5.Tag, Mittwoch 31.8.2011Heute morgen regnet es wie aus Eimern – also kein Grund hektisch aus dem Bett zu springen – da dreht man sich doch gerne nochmal um.

Um 8 Uhr sind wir beim Frühstück, welches die Patentochter in Vertretung ihrer Pateneltern betreut. Anders als in den Lower 48 ist der Alaskaner im Sommer gerne selbst unterwegs auch wenn er ein B&B hat.
Da wir die Kenai Fjords Tour ja erst morgen machen brauchen wir nun noch 2 Übernachtungen in Seward was wir uns im Vorfeld offen gelassen hatten. Das nette Bear Ridge B&B hat für heute leider nichts mehr frei – also wird unser erstes Tagesprogramm die Suche nach einer neuen Bleibe für die Nacht werden.
Es ist inzwischen schon 10 Uhr als wir durch das kleine 3000 Einwohner Städchen tuckern.
Seward wurde übrigens nach William H.Seward benannt, der Außenminister unter Präsident Abraham Lincoln war. Als Außenminister setzte er sich für den Kauf der damaligen russischen Territorien in Nordamerika ein, der schließlich am 30. März 1867 für eine Summe von 7,2 Millionen Dollar vollzogen wurde. Sowas würde man heute ein Schnäppchen nennen.
Petra erinnert sich noch an ein B&B, welches sie im Vorfeld für den Tag gestern per Mail angefragt hatte und das damals nichts frei hatte. Vielleicht ja heute. Wir entdecken das B&B im Ortskern und klopfen an.
Nein, leider ist auch heute nichts frei – aber wir sollen mal reinkommen – sie würde bei einer Kollegin anrufen.
Da die Kollegin nebenbei eine Bäckerei hat und gerade von Kunden umlagert ist wird das Telefonat um ein paar Minuten aufgeschoben und wir bekommen Kaffee angeboten. Es ergibt sich eine sehr nette Unterhaltung mit einem Gast des B&B, einer literaturbegeisterten Amerikanerin – natürlich genau das richtige Thema für Petra. Ich döse derweil vor mich hin bis uns die überaus freundliche Gastgeberin Positives vermelden kann – Zimmer wäre bei der Kollegin frei.
Wir verabschieden uns und bedanken uns für die Gastfreundschaft – auch wegen Erlebnissen dieser Art haben wir uns beide einst in Amerika verliebt. Heute ist vieles leider nicht mehr so wie in den 90ern aber hier oben in Alaska ist die Welt noch in Ordnung.

Wir begeben uns zum Sea Treasure Inn und bekommen ein riesiges Zimmer.

Dazu gibt’s eine Küche die wir benutzen können und sogar ein internetfähiger PC steht in der Ecke der Küche zur Verfügung – für 87 $ im teuren Seward ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das Wetter wird von diesem guten Umstand aber leider noch nicht besser.
Nach wie vor weint der Himmel. Wir denken an Andreas der heute die Kenai Fjords Tour macht – wir hätten ihm besseres Wetter gegönnt.

Ideales Programm gerade an einem Regentag (aber nicht nur dann) ist das Alaska Sea Life Center in Seward an der Resurrection Bay – Alaskas einziges Aquarium das sich nebenbei auch um kranke Meerestiere kümmert.

Der Eintritt ist mit 20$ nicht gerade geschenkt aber für uns lohnt es sich. Man lernt einiges über die Meerestiere der Region, kann Seesterne anfassen ...

... und absolutes Highlight für uns ist natürlich das Becken mit den Seevögeln.

Lundis (wir sind einfach an den isländischen Begriff für Papageitaucher gewöhnt) aus nächster Nähe beobachten ist immer wieder klasse.

Wobei das hier genau genommen gar keine Lundis bzw. Papageitaucher sind. Beides sind Alkenvögel – aber während der Papageitaucher nur im Atlantik vorkommt, gibt es in dieser Region des nördlichen Pazifik nur den Hornlund ...

... und Gelbschopflund.

Wir sind fast 2 Stunden am Beckenrand und machen immer wieder Aufnahmen.





Allerdings ist es in dem Raum sehr kühl – man muss sich hinterher erstmal wieder in den anderen Räumen aufwärmen.

