Tag 2 Sonntag 20.8.2017Heute Nacht hat der Jetlag voll zugeschlagen, um 2 Uhr war ich wach und bin eine Stunde lang nicht mehr eingeschlafen. Wir hatten den Wecker auf 7 Uhr gestellt, es war eine längere Strecke zu fahren denn abends hatten wir ein Hotel in der Kernzone der Sonnenfinsternis gebucht. Das habe ich schon anderthalb Jahre vorher erledigt als die Buchungsportale für diesen Zeitraum noch gar nicht verfügbar waren. Aber eine Mail ans Tourioffice von Scottsbluff genügte, die haben mich ans Monument Inn and Suites in Gering verwiesen und schon hatte ich ein Zimmer reserviert.

Und ich war nicht die erste die gebucht hat, das Hotel hatte schon etliche Anfragen erhalten. Auch bei ihnen konnte man auf der Webseite noch nicht buchen, aber per Mail oder Telefon wurden Buchungen entgegengenommen.
Bei schönstem Sonnenwetter haben wir draußen an den Tischen beim Pool gefühstückt. Draußen zu frühstücken gehört für mich zum Urlaubsfeeling.

Diesmal gab es sogar Oatmeal mit Rosinen und Haselnüssen, Rührei und Bagel kann ich trotzdem nicht weglassen

aber für die 140 $ die wir für das Hotel bezahlt haben kann man ja auch was erwarten. Es hätte auch Biscuits und Gravey gegeben (mich wundert ja immer dass es Leute gibt die sowas essen), Joghurt und Obst und sehr guten Kaffee.
Wir fuhren dann über die I-76 nach Norden. Immer wieder standen Schilder am Straßenrand mit dem Hinweis dass morgen wegen der Sonnenfinsternis mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen ist. Genau deshalb fahren wir schon heute

Wie immer hatte ich den Ehrgeiz nicht nur von A nach B zu fahren sondern eine schöne Wanderung ins Programm aufzunehmen. Der kürzeste Weg führte durch das Pawnee National Grassland. Schon vor Jahren bei der Planung der Yellowstone-Reise wollte ich hier gern wandern. Ich hatte im Internet Bilder von ein paar markanten Felsen in der Gegend gesehen, konnte aber keine weitern Infos dazu finden, insbesondre nicht zum genauen Ort. Zur Vorbereitung der Reise hatte ich den DeLorme Atlas Colorado bestellt (den wir 2013 in keiner Tanke und keinem Walmart bekommen konnten) und als ich den 4 Wochen vor dem Urlaub in Händen hatte und unsere geplanten Routen nachgeschaut habe fiel mir doch glatt eine Markierung auf: Die Wanderung zu den Pawnee Buttes gehört laut DeLorme zu den Top-Hikes in Colorado! Und mit dem Suchbegriff Pawnee Buttes habe ich es dann auch in Google Maps gefunden. Ein Hoch auf den DeLorme Atlas, ich fahre nie wieder ohne nach USA! Navigon kannte den Trailhead natürlich nicht als Sonderziel und so habe ich zum ersten Mal Google Offline maps zum Navigieren benutzt. Das funktioniert wunderbar, habe ich dann jedesmal benuzt wenn ich keine genaue Adresse hatte oder Navigon es nicht unter den Sonderzielen hatte. Google Maps kannte wirklich
jeden Trailhead den wir angesteuert haben. Das macht das Navigieren in USA genial einfach (ohne gedruckte Karte fühle ich mich trotzdem nicht wohl).
In Fort Morgan sind wir von der Interstate abgefahren und wollten tanken. Diesmal wollte die Zapfsäule nicht eine Postleitzahl wissen sondern eine Telefonnummer (das hatte ich noch nie), hat natürlich nicht funktioniert, aber die Kassiererin konnte uns die Tanke freischalten. Letztes Mal vor zwei Jahren in Arizona hat das Tanken fast immer mit Kreditkarte funktioniert, diesmal in Colorado ging es in der Regel nicht und wir mußten meist vorab bezahlen.
Über den HW52 ging es nach Norden bis Raymer und dann im Pawnee National Grassland nur noch über Schotterpisten (nur der HW 71 ist dort geteert) die waren zum Glück in gutem Zustand.
Ich hatte ja erwartet wie in South Dakota weit und breit nix als Grasland zu sehen, aber hier sah man weit und breit Ölförderanlagen. Nix mit Natur pur, nicht so schön…

Die letzten Meter zum Parkplatz waren nur noch eine steile Jeeppiste, aber man konnte es mit PKW befahren (mit einem Wohnmobil hätte ich es nicht gewagt). Da wären wir, tataaa!

