16.Tag, Sonntag 11.9.2011 
Heute geht es auf den Dempster Highway – ein langer Tag und viele Kilometer erfordern, daß wir um 6:30 Uhr die Nacht für beendet erklären, nach einem schnellen Kaffee das Auto beladen und die Zivilisation hinter uns lassen.
Auf dieser Reise sind ja unerwartet schon viele tolle, aber auch einige verzichtbare Dinge passiert – sodaß wir innerlich beruhigt sind – denn wenn man damit rechnet, passiert meist ja nichts – also wird der doppelt geflickte Reifen halten (er muss einfach).

Das Wetter begrüßt uns heute morgen mit bedecktem Himmel und 38°F (3°C). War eigentlich schöner vorhergesagt. Na ja – kann ja noch besser werden (oder auch schlechter).
Die ersten Kilometer der Strecke sind sehr gut zu fahren, dafür wird das Wetter tatsächlich schlechter. Die Temperatur bleibt konstant kalt aber ein paar Tröpfchen zeigen sich immer wieder auf der Windschutzscheibe.

Wir stoppen am Tombstone Mountain Interpretive Center.

Selbst bei diesen eher tristen äußeren Bedingungen sieht man, daß die Landschaft hier beeindruckend schön ist.
Wir frühstücken am Auto und fahren dann weiter in die Wildnis.

Die Straße bleibt weiterhin gut zu fahren, kaum Steine, wenig Löcher aber die farbige Tundra auf die wir gehofft hatten muss schon seit einigen Wochen vorbei sein. Schade.
Die Landschaft der Tombstone Mountains begeistert uns trotz des immer mieser werdenden Wetters. Man muss sich allerdings bei fiesen nasskalten Bedingungen schon treten, um auszusteigen und eine Aufnahme zu machen.

Die Tombstone Mountains gehen in die Ogilvie Mountains über – die Strecke ist nicht mehr ganz so spektakulär – aber immer noch interessant.

Inzwischen hat es sich eingeregnet und uns scheint, den Tieren geht es so wie uns – man möchte am liebsten keinen Fuß ins Freie setzten.
Vielleicht ist das der Grund, warum wir außer einigen Schneehühnern die langsam dabei sind ihre Farbe vo braun auf weiß zu wechseln, kein unbereiftes Lebewesen sehen.

Auch die wenigen Autos die wir unterwegs sehen, halten sich in sehr engen Grenzen.

Immer wieder ansprechende Landschaften und auch der Regen geht in ein selteneres Getröpfel über.


Unser SUV hat optisch schon "leicht" gelitten.

Die Landschaft beginnt sich zu verändern - die hohen Berge verschwinden immer mehr in der Ferne und sanfte Hügel mit gelegentlichem Orange dominieren die Landschaft entlang des Dempster Highway.

Nach 369 Kilometern erreichen wir unser späteres Tagesziel – das Eagle Plains Hotel – die einzige Bleibe weit und breit auf dem Weg in den Norden und zum Polarkreis.

Wir checken schon mal ein und gönnen uns Kaffee und Kuchen im Restaurant.
Das Eagle Plains Hotel verströmt den verstaubten Charme der 50er Jahre – auch wenn das uncharmant klingt, trifft das das auch auf die Jugendjahre der beiden Ladies zu die hier den Laden schmeißen. Entwarnung - der Kuchen ist jüngeren Datums.
Es drängt sich der Gedanke auf, sollte man hier in 10 oder 20 Jahren vorbeikommen sieht es immer noch genau so aus.
Eine Vorstellung die ich irgendwie gut finde – gerade in der heutigen Zeit wo -höher, schneller, weiter- ein Charakteristikum für unsere Generation ist.

Bis der Kaffee trinkbare Temperatur erreicht, hat man Zeit, die alten Fotos an den Wänden zu bestaunen. Fotos wie das von Mad Trapper der hier in der Gegend am Silvesterabend 1931 einen Mountie erschoß. 48 Tage lang schaffte er es im Winter bei -40°C seinen Verfolgern immer wieder zu entkommen bis er schließlich bei einem Schußwechsel den Tod fand.
Immerhin hat der Regen aufgehört, aber nördlich des Eagle Plains Hotels muss es heute und gestern noch stärker geregnet haben als im südlichen Abschnitt des Dempster Highways. Die Piste ist seifig und ordentlich verschlammt.
Das hindert uns allerdings nicht am weiterfahren – wir haben ein Ziel und das sind die Northwest Territories – bis dorthin wollen wir kommen. Die gesamte Route bis Inuvik (insgesamt 738 km one way – also ab Eagle Plains Hotel nochmal 369km) ist uns einfach zu viel Fahrerei. Dazu bräuchten wir mindestens noch 2-3 Tage (inklusive einer kleinen Besichtigung in Inuvik), das ist uns das Kilometerschrubben nicht wert.