Es ist gegen halb zwei als wir für einen kleinen Fotostop in der Mini-Downtown halten.
Eine halbe Stunde später fahren wir am Hafen vorbei und sehen gerade wie Andreas' Cruise Ship im Hafen anlegt. Na, da überraschen wir ihn nochmal denn wie beim Schiedsrichter und den Chorgesängen im Fußballstadion gilt auch bei ihm „wir wissen wo Dein Auto steht".
Andreas ist trotz des schlechten Wetters von seiner Tour begeistert. Gut zu hören – wir sind auch schon gespannt wie das morgen bei uns werden wird.
Wir entscheiden spontan noch zusammen zum Exit Glacier zu fahren der sowohl bei ihm als auch bei uns für heute noch auf dem Programm steht.

Der Exit Glacier (der im übrigen auch Teil des Kenai Fjords Nationalparks ist) ist in wenigen Minuten stadtauswärts nach Norden und über eine weitere Zufahrtsstraße vom Highway erreicht. Wir parken unsere Autos und begeben uns auf den Trail zum Gletscher.

Der Weg ist ein besserer Spaziergang mit kleinem Höhenunterschied und bereitet keine Probleme, auch wenn man nicht im Bärensprint geübt ist.

Da es nach wie vor regnet ...

... gönne ich meiner Kamera eine vorgefertigte Plastikhülle als Regenschutz.

Vorteil des schlechten Wetters - es lässt den Gletschter blau leuchten.



Wir gehen zusammen noch ein Stück zurück und verabschieden uns dann.
Andreas fährt heute noch weiter nach Anchorage und wir bleiben ja hier und wollen gleich noch den Trail zur Gletscherzunge gehen.

Wir sind kaum 200 Meter gelaufen und kommen aus dem Wald auf eine freie Fläche wo sich die Gletscherabflüsse ihren Weg bahnen, da sehen wir schon eine Rangerin hektisch mit den Armen wedeln – am Fluß steht ein Schwarzbär.
Wir gesellen uns zur Rangerin und beobachten den Bären.
Just in diesem Moment müsste Andreas auf dem Weg zu seinem Auto hinter dem Bären durch den Wald laufen.
Als der Bär 2 Minuten später genau in diesen Wald verschwindet machen wir uns Sorgen um ihn – hoffentlich bleibt ihm eine Begegnung wie wir sie gestern hatten erspart.

Wir gehen zusammen mit einem anderen Paar aus Texas zur Gletscherzunge.
Nach dem Vorfall gestern und da der Bär inzwischen wieder aus dem Wald tendenziell in unsere Richtung geht - will Petra nicht gerne nur zu Zweit dorthin laufen, wenn ein Bär in der Nähe ist.


An der Gletscherzunge streikt plötzlich meine Videokamera und bringt einen Fehlercode.
Sowas ist für mich ja weit schlimmer als wenn ich 10 Bären am Hacken habe.
Vielleicht die Feuchtigkeit denke ich mir – wenn die Kamera wieder komplett trocken ist geht’s hoffentlich wieder.

Wir kommen ohne Begegnung mit dem Schwarzbären den wir in der Ferne im Tal ausmachen können wieder zurück zum Parkplatz und glücklicherweise steht Andreas' Auto nicht mehr da – also alles ok.

Wir gehen ins Visitor Center, kommen mit den beiden Rangerinnen dort ins Gespräch und dürfen eine Tiersichtungskarte ausfüllen.
Die Rangerinnen sind erstaunt daß der Bär gestern am Russian River so aggressiv war – aber das könnte eben schon mal vorkommen. Ich ergänze noch daß er sicher seinen Spaß mit uns hatte – was wohl auch der Fall war.
Danach geht’s noch zu Safeway wo wir 2 Tiefkühlpizzen für den Abend erstehen und wo es sogar ein öffentliches Telefon gibt – ein Wunder.
In einem Sportfachgeschäft kauft Petra noch ein Bärenspray. Bei der nächsten Bärenbegegnung ist vielleicht keine Treppe in der Nähe. Bevor wir uns auf den Boden legen und es dem Bären überlassen ob er in Knabberlaune ist, dann doch als Hilfe im worst case lieber so ein Spray.

Wobei - Spray ist gut, auf dem Foto der Verpackung sieht das ja eher wie ein Flammenwerfer aus.

Zum Sonnenuntergang lockert sich die Wolkendecke auf.

Es geht zurück zum Zimmer. Meine Kamera lässt sich nachdem mal kurz der Akku weg war wieder betreiben – also alles ok (scheinbar).
Auch wenn das Wetter heute mies war – ein schöner Tag – wie üblich in dieser Reise - mit kleinem Aufreger.
Übernachtung: Sea Treasure Inn Bed & Breakfast, Seward
Preis: 87 $ / 95 $ (mit Steuer)
Kommentar: Tolles Zimmer, super Küche – mitten in der Stadt – sehr gut !
Bild des Tages:

Blaues Eis am Exit Glacier