Kein Wunder dass ich auf den Seiten des BLM nix dazu gefunden hatte, das Gebiet gehört zum US Department of Agriculture! Wir waren noch nicht mal die einzigen, ein paar Autos standen am Parkplatz. Wie üblich gibt es ein Klohäuschen

Und eine Infotafel mit Plan

Hier wurden prähistorische Tiere ausgegraben und es es ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für Vögel und andere Arten (deshalb die vielen Ölförderanlagen?) und es wurde vor Klapperschlangen gewarnt (wir haben zum Glück keine angetroffen…)

Es war hier kühl und windig und wolkig (grrr ich will derzeit keine Wolken) also Jacke an und auf den Weg:

Der Trail führte erst links an dem breiteren Felsen vorbei und dann zu den beiden Buttes. Eine Karte hätte man eigentlich nicht gebraucht (hatte ich natürlich zuhause ausgedruckt), der Weg war nicht zu verfehlen

Schöne Blumen am Wegesrand

An einem Aussichtspunkt konnte man das Ziel in der Ferne sehen. Zwei Leute standen da und gingen dann zurück, ein weiteres Paar sahen wir unterwegs ansonsten waren wir allein auf dem Trail

Es ging durch richtig schönes Badland

Der Weg war zum Teil weggespült aber immer noch problemlos zu gehen

Viele Yuccas (ich habe Samen eingesammelt)

und andere schöne Blumen

Und dann näherten wir uns dem ersten Butte

sah echt beeindruckend aus

und weiter ging es zum zweiten

zum zweiten Butte kann man nicht nah hingehen, der steht auf Privatgelände (daraufhin war schon auf der Infotafel hingewiesen worden):

Also haben wir uns mit einem rangezoomten Bild begnügt

Auf dem gleichen Weg ging es wieder zurück. Mit einem anderen Wanderer am Bild hat man eine Vorstellung von den Größenverhältnissen:

Am Rückweg war es sehr sonnig und heiß geworden.

Mein Lieblingsbild auf Knien aufgenommen (das hat mein Freund der Hobbyfotograf tatsächlich nachgemacht

)

Am Rückweg schaut man ja in die andere Richtung und von hier aus war tatsächlich so eine blöde Ölpumpe im Blick

Das gehört eher ins Bild
Kühe haben wir aber keine gesehen
Dahinten liegt der Trailhead

Abschiedsbild vom Aussichtspunkt, die Wanderung hat uns super gefallen

Wir waren dann froh über die überdachten Picknicktische und machten dort Pause, die Sonne brannte einem jetzt richtig heiß am Schädel.
Wir fuhren weiter Richtung Norden durch das Grasland und der Anblick änderte sich, wo vorher Ölförderanlagen standen waren jetzt hunderte Windkraftanlagen (die waren im DeLorme sogar eingetragen)

Die Wolken waren nahezu alle verschwunden

Einmal ist ein Pronghorn vor uns über die Straße gelaufen, wir sind ja zum Glück auf der ungeteerten Straße nur langsam gefahren.
Dann ging es wieder auf den geteerten HW 71 nach Norden und wir waren wieder schneller unterwegs. Kurz vor Gering haben wir an den Wildcat Hills gehalten (das wäre ohne die Pawnee Buttes das heutige Wanderziel gewesen, die Buttes waren natürlich viel spektakulärer!). Hier gibt es ein schönes Visitorcenter mit Bildern von ausgestorbenen Tieren

Ein Ysengrinia oder „Bear Dog“ von vor 20 Millionen Jahren
Und etlichen Vitrinen mit ausgestopften Tieren

