3. Tag – Dienstag, 04.06.
Der Schlaf hat uns beiden gutgetan und so können wir, an Tag 3 (!) endlich den Urlaub beginnen.
Wir schauen erstmal unsere Unterkunft richtig an und sind sehr zufrieden, genau was die Beschreibung und Fotos versprochen haben. Möbel und Küchengeräte sind etwas älter, aber alles macht einen sehr gemütlichen Eindruck und ist sauber, Platz ist mehr als genug da, das Obergeschoss mit zweitem Bad und zweitem Schlafzimmer brauchen wir nur als Kofferabstellplatz. Genial ist die Lage des Hauses: sowohl vom Wohnzimmer, als auch natürlich von der vorderen Terrasse hat man einen wunderschönen Blick übers Meer zum Hafen und zu den markanten Felsen vor der Küste. Und sobald die Fenster geöffnet sind, hört man das Meeresrauschen – das übertönt sogar die Motorgeräusche der vereinzelten Autos, die am Haus vorbeifahren. Auch nicht zu verachten, im Laufe der zwei Wochen kriegen wir ein bisschen was vom Leben hier im Dorf mit: die Boote, die fast jeden Morgen gegen 7 Uhr vom Hafen zum Fischen rausfahren; die Mütter, die jeden Wochentag ihre Kinder zum Kindergarten und zur Grundschule begleiten (zu Fuß); der ältere Mann aus der Nachbarschaft, der drei Enten wohl irgendwie halb wild hält, er geht mit ihnen jeden Morgen zum Meer, füttert sie und lässt sie den ganzen Tag über im/am Wasser, am Abend holt er sie wieder ab; die Nachbarn, die jeden Morgen die Blumen gießen und auf Englisch und Portugiesisch uns einen guten Morgen wünschen; der Laster, der mehrmals in der Woche am Abend laut hupend durchs Dorf fährt und frisches Gemüse und Obst von der Ladefläche verkauft; die streunenden Hunde (zum Glück sind es nur zwei Stück und beide ziemlich klein); die Dorfjugend, die an sonnigen Nachmittagen von der Hafenmauer ins Meer springt;… Ach ja – den Sonnenuntergang können wir jeden Abend von der Terrasse aus beobachten (wir gehen natürlich trotzdem meistens direkt an den Strand bzw. die Küste, da ist es noch schöner).
Zum Frühstück gibt es Milch und Kekse aus dem Willkommens-Korb, alles Produkte von den Azoren. Wir entscheiden uns, den Tag heute langsam angehen zu lassen, nach Ponta Delgada ins Shopping Center zu fahren und dort unseren ersten „Großeinkauf“ zu machen, zuvor aber ein bisschen in der Stadt zu bummeln und in einem Café das karge Frühstück aufzubessern.
Gegen halb neun Uhr fahren wir daher in Richtung Ponta Delgada – ja, das sind viele Kurven und es geht sehr oft, sehr steil bergauf. Da wäre ein Automatik-Auto sehr angenehm gewesen, denn man ist eigentlich nur am Schalten und wir waren auch bereit, wie schon in Wales, einen Aufpreis im Vergleich zum Schaltgetriebe zu zahlen, aber das was hier verlangt wurde, war jenseits von Gut und Böse – ich glaube im günstigsten Fall war es das dreifache von unserem Preis und das für einen VW Up o.ä. Die Straßen sind aber normal breit und in bestem Zustand (kein Wunder, Frost, Eis und Schnee oder extreme Hitze gibt es nicht, Lkw nur wenige und eher kleinere Modelle), so dass es außer den Kurven keine Beeinträchtigungen gibt. Die grüne Umgebung gefällt uns sehr gut, ebenso die Blicke aufs blaue Meer, die man immer wieder hat.
Gegen 9.15 Uhr erreichen wir das Parque Atlântico Shoppingcenter, wo wir parken (kostenlos) und uns dann zu Fuß ins Stadtzentrum aufmachen.
Wir entdecken das Café Central mit Außenbestuhlung am Largo da Matriz, einem der wenigen autofreien Straßen/Plätze der Stadt.
Wir setzen uns bei schönstem Sonnenschein natürlich ins Freie und bestellen je eine Käse- und Wurstplatte, Brot, 3 x Milchkaffee und 1 x Wasser. Alles sehr lecker, vom Brot und der Wurst müssen wir allerdings einen Teil zurückgehen lassen, das ist einfach zu viel für uns.
Wir bezahlen EUR 22,80 und bummeln dann noch ein bisschen durch die Stadt (einen ausführlichen Stadtrundgang wollen wir an einem der folgenden Urlaubstage noch machen), vorbei an der Kirche Matriz, gegenüber unserem Café gelegen,
dem Rathaus
und dem Stadttor Portas da Cidade
in Richtung Hafen. Wir gehen die Hafenpromenade entlang bis zur Kirche São Pedro, von hier wieder bergauf ins Stadtinnere,
in einem Souvenirladen kaufen wir schon mal Postkarten und Briefmarken. Wir kommen an der Kirche de Colégio do Todos os Santos und am kleinen Park Jardim Antero de Quental vorbei, von hier sind es nur noch ein paar Minuten bis zum Parque Atlântico.
Die Stadt gefällt uns nach diesem kurzen Rundgang recht gut, wir sind positiv überrascht, da man meist eher negative Kommentare über die Stadt liest, mal sehen wie wir es nach einem ausführlicheren Besuch einschätzen.
