Zu fast all deinen aufgezählten Risiken gibt es durchaus auch gesetzliche Bestimmungen um mehr Todesfälle, Krankheiten und Unfälle zu verhindern: Gurtpflicht, Helmpflicht, Rauchverbote, Arbeitsunfallschutzgesetze, Kennzeichnungspflicht von gefährlichen Stoffen, Tempolimite, Promillegrenzen, etc pp Sollen wir die jetzt aufgeben, weil wir eh alle sterben müssen?
Nur sind das nicht "zu fast allen" sondern "zu ein paar wenigen" Risiken ein paar hemdsärmelige Maßnahmen. Das sind fast alles Unfallfolgen (statt Krankheiten) und ein Rauchverbot dient sowieso nicht dazu, den Raucher zu schützen, sondern den Nichtraucher vor dem Raucher zu beschützen. Aber die dicken Brummer (Herz/Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen usw.) beeinflussen wir allenfalls durch unsere ungesunde Lebensweise, aber dass der Staat von oben eingreift und ganze Berufe lahmlegt, ist einmalig (und immer noch unsicher, ob diese Maßnahmen überhaupt erlaubt waren/sind).
Letztendlich sind die o.g. Maßnahmen aber eben auch "verhältnismäßig", was ich bei den Maßnahmen gegen Corona eben nicht sehe. Die sind absolut unverhältnismäßig. Im obigen Sinne der Gurtpflicht wäre eine Maskenpflicht eine angemessene Maßnahme, aber ein ganzer Lockdown mit seinen katastrophalen Folgen war mindestens übereilt. Das war von Aktionismus angetrieben.
Aber was wissen wir schon über alle Folgen?
Genauso viel oder wenig wie über ALLE(!) anderen Viren, Bakterien, pathologischen Erkrankungen etc. pp. Wir wissen doch ehrlicherweise sowieso fast nichts über unseren Körper und Milliarden von Viren und Bakterien, die da kreuchen und fleuchen. Wir haben ein Immunsystem, ein Wunderwerk der Natur und dieses Immunsystem schützt uns vor Corona genauso wie vor vielen anderen Erregern. Leider haben einige Menschen ein schlechtes Immunsystem, diese Menschen müssen anderweitig geschützt werden. Darüber herrscht ja auch Konsens. Er herrscht nur kein Konsens über die Mittel und über deren Kosten.
Ob jemand einen Virus verteilt, ist leider nicht so eindeutig.
Was ja für alle Viren und Bakterien gilt, nur wurden wir bisher noch nie so von oben in unseren Grundrechte erschüttert, um eine Ansteckung zu erschweren. Last not least kann ja auch jeder selbst entscheiden, sich in Quarantäne zu begeben. So wie ich beispielsweise.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdown sind oder scheinen immens, doch ist das nun die Schuld des Lockdowns oder steht unsere Wirtschaft auf so tönernen Füßen, dass sie nicht mal zwei, drei Monate ohne Umsatz überbrücken kann?
Beides natürlich. Und es ist ja auch nicht so, dass das überraschend kommt. Die Gesetze der globalen Volkswirtschaft sind nun einmal sehr fragil und wenn Transportwege einknicken, spielen sich komplexe Dominoeffekte ab. Das (wie gesagt) wußte man aber und man hat das in Kauf genommen. Deswegen hat die Bundesregierung ja von Tag 1 an mit der "Bazooka" gewedelt, auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Nur ist es eben jetzt erst so weit, dass die Folgen auch wirklich eintreten und man sieht, was das im Alltag für den Einzelnen bedeutet. Ich habe von Tag 1 an gesagt, dass ich das für überzogen halte. Mir kann man mit Sicherheit nicht vorwerfen, dass ich erst heute anfange, auf die Maßnahmen zu schimpfen - ich habe von Anfang an geschimpft.

Alle schreien nach staatlicher Hilfe, einige wenige sind innovativ.
