21. und letzter Tag Sonntag 30.10.2017Heute morgen hat uns um 6 Uhr der Wecker geweckt, um halb 7 waren wir beim Frühstück da waren weder der Waffelbäcker noch der Suppenkoch im Restaurant. Also nur Selbstbedienung. Unser letztes chinesisches Frühstück:

am Nachbartisch wird abgeräumt, die Putzfrau wischt mit einem Lappen den Tisch ab und mit dem gleichen Lappen auch gleich die Frühstücksreste vom Fußboden

China und Hygiene: 2 Welten begegnen sich...
Um Viertel vor 8 stand der Fahrer vor der Tür und fuhr uns zum Bahnhof Shanghai, der Mann sprach kein Wort englisch. Am Bahnhof war zum Glück wenig los, die U-Bahn Eingänge haben wir auch gleich entdeckt, heute Abend würden wir mit der U-Bahn vom Bahnhof zum Hotel zurück fahren.

Zum Glück kannten wir uns mit dem Bahnfahren jetzt schon besser aus, auf der Fahrkarte stand die Wartehallennummer, da gingen wir hin, sie war schon gut besetzt

auf der Anzeige konnte man außer der Zugnummer wieder nix lesen, G7006 war unser Zug und sobald die grün angezeigt wird darf man zum Gleis gehen. Ich habe keine Erinnerung mehr daran, wahrscheinlich war das Gleis einfach zu finden.

Wie von unserem Guide beschrieben hielt der Zug nach 25 Minuten zum ersten Mal und wir stiegen aus. Und waren korrekt in der Stadt Suzhou angekommen

Am Bahnhof wurden wir von einem neuen Guide und einem Fahrer abgeholt, der Guide war ein ruhiger älterer Herr der sehr gut deutsch sprach. Den Namen habe ich völlig vergessen. Wenn ich nicht jeden Tag ausführlich Reisetagebuch geschrieben hätte, wüßte ich auch wahrscheinlich nicht mehr in welchen Orten wir waren

In Suzhou sollten wir einen besonders schönen und typischen Garten besuchen. Den Master of Nets Garden. Der Garten liegt versteckt in einer Seitengasse

die Leute die da wohnen hängen ihre Wäsche in die Büsche zum trocknen auf. Auch das eine chineische Eigenheit an die ich mich nicht gewöhnen könnte, das schaut einfach blöd aus

der Eingang

ein Übersichtsplan des Gartens. Wie immer eine Anlage aus mehreren Häusern mit kleinen Innenhöfen und einem See

Der Garten ist die Vorlage für den Yu-Garten in Shanghai. Er wurde Mitte des 19 Jahrhundert gebaut von einem reichen Militärbeamten. Im Prinzip ist es ein Sommerhaus mit allgemeiner Empfangshalle, besonderer Empfangshalle für hochgestellte Persönlichkeiten, Damenraum, Leseraum usw. dazu ein großer Teich mit Pavillons und Laubengängen. Im zweiten Weltkrieg wurde der Garten von den Japanern bombardiert, in der Kulturrevolution als Lagerraum misbraucht und danach wieder renoviert. Heute gehört er zum Weltkulturerbe.
Wir hatten Glück dass wenig Besucher hier waren, da es keinen Busparkplatz gibt fahren viele chinesische Reisegruppen andere Gärten an von denen es in Suzhou viele gibt. Außerdem hatten wir super Wetter, heute war der erste schöne Tag seit zwei Wochen laut unserem Guide, es hatte einen Taifun gegeben in Südchina mit viel Regen und ab morgen sollte es deutlich kälter werden.
zwei der Innenhöfe

ganz typisch die bizarren Lochsteine die Felsen symbolisieren sollen

Die Anlage hat wirklich viele schöne Details

auch der Fußboden war sehr aufwendig gestaltet mit Symbolen für Glück und ein langes Leben

am besten hat mir der Bereich um den See gefallen

Nachdem wir fast allein durch die Anlage gebummelt sind und der Guide viel über den Garten erzählt hat (was ich alles komplett vergessen habe) kam eine griechische Reisegruppe an und es war mit der Ruhe vorbei. Aber wir hatten ja jetzt alles gesehen und haben uns zum nächsten Tagespunkt aufgemacht: wir sind zum Ort Tongli gefahren.
Ein Bild von unterwegs, der Blumenschmuck überall ist einfach super

Tongli ist ein kleiner Ort und wird als Venedig Chinas bezeichnet. Er ist von Kanälen durchzogen und wie in Venedig gibt es Boote mit denen man sich fahren lassen kann.
Am Ortseingang, Tongli ist sehr touristisch.