Aber insgesamt ist das eher etwas für Familien mit Kindern. Hinter dem Visitorcenter gab es eine Aussichtterasse mit Blick auf hügeliges von Pinien bewachsenes Gelände, schon ganz nett aber kein Vergleich zu den beiden Buttes. Vor der Terasse waren Vogeltränken und –futterstationen aufgebaut so konnte man schön Vögel beobachten. Nach einer kurzen Pause sind wir nach Gering weiter gefahren
unser Hotel:

Beim Einchecken im Hotel hat man gleich gemerkt das ein besonderes Ereignis ansteht. Es gab speziell für dieses Wochenende neue Türkarten (die waren als Souvenir gedacht, mußte man nicht zurück geben):

Dazu bekam jeder Gast eine Zeitung zur Sonnenfinsternis und es wurden Sonnenfinsternis T-Shirts verkauft. Leider war nur noch XXL übrig, sonst hätte ich mir eins gekauft. Wir bekamen eine schöne Suite und ich habe mich echt gewundert dass wir an diesem Wochenende nicht mehr bezahlen mußten (in München hat kein Hotelier ein Problem damit die Preise während des Oktoberfestes zu verdoppeln).

Da stand eine Kapselkaffeemaschine im Zimmer und ich wollte Kaffee kochen, habe es aber nicht geschafft die Maschine anzuwerfen. Machte aber nix, in der Lobby stand eine Thermoskanne Kaffee. Wir haben uns mit dem Kaffee auf die Picknicktische vors Hotel gesetzt und konnten beobachten wie Leute nach einem Zimmer gefragt haben (das Hotel ist schon seit einem Jahr ausgebucht). Ob sie dann wenigstens am Parkplatz im Auto schlafen dürften…
Laut dem jungen Mann an der Lobby hatte heute (weil Sonntag) das einzige Lokal im Ort geschlossen und er schlug uns ein Steakhaus in Scottsbluf vor (das kannte ich sogar vom letzten Urlaub).

Das wäre das Restaurant gewesen (gegenüber vom Hotel).
Wir haben einen Spaziergang durch den Ort gemacht, die Haupstrasse war nur einen Block vom Hotel weg und da standen schöne alte Häuser

Und so entdeckten wir per Zufall in einem kleinen Häuschen ein chinesisches Restaurant (warum uns das der Hotelangestellte nicht genannt hat?) , da haben wir gleich mal einen Tisch für 20 Uhr bestellt.
In manchen Schaufenstern hingen Schilder wie dieses:

„we are out looking at the sun! See You Tuesday!” da wird morgen einiges geschlossen bleiben.
Die Wohnstrasse neben dem Hotel

Dann wollte ich vor dem Abendessen noch duschen, aber kein Hebel und kein Trick hat geholfen, ich bekam einfach kein Wasser aus dem Duschkopf, gut dann wird eben gebadet. Mein Freund hat den Trick dann später rausgefunden: man mußte unten am Ausfluß des Wasserhahns der Wanne (also da wo unten das Wassser rausläuft) einen Ring nach unten ziehen damit oben aus der Dusche Wasser kommt, ist ja auch logisch…Ich sag ja immer Amerika ist das Land der Badezimmerarmaturenamateure

Wir sind jedenfalls sauber zum Abendessen erschienen wo wir um 20 Uhr alleine waren. Es gab eine sauerscharfe Suppe und anschließend mongolisches Beef. Plus Cola (wie oft gab es keinen Alkohol) haben wir 40 $ bezahlt.
Auf dem Heimweg hat uns ein Häschen begleitet

Das ist wahrscheinlich vor dem Höllenlärm geflohen der aus einer Bar kam, die haben die gesamte Strasse beschallt, zum Glück haben wir es im Hotelzimmer nicht gehört.
Im Zimmer haben wir dann noch ein Rotweinritual durchgeführt

um den Wolkengott morgen gnädig zu stimmen…

Ob das geholfen hat erfahrt ihr morgen
Hotel: Monument Inn and Suites in Gering/NE, 111,44 $ incl. tax
Tier des Tages: diese etwa 15 cm lange Echse, die wir bei der Wanderung zu den Pawnee Buttes gesehen haben. Sie war voller dorniger Schuppen, das sah wirklich faszinierend aus. Weiß jemand wie sie heißt?
Die heutige Route: