14.Tag, Freitag 9.9.2011 
Heute müssen wir mal wieder früh raus – ein langer Tag liegt vor uns.
Also verlassen wir um kurz nach 6 Uhr unser warmes Bettchen und wagen uns hinaus in den bisher kältesten Morgen der Reise.
Heute morgen braucht man keinen Fisherman's Friend-Bonbon für die gewisse Frische im Mund.
27° Fahrenheit (-3° Celsius) und "ICY" zeigt die Temperaturanzeige im Auto an und die Scheibe ist erstmals vereist.

Trotz der Morgensonne, die uns gleich am Ortsrand von Tok jenseits der Brücke zum ersten Foto- und Filmstop zwingt, will es noch nicht wärmer werden. Man muss bei seinen Aufnahmen schnell sein, damit der Finger nicht vielleicht am Auslöser festfriert.

Wir biegen auf den Taylor Highway nach Norden und Richtung Kanada ab.

Die Strecke führt nach wenigen Meilen auf den 1689m hohen Mount Fairplay und ist nicht zuletzt wegen der intensiven gelben Herbstlandschaft sehr reizvoll.

Das Einzige was hier das Auge stört sind immer wieder Jäger die auf ihren ATVs durch die Wälder heizen ...

... oder am Straßenrand in ihren Tarnanzügen nach Wild Ausschau halten. Das ist schon sehr speziell hier oben im Norden und für uns doch sehr gewöhnungsbedürftig.

Der Highway, der früher doch sehr abenteuerlich war, ist heute teilweise geteert und absolut problemlos zu befahren.

Zwischenzeitlich sorgen einige verbrannte Wälder über einige Kilometer für einen eher öden Fahrabschnitt bis dann wieder die bunten Herbstlandschaften beiderseits der Straße zurückkehren.
Ebenfalls zurückgekehrt ist unser Tierglück, denn unvermittelt vor uns taucht ein Elch im Fluß auf ...

... und trottet gemächlich über den Highway.

Wir erreichen Chicken, das letzte US-amerikanische Lebenszeichen vor der Grenze nach Kanada.
(„Downtown" Chicken ist übrigens eine Häuserreihe von insgesamt 5 Gebäuden)

Bereits 1886, also 10 Jahre vor dem Goldrausch am Klondike, wurde hier Gold gefunden. Chicken ist heute ein skurriles Nest mit Überresten einer bewegten Zeit und einigen Merkwürdigkeiten die dem Namen des Ortes Rechnung tragen.

Hühnchen in Chicken
Ursprünglich sollte der Ort Ptarmigan (Schneehuhn) heißen. Da sich die Einwohner nicht auf die richtige Schreibweise einigen konnten, nannte man den Ort kurzerhand Chicken (Huhn).

Wir halten an der alten Dredge – einem schwimmenden Schaufelbagger der im Creek früher das Bachbett nach Gold umgrub.

Besonders auffällige und fotogene Pflanze im Gras - Mähnen-Gerste....

...die im Englischen den schönen Namen Squirrel-Tail-Grass trägt.

Nach einem kleinen Imbiß am Auto ...

... und noch einem Blick auf die Dredge und die Herbstwälder Alaskas ...

... geht’s weiter zur USA-Kanada Grenze die wir gegen Mittag erreichen. Die Einreise nach Kanada ist in 2 Minuten erledigt.
Wir stellen unsere Uhr eine Stunde vor und sind nun nicht nur in Kanada ...

... sondern auch im Yukon Territorium.

An einem Aussichtspunkt gibt es neben einem Alaska Willkommensschild (für die Reisenden, die hier von Kanada nach Alaska kommen) einen guten Panoramaüberblick an dem wir noch einmal stoppen.
Bye Bye Alaska - in 4 Tagen kommen wir wieder zu Dir zurück.

Dann geht es auf dem Top of the World Highway hinab Richtung Dawson City.

Landschaftlich kann der Top of the World Highway bis auf die ersten sehr eindrucksvollen Kilometer nicht mit dem Taylor Highway mithalten.
Spektakulär wird es dann, als sich die Straße kurz vor Dawson in die Wälder hinabwindet und 3 Meilen vor dem Ziel einen tollen Ausblick auf Dawson City und den Yukon freigibt an dem wir aber zunächst (genau wie der Yukon River) vorbeirauschen.
Wir bremsen, drehen und fahren zurück, um eine geeignete Stelle für einen kurzen Fotostop zu finden, was in der langgezogenen Kurve nicht wirklich gelingen will.
Also nochmal eine waghalsige Drehung auf dem Highway – wir wollen ja nicht wieder bis zur US-Grenze zurück. Als wir wieder an der Stelle vorbeikommen an der man einen Blick durch die Bäume auf Dawson werfen kann – sehen wir zwar wieder keine Möglichkeit hier zu halten ...

... dafür aber vor uns plötzlich einen kleinen Schwarzbären der ziellos auf der Straße herumirrt.

Er flüchtet sich zunächst in die Bäume oberhalb des Straßenrands...

... um dann hinter uns noch einmal die Straße zu überqueren.
Der war ja putzig.
Kurz nach dieser Stelle sehen wir eine unbeschilderte Piste rechterhand vom Highway abzweigen. Wir versuchen es – vielleicht gibt es hier ja eine bessere Aussichtsmöglichkeit auf die Stadt und den Fluß.
Wir sind gerade 100 Meter gefahren da hoppelt uns der kleine Schwarzbär nochmals über den Weg und nochmal 500 Meter weiter haben wir erreicht was wir erhofft hatten.

