Erster Tag Montag 10.10.2016Nach der Landung am Pekinger Flughafen gegen 6 Uhr morgens sind die Chinesen wie irre aus dem Flugzeug gestürmt. Die wußten wahrscheinlich warum denn in der Halle war eine lange Schlange bei der Immigration, etwa 45 Minuten haben wir gebraucht bis der Stempel im Paß war, Fragen wurden keine gestellt, dazu müßten sie ja englisch können.

Mit der Bahn ging es dann in ein anderes Terminal zum Gepäckband, das Gepäck war natürlich schon da. Dann haben wir den Ausgang gesucht und erst mal nicht gefunden. Zum Glück verstehen die Leute das Wort Exit, um die Halle verlassen zu können muss man aber das Ticket mit den Gepäckabschnitten vorzeigen, es wird also kontrolliert ob man auch wirklich den richtigen Koffer mitgenommen hat. Merke: Tickets u.ä. in China nicht so schnell wegwerfen!
Am Ausgang wartete unser Guide Helena, sie hatte ein Schild mit unserem Namen in der Hand. Wir haben uns über den deutschen Namen gewundert, aber alle Guides benutzten einen deutschen Zweitnamen. Im Flughafen haben wir versucht Geld am Automaten abzuheben aber das hat nicht funktioniert, mit keiner unserer diversen EC- und Kreditkarten. Helena meinte wir könnten bei einer Bank vorbeifahren und es da noch mal versuchen. Sie sprach ziemlich gebrochen deutsch, wir waren natürlich neugierig wo sie denn deutsch gelernt hat: sie hat es lediglich im Internet gelernt (Sprachkurse wie vom Goetheinstitut waren ihr zu teuer), dafür war ihr Deutsch nun erstaunlich gut.
Der Fahrer samt Wagen stand schon vor dem Flughafen und wir wurden Richtung Hotel gefahren. Fünfspurige Straßen und Stau ohne Ende, mehr als den ersten und zweiten Gang hat der Fahrer für die Fahrt nicht gebraucht. Man sah sehr viele neue Autos und auf beiden Seiten der Straße viele Bäume, das war der erste Aha-Effekt, hier ist es ja grün! Außerdem schien die Sonne und Helena meinte dass es in diesem Jahr mit dem Smog viel besser geworden ist.
Wir hielten an einer Bank, EC Karten funktionierten wieder nicht wieder nicht aber mit Visa hat das Geldabheben geklappt, fast hätte ich die Karte stecken lassen, hier kommt nämlich zuerst das Geld und die Karte wird nur auf Aufforderung zurückgegeben! Immerhin konnte der Automat englisch. Bald hielten wir an einer Gasse und mußten die letzten hundert Meter zu Fuß zu unserem Hotel gehen, dem Courtyard 7, im Qiangulouyan Hutong. Hutongs sind die ursprünglichen Wohnsiedlungen in Peking aus eingeschossigen Häusern, die heutzutage immer mehr abgerissen und durch Hochhäuser ersetzt werden. Wir waren nun in einem mehrere hundert Jahre alten Haus das früher einem hochrangigen General gehörte gelandet:

Von außen sah das nun nicht wie ein 4-Sterne Hotel aus, eigentlich sah es überhaupt nicht wie ein Hotel aus, aber innen war es super! Es bestand aus mehreren Gebäuden, die sich um verschiedene Innenhöfe gruppierten. Im letzten Innenhof lag unser Zimmer:

vor jedem Zimmer zwei Stühle auf denen man in der Sonne sitzen konnte. Im Moment war es noch etwas kühl aber es waren 19 Grad vorhergesagt für den Tag

auf der anderen Seite des Hofes Sitzgruppen und eine Hollywoodschaukel die am Nachmittag in der Sonne lagen. Wir waren begeistert

Durchgang zum nächsten Innenhof:

Die Wände der Innenhöfe waren mit zahlreichen Zeichnungen geschmückt

der nächste Innenhof

unser Zimmer

das Zimmer war mit traditionellen Möbeln eingerichtet und hatte ein großes Bad. Ein Tisch und zwei Stühle waren vorhanden, einen Kleiderschrank gab es nicht nur eine Kommode, das war in vielen Hotels so. Ein Wasserkocher war auch vorhanden und wir haben erst mal Kaffee gekocht. Im Zimmer war es kühl und die an der Decke angebrachte Heizung (eigentlich eine Klimaanlage) schien nicht zu funktionieren. Ich habe mir eine Wärmflasche gemacht und mich mit der Decke ins Bett gelegt und mich erst mal eine halbe Stunde ausgeruht. Eigentlich fühlte ich mich ganz okay, mir war nur etwas kalt. Also habe ich mir dann eine Leggins unter die Hose gezogen und ein Sweatshirt über die Bluse und schon war es warm genug.
Für heute war noch kein Programm vorgesehen. Josef hatte sich im Lonely Planet einen Rundgang durch die Hutongs an der South Luogo Lane ausgedruckt. Den wollten wir nun machen.
Von der Gasse wo unser Hotel lag kam man auf eine Art Fußgängerzone, einer breiteren Straße mit vielen Geschäften