Unser Auto ist jetzt schon kaum wiederzuerkennen von dem ein allumfassendes Schlammbraun Besitz ergriffen hat. Die berühmte "Dempster Lackierung".
Egal wo man den Wagen berührt oder in seine Nähe kommt, der braune „Siff" scheint magnetische Wirkung auf Hose, Jacke und Hände auszuüben (vor allem auf meine

).

Die Schlammschlacht führt uns auf einen Hügel hinauf zum Arctic Circle – bei Kilometer 403 ist das erste Teilziel erreicht.

Ab hier wird die Landschaft richtig klasse.

Orange Täler und Berge durch die sich der Highway wie eine Schlange windet – stark.

Die Strecke bietet viel Abwechslung.

Wenig Autos ja - aber ein Flugzeug kann hier immer mal runterkommen - der Dempster ist an dieser Stelle gleichzeitig Landebahn!

Zur Grenze in die Northwest Territories geht es einen Berg mit tief hängenden Wolken hinauf.
Dort ist kaum Sicht, es tröpfelt ...
... und der Wind bläst in Orkanstärke, aber wir haben es geschafft – der Reifen und das Auto haben gehalten – wir sind am Ziel, trotzen für ein paar Sekunden dem Wetter und machen glücklich (aber trotzdem schnell

) ein "Erinnerungsfoto".

Jetzt müssen wir es nur noch wieder zurückschaffen....

Das Wetter in den Northwest Territories verheißt wenig Gutes.

465 km durch die Einsamkeit. Eine Strecke, die nicht nur körperlich weit vom Alltag wegführt. Auch der Kopf ist dem Alltag zu Hause komplett entrückt.

Wälder, Taiga, Tundra, Seen, weites Land …. das sind die Dinge, die die Sinne beherrschen und natürlich noch, daß man nicht doch auf der seifigen Piste eine Rutschpartie hinlegt.

Dann geht es mit dem inzwischen komplett mit Schlamm bepackten Auto zurück nach Eagle Plains.

Zurück in Eagle Plains versuche ich das Auto etwas von den Schlammbergen zu befreien aber es ist schon zu spät - der Wasserschlauch ist drucklos - es ist schon nach 19 Uhr und der Tankwart hat Feierabend gemacht. Also weiß ich womit morgen der Tag beginnt.

[Hier ein Bild nachdem wir das Zimmer verlassen haben .... kleiner Scherz

]

Heute wird das Löffelchen zu selbstgemachten Pesto-Spaghetti mit Salat geschwungen und es gibt natürlich das obligatorische Gute-Nacht-Bier.
Mit dem Tag sind wir sehr zufrieden. Trotz wechselhaftem Wetter war es ein Erlebnis auf dem Dempster unterwegs zu sein und es wäre mehr als schade gewesen, wenn wir das beste Stück zur Grenze der Northwest Territories verpasst hätten.
Nun heißt es morgen zurück zum Asphalt und weiter nach Südosten.
Wer weiß – sollte es Sonne geben – wäre das wie eine neue Strecke.
Auf unserem neuen Netbook werden abends noch die Daten überspielt.
Für die vielen Daten die sich schon in unserem Gehirn angesammelt haben gibt es keine Speicherstation. Die müssen sicher erst noch zu Hause verarbeitet werden – aber immerhin – Daten wie die dieses Tages sind sicher.
Selbst wenn unser „Betriebssystem" mal einen Schwächeanfall bekommt werden wir uns an diesen Tag und diese Fahrt (und wohl auch an vieles sonst dieser bemerkenswerten Reise) erinnern.
Übernachtung: Eagle Plains Hotel, Dempster Highway
Preis: 149 Can$ (mit Steuer)
Kommentar: tja – konkurrenzlos. Einzige Alternative wäre im Auto zu übernachten. Zimmer in die Jahre gekommen aber sehr sauber und man ist wirklich froh, nach einem langen Tag mit vielen Kilometern Dirtroad sein Haupt betten zu können
Bild des Tages:
Die Reifen (auch der geflickte) haben gehalten und uns in die Northwest Territories gebracht.
Wofür so eine "Schutzschicht" manchmal gut ist..