15.Tag, 4.5.2024, SamstagEin Ende mit PaukenschlagMein letzter Tag den ich noch nutzen kann, also wird auch heute noch mal früh aufgestanden und um 3.30 Uhr sieht das Motel meine Rücklichter. Mein Ziel ist es zum Sonnenaufgang im Joshua Tree National Park zu sein. Heute fällt mir diese neuerliche Kurzschlafaktion besonders schwer, und ohne Kaffee an diesem Morgen drohen mir ein paar Mal die Augen zu zufallen. Mein Akku scheint auch langsam wirklich tiefenentladen (wobei das nur für den Körper gilt - der Kopf hat jeglichen Stress zu 100% abgebaut und wird noch lange von dieser Reise zehren können

).
Nach knapp zwei Stunden Fahrt passiere ich endlich den noch unbesetzten Südeingang des Nationalparks und fahre noch bei völliger Dunkelheit nach Norden ins Zentrum des Parks.

Für die ersten Sonnenstrahlen des Tages habe ich mich für die Region rund um den Arch Rock entschieden.

So parke ich meinen Wagen und gehe den kurzen Weg zum Felsbogen während allmählich die Dämmerung hinter den Felsen zum Vorschein kommt.


Der Arch Rock ist aber noch nicht von Sonnenstrahlen durchdrungen, ...

... also nutze ich die Zeit und besuche den Heart Rock, den man in 10 Minuten erreicht hat. Wirklich herzig dieser Stein.


Zurück am Arch Rock komme ich gerade rechtzeitig zu den ersten Sonnenstrahlen, verlockend natürlich die Sonne durch den Bogen strahlend festzuhalten.

Danach sehe ich mich etwas in der Nähe der Jumbo Rocks um.


Kopulierende Felsen.


Die Josua-Palmlilie, die als größte der Yucca-Palmen bis zu zwölf Meter hoch und 150 Jahre alt wird, findet man nur in der Mojave-Wüste. Der nach dieser Agave mit dolchartigen Blättern benannte, 3200 km2 große Joshua Tree-Nationalpark zieht jährlich über zwei Millionen Besucher an, die natürlich nicht nur wegen der Palmen kommen. Gerade am Wochenende (heute ist Samstag) ist mit regem Zustrom aus den Metropolen Los Angeles und San Diego zu rechnen. Um so besser, wenn man den Park gleich früh am Morgen besucht, wo noch nicht viel los ist.
Im südkalifornischen Joshua-Tree-Nationalpark treffen mit der Mojave- und der Colorado-Wüste zwei unterschiedliche Wüstenökosysteme aufeinander. Der Nationalpark beherbergt eine faszinierende, artenreiche Flora und Fauna, die perfekt an die unwirtlichen Berge und die durch Erosion freigelegten Granitformationen angepasst ist.

Überhaupt weist der Park einige der interessantesten geologischen Formationen auf, die in den kalifornischen Wüsten zu finden sind, wie z.B. hier den Penguin Rock bei den Jumbo Rocks.

Zeit etwas zu wandern bevor es zu heiß wird. Zunächst entscheide ich mich für den Barker Dam Trail, ein Rundweg, der in einer Stunde Gehzeit zu einem manchmal mit Wasser gefüllten Tümpel am Damm führt, heute leider ohne Wasser, dafür aber mit schönen Ansichten der Region.


Danach geht es auf den Hidden Valley Trail, ...

... der für mich schönste (Rund-) Weg im Park.

Auf gut einer Stunde führt der Weg an riesigen Granitansammlungen vorbei, natürlich immer von den markanten Joshua Trees garniert (und wenn es nur ein Schatten ist).




Gegenüber des Hidden Valley Trails beim Campground versteckt sich der Turtle Rock. Der gefällt mir besonders. Vielleicht gucke ich hier später noch mal vorbei.

Joshua Tree Forest am Hidden Valley Campground

Eine Stichstraße führt hinauf zum Keys View.

Weit schweift der Blick in die Umgebung, zu der auch ein Teil der San-Andreas-Verwerfung (San Andreas Fault) gehört. Die Spalte erstreckt sich über gut 1100 Kilometer Länge von Mexiko bis zum Norden von San Francisco und teilt den Bundesstaat Kalifornien in zwei Hälfte, wobei San Francisco auf der Nordamerikanischen Platte und Los Angeles auf der Pazifischen Platte liegt.
Durch einen Bruch in der San-Andreas-Verwerfung wurde das San Francisco Erdbeben ausgelöst. Es erschütterte die Küste Nordkaliforniens am 18. April 1906 und gilt als eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Danach geht es zurück ins Parkzentrum zum Skull Rock.

Skull Rock

Felsen am Skull Rock
Inzwischen ist es Mittag und der Park hat sich gefüllt. Trotzdem findet man am Trail zum Face Rock noch einen Parkplatz.

Auch diesen Trail kann ich weiterempfehlen und der Face Rock selbst ist schon außergewöhnlich gute Steinmetz-Arbeit der Natur.

Auch hier findet man immer wieder etwas blühendes.


Gegen 13 Uhr ist der Park voll (für mich gewöhnungsbedürftig nach vielen Locations in fast völliger Einsamkeit) und ich trete erst mal den geordneten Rückzug an. Bei der Ausfahrt aus dem Park zahle ich die 30$ Parkgebühr und fahre weiter in die rund 20 Minuten vom Ort Joshua Tree entfernte Pioneer Town.

