18. Tag Donnerstag 27.10.2016Heute Morgen wurden wir kurz vor 7 von einem Hahn geweckt, er krähte und kriegte sich gar nicht mehr ein, die Hühner gackerten, die Vögel zwitscherten, es war richtig Land hier, wir waren ja auch völlig außerorts.
Zum Frühstück saßen wir wieder draußen, es war super Wetter und schon wieder so warm dass man in kurzen Armen zu schwitzen anfing.
Heute nahm ich das englische Frühstück mit Bohnen, Würstchen, Speck und 2 Spiegeleiern und natürlich Toast, dazu noch Joghurt mit Müsli und Obst. Das Hundebaby vom Nachbarn kam zum Besuch vorbei und bekam ein Stück Speck, er war total brav und bellte überhaupt nicht.
er hatte einen etwas schiefen Biss, sieht der nicht süß aus? Er war total kuschelig, hatte noch ein richtiges Babyfell. Als die nächsten Gäste zum Frühstück kamen ist er dorthin gelaufen, er wußte schon wie man zu Futter kommt

Danach war noch Zeit für einen eineinhalbstündigen Spaziergang am Fluß. Wir gingen in die entgegengesetzte Richtung zur Radtour gestern und haben auf der Straße erst mal die Enten queren lassen, die wollten auch zum Fluß
es war krass neblig heute und schwüler als gestern Morgen. Man sah erst mal fast nix, nur langsam kamen die Berge raus.

Es gab ein paar Felder auf denen Bauern mühsam mit der Hand hackten, Schmetterlinge flogen, es war richtig idyllisch
Je mehr der Nebel verschwand umso heißer wurde es, man konnte es nur noch im Schatten aushalten, das Wasser lief an mir nur so runter
es gelangen wieder richtig schöne Bilder, am besten gefallen mir diese beiden, das erste am Hinweg, das zweite am Rückweg an gleicher Stelle:
wenn es nicht so heiß gewesen wäre wäre mir der Abschied noch schwerer gefallen, aber in der Schwüle konnte man es draußen kaum aushalten (die armen Bauern auf den Feldern...), wir gingen zum Hotel zurück
Um viertel nach 10 waren wir zurück, packten fertig und setzten uns noch eine halbe Stunde gemütlich in den Hof. Heute wäre es definitiv zu heiß für eine Radtour, da wäre ich im Pool geblieben.
Kurz vor 11 fuhren wir los, zuerst zurück nach Guilin, auf der Hinfahrt war es ja schon dunkel gewesen und jetzt sahen wir auf der ganzen Strecke die schönen Berge. An einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Lifluß hielten wir
es kamen noch zwei weitere Aussichtspunkte, die Berge hier sind einfach fantastisch
dann ging es auf der Autobahn nach Guilin, an einem Vorort hielten wir zum Mittagessen an einer Imbissbude. Hier trafen wir ein älteres deutsches Ehepaar (älter als wir

) das auch mit Guide und Fahrer unterwegs war wie wir. Sie hatten das gleiche Ziel in den Bergen. Zu essen gab es eine ziemlich fade Nudelsuppe, das Essen in der Region um Kunming war eindeutig besser als hier. Die Toilette war wieder in erbarmungswürdigem Zustand