Volltreffer – ein herrlicher Blick, auf das im strahlendem Sonnenschein unter uns liegende Dawson City, das Jack London in seinen Büchern auf der ganzen Welt bekannt gemacht hat ...

... und auf den nicht minder berühmten Yukon River, mit 3120 Kilometer der fünftlängste Fluß auf dem nordamerikanischen Kontinent in den an dieser Stelle der geschichtsträchtige Klondike River (von oben kommend) mündet.

Deutlich zu sehen - die hellere Farbe des Yukon und die dunkle des Klondike River.

Kurze Zeit später überqueren wir mit der kostenlosen Fähre den mächtigen Fluß ...

... und legen nach etwa 15 Minuten Fahrzeit in Dawson City an.
Am 17.August 1896 entdeckten George Carmacks und seine beiden indianischen Begleiter südöstlich von Dawson am Bonanza („Goldgrube") Creek Gold. Der Bonanza Creek mündet in den Klondike River – und binnen weniger Monate wurde die ganze Region dieser Flüsse Schauplatz des größten Goldrauschs der Geschichte.
Tausende ließen bei der Nachricht von den sagenhaften Goldfunden alles liegen und stehen und schlugen sich auf unwegsamen Trails nach Norden durch. Hier an der Mündung des Yukon mit dem Klondike River entstand noch im selben Jahr Dawson City das im Winter bereits 500 Einwohner hatte. Ein Jahr später waren es 30.000. 1898 war die Gold Rush City die größte Stadt westlich von Winnipeg und nördlich von San Francisco. Dawson hatte elektrisches Licht, Telefon, fließendes Wasser, Theater, Tanzhallen und natürlich Saloons. Raddampfer brachten Mode aus Paris und Möbel aus England.
1899 schien alles vorbei zu sein. Die Goldvorkommen die man per Hand schürfen konnte nahmen rapide ab und es wurde über neue Goldvorkommen an der Küste in Nome berichtet.
Aus der lebenslustigen Boomtown in der Wildnis wurde das Verwaltungszentrum für das Yukon Territorry und Versorgungsstation für die Arbeiter der Mining Companies, die ab 1900 das Gold des Klondike im großen Stil mit gigantischen Dredges, den Schaufelbaggern ausbeuteten.
1953 verlor Dawson den Status als Provinzhauptstadt an Whitehorse und ein Brand und eine Überschwemmung 1979 schienen das Schicksal Dawsons als Ghosttown endgültig zu besiegeln. Aber es kam anders. Der internationale Goldpreis stieg und lockte neue Firmen in den Norden und die Touristen wollten die Schauplätze von Jack Londons Geschichten und natürlich vor allem das berühmte Dawson City mit eigenen Augen sehen.

So blieb Dawson das Schicksal einer Geisterstadt erspart wenngleich es hier im alten Stadtkern noch genauso aussieht, als wären wir im Jahre 1896.
Wir haben einige Mühe ein Zimmer zu bekommen. In der Stadt sind Touristen eines Kreuzfahrtschiffes und ein großes Pokerturnier. Durch Telefon-Vermittlung einer äußerst hilfreichen Dame im Bonanza Gold Motel (die selbst schon ausgebucht ist) kommen wir noch halbwegs bezahlbar im Downtown Hotel unter.
Das El Dorado wollte doch glatt für heute 249 Kanada-Dollar, was selbst die nette Dame sprachlos machte.

Schließlich kommen wir im Downtown Hotel halbwegs bezahlbar unter und bringen unsere Sachen aufs Zimmer ...

... und freuen uns auf den Rundgang durch die alte Frontier Town.

Die Schuhe knarren über hölzerne Boardwalks und viele Ecken der Stadt könnte man schon einmal in einem Wildwestfilm gesehen haben.
Wie damals kommen die Menschen von weit her in die Stadt. Damals wegen Gold, heute wegen der historischen Gebäude deren Faszination man sich weder entziehen kann noch will.
Wir stoppen kurz im Visitor Center und informieren uns über das Wetter für den Dempster Highway der nächsten Tage (Ergebnis: morgen schlecht) und entscheiden, noch einen Tag hier in Dawson zu bleiben und erst in 2 Tagen den Dempster zu fahren.
Bei unserem Rundgang durch die 1300 Einwohner-Stadt kommen wir natürlich auch bei Diamond Tooth Gerties vorbei wo Petra auf Nachfrage ob man da heute Abend beim Poker-Turnier fotografieren dürfte, nicht nur die Erlaubnis, sondern vom Chef des Hauses auch noch einen Getränkegutschein bekommt. Somit ist das Abendprogramm bereits geritzt.

Auf die schiefe Bahn geraten

Zum Glück leistet der Camcorder nach der Rumzickerei in Seward wieder ungestört seinen Dienst.

Wir essen auf dem Zimmer und sind dann gegen 20 Uhr in Dawsons berühmtestem Saloon - Diamond Tooth Gerties.
Von der Empore sehen wir hinab auf die Pokerspieler ...

... und die Can-Can Show.
Den Laden sollte man schon gesehen haben – und das Pokerturnier ist auch für uns als Nichtspieler faszinierend.
Ein super Tag mit großer Abwechslung geht zu Ende. Wir freuen uns, daß wir morgen noch ausreichend Zeit für Dawson und Umgebung haben und beschließen den Abend wie üblich noch mit einem Bierchen auf dem Zimmer.
Übernachtung: Downtown Hotel, Dawson City
Preis: 111 $ /116 $ (mit Steuer)
Kommentar: großes Motelzimmer mitten in der Downtown. Nicht gerade billig aber Kanada ist bekanntermaßen für uns teurer als USA
Bild des Tages:
In den Straßen von Dawson City