Man ging an den üblichen Andenken- und Futterständen vorbei. Einer verkaufte Dumplings, genau das richtige für den kleinen Hunger zwischendurch. Sie kamen frisch aus dem Dampfgarer und waren unglaublich lecker. Diese Dinger vermisse ich in Deutschland sehr!

Eine Karte von Tongli mit den Kanälen, man sieht gleich wieviel kleiner der Ort im Vergleich zu Venedig ist

Der erste Eindruck ist schon mal sehr nett

Das Wasser scheint quasi still zu stehen

Bevor wir die Kanäle weiter erkundeten besuchten wir noch mal einen Garten: den Tongli Tuisi Garten:

Auch dieser Garten wurde im 19. Jahrhundert gebaut und ist Weltkulturerbe. Die Gestaltung der Innenhöfe ist immer gleich

Im Gegensatz zur vorherigen Anlage waren hier die Gebäude aber voll möbliert und man konnte alle Gebäude betreten.

Am schönsten war wieder die Gestaltung des Sees, hier standen besonders schöne alte Bäume

Zickzack Gänge gab es natürlich auch und Lochsteine und alles was zu einem chinesischen Garten gehört

Wirklich sehr idyllisch hier. Ich wundere mich zwar immer warum es nur Grünpflanzen gibt, keine blühenden Blumen, aber das ist eben so.
Nach dem Besuch des Gartens sind wir weiter durch Tongli gebummelt, erst mal durch ein paar Straßen die nicht am Kanal liegen. Natürlich gab es auch hier Unmengen an Andenkenläden. Besonders gut hat uns diese Werkstatt gefallen wo aus Yakhorn Kämme gefertigt werden. Wie er das schafft da gerade Zähne reinzusägen immer mit dem gleichen Abstand - ein Fehler und das ganze Teil ist unbrauchbar- hat uns echt fasziniert. Hier haben wir mehrere Kämme als Andenken gekauft, anders als bei einem Plastikkamm "fliegen" die Haare nicht nach dem Kämmen, ich bin froh dass ich für mich auch einen gekauft habe.

Ob hier wohl eine Wäscherei ist?

Unsereins würde die Wäsche im Hinterhof aufhängen wo man sie nicht sieht...
Auch witzig: die aus Lumpen selbst gebastelten Wischmops. Mit solchen Dingern verteilt man den Dreck eigentlich nur...

Die Leute waren wieder total nett hier: vor einem Haus bewunderte ich eine schöne Blume, ich kannte die Art aus Japan. Eine alte Frau saß vor dem Haus und unser Guide dolmetschte dass mir die Blume so gut gefällt woraufhin die Frau aufstand und Samen von der Pflanze abmachte und mir schenkte. Ich werde im Frühjahr schauen ob was draus wird!
Überhaupt gab es viele alte Leute hier. Unser Guide erzählte uns dass seine alte Mutter bisher auch in so einem Häuschen gewohnt hat hier in der Nähe, das wurde wegen Bauarbeiten aber abgerissen und sie wird eine Hochhauswohnung bekommen. In der Zwischenzeit ist sie in einem Wohnheim untergebracht wo sie auch betreut wird. Unser Guide war mit dieser Situation sehr zufrieden. Sein Haus soll auch abgerissen werden. Als er das gehört hat, hat er schnell noch ein Zimmer angebaut und hat dadurch Anspruch auf 2 Hochhauswohnungen, eine davon wird er seiner Tochter geben. Mich wundert ja dass alle so freiwillig in Hochhäuser ziehen, andererseits sahen diese Häuser hier sehr primitiv aus, in eins konnte ich reinschauen der Fußboden war gestampfte Erde, also so möchte ich auch nicht leben.
Danach gingen wir zu den Kanälen zurück

Hochwasser sollte es hier besser nicht geben...

Wir fanden es total idyllisch hier, und natürlich hatten wir ideales Wetter für solch einen Spaziergang. Kann man sich gar nicht vorstellen dass es zwei Wochen vorher nur geregnet hat. Vielleicht ist der Wasserstand auch deshalb so hoch.

Das war die einzige Schleuse die wir gesehen haben

Und nun ging es zur geplanten Bootsfahrt

Auch hier waren es wieder ausschließlich Frauen die die schwere Arbeit machen. Das Rudern sah sehr ungewöhnlich aus, sie zog immer nur an dem Seil um das Ruder zu bewegen

Unter den niedrigen Brücken paßten die Boote gerade so durch

Hier wird beim Fahren übrigens nicht gesungen. So ein oh sole mio hätte mir jetzt schon gut gefallen

Die Fahrt dauerte nicht lange, nach einer Viertelstunde oder so waren wir wieder an der Anlegestelle zurück. Das ist wirklich Venedig im Lilliputmaßstab