über dieses Polizeifahrzeug haben wir sehr gelacht

eine Eisdiele

die Außerirdischen waren auch schon in China

Kreuzung mit einer Straße, hier fahren Elektrobusse. In der "Fußgängerzone" fuhren auch Motorroller, aber alle elektrisch, das war die nächste Überraschung: stinkende und lärmende Zweitakter gibt es in Peking nicht (haben wir auch sonst nie gesehen, mit einer Hand voll Ausnahmen)

es war richtig viel los hier schon am Vormittag! Das ist eine Touristengegend auch für chinesische Touristen.

wir haben uns über die vielen schönen Geschäfte gewundert vor allem was Kleider und Lederwaren angeht. Ganz und gar nicht der Plastikchinaschund den ich erwartet hätte! Ich verstehe nicht wieso die Chinesen Ledertaschen in Europa einkaufen. In diesen Läden gab es viel schönere, handgefertigte Einzelstücke und das billiger als in Italien. Wenn ich das nächste Mal nach China fahre plane ich einen Shoppingtag ein. Schade dass mir die Kleider nicht passen, Chinesinnen sind ein bis 2 Köpfe kleiner als ich. Und dünner

hier waren wir nun an der Hauptstraße angelangt. Eine ganz typische Pekinger Straße: mehrspurig und in der Mitte Metallgitter, das war für alle Straßen in größeren Städten typisch. Hat wahrscheinlich Sinn, denn Chinesen fahren nicht wirklich nach Verkehrsregeln und die Gitter verhindern einen U-Turn. Oft sah man die Gitter auch zwischen Radweg und Fahrbahn wie auf dieser Straße auch

auf der anderen Straßenseite war ein Tor und dort sollte der Rundweg starten.

Dankenswerterweise waren alle Straßenschilder auch in englisch und die Hausnummern aufsteigend sortiert, völlig untypisch für Asien. Es gab auch immer wieder Übersichtspläne

und dann ging es rein ins Gewimmel der Wohngassen

hier sehen wir ein ganz typisches Motorrad wie sie uns immer wieder begegnet sind: Mit einer eingebauten Matte incl Handschuhe. Der Fahrer sitzt vom Hals an hinter der Matte, das soll wohl den Fahrtwind abhalten. Den läßt man sich um die Ohren wehen, denn Helme werden nicht getragen

stattdessen gibt es einen Sonnenschutz

denn merke: Chinesinnen wollen weiß bleiben! Zu Fuß gehen sie oft mit Sonnenschirm
in den Gassen herrscht das Chaos und überall hängt Wäsche rum

nur die Autos sehen meist sehr neu und proper aus

Gefährte aller Art

sehr mutig hier mit dem Auto durchzufahren! Und kein Wunder dass sich der Motoradbesitzer eine Art Schutzmauer vor seinen Parkplatz gebaut hat

eine weitere Methode seinen Wagen vor Beschädigung zu schützen

Polizei gabs auch aber sie hat sich nicht die Haxen ausgerissen.

Polizisten standen teilweise auch einzeln auf einer Art Podest um die Lage im Blick zu behalten

viele kleine Geschäfte und wir bekamen so langsam Hunger

in einer Freßbude kauften wir 5 Dumplings mit Fleisch gefüllt für 20 Yuan (knapp 3 Euro). Lecker! Dazu gab es ein Getränk das überall angeboten wurde, es stellte sich raus dass es Trinkjoghurt war mit etwas Zucker und Zitrone. Das schmeckt super und haben wir in den nächsten Tagen oft getrunken. Wieder ein Vorurteil widerlegt: dass Chinesen keine Milch trinken, also Joghurt mögen sie jedenfalls sehr. Und es waren immer Glasflaschen mit Papierdeckel, die Flaschen wurden gesammelt und wieder verwendet.

nach Essen und Trinken muss man dann mal wohin

wir hatten uns schon die ganze Zeit über die große Zahl an öffentlichen Toiletten gewundert (am nächsten Tag haben wir von Helena erfahren dass die Häuser hier weder WC noch Bad haben!) und haben eine solche aufgesucht...

so sieht nun eine saubere öffentliche Toilette aus, was anderes gibts nicht

und sauber waren leider die wenigsten und Wasser ist auch Luxus den es oft genug nicht gibt

Toilettenpapier gibts sowieso nie, Papierhandtücher schon gar nicht...tja das ist nun eine Einschränkung mit der man in China leben muss. Hygiene ist ein griechisches Wort und bis China sind die Griechen wohl nicht gekommen...Sauberkeit scheint hier auch einen anderen Stellenwert zu haben. Keiner unserer Guides (auch die nicht die schon in Europa waren) hat sich je an den verdreckten Toiletten gestört oder sich gar dafür geschämt.
die weniger luxuriöse Variante schaut dann so aus:

Türen müssen nicht sein, es hat sich auch nie jemand dran gestört wenn er/sie beim "Geschäft" beobachtet wurde

damit hatte ich drei Wochen lang zu kämpfen...nur in den Hotels gab es normale Toiletten, Restaurants haben üblicherweise keine Toiletten und die in den Sehenswürdigkeiten wie Tempeln schauen ganz genauso aus.
Was mich auch sehr gestört hat war dass die Leute ständig gerotzt und auf die Straße gespuckt haben, also da ist insgesamt in China noch viel Entwicklungsbedarf...
es ging immer tiefer in die Gassen

die Elektroinstallationen sahen oft ziemlich neu aus wenn auch die Kabel wie überall in Asien kreuz und quer über die Straße gezogen waren

Wäsche wird hier von Hand gewaschen in einer Waschbütte wie der grünen am Bild unten. Mein Gott ist das primitiv hier...

das hier war ein Tiersalon und vielleicht auch Tierasyl. Die Katzen tobten im Schaufenster rum. Man beachte auch das "Wifi" Schild. Wifi gabs immer und überall, sonst sind die vielen Handys ja auch nutzlos

die vielen Strommasten und Stromkabel waren wirklich auffallend, mein Freund hat sich daran sehr gestoßen weil ein Bild ohne störende Kabel praktisch nicht möglich war. Und ich habe mich sehr gewundert dass es dann nicht auch für eine vernünftige Versorgung mit fließend Wasser und Abwasser reicht...

Wir sind den gesamten Weg wie im Lonely Planet beschrieben gegangen und waren froh dass wir uns in dem Straßengewirr nicht verlaufen haben. Schließlich sind wir beim Belltower rausgekommen. Auch er ist viele hundert Jahre alt und ein Wahrzeichen Pekings

der Eintritt kostet 30 Yuan Eintritt und über eine steile Treppe geht es nach oben,

da hängt dann eine große Glocke

die Glocken wurden früher zur Zeitanzeige geläutet
von hier schaut man zum gegenüber liegenden Drumtower

den haben wir dann nicht mehr besichtigt.
auf die Dächer des Hutongs durch den wir gestreift sind sieht man auch gut runter

auch dass der Smog doch ziemlich stark ist kann man gut erkennen

danach haben wir uns in die Nähe in ein Dachcafé gesetzt mit Blick auf den Tower, das war eine Touristenbude, denn hier gab es richtigen Cappuccino, Kostenpunkt 4,50€ pro Tasse. Dafür war es aber ein echter Illy Kaffee und Kaffee war überall so teuer. Chinesen trinken keinen Kaffee, Tee ist billig oder umsonst (beim Essen).
Wir waren mit unseren Ausflug sehr zufrieden, vor allem dass wir uns so gut zurecht gefunden haben! Das Garmin das uns notfalls zum Hotel zurück gelotst hätte hat funktioniert, GPS ist also vorhanden, was überhaupt nicht funktioniert ist Google Maps. Google ist komplett abgeschaltet in China, sehr ärgerlich, ohne Google kann ich im Urlaub eigentlich gar nicht leben. Selbst im kommunistischen Vietnam hat das funktioniert!
Wir sind dann ins Hotel zurück gegangen und haben geduscht und uns bis zum Abend hingelegt. Die Heizung hat jetzt doch funktioniert.
Gegen 18 Uhr wird es hier schon dunkel und so sind wir im Dunkeln noch mal durch die Gassen gelaufen zu einem Restaurant das wir am Nachmittag entdeckt hatten: "Grandma's Kitchen", ein kleiner Laden, der von einer jungen Frau vor der Tür eifrig beworben wurde.

die junge Frau konnte gut englisch so dass wir eine ungefähre Ahnung hatten von dem Essen das wir bestellt haben

Bier wird in Porzellanschalen gereicht und das Rindfleisch mit Tofu in einer scharfen Soße und Gemüse war sehr lecker

auf dem Heimweg waren noch alle Geschäfte offen und einige Straßenmusikanten spielten. In einem kleinen Park tanzten Leute zu klassischer Musik, hier wird auch nachts was geboten

der Polizist war immer noch an seinem Stand, des nachts aber blaurot beleuchtet

bunte Beleuchtung am besten in wechselnden Farben finden Chinesen wohl klasse, so bunte, helle Nächte hatte ich noch nirgends.

in einem kleinen Laden haben wir Waren aus der Heimat entdeckt, haben aber nur chinesischen Wein und Knabberzeug gekauft.

um 21 Uhr waren wir wieder in unserem Hotel

das war ein wirklich aufregender erster Tag und ich war heilfroh dass ich so gut durchgehalten habe. Von meiner Erkältung habe ich fast nichts mehr gespürt, ich bin aber vorsichtshalber mit einer Wärmflasche ins Bett gegangen
