Tag 8 Montag 17.10.2016Heute sind wir schon um 6 Uhr aufgestanden und wollten um halb 7 frühstücken gehen, soweit der Plan. Eigentlich sollte unser Guide beim Hotel Bescheid gesagt haben dass wir heute früher zum Frühstück kommen aber da hat irgendwas nicht geklappt. Es kam zwar jemand der Licht angemacht hat und die Haustür aufsperrt usw. Aber auf unsere Frage nach Coffee hat er nicht reagiert, konnte sicher auch kein Englisch.
Während wir warteten kam ein neuer Gast zur Tür rein, ein Deutscher der einchecken wollte. Frühstück hätte er auch gewollt so haben wir also gemeinsam gewartet. Er ist alleine in China unterwegs und hat schon einiges erlebt. Wir haben seinen Mut bewundert. Er ist mit Bus und Taxi (zu viert auf der Rückbank eingequetscht) zu den Buddhahöhlen und dem hängenden Kloster gefahren und dann mit dem Zug nach Pingyao. Jetzt ist er gerade eine halbe Stunde zu Fuß zum Hotel gelaufen. Wir haben uns sehr gewundert wie er sich orientieren kann und er hat uns seine Navigationsapp gezeigt: sie heißt Osmand und er war damit schon in vielen Ländern unterwegs. Ich habe das später für Shanghai verwendet und die taugt wirklich, die werde ich in Zukunft auch nutzen.
Er hat sich vorab informiert mit welchem Bus er fahren muß, die Nummer kann man ja lesen und auf der Fahrt auf seiner App geschaut ob er in die richtige Richtung fährt (wenn nicht ist er an der nächsten Haltestelle ausgestiegen und in der anderen Richtung weitergefahren). Also das ist wirklich Abenteuer, das wäre uns zu viel Streß aber wir haben ihn bewundert wie er das hinbekommen hat

Um kurz vor 7 kam dann endlich das Küchenpersonal, angeblich hat ihnen niemand Bescheid gesagt. So waren wir natürlich noch beim Essen als Herr Li kam, aber er meinte es sei noch Zeit, er hat genug Puffer eingeplant.
Mit einem offenen Elektrowagen wurden wir dann aus der Altstadt rausgefahren, dann fuhr uns unser Fahrer mit dem PKW zum neuen Schnellbahnhof außerhalb des Ortes. Er wurde erst vor einem Jahr eröffnet, unser der Guide wies uns zum xten Mal auf die schöne neue Straße hin, sie war mehrspurig und fast leer.
Vor dem Bahnhof steht ein Denkmal mit einem goldenen Ochsen, Pingyao ist ja berühmt für sein Rindfleisch

Am Eingang war wieder eine Eingangskontrolle von Paß und Fahrkarte (auf der Karte stand unsere Paßnummer drauf) unser Guide durfte uns nicht in den Bahnhof begleiten und wir haben uns verabschiedet. Im Nachhinein muß ich sagen dass er am besten Deutsch sprach von allen Guides die wir hatten, er sprach praktisch akzentfrei und das obwohl er noch nie in Deutschland war.
Im Bahnhof war sofort wieder Securitykontrolle des Koffers und Personenkontrolle wie am Flughafen, überhaupt erinnerte der Bahnhof mehr an einen Flughafen nur in Miniaturausgabe, es war nur ein Raum

Die Zugnummer und das Gleis waren in lateinischer Schrift angegeben, die Städte nur in chinesisch.
Als der Zug aufgerufen wurde sammelten sich alle am Schalter wie am Flughafen. Und wie dort fand eine erneute Fahrkartenkontrolle statt.

Zum Glück gab es nur zwei Gleise und wir wurden alle zu Gleis 2 geleitet. Am Bahnsteig waren die Wagennummern am Boden aufgemalt, so dass man gleich an der richtigen Stelle warten konnte. Ein Schaffner paßte auf dass niemand die rote Linie am Bahnsteigrand übertrat. Der Zug sah aus wie ein japanischer Shinkansen.