Dann sind wir wieder zu Fuß an den Kanälen entlang gegangen.
Ohne Fotos geht natürlich gar nix und ich mußte dann auch noch aufs Bild

Hier wird mit Kormoranen gefischt. Das hatten wir mal in Vietnam gesehen. Beim Fischen haben die Vögel eine Schnur um den Hals damit sie die gefangenen Fische nicht runterschlucken

Nun hatten wir alle Straßen gesehen, unser Guide führte uns noch mal in einen Garten, da habe ich fast keine Bilder gemacht, sie schauen doch alle gleich aus. Der einzige Unterschied waren die Seerosen im See

Jetzt hatten wir aber wirklich ALLES gesehen

wir gingen noch durch ein paar Geschäfte, mein Freund wollte noch einen Fächer für seine Schwester kaufen, dann fuhren wir mit dem Auto nach Suzhou zum Bahnhof zurück. Ein Abschiedsfoto:
Am Bahnhof waren eine Stunde zu früh, das ist der Nachteil von vorbestellten Karten. Einfach einen früheren Zug nehmen geht nicht. Unser Guide versuchte die Karten umzutauschen, an allen Schaltern und das waren bestimmt 15-20 Stück waren lange Schlangen. Unser Oskar von gestern hätte sich bestimmt irgendwo vorgedrängelt aber dieser Mann hatte ein ganz anderes Temperament, brav wartete er bis er dran war aber der frühere Zug war dann schon ausgebucht.
Wir haben uns gekühlten Nescafe und Kuchen gekauft und sind dann völlig problemlos mit Zug und U- Bahn ins Hotel zurück gefahren. Richtig Hunger hatten wir beide nicht und haben die restlichen Nüsse und was noch so übrig war gegessen, haben geduscht, gepackt und uns noch eine Weile ausgeruht.
Später wurden wir dann von Oskar und seinem Fahrer abgeholt, diesmal sind wir aber nicht bis zum Flughafen gefahren sondern nur bis zum Bahnhof des Transrapid. Hier verabschiedete sich Oskar von uns, er meinte am Flughafen sei alles englisch ausgeschildert da würden wir problemlos zurecht kommen.
Der Transrspid sah schon etwas "abgewetzt" aus, der ist schon in die Jahre gekommen

Das Fahrgefühl ist auch nicht viel anders als beim ICE, die Maximalgeschwindigkeit war 301 km/h.
Am Internationalen Flughafen Shanghai angekommen war die Orientierung ganz einfach, alles war englisch beschildert. Am Check-in war eine lange Schlange aber wir hatten noch reichlich Zeit.
Im Flughafen haben wir die restlichen Yuan in Euro getauscht und dann hieß es noch warten bis zum Abflug, der Flieger ging erst um ein Uhr nachts, wie üblich gab es nach dem Start erst mal ein Essen, danach war ich so müde dass ich eingeschlafen bin und die meiste Zeit geschlafen habe. Morgens gabs Frühstück im Flieger, da hätte ich mal nicht das chinesische Essen wählen sollen (wässriger ungewürzter Reisbrei) sondern das andere Essen, das wäre ein Omlett gewesen. Um 6 Uhr morgens sind wir in München gelandet. Hier war der Winter eingekehrt, an die eisigen Temperaturen mußte ich mich erst wieder gewöhnen.
FazitWenn ich heute an den Urlaub zurück denke fällt mir vor allem ein Gefühl ein: Dankbarkeit!
Dankbarkeit dafür dass ich kaum angekommen von einem langwierigen grippalen Infekt befreit war, Dankbarkeit für das schöne Wetter (ich weiß nicht wie oft wir zu hören bekommen haben dass es bis vor dem Tag unserer Ankunft schlecht gewesen war, heute sei aber Traumwetter), Dankbarkeit dass wir fast völlig vom berüchtigten Smog verschont geblieben sind und Dankbarkeit für den Urlaub insgesamt bei dem ich mich wunderbar erholt habe.
Es war wie erwartet der teuerste Urlaub bisher und ich bin auch meinem Schicksal dankbar dass ich mir so einen Luxus leisten kann, denn als Luxus habe ich es wirklich empfunden. Okay die hygienischen Verhältnisse in der chinesischen Öffentlichkeit waren nicht luxuriös aber das ist auch das einzige was es zu bemängeln gibt. Hervorheben möchte ich auch noch mal das köstliche Essen in China und die vielen netten Leute und die schönen Drachen

Ich danke euch allen fürs Begleiten und die vielen interessierten Kommentare, es hat Spaß gemacht mit euch. Wenn alles läuft wie geplant gibt es im Mai einen Reisebericht aus Kreta und im Herbst Fotos von einer totalen Sonnenfinsternis in USA