so das war jetzt aber das letzte Bild von chinesischen Toiletten (in Shanghai waren wir im Ritz Carlton auf einer wunderbar gepflegten westlichen Toilette da habe ich kein Foto gemacht)
Auf kurvigen und bergigen Strassen ging es anschließend nach Norden vorbei an Autobahnbaustellen. Hier fuhren viele langsame LKW, es gab immer wieder riskante Überholmanöver, eine Autobahn wäre wirklich ein Segen hier. Um vier Uhr waren wir am Parkplatz in Longsheng angekommen. Dieser Ort liegt schon ziemlich hoch in den Bergen und von hier aus sollte es noch mal 300 Höhenmeter zu einem Bergdorf in den Reisterassen gehen wo wir übernachten würden. Hier war ein großes Touristenzentrum wo wir unsere Koffer in die Aufbewahrung gaben (außerdem mußten wir wieder Eintritt bezahlen), wir nahmen nur unsere Rucksäcke mit. Unser Fahrer blieb unten, unser Giude Frau Van würde mit uns oben im Meijinglou Gasthaus übernachten.
Im Internet hatte ich einen Reisebericht gefunden von jemandem der in genau dem gleichen Gasthaus übernachtet hat, dort hat sich der Autor beklagt wie kalt es da oben im Zimmer gewesen war und dass es gar keine richtigen Decken geben hat. Er war wie wir im Oktober dort gewesen. Ich hatte also für die Übernachtung eine dicke schwarze Leggings, ein langärmeliges Skiunterhemd und eine dicke schwarze Fleecejacke eingepackt sowie Unterwäsche und eine Bluse für den nächsten Tag.
Hier unten war es aber alles andere als kalt, bei schönstem Wetter machten wir uns auf den Weg.
Hier lebt die Minderheit der Yao, die Frau trägt die typische Tracht.
hier unten waren Pflänzchen auf den Feldern, weiter oben waren die Felder aber abgeerntet
bald ging es steil bergauf und es ging abwechselnd an den Terassen vorbei und durch kleine Dörfer, unser Guide Frau Van immer voran. Die Frau war fit! Während ich alles auszog was ging und also in kurzen Hosen und kurzärmeliger Bluse schwitzte (es war mindestens 25 Grad warm und mindestens so schwül wie heute Morgen am Fluß), ging sie gegen die Sonne langärmelig bekleidet und schwitzte überhaupt nicht. Ich wäre gestorben in der schwarzen Leggins
Bäume als Wäschetrockner

hier wird gerade ein Haus abgerissen. Schade um die schönen Toiletten

wie bei allen Minderheiten die wir bisher kennengelernt haben machen auch bei den Yao die Frauen die schweren Arbeiten.
man kann auch mit einer Seilbahn zu den Terassen rauf fahren
ich hatte mir das einsamer vorgestellt, aber man kam immer wieder an solchen kleinen Siedlungen vorbei. Da gab es immer wieder kleine Geschäfte, Restaurants und Unterkünfte. An einer Imbissbude machten wir halt und es gab was kaltes zu trinken. Herrlich! Und ich hatte gedacht ich würde hier frieren... an einem Andenkenstand gab es geschnitze Holzfiguren zu kaufen, ich erstand einen kleinen Elefanten für meine Nachbarin, sie sammelt Elefanten und hat bestimmt 20 Stück im Wohnzimmer stehen
Alle Lasten müssen raufgetragen werden, ein paar Pferde sahen wir und Frauen mit Körben. Unten hätte man auch eine Trägerin für den Rucksack buchen können. Im Nachhinein bedaure ich das nicht gemacht zu haben denn an der Unterkunft angekommen war ich klatschnaß geschwitzt
Hier sieht man dass die Reisterassen langsam verwildern. Offensichtlich waren etliche Felder aufgegeben worden, die Bewohner hier oben verdienen mit Tourismus wahrscheinlich mehr Geld als mit Reis.
ich fand die Landschaft und die Dörfer wirklich schön, wenn es nur nicht so schwül gewesen wäre ...
dann ging es noch ein kurzes Stück durch den Wald, trotz Wegweisern hätten wir die Hütte allein natürlich nie gefunden
hier oben wachsen Bananen!
wie überall in China wird auch hier wie blöd gebaut, hier entsteht gerade eine riesige Aussichtsterassse:
kurz darauf waren wir am Meijinglou Gasthaus angekommen. Ich brauchte jetzt dringend eine Dusche!
Das Zimmer war besser als erwartet, schön groß, tatsächlich mit richtiger Toilette und einfacher Dusche (nur ein Schlauch an der Wand der den ganzen Raum unter Wasser setzte) und das beste: der Balkon (ich glaube es war das einzige Zimmer mit Balkon)
das Haus von außen habe ich vergessen zu fotografieren, dies ist der Blick vom Balkon:
WLAN gabs natürlich auch, in China gibts wohl keinen Ort wo kein WLAN geht

