2.Tag, 5.6.2022 SonntagDas die Yorkshire-Küste im Nordosten Englands noch mehr zu bieten hat, wollen wir heute erleben.

Erstes Ziel ist am Morgen die Thornwick Bay. Von einem Cafe kann man Trampelpfade hinab zur Küste gehen.

Thornwick Bay leitet seinen Namen von "Thor", dem Gott des Donners, ab, weil die Wellen während eines Nordoststurms, die Klippen langfristig zertrümmern.

Auch heute klatscht die Brandung an die Felsen.

So ist irgendwann auch dieser Sea Arch am Strand entstanden.

Der Küstenpfad führt oben kilometerlang an den Klippen der Flammborough Coast (nach einem kleinen Ort in der Gegend) entlang.






Wir folgen ihm in einige Nachbarbuchten über North Landing bis zu Sea Stack und Breil Nook, wo es neben Höhlen in den Klippen und im Meer stehenden Felsnadeln ...

... auch wieder regelrechte Vogelkolonien zu bewundern gibt.


Schafe natürlich auch.

Wir setzen das Auto um, um den Rückweg zu verkürzen und fahren zum Parkplatz am Flammborough Lighthouse, auch hier führen Pfade hinab zur Selwicks Bay ...

... und entlang der Küste zu den High Stacks – Felsnadeln von denen eine einen hübschen Doppeltor-Arch besitzt (Spitzname "Drinking Dinosaur").

Dann beginnt es zu regnen.
Auf Reisen in den Norden ist es mit dem Wetter gerne nicht so einfach. Demzufolge nütze ich zwei Wetterdienste (BBC und Metoffice – die sich auch nicht immer einig sind) um aktuell zu sehen wo es am besten ist. Laut beiden Diensten ist es im Norden in Whitby – das wir sowieso sehen wollen in 2 Stunden wieder trocken. So setzen wir uns in unseren englischen Chinesen und fahren die Stunde nach Norden in einen der schönsten Orte ganz Britanniens und das ist sicher keine Übertreibung, zudem platzt der Ort im Bezug auf Geschichte und Geschichten fast aus allen Nähten – aber der Reihe nach.

Wir beginnen unseren Whitby Besuch mit der Abtei die südlich oberhalb der Stadt auf einem Felsen liegt.

Whitby Abbey wurde 657 n. Chr. von König Oswiu von Northumbrien als Doppelkloster für Männer und Frauen gegründet. 867 wurde die Abtei bei einem Däneneinfall zerstört.

Erst ca. 1077 gründete Reinfried, der zum Invasionsheer unter Wilhem dem Eroberer gehört hatte, hier ein neues benediktinisches Kloster. Während der englischen Reformation im 16. Jahrhundert unter Heinrich VIII. wurde das Kloster aufgelöst und das Gebäude dem Verfall überlassen. Nachdem 1763 das Langhaus und 1830 der Vierungsturm eingestürzt waren, wurde im Ersten Weltkrieg die West-Fassade durch Granattreffer deutscher Schlachtkreuzer zerstört. 1921 wurde die Fassade jedoch originalgetreu rekonstruiert. Von der Kirche stehen heute noch der Chor, die Querschiffe, teilweise das nördliche Seitenschiff des Langhauses und die bereits erwähnte West-Fassade.

Blick von der Abtei hinab nach Whitby mit seiner Hafeneinfahrt.


Fast noch berühmter als die Abtei selbst ist ihr Friedhof. Das liegt aber nicht daran dass man von der Friedhofsmauer einen allumfassenden Blick auf die Abtei, die Stadt und die Umgebung hat sondern an einem der berühmtesten Romane, den wohl jeder kennt.
199 Stufen führen hinauf zum Friedhof und der 900 Jahre alten Kirche, die sich auf den Klippen zur Nordsee befinden. Direkt daneben steht die Ruine von Whitby Abbey. Die Ruine des Klosters und die Grabsteine des seit mehr als einem Jahrhundert geschlossenen Friedhofs erzeugen noch heute eine schaurige Atmosphäre. Aufgrund starker Regenfälle wurde der historische Friedhof durch einen Erdrutsch teilweise zerstört. Dabei wurden jahrhundertealte Knochen freigelegt und fielen auf die Straßen am Fuße des Kliffs.