Die Pioneer Town ist eine nette Westernstadt ...

... mit vielen fotogenen Gebäuden und guter Wildwest-Atmosphäre.

Die Besucher verteilen sich hier ganz gut und ein Eintritt wird nicht erhoben.

Pioneertown wurde 1946 von einer Gruppe von Schauspielern und Investoren gegründet, darunter Roy Rogers und Gene Autry. Die Idee war, eine Stadt zu schaffen, die als Kulisse für Westernfilme dienen sollte, die aber auch nach Drehschluss noch von den Filmcrews genutzt werden konnte. Dazu wurden Gebäude errichtet, die von außen einer typischen Westernstadt aus dem 19. Jahrhundert glichen. Im Inneren beherbergten sie jedoch moderne Einrichtungen wie Eisdielen, eine Bowlingbahn oder Motels. In den folgenden Jahrzehnten wurden hier über 50 Filme und Fernsehshows gedreht.
Pioneertown war nie eine reine Westernkulisse oder ein Dienstleistungsangebot für Filmcrews, sondern hier lebten immer auch Menschen, die die diversen Motels, Gaststätten oder verschiedene Läden betrieben. Auch heute noch erfreut sich Pioneertown als Wohnort für Künstler oder Unternehmer wachsender Beliebtheit.
Auch wenn die Blütezeit der Westernserien inzwischen vorbei ist, wird Pioneertown noch immer zumindest gelegentlich als Kulisse für Filmproduktionen verwendet.



Lange halte ich mich hier allerdings nicht auf.

Zeit zum Zimmer zu fahren, einzuchecken und mal eine Pause am Zimmer einzulegen, zumal es recht windig geworden ist und düstere Wolken einen möglichen Regenguss andeuten.
Am Zimmer gilt es etwas Augenpflege zu betreiben und sich mal für eine Stunde eine Auszeit zu gönnen.
Danach organisiere ich mir einen Happen zu Essen und blicke kritisch hinauf zum Himmel. Es tröpfelt, ist windig, die Wolken bieten ein tristes Grau in Grau.
Also zusammengefasst, das Wetter sieht nicht gerade verheißungsvoll aus und eigentlich könnte ich es ja jetzt gemütlich ausklingen lassen.
Hm… andererseits … wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Also raffe ich mich doch noch einmal auf, werfe mein Stativ auf die Rückbank und fahre über den Nordeingang noch einmal in den Park.

Immerhin hört das Tröpfeln auf. Dem Park Boulevard nach Süden folgend, halte ich an der Granitwand der Hemingway Buttres.



Es ist schon Abend vielleicht eine Stunde bis Sonnenuntergang und so lassen sich trotz oder wegen der Wetterumstände Gegenlichtmotive finden.

Der Himmel hat nun auch dunkle geschwungene Wolkenbänder im Programm, es wird interessant.


Mir fällt die Gegend um den Turtle Rock am Hidden Valley Campground ein, wo es mir heute Mittag gut gefallen hatte.

Neben den tollen Felsen gibt es hier auch einen Joshua Tree Wald also könnte das eine gute Location für diesen letzten Abend sein.
Ich baue mein Stativ auf und mache ein paar Aufnahmen vom Turtle Rock und bin doch froh dass ich mich noch einmal aufgerafft habe.

Während ich gerade fasziniert auf die schwarzen Wolken blicke, die sich Richtung Westen drohend am Himmel präsentieren bekommt diese wirklich phantastische Tour, die mir schon so viele Naturwunder auf dem Silbertablett präsentiert hat eine letzte Kirsche aufgesetzt.

Die Sonne bricht wie ein Laserschwert durch die dunklen Wolken ...

... und taucht die Landschaft in ein herrliches Licht.


Mein Stativ lasse ich stehen wo es steht und fange wie ein aufgeschrecktes Huhn an zu rennen.

Irgendwohin wo ich dieses Licht und die Landschaft halbwegs würdig festhalten kann.

Wer mich hier beobachtet würde mich wahrscheinlich in eine Anstalt mit gummierten Wänden einliefern lassen, so chaotisch wie ich im Rückwärtslaufen fotografiere.

Egal, kaum textlich vermittelbar, welchen Spaß ich dabei habe, da ich heute wirklich nicht mehr mit solchem Büchsenlicht gerechnet habe.


Die Show dauert fast eine halbe Stunde. Irgendwann schließen sich die Wolken vor der tief gesunkenen Sonne und ich kehre zum meinem Stativ zurück, dass zum Glück niemand geklaut hat.

Eigentlich denke ich, dass das ein wirklich würdiger Abschluß war und fahre auf dem Parkboulevard wieder zurück nach Norden.

Dann bricht die rote Sonne noch einmal durch die Wolken und beleuchtet die Felsen entlang der Straße.

Ob gegen die letzten Sonnenstrahlen ...

... oder mit dem letzten Licht, man kann sich kaum sattsehen.

Den Wrangler lasse ich einfach am Straßenrand stehen und knipse mich noch mal durch ein paar Hundert Meter Joshua Tree Nationalpark.


Der Horizont liefert ein letztes Farbenspiel ...

... und die Joshua Trees heben sich dramatisch vom glühenden Himmel ab.





Das letzte Foto dieser Reise.
Zurück am Zimmer falle ich passenderweise wie ausgeknipst ins Bett.
Übernachtung: High Desert Motel, Joshua Tree, Kalifornien, 97 €
> Folgt noch die Rückreise nach LA und ein Fazit.