3. Tag – Donnerstag, 19.07.
Von der U-Bahn Station Baumwall gehe ich am Gruner + Jahr Gebäude vorbei
zu meinem ersten Besichtigungspunkt, der St. Michaelis-Kirche.
Es ist viertel nach neuen und da die Kirche erst um neun Uhr öffnet, habe ich sie fast für mich alleine. Und das genieße ich ausgiebig. Erst schaue im mich im Inneren um und bin beeindruckt. Dieser Kirchenraum gefällt mir ausgesprochen gut, das viele Weiß im Kontrast mit Dunkelbraun und vor allem auch die abgerundeten bzw. geschwungenen Formen.
Dann geht es ganz bequem mit dem Aufzug auf den Turm des Michel – eine herrliche Aussicht. Der Michel ist ein weiteres Highlight meines Hamburg Besuchs.
Nebenan sind die Krameramtsstuben (eine der wenigen in Hamburg erhaltenen Fachwerkhäuser, die arbeitsunfähigen Krämern und deren Witwen als kostenlose Unterkunft dienten) leider schon von Touristen überschwemmt und überhaupt sehr touristisch aufgemacht - schade, da gehe ich schnell weiter.
In der Peterstraße (Komponistenquartier) ist es dafür umso ruhiger, diese Fachwerkhäuser sind (bis auf eines) nachgebaut (schöner, als die Wirklichkeit war) und beherbergen heute mehrere Komponisten-Museen (die ich aufgrund des schönen Wetters nicht von innen besichtige).
Weiter geht es mit einem Abstecher zum Hamburgmuseum (nur von außen), dann zum Hummel-Brunnen (in Erinnerung an einen Wasserträger aus dem 19. Jh., der wegen einer Behinderung von den Nachbarskindern verspottet wurde), vorbei an einem portugiesischen Laden (der leider nicht geöffnet hat) bis zum Johannes-Brahms-Platz mit der Laeiszhalle (Konzerthaus), davor der Brahms-Würfel (Brahms auf jeder Seite des Würfels in unterschiedlichen Lebensaltern).
Dann wird es wieder historisch, im Bäckerbreitergang stehen noch Überreste des alten Gängeviertels.
Nicht weit entfernt dann eine Art „neues Gängeviertel“, durch den Einsatz Hamburger Bürger und Künstler wurden eine Reihe von (nun denkmalgeschützten) Häusern vor dem Abriss bewahrt.
Von hier ist nicht mehr weit bis zum Jungfernstieg und den umgebenden Einkaufsstrassen.
Leider existiert das im Reiseführer genannte Restaurant Wirtschaftskantine im Gebäude der „Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften“ nicht mehr, was aber erst und nur direkt an der Türe der Kantine auf einem kleinen Schild steht und mir einiges an Sucherei eingebracht hat.
Nun bin ich ziemlich hungrig und außerdem brauchen meine Füße unbedingt eine Pause. In unmittelbarer Nähe hier am Jungfernstieg werden im Reiseführer keine Restaurants mehr empfohlen und ich habe auch keine Lust auf eines der vielen Kettenrestaurants à la Vapiano, die mir hier aufgefallen sind. Also geht es mit der U2 und U3 vom Jungfernstieg zurück zum Baumwall und von dort mit letzter Kraft zum Café Johanna am Venusberg. Die Plätze draußen sind alles schon von den Angestellten der umliegenden Büros besetzt, aber drinnen finde ich noch einen freien Tisch. Das Café ist mit alten Schultischen und –stühlen möbliert, als Tischtüchern dienen Geschirrtücher und mein überbackenes Brot mit Apfelscheiben und Ziegenkäse, sowie einem Salat besteht (überwiegend) aus Bioprodukten und ist extrem lecker. Zusammen mit einer großen Maracujasaftschorle bezahle ich EUR 15,00.

Dann steht mir der Sinn nach ein bisschen Erholung vom Stadttrubel und ich nehme die Fähre von den Landungsbrücken nach Teufelsbrück. Die Fähre ist leider sehr voll, da wohl nicht nur in meinem Reiseführer die Hafenfähren als Alternative zu einer teuren (und wohl z.T. recht albern kommentierten) Hafenrundfahrt genannt werden (einer der wenigen Punkte während meines Hamburg-Besuchs, wo es für meinen Geschmack zu viele Touristen hatte).
Die Fahrt geht auch an einem AIDA Kreuzfahrtschiff vorbei, an dem zu meinem großen Erstaunen trotz des herrlichen Wetters etliche Passagiere scheinbar an Bord geblieben sind.
Von der Fähranlegestelle Teufelsbrück spaziere ich durch den großen Jenischpark zu dessen anderem Ende, wo sich das Ernst-Barlach-Haus befindet. Dort werden einige Barlach Skulpturen gezeigt und in einer Sonderausstellung Bilder des Malers Josef Scharl (1896-1954, bedeutender Maler der Weimarer Republik, zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit), die mir gut gefallen.
Nach dem sehr angenehmen Museumsbesuch kommt das kleine Café nebenan mit Tischen und Stühlen auf der Parkwiese für eine Pause mit Cappuccino und Kuchen gerade richtig.
Dann geht es mit der Fähre zurück nach Finkenwerder, wo ich umsteigen muss. Da die nächste Fähre zum Hamburger Hafen wieder richtig voll ist, mache ich noch einen Spaziergang durch das beschauliche Finkenwerder.
Leider ist dann auch die übernächste Fähre immer noch voll, aber ich ergattere noch einen Stehplatz an der Reling, so dass ich Fotos machen kann, ohne dass mir Köpfe im Weg sind.
Gegen 18 Uhr bin ich wieder am Hafen, wo ich mir ein Fischbrötchen zum Abendessen kaufe und auf der Treppe der neuen Promenade mit Blick auf die Elbphilharmonie esse.
Das abendliche Licht ist mal wieder wunderschön und da ich gerade da bin, gehe ich einfach nochmal auf die Plaza der Elbphilharmonie. Wieder kein Problem eines der kostenlosen Tickets am Schalter zu holen.
Gegen 19.15 Uhr beende ich dann das Besichtigungsprogramm für diesen Tag endgültig und fahre mit der U3 ins Hotel zurück.
Wetter: sonnig, ca. 27°C