Wer Literatur-Kenner ist und die Hafenstadt Whitby im Norden Englands besucht, wird sich wohl bald selbst vorkommen wie in einem Roman, dessen Autor ein gewisser Bram Stoker war.
Überall in der Stadt bewegt man sich auf den Spuren eines der legendärsten Grusel-Schurken aller Zeiten: Graf Dracula. Denn ein Teil des Buches spielt tatsächlich in dem englischen Ort. Vielmehr noch, Whitby war es wohl, dem der Autor Bram Stoker überhaupt erst seinen Einfall zu dem Vampir-Epos verdankt. Stoker besuchte die Stadt auf einer Reise im Juli des Jahres 1890. Sieben Tage lang hielt er sich hier allein auf. Und in dieser Woche schenkte ihm der Ort zahlreiche Ideen zu einem der heute berühmtesten Bücher überhaupt. In der Bibliothek des Ortes las er die Schrift über den realen, durch seine Grausamkeit bekannt gewordenen Prinzen Vlad Tepes – Beiname Dracula, übersetzt „Sohn des Drachen“. Es ist überliefert, dass Stoker sich einige Namen auf den Grabsteinen notierte und in seinem Buch verwendete. Überhaupt soll ihn der schaurig schöne Friedhof zu dem Roman inspiriert haben. So verwundert es nicht, dass „Graf Dracula“ auch einen Teil seiner bissigen Geschichte in Whitby erlebt und Bram Stoker die Fledermäuse um die alte Abtei kreisen lässt. 7 Jahre schrieb der Ire Stoker an dem Buch, das 1897 erschien.

Wen wundert es, dass das Thema Dracula ordentlich im Städtchen Whitby ausgeschlachtet wird. Teilweise muss man schon schmunzeln, wenn man so manchen Gift-Shop-Artikel bewundert.

Das tut dem Örtchen aber keinen Abbruch, im Gegenteil.


Die Story tritt schnell in den Hintergrund, wenn man die berühmten 199 Stufen hinab in den Ort geht und ihn auf einer Hafenrunde näher begutachtet.

Da bräuchte es eigentlich keine weitere schillernde Persönlichkeit mehr, um Whitby’s Ruf zu manifestieren und doch gibt es sie. Im Hafen liegt ein Nachbau von Captain Cook’s Schiff Endeavour und oberhalb des Nordhügels steht eine Statue des berühmten Seefahreres James Cook (1728-1779).
Cook stammt aus der Gegend, hatte nördlich in Staithes (morgen auf dem Programm) seine Liebe zum Meer entdeckt und ging in Whitby in einer Reederei in eine Seefahrer-Ausbildung und lebte auch dort. Später trat er der Royal Navy bei und wurde schnell zum Kommando befördert.
Die Welt kennt ihn immer noch als Captain Cook – den Mann, der die Küste Neuseelands und die Ostküste Australiens kartografierte und der einer der größten Landvermesser sowie einer der besten Seefahrer und Entdecker aller Zeiten war. Er lernte sein Handwerk auf Whitby-Schiffen, die in die Ostsee fuhren, und zwei der Schiffe, die er auf seinen langen und gefährlichen Reisen benutzte – „Resolution“ und „Endeavour“, wurden in Whitby gebaut.

Nach so viel historischem, literarischem und urbanem Input, brauchen wir auch etwas Kulinarisches und gönnen uns einen Burger in einem Bistro am Hafen.

Nicht nur kulinarisch ist Britannien relativ schmerzfrei, auch die Garderobe der Briten darf als durchaus eigenwillig bezeichnet werden.
Danach geht es zurück nach Bridlington zum spielen an unserem Stromautomaten.
Übernachtung:Pebbles South Shore Holiday Park, Bridlington, Yorkshire (über Booking.com)
Wertung: 5/10 – Wohnung eigentlich ganz gut aber keine Handtücher und zusätzliche nicht vor Buchung angezeigte Münzzahlung für Strom führt zu Abwertung