Josef ist gleich noch mal losgezogen in die Reisterassen um zu fotografieren bevor es dunkel wird, ich habe mich nach der Dusche ins Bett gelegt, ich war erledigt. Danach hatte ich das Problem nix trockenes zum Anziehen zu haben. Die Hose war so naß als wäre sie gerade aus der Waschmachine gekommen. Dann mußte es eben die schwarze Leggins tun die als Schlafanzug gedacht gewesen war, naja egal, hier kennt mich ja keiner.
Ich setze mich auf die Terasse vor dem Gasthaus, es wurde jetzt schon langsam dunkel. An den Tischen saßen lauter Deutsche bei einem Bier, gute Idee, das bestellte ich auch

lustigerweise stellte sich raus dass sie mit dem gleichen Reiseanbieter unterwegs waren wie wir, sie waren allerdings als Gruppe unterwegs (11 Leute, China in 15 Tagen). So richtig begeistert waren sie nicht, sie fanden dass sie zu viel im Bus waren, in Shanghai hätte man vieles bestimmmt besser mit der U-Bahn erreicht als mit dem Bus beschwerte sich eine Frau. Und Freizeit hatten sie halt gar nicht. Ja genau deshalb haben wir keine Gruppenreise gebucht. Bald kam auch Josef vom Fotografieren zurück. Man konnte von hier aus noch etwa 100 Höhenmeter auf die Bergkuppe gehen. Er wollte morgen früh noch mal los, dann kann ich ja mitgehen. Wir machten noch Pause im Zimmer, um halb 8 Uhr gingen wir zum Abendessen, da war es schon stockdunkel. Draußen war es jetzt doch zu kühl, wir bekamen einen Tisch drinnen, die Reisegruppe saß am anderen Ende und war mit dem Essen gerade fertig.
das Abendessen mußte man gleich beim Checkin bestellen, da hatte uns unser Guide geholfen und die örtliche Spezialität bestellt: Huhn im Bambussrohr

das Bambussrohr war außen schwarz verkohlt, die Füllung schmeckte schön würzig, nur die labbrige Haut konnte man eigentlich nicht essen, aber dafür fand sich ein Abnehmer:

das Foto habe ich nach dem Essen gemacht als er schon satt war

zum Huhn gab es Reis und gegrillte Paprika und als Nachspeise brachte und Frau Van Maracuja (die esse ich besonders gern

)
mit anderen Worten: es ging uns prima. Die Reisegruppe am anderen Ende des Raumes sorgte für zusätzliche Unterhaltung: der Guide war wohl aus einem arabischen Land nach Deutschland eingewandert und hielt sich offensichtlich für einen begnadeten Musiker. Er war auf die Idee gekommen chinesische Musik auf orientalischen Instrumenten zu spielen, damit tritt er in Deutschland auch öffentlich auf. Er schleppte ein Laptop mit 2 Boxen an und spielte eine CD ab, die ganze Reisegruppe blieb am Tisch sizten und hörte höflich zu. Ich weiß jetzt nicht wie ich das beschreiben soll, ich finde ja dass klassische chinesische Musik schon ziemlich schrill klingt, auf orientalischen Instrumenten gespielt kommt es jedenfalls nah an Katzenmusik ran

er war wie weggetreten und lauschte hingebungsvoll, zwischen den Stücken gab er immer eine Erklärung ab und die Gäste versuchten was Nettes zu sagen, man kann die Szene mit einem Wort beschreiben: "Hurz!"

wir amüsierten uns köstlich und Hape Kerkeling hätte seine helle Freude gehabt! Obwohl einige Gäste ziemlich entnervt schienen traute sich keiner aufzustehen und zu gehen, ja da schlägt der Gruppenzwang zu. Wenn der sowas jeden Abend macht kann ich die schlechte Stimmung in der Gruppe verstehen.

An der Bar entdeckten wir noch eine Flasche Wein, es gab sogar richtige Weingläser und damit verzogen wir uns unter den neidvollen Blicken der anderen auf unseren Balkon

dort gab es sogar elektrisches Licht und mit der Fleecejacke konnte man wunderbar draußen sitzen. In der Ferne sah man die Lichter der anderen Gasthäuser blinken. Es war etwas kühl aber weit entfernt von kalt und gefroren haben wir nachts im Bett natürlich überhaupt nicht.
nach Ilonas Anleitung habe ich eine Karte erstellt

das eigentliche Ziel: No.1 Scenic Spot, Longji B Area, Tiantouzhai, Dazhai Village, Heping County, Longsheng County, China kennt Google Maps nicht, ihr müßt euch also noch einen eineinhalbstündigen Fußmarsch von Longsheng aus dazu denken