin (wahrscheinlich mit Tante Google bestückt) – da bekommen wir eine Telefonnummer aber offenbar eine falsche.
Da muss Petras Vater herhalten und uns im zweiten Versuch (zunächst streikte auch noch sein Internet) die Adresse und eine kleine Beschreibung übermitteln. Danke Jochen !
Das Parken des Autos klappt dann auch problemlos und schließlich stehen wir am Condor Check-In und bekommen ohne danach gefragt zu haben 2 Plätze am Notausgang. Da haben wir uns mit unserer Grösse wohl gut vor dem Pult aufgebaut. Natürlich freuen wir uns sehr über diesen Umstand.
Beim Gepäck gibt's auch keine Probleme – wir hätten sogar noch insgesamt 4 Kilo mehr einpacken können (je 23 sind erlaubt). Na sowas …..
Der Flug geht 15min verspätet aus Frankfurt Richtung Anchorage in die Wolken – Flugzeit nonstop nur 8h 40min.
Hatten wir uns noch über unsere Sitze gefreut (die passend zu unserem Reiseziel fast endlose Freiheit – zumindest für unsere Beine bedeuten), folgte bald eine kleine Ernüchterung. In der Mittelreihe fliegt eine Mutter mit insgesamt 4 Kindern nach Hause, von denen die zwei die sich neben uns in der Mittelreihe befinden nach dem ersten Drittel des Fluges konditionell auf höchstem Niveau, mit markerschütterndem Geschrei das Flugzeug unterhalten. Dass Kinder mal im Flieger schreien ist ja nichts ungewöhnliches aber in dieser Intensität über viele Stunden muss man respektvoll eiserne Kondition attestieren. Beide Kinder puschen sich dabei gegenseitig immer wieder hoch. Nach und nach versuchen viele Passagiere die Kinder durchs Flugzeug zu tragen, abzulenken oder irgendwie zu helfen – leider, vor allem für die nette aber geplagte Mutter, aber auch für alle Passagiere - ohne Erfolg.
Trotzdem wird uns der Flug als absolut positiv im Gedächtnis bleiben, denn eine Stunde vor der Landung erleben wir das erste Highlight der Reise und das, obwohl wir noch nicht einmal den Boden erreicht haben.
Rechterhand des Flugzeugs taucht Mt.McKinley wie eine Erscheinung aus dem Märchen im blauen Himmel auf. Die Passagiere auf dieser Seite blicken fasziniert auf den höchsten Berg Amerikas der zum Greifen nah erscheint.
Dann der Hammer, der Pilot gibt per Lautsprecher durch, daß sich die Leute auf der linken Seite nicht ärgern müssen, er würde jetzt eine Schleife um den Berg fliegen!
Was ?
Häh (fränkisches Fragewort)?
Haben wir richtig gehört ?
Gesagt getan !

Tatsächlich lenkt der Pilot das Flugzeug so um den Berg, daß auch wir ihn von unserer Seite aus bewundern können.

Klasse und ein großes „Danke" an den Piloten !
So kommt man unerwartet zu einem kostenlosen Mount McKinley Flug – stark – noch dazu völlig unerwartet und wohl auch ein Vorgang mit absolutem Seltenheitswert.
Da wir es nach der Landung beim Aussteigen mit ein paar Fotos etwas gemütlich angehen lassen sind wir bei der Immigration doch relativ am Ende der Schlange mit deren Ansturm die Immigrationsoffiziere der Einwanderungsbehörde spürbar zu kämpfen haben.
Bei Petra gibt es zudem Probleme mit den Fingerabdrücken was uns ein Interview im Nebenraum beschert.
Nach einigen Minuten Wartezeit wird das Interview dann doch abgeblasen. Nur ein Computerfehler wird uns gesagt – auch gut – oder auch nicht – denn dadurch sind wir nach Abholung des Gepäcks ...

... absolut die letzten in der langen Schlange vor dem Alamo-/Nationalschalter.
Bei Alamo herscht ja eigentlich immer Volksfeststimmung wenn irgendwo in Nordamerika ein deutscher Flieger ankommt – und leider trifft das auch hier zu, da National und Alamo in Anchorage an einem Schalter gemeinsam die Kunden abfertigen.
Was lange währt.... nach einer Stunde wuchten wir unser Gepäck in einen recht neuen SUV Marke Nissan Murano (gerade mal etwas mehr als 10.000 Meilen auf dem Zähler ) – AWD mit fast allem was man als Autofahrer so brauchen kann – inklusvie Kamera die den Bereich hinter dem Auto beim Rückwärtsfahren im Display zeigt. Tolles Spielzeug – man möchte am liebsten nur noch rückwärts durch die Lande fahren.......
Ebenfalls bemerkenswert – man lässt das Auto nicht mit dem Schlüssel an, sondern es gibt einen Startknopf. Den Schlüssel, der nur zum Öffnen und Verschließen des Fahrzeuges dient, muss man nur dabei haben – sonst tut sich auch mit Startknopf nichts.