Im Shoppingcenter gehen wir in den großen Continente Supermarkt, die Kette kennen wir schon aus Lissabon. Auch hier ist der Supermarkt wie die großen französischen Supermärkte aufgebaut und auf den ersten Blick gibt es auch das Übliche. Auf den zweiten Blick fällt uns dann auf, dass das Sortiment etwas eingeschränkt ist, zum Wandern nehmen wir immer gerne Fertigsalate mit (Kartoffelsalat, Nudelsalat, Couscoussalat, Gemüsesalat, Karottensalat,…) das gibt es hier gar nicht. Auch Mikrowellengerichte, die wir im Urlaub gerne mal essen, gibt es nicht bzw. nur große Portionen in tiefgefrorener Form, wir nehmen stattdessen ein paar Becher mit Nudeln mit, zum Übergießen mit heißem Wasser. Auf Schokolade werde ich während des Urlaubs verzichten (schadet ja auch mal nicht

), da gibt es kaum Auswahl und das was es gibt, ist extrem teuer.
Gegen 12.30 Uhr sind wir fertig mit Einkaufen und fahren zurück ins Ferienhaus. Wir verstauen die Einkäufe, räumen noch die letzten Sachen aus dem Koffer in den Schrank und setzen uns dann auf die Terrasse. Wir haben eine Schale Erdbeeren gekauft, die wir nun mit Meerblick genießen.
Dann ist aber noch ein bisschen Bewegung nötig, die letzten Tage ist die deutlich zu kurz gekommen. Die Wanderung Nr. 8 im Rother Wanderführer startet im Nachbarort João Bom, von Mosteiros führt (neben der offiziellen Straße auch) eine Nebenstrecke dorthin. Diese ist auf ein paar hundert Metern mit der Wanderstrecke identisch und wir überlegen, ob wir dies nutzen und von der Ferienwohnung direkt zu Fuß aus starten können. Gegen 15.30 Uhr gehen wir daher mit Wanderschuhen und Rucksäcken durch den Ort
am Meer entlang in Richtung João Bom. Und tatsächlich, die Straße ist vom Ortsende von Mosteiros aus zu sehen und sogar für Autos befahrbar inkl. Straßenhinweisschild nach João Bom. Aber João Bom liegt deutlich höher als Mosteiros und die Straße ist sehr steil. Da es schon recht spät ist und wir nicht einschätzen können, wieviel Zeit uns die zusätzliche Strecke kosten würde, gehen wir, nachdem wir an der felsigen Küste noch einen Felsen mit fast kreisrundem Loch entdeckt haben,
doch lieber wieder zum Ferienhaus zurück und nehmen das Auto. Nach einem kurzen unbefestigten Stück ist die schmale Straße wieder geteert bzw. betoniert und wir sehen bald die Markierungen des Wanderwegs. Praktischerweise finden wir an diesem Teilstück der Straße auch einen Parkplatz und können somit die Wanderung ungefähr an Punkt 3 der Rother Beschreibung starten.
Der Weg führt bergab, zunächst ein Stück auf der Straße, dann auf einem breiten Erdweg. Dieser wird schmäler und wir haben erste Blicke auf die Küste und das Meer, sehr schön, auch die vielfältige grüne Vegetation, schade, dass sich die Sonne inzwischen fast verzogen hat.
Bald erreichen wir mehrere Wassergalerien, hier wird, wie an vielen Stellen auf der Insel, Wasser von den Berghängen gesammelt.
Dann können wir tief unten Mosteiros sehen,
bevor der Weg durch einen Wald bergauf führt.
Nochmal ein letzter Blick auf einen nun größeren Teil von Mosteiros,
dann wird der Weg richtig steil. Nun macht sich die hohe Luftfeuchtigkeit auf der Insel (fast immer zw. 80 – 95%) bemerkbar, obwohl es nicht heiß ist, kommen wir extrem ins Schwitzen.
Am Ende des Waldes sehen wir den Pico de Mafra (358 m), um den die Wanderung herum führt.
Leider gibt es keinen Wanderweg auf den Berggipfel. Schließlich erreichen wir mit João Bom den höchsten Punkt der Wanderung. Hier entdecken wir zwei Häuser mit „Yves Decoster Herzen“ – Yves Decoster ist ein belgischer Künstler, der seit vielen Jahren auf São Miguel lebt und seit 2008 Hauswände, Tore und Mauern mit unterschiedlichen Herzen bemalt – eine tolle Idee!
Der Weg führt dann auf einer breiten Schotterstraße über Hügel und durch Täler
bis wir schließlich, nach knapp 2 Stunden wieder die Straße und die Stelle erreichen, wo wir unser Auto geparkt haben. Das war eine sehr nette Kurzwanderung, genau richtig als erste Wanderung auf São Miguel.
Ach ja, auf der gesamten Wanderung haben wir nur drei weitere Personen getroffen, einen einzelnen Wanderer und zwei Mädels, die zusammen unterwegs waren.
Ein paar Minuten später sind wir gegen 18.30 Uhr wieder zurück im Ferienhaus. Zum Abendessen machen wir uns aus dem heute Vormittag im Supermarkt gekauften Grünzeug einen Salat. Der Sonnenuntergang wird leider von dicken Wolken verdeckt, wir zappen noch etwas durchs Fernsehprogramm, wie schon in Lissabon gibt es auch hier ein paar lokale bzw. nationale Sender, natürlich auf Portugiesisch, mehrheitlich aber amerikanische und englische Sender im Originalton mit portugiesischen Untertiteln.
Gegen 22 Uhr liegen wir dann im Bett.
Wetter: teils sonnig, teils bewölkt, ca. 20 -23°C
Wanderung (Angaben laut Rother Wanderführer) Nr. 8:5,4 km, 290 Höhenmeter