22.09.20 – Um Innichen herumDie Sonne ließ uns im Stich und so standen wir morgens nur kurz vor dem Lift in Sexten. Für eine Höhenwanderung war es zu bewölkt und regnerisch. Einen Plan B hatten wir nicht, aber ich wusste, dass es in Sexten eine Alpaka Herde

gibt. Am Ortsende wurden wir dann fündig.

Die Anden-Kamele sind jetzt auch in Europa beliebt. Diese waren jedoch so gar nicht vom Spaziergang begeistert. Mir taten die Leute richtig leid. Das schwarze Alpaka bockte und schüttelte wie wild den Kopf, so dass seine Speichelbatzen durch die Gegend flogen. So etwas haben wir in Peru nicht gesehen, da waren die Tiere ausgeglichen.

Einen Plan B hatten wir wie erwähnt nicht, also musste Plan C her. In der Hotelgarage stehen den Gästen Leihräder kostenlos zur Verfügung.

Es dauerte eine Weile, bis wir zwei einigermaßen taugliche Drahtesel fanden. Helme und Handschuhe hatten wir von zu Hause mitgebracht.
Man kann den Drauradweg bergab nach Lienz fahren und mit der Bahn zurück.

Wir saßen schon Jahre auf keinem Fahrrad mehr und die Gänge der Räder waren ebenso eingerostet wie wir.

Als wir Vierschach erreichten, tröpfelte es.

Die Fahrt nach Lienz machte somit keinen Sinn. Wir fuhren nach Innichen zurück und zwischendurch sprang die Kette von Heikos Rad. Nach der Montage und weil es in Innichen noch nicht regnete, fuhren wir bis Toblach weiter.
Im ehemaligen Grand Hotel

ist nun das Naturparkhaus Drei Zinnen untergebracht.

Der Eintritt war frei, aber es wurde Fieber gemessen. Nach einem "Hmmm" des Rangers fragte ich, ob was nicht stimmt. Jein, denn ich hätte Untertemperatur. Mit dem Ergebnis konnte ich leben und das ist schließlich kein Wunder, wenn man bei dem kalten Gegenwind mit dem Rad unterwegs ist.
Im Naturparkhaus kann man bei Schietwetter auf jeden Fall ein paar Stunden verbringen.
Nicht die präparierte Fauna der hochalpinen Landschaft,

sondern die historischen Fahrzeuge hatten es mir angetan.

Wir hätten noch einige Zeit in dem Museum verweilen können, doch die Mittagspause wird streng eingehalten und die Besucher rechtzeitig zum Ausgang geleitet.
An der Hauptstraße gibt es einen Pizza-Döner-Laden. Wir wollten nur eine Kleinigkeit essen und dann wurde uns dieser wirklich leckere Döner-Teller serviert. Also irgendwie waren wir in dem Urlaub schon ziemlich verfressen

.

Mittlerweile regnete es auch in Toblach und wir mussten auf dem Rückweg schneller in die Pedale treten. Mein Hintern flehte um Gnade, denn leider haben die Hotelfahrräder weder bequeme, noch breite Sättel.
Bevor ich es vergesse: Im Naturparkhaus stieß ich auf die Legende vom Riesen Haunold.
Eigentlich war der Riese Haunold ja der Sohn eines römischen Feldhauptmannes, der als Kind von einer wundertätigen Quelle trank und so dann zu einem Riesen heranwuchs. Mit mehreren anderen Riesen hauste er dann zur Entstehungszeit der Stiftskirche im Felsenreich rund um Innichen und trieb dort sein Unwesen. Um die schweren Steine, die für den Bau der Kirche benötigt wurden, leichter herbei zu schleppen, überredete die Bevölkerung von Innichen den Riesen zur Mithilfe. Er schleppte dann auch die schweren Steinquader herbei und wirkte beim Bau tatkräftig mit.
Haunold verlangt für seine harte Arbeit allerdings eine tägliche Mahlzeit: ein Kalb, drei Scheffel Bohnen und ein Fass Wein. Dies aber nicht nur während des Baus sondern auch nach der Fertigstellung der Stiftskirche. Die Innichner wurden den Riesen nicht mehr los und die Mahlzeiten kamen ihnen teuer zu stehen. Lange beriet sich der Gemeinderat über diese Situation und beschloss eine Fallgrube zu bauen. Dort stürzte der Riese Haunold dann auch zu Tode.
Sein Geist allerdings lebt auch heute noch weiter und spukt im Berg oberhalb von Innichen, dem Haunold, der nach ihm benannt wurde. Als Erinnerung an ihn und an seine Hilfe beim Bau der Stiftskirche entnahm man dem Riesen Haunold eine Rippe und hängte sie in der Vorhalle der Stiftskirche auf. Dort kann sie heute noch besichtigt werden.
Für die Wissenschaft allerdings handelt es sich natürlich nicht um den Knochen eines Riesen, sondern um jenen eines vorgeschichtlichen Tieres. (Quelle).
Da ich Südtiroler Sagen liebe, ließ mir das natürlich keine Ruhe und deshalb spazierten wir am Nachmittag noch zur Kirche

und tatsächlich

, da hängt die Rippe über dem Eingangstor.

Gut, der Tag verlief jetzt nicht nach Plan, aber beschäftigt waren wir trotzdem.
Nach dem abendlichen Verdauungsspaziergang zappte ich durch die Kanäle und blieb zufällig bei Frontal21
(Mediathek) hängen. Es ging um den Einsatz von Pestiziden in Südtirol
(noch ein Link).
Ich aß Jahrzehnte keinen Südtiroler Apfel, weil ich vor 30 Jahren sah, wie großzügig die Apfelplantagen mit Pestiziden bestäubt wurden. In Zeiten von Bio und Öko sollte dies jedoch nicht mehr der Fall sein, so mein Irrglaube. Letztes Jahr probierten wir im Etschtal Äpfel eines Erzeugers und nahmen eine Steige der leckeren, rotwangigen Vitaminbomben mit. Dies hatten wir wieder vor, aber nicht mit dem Beigeschmack.
Wie heißt es so schön: An apple a day, keeps the doctor away. Das gilt höchstens für Biofrüchte. Der Einsatz einiger Pflanzenschutzmittel, Insektizide und Herbizide ist hierzulande verboten, aber im Ausland leider nicht. So verging mir nach dieser Reportage sofort wieder der Appetit auf Südtiroler Äpfel.