Ist doch aber richtig. Nach dem Verursacherprinzip, wer den Schaden verursacht, muss ihn beheben. Ist der Staat der Verursacher, muss der Staat eben helfen. Das heißt dann Staatshilfe. "Innovativ" ist leicht gesagt. Manche können das sicherlich (beispielsweise bei uns der Hemdenhersteller van Laack, der jetzt Millionen von Gesichtsmasken produziert und riesige Gewinne macht), aber eine entlassene Fachkraft aus einer Kita kann nicht von heute auf morgen in der IT Branche anfangen und ein entlassener Flugkapitän kann nicht in der Altenpflege einfach mal so einsteigen. Das geht einfach nicht, unsere Gesellschaft besteht nun einmal aus spezialisierten Jobs und da kann man nicht mal eben "innovativ" sein und stante pedes mal eben einen anderen Job ausüben. Und die Verlierer der Corona Maßnahmen können auch gar nichts dafür, dass ausgerechnet sie als Opfer auserkoren wurden. Das MUSS der Staat regeln.
Und um mal einen ganz bösartigen Advocatus diaboli zu spielen
Weiß ich doch, tu ich ja auch mal gerne. Aber hier geht es wirklich um sehr sehr viel und man hätte vielleicht doch etwas länger ausharren und analysieren sollen. Mich ängstigt einfach die Hilflosigkeit, in die wir uns damit manövrieren. Wir haben es überhaupt nicht im Griff, welche Folgen dieser Lockdown noch alles haben wird. Gerade weil das System so "tönern" ist, weil die Zusammenhänge so unglaublich komplex sind, dass wir es nicht selbst in der Hand haben, wenn es zu drastischen Folgen kommt. Wie beispielsweise die von mir befürchtete Medikamentenknappheit. Das entwickelt sich in eine immer schlechtere Richtung, mit dem Bremsweg eines Supertankers. Wenn überhaupt. Frage mal bei Apotheken nach, wie Medikamente eines nach dem anderen immer schwerer zu beschaffen sind. Das war vor Corona schon bedrohlich und wird sich in den nächsten Monaten wahrscheinlich immer weiter verschärfen. Wenn Lager leer laufen, die momentan noch gefüllt sind, aber der Nachschub schon lange nicht mehr produziert wird. Aktuell gibt es von Hexal keine Fentanyl Pflaster mehr (meine Apothekerin konnte keinen einzigen Großlieferanten ausmachen, der noch einen Bestand aufwies). Dann gibt es noch Jansen Cilag mit Durogesic (auch wahnsinnig knappe Bestände) und jetzt habe ich ein Derivat, was ich noch nie gesehen habe. Was ist, wenn es das in drei Monaten auch nicht mehr gibt?
Oder frag mal in den Krankenhäusern nach, wie es um Propofol bestellt ist. Die Bestände sind schon lange abgebrannt und ein Krankenhausbetrieb ohne Propofol ist nicht vorstellbar. Die Preise haben sich in der Corona Krise mehr als verzehnfacht. Ich mache mir auch Sorgen um die Flugbranche, selbst Emirates hat jetzt angefangen, im großen Stil Personal zu entlassen. Die Vorstellung, das würde sich alles einfach so wieder einrenken, ist wahrscheinlich unrealistisch.
Schließlich hatten die meisten Deutschen im Vergleich relativ wenig auszustehen.
Das ist aber sehr relativ. Erstens haben wir jetzt schon über 10 Millionen(!) Menschen in Kurzarbeit. Die bekommen also nur einen Teil ihres Gehalts. Und die großen Kündigungswellen stehen erst noch aus. Alleine die Lufthansa wird mindestens 10.000 Leute entlassen, Staatshilfe hin oder her. Viele mittelständische Firmen sind de fakto insolvent, haben aber die Insolvenzmeldung verzögert, weil die Gesetzeslage angepasst wurde. Das verzerrt das Bild aktuell, aber die Insolvenzen werden kommen, das ist ganz sicher. Es sind durchaus eine ganze Menge Menschen, die mit drastischen wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen haben und wer dann auch noch ein Eigenheim finanzieren muss und die Kredite nicht mehr bedienen kann, steht ggf. vor dem totalen Verlust seiner ganzen Existenz. Darüber muss man sich im klaren sein, auch wenn es zum Glück (hoffentlich) eine Minderheit trifft.