Unser neuer Partner für die nächsten 3 1/2 Wochen

Shop til you drop - wir fahren zum Diamond Boulevard etwas südöstlich des Airports und kaufen ein.
Neben einer Telefonkarte und diversen Artikeln die kurzzeitig am Innenleben eines deutschen Magens vorbeigeführt werden, erstehen wir eine Elektrodoppelherdplatte und ein Pfannen- und Topf-Set bei Walmart (die beiden Kartons links).
Essen gehen ist in Alaska auf Dauer ein teurer Spaß den wir dadurch, daß wir uns möglichst oft selbst die Kochschürze umbinden wollen, spürbar lindern wollen. Auch eine gewisse Unabhängigkeit kann hier nicht schaden – nicht immer und überall unterwegs werden wir überhaupt die Möglichkeit haben noch etwas zu essen zu bekommen.
Natürlich wird auch amerikanisches Bier eingekauft – dafür muss man hier im Norden immer in den Liquor-Store der aber vom großen Supermarkt nicht weit entfernt ist – also Entwarnung für alle Freunde weitreichenden Angebots alaskanischer Braukunst oder von Importbieren aus den Lower 48.
Das war's vorerst auch schon mit unserem Anchorage Programm – später kommen wir wahrscheinlich nochmal auf Alaskas grösste und einzige „Metropole" ( 300.000 Einwohner) zurück.

Der Seward Highway führt uns nach Süden. Nach wenigen Minuten sind wir dem Stadtbetrieb bereits entflohen und halten am Potter Marsh.

Einige Schautafeln und großzügig angelegte Holzstege hoch über der Wasser- und Sumpflandschaft bieten den ersten Einblick in die Natur der Region. Aus relativ großer Entfernung können wir sogar einen Weißkopfseeadler hoch im Baum ausmachen.


Weiter geht die Fahrt auf dem Highway 1 am Turnagain Arm entlang.
Das Wetter erscheint uns typisch alaskanisch bedeckt – sodaß es jeden Moment regnen könnte, was es aber freundlicherweise nicht tut.


Wasser von allen Seiten

Der Fjord gefällt uns durch immer wieder herrliche Blicke auf die Berglandschaft entlang der Straße und an einigen Aussichtspunkten.

Sogar Beluga-Wale können wir vom Highway aus bewundern.

Mal herangezoomt.
Ok, das könnte auch eine schwimmende Tüte sein - aber glaubt uns, es ist ein Wal.

Am Bird Creek stehen die Angler in Reih und Glied – eine der beiden Volkssportartarten der Alaskaner.
Die andere ist für unsereinen wohl sehr gewöhnungsbedürftig. Schon in Anchorage hatten wir leicht gezuckt als ein Kunde mit seiner großen Knarre in den Supermarkt kam. In Alaska ist das öffentliche Tragen von Waffen so normal wie bei uns Bonbonlutschen oder verklärt in sein Handydisplay blicken – und die Dinger werden auch eifrig benutzt !

Als wir um 18 Uhr Ortszeit (10 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland) unser Tagesziel Girdwood erreichen sind wir doch gut groggy und freuen uns auf ein Bett. Petra hat für den ersten Tag hier in Girdwood und die drei folgenden in Homer und Seward vorreserviert. Um die Kosten des anstehenden Bearwatchings zu kompensieren übernachten wir hier in Girdwood in der Hostel.
Girdwood ist praktisch der einzige Ort vor der Kenaihalbinsel den wir heute innerhalb einer Stunde erreichen können (weiter wollten wir am ersten Tag nicht mehr fahren) und auf der Kenaihalbinsel kann man sich auf teure bis „sauteure" Unterkünfte einstellen.
Der Hostelbetreiber, der selbst in einem Anhänger haust begrüßt uns und zeigt uns unser „Zimmer". Mal das Bad teilen ist für uns kein Problem – aber ein eigenes Zimmer soll es immer sein – soviel Luxus muss sein.
Um in das „Zimmer" bzw. die Hundehütte zu kommen, wie ich unser kleines „Etablissement" größenmäßig einordnen würde, muss man allerdings zuerst durch den kleinen Raum mit den Stockbetten durch, wo bereits die „Mannschaft" laut vernehmlich am Knacken ist. Die Hostel ist zudem gut in die Jahre gekommen – positiv gesagt – historischer Charakter.
Der Preis ist wirklich für Alaska sehr niedrig – da hätten wir ahnen können, daß es hierfür keinen Palast gibt. Der Betreiber ist aber überaus freundlich und so müde wie wir sind, ist auch das Stockbett und der wenige Platz egal.
Morgen kommt die Reise richtig ins Rollen.
Wir sind gespannt was wir sehen und erleben werden. Es geht auf die Kenai-Halbinsel – all the way down to Homer.Noch ein Bier und dann haben wir es endgültig für heute hinter uns.
Übernachtung: Hostel in Girdwood
Preis: 49 $ / 56 $ (mit Steuer)
Kommentar: sicher nicht jedermanns Geschmack aber zu dem Preis kann man in Alaska auch nicht mehr erwarten.
Bild des Tages:
Erster Stop für den Nissan Murano und uns am Potter Marsh