Tag 2 - 20.09.2015 - Hausstrand & KatzenquaddelDie erste Nacht im neuen Bett war ganz ok. Es war angenehm kühl im Zimmer. Trotzdem bin ich mehrmals aufgewacht, was wohl vor auch an der sehr harten Matratze lag. Jedoch schlafe ich weg von zu Hause ohnehin immer schlecht. Als jedoch um 6:20 der Wecker rappelt, treibt mich die freude aufs Fotografieren ruck zuck raus aus den Federn. Meinen Mitreisenden scheint es genau so zu gehen, denn von einer Sekunde auf die andere ist plötzlich Leben in der Bude.
Der erste Blick nach dem Aufstehen geht dann auch gleich aus dem Fenster, hoch zum noch dunklen Himmel. Es sind Sterne zu sehen, also zumindest keine totale Bewölkung, sehr gut!. Rasch katapultiere ich mich durchs Bad und ziehe mir Badehosen und Bachsandalen an, darüber eine Windjacke mit Fleeceeinsatz. Um 6:45 sind wir Abmarschbereit zum ersten Spot.
Es geht an einen Strand, der gerade mal eine Bucht nebenan liegt. Chris hat den im Vorfeld ausgekundschaftet (per Google Earth und verschiedenen anderen Planungstools). Der Strand war auch mit ein Grund, warum wir uns für Mutriku als Basis entschieden haben. Es ist schließlich immer angenehm, wenn man die erste Location des Tages praktisch gleich um die Ecke hat.
Um 7:00 Uhr sind wir dann auch schon vor Ort und fahren auf den Parkplatz am Strand. Ein paar Wohnmobile stehen dort, sonst ist (erwartungsgemäß) um diese Uhrzeit noch nix los.
Was man hier vom Parkplatz aus sehen kann ist, sagen wir es mal vorsichtig, eher ernüchternd. Ein leicht gebogener langweiliger Sandstrand, so eine Mini Copa Cabana, an deren Ende ein wenig ansehnlicher Fels aus dem Boden ragt - so weit man das in der gerade angebrochenen Dämmerung erkennen kann. Wüssten wir es nicht besser, wären wir hier noch nicht mal aus dem Auto gestiegen. Aber so geht es im Schein der Stirnlampen los, den langweiligen Strand entlang, bis zu dem Felsen. Dann führt eine Treppe auf den Fels und oben angekommen haben wir erst mal nur ein "Wow!" übrig.

Das war der erste Blick über den Felsen.
Wenn man das erste mal im Dunkeln an eine neue Location kommt, dann ist das immer so eine Sache. Man weiss nicht recht wo man hingehen soll, um die beste Position für Fotos zu haben. Hier auf den sehr rauhen und teils sehr rutschigen Felsen ist dabei noch extreme Vorsicht geboten. Da wir diesen Ort noch ein paar Mal zum Sonnenaufgang besuchen wollen, lassen wir es besonnener angehen und warten erst mal, wie es aussieht, wenn es hier heller wird.

Ich bleibe oben auf der Treppe, Chris macht es sich auf halber Höhe gemütlich und Steffen geht auf den ersten Felsen, das ist noch recht gefahrlos möglich.
Hier warten wir ab, ob vielleicht noch etwas mehr Farbe in den Himmel kommt, aber das soll nicht der Fall sein. Als es dann hell genug ist, so dass man sicher erkennen kann, wo man hingeht, wagen wir uns ein, zwei Felsen weiter.

Die Morgensonne trifft seitlich auf die Felszacken uns lässt die in einem warmen Licht glühen.
Das Meer ist heute morgen relativ ruhig. Auf überspülte Steine oder gar an den Felsen hochspritzende Gischt müssen wir nicht hoffen. Vielleicht gelingt uns das ja in den nächsten Tagen?

Bevor das Licht endgültig zu hart wird, noch eine Langzeitbelichtung bei der das Meer fast surreal wirkt.
Dann geht es wieder zurück über den Felsen in die vermeintlich langweilige Sandstrandwelt. Aber auch hier findet sich auf dem Heimweg noch ein nettes Motiv.

Goldstrand: Die Sonne reflektiert vom gegenüberliegenden Hang auf die Steine und den Strand.
Wir sind begeistert von dem Strand und wollen morgen früh wieder hier her! Soviel steht nach dem ersten Besuch schon mal fest.
Es ist Sonntag und die Lebensmittelgeschäfte haben zu. Um so froher sind wir, als wir auf dem Rückweg ein nettes Caffe finden, in dem wir lecker frühstücken können.

Man könnte meinen, die mögen mich hier. Jedenfalls sieht das in der Crema fast wie ein Herz aus.
Auch hier wollen wir morgen früh noch mal hin.
Wir nehmen uns noch ein Baguette und etwas abgepackte Wurst mit für das Mittagessen.

Gut zu erkennen: Mein Morgen-Outfit mit Badehose und gefütterter Jacke darüber.
Dann geht es zurück in die Wohnung zum Duschen, Filterputzen und Akku laden.
Wir beschließen das harte, unfotogene Mittagslicht dazu zu nutzen, um einen anderen Küstenabschnitt auszukundschaften, der auf Satellitenaufnahmen auch sehr vielversprechend ausgesehen hat, bei dem wir aber im Vorfeld der Reise nicht herausgefunden haben, ob überhaupt ein Zugang dazu möglich ist.
Wir fahren viel in der Gegend rum, sehen von der viel höher gelegenen Straße aus auch immer wieder interessante Strandabschnitte, aber wir finden einfach keinen Weg runter.

Küstenabschnitt von der Straße aus gesehen.

Steffen geht mit Hilfe eines Seils einen Hang herunter, aber der Bereich unterhalb ist nicht sehr fotogen.
Wir geben auf mit der Erkenntnis, dass dieser Küstenstreifen wohl nur mit dem Boot sicher zu erreichen ist. So kann es eben auch gehen, nicht jede Location ist einfach so zu erreichen.
Am späten Nachmittag brechen wir dann auf zu unserem Fotoziel für den Abend, dem ehemaligen Kloster San Juan de Gaztelugatxe. Auf der kleinen Insel Gaztelugatxe gelegen und mit einer langen Steintreppe mit dem Festland verbunden, wirkt das sehr imposant zum Sonnenuntergang. Das ist zumindest unsere Hoffnung.
Auf der Fahrt rätseln wir darüber, wie der Name "Gaztelugatxe" wohl ausgesprochen wird. Wir einigen uns schließlich auf "Katzenquaddel". Das ist vielleicht nicht ganz korrekt, dafür aber einfach zu merken. Nach guten 80 Minuten Fahrt kommen wir auch schon am Parkplatz weit oberhalb der Insel an. Der spanische Sonntagshimmel ist wolkenlos blau und das macht uns zumindest ein wenig nervös, denn wir hätten natürlich gerne etwas "Feuer" im Himmel zum Sonnenuntergang.
Etwas anderes macht uns ebenfalls Sorgen: Der Weg nach unten. Laut GPS-App ist er genau ein Kilometer lang und die Höhendifferenz beträgt auf diese relativ kurzen Strecke