Auch an Bord war der Service wie in Japan. Platz für Koffer war fast keiner. Hinter der letzten Sitzreihe war Platz, da haben wir die Koffer gelassen, soweit ich mich erinnere war das in Japan auch so. Die meisten Chinesen schoben die Koffer vor sich im Sitz, ja wenn man so kurze Beine hat geht das...

Die Fahrt ging über Land an Feldern und kleinen Dörfern vorbei, über dem Land lag eine Dunstglocke es war nicht klar ob wegen Industrie oder Staub. Der Boden war graubraun, könnte Löß sein, man sah nicht weit. Die Flüsse hatten wenig bis kein Wasser. Wir kreuzten den gelben Fluß, das war auch eher ein Rinnsal.
Gegen Mittag kamen wir in Xian am Nordbahnhof an. Der Bahnhof ist riesig und erinnerte eher an einen Flughafen, es gibt einen Süd- und einen Nordausgang und wir wußten nicht wohin, wir folgten der Mehrheit zum Südausgang wo wir von unserem neuen Guide erwartet wurden. Er hieß Dominik, war 28 Jahre alt und eine Quasselstrippe vor dem Herrn! Er stammt aus Xian und ist sehr stolz auf die Stadt weil die Bauwerke hier viel älter sind als in Peking, sie stammen aus der Tang- Dynastie
Zuerst ging er mit uns auf die Stadtmauer, es war richtig heiß und sonnig.

Die Mauer ist 14 km lang und so breit wie eine Straße, etliche Leute sind oben Fahrrad gefahren.

Während wir dort langspazierten erzählte uns Dominik seine ganze Lebensgeschichte: er war das dritte Kind und wurde wegen der Einkindpolitik jahrelang versteckt. Seine Eltern mußten 8000 Yuan Strafe für ihn zahlen, da sein Vater Beamter war und gut verdiente konnte er sich das leisten. Seit kurzem gibt es die Einkindpolitik nicht mehr und der Staat wünscht eigentlich zwei Kinder pro Paar, aber Dominik meinte dass heute die meisten Leute nur noch ein Kind wollen weil das so teuer ist, wenn z.B. ein Sohn heiratet muß den Eltern der Braut ein Brautgeld von 50.000 Yuan bezahlt werden, außerdem kaufen die meisten Eltern auch noch ein Auto und eine Wohnung für das Paar.
Dominik erzählte uns dann wie er seine Frau kennen gelernt hat und die ganze folgende Geschichte bis zur Hochzeit und ging uns mit seinem Gequassel zunehmend auf die Nerven. Dann war das Thema Mode dran, er war nämlich modisch sehr interessiert außerdem fand er sich zu klein und zu dünn, er wäre gern Soldat geworden, dafür war er aber mit 1,70 Meter zu klein. Die restlichen Stories erspare ich euch...

wir gingen den gleichen Weg zurück und spazierten dann zum Drumtower und Belltower, die gibt es wohl in jeder größeren Stadt.
der Drumtower, wir haben ihn nur von außen besichtigt

auf der anderen Straßenseite der Belltower

dazwischen war ein großer Platz der schön mit Blumen geschmückt war

Dominik kaufte drei Eis (er will ja zunehmen), wir setzten uns auf eine Bank und er erzählte einen weiteren Schwank aus seinem Leben.

danach gingen wir durch die islamische Straße, das war vor allem ein Markt, es war viel los hier

Bonbonteig wird gezogen und geklopft, ich wußte gar nicht dass Bonbonherstellung soviel Arbeit ist

ich habe mir ein Brot gekauft das sehr lecker aussah aber etwas fad schmeckte (da fehlte Salz)
Danach fuhren wir mit dem Auto zur kleinen Wildganspagode (es gibt noch eine große, die steht morgen auf dem Programm)

die Spitze der Pagode wurde bei einem Erdbeben zerstört, man kann die Pagode auch nicht betreten nur von außen betrachten

es gab einen kleinen eher ungepflegten Park, ein kleiner Tempel war da auch, ein paar Stelen und eine Glocke, mehr als 10 Minuten braucht man zum Besuch nicht.

die Karpfen haben mir gefallen, jemand hat Fischfutter reingeworfen, dann überschlagen sich die Fische fast, grade dass sie sich nicht gegenseitig anfressen

danach sind wir ins Hotel gefahren. Von außen war das Atour Hotel ein ganz normales Hochhaus, innen war es aber top gestylt, wenn ich nicht gewußt hätte wo wir sind hätte ich auf Japan getippt. Das Zimmer lag im 11. Stock und war ein Superior Zimmer. Zwischen den beiden Betten stand eine Couch und das Bett hatte die bequemste Matratze ever!

alles war aus Holz oder Bambus oder anderen schönen Materialien, man hatte den Eindruck dass jedes Detail durchdacht war, die Handtücher waren groß und flauschig, einfach alles top!

wir haben unser übliches Nachmittagsprogramm mit Kaffee trinken und Wäsche waschen abgespult. Im Bad war auch eine Wäscheleine!
Dominik hat uns Mittags von einer Vorstellung erzählt die wir unbedingt sehen müßten, außerdem würde es vorher ein typisches Essen geben: Xian ist berühmt für seine speziellen Dumplings, ob wir da nicht hingehen wollten, er könnte das organisieren. So eine Vorstellung für Touristen haben wir schon öfter besucht, also warum nicht. Was genau wir da zu erwarten hatten wußten wir nicht aber Dominik hatte uns versprochen dass er uns anschließend wieder abholen würde (sprich: er wäre nicht dabei), unter dieser Bedingung haben wir zugesagt.

so haben wir um halb 7 abends in der Rezeption auf ihn gewartet, er besorgte ein Taxi und wir fuhren vielleicht 5 Minuten zu dem Theater, es war wirklich nicht weit. Nachdem wir am Eingang 700 Yuan für 2 Personen bezahlt haben (was für chinesische Verhältnisse richtig teuer ist) wurden wir ins Restaurant geführt und Dominik verabschiedete sich.
Wir saßen allein an einem großen Tisch, später kam noch ein englisches Ehepaar, es waren nur ausländische Touristen hier.
Die Vorspeisen:

ganz rechts auf dem Teller war ein Salat aus Mais und chinesischem Spargel (die quietschgrünen Brocken). Der Spargel hat zwar überhaupt nicht nach Spargel geschmeckt, war aber extrem lecker und knackig. Das muss eine ganz andere Sorte sein als bei uns. Dominik hatte uns den Spargel besonders empfohlen und da hatte er Recht!
Danach kamen mehrere Gänge verschiedenster Dumplings, alle sehr nett anzusehen, geschmeckt haben sie aber ziemlich ähnlich

beim letzten Gang waren sie süß gefüllt.
Danach ging es in den Theatersaal

diese beiden Herrschaften haben durch das Programm geführt, sie haben alle Stücke erst auf chinesisch, dann auf englisch angekündigt. Neben uns saß eine Gruppe indonesischer Touristen mit denen wir uns zu Beginn unterhalten hatten, die verstanden auch chinesisch.

es gab eine Stunde lang Musik- und Tanzvorführungen

die Kostüme waren sehr aufwendig, die Musik halt typisch chinesisch und ich würde mal sagen Geschmacksache. Auf jeden Fall sehr interessant aber keine Musik die ich mir zuhause anhören würde.

es hatte natürlich was von "Schuhplattler für Japaner"

diese beiden stellen das Kaiserpaar dar und der Kaiser trägt die typische Kopfbedeckung der Tang-Dynastie mit Perlenschnüren (ein bisschen was habe ich doch gelernt

)

draußen wartete dann wirklich Dominik auf uns. Wir hatten ehrlich gesagt schon Sorge ob er uns abholen würde. Der Typ war so seltsam, wir konnten ihn nicht einschätzen. Im Taxi fragte er uns hundert mal ob uns die Vorstellung gefallen hat. Scheinbar waren unsere Antworten nicht begeistert genug. Die Vorstellung hat uns schon gefallen aber sooo toll war es nun wieder auch nicht. Zum Glück war die Taxifahrt zum Hotel kurz, so waren wir ihn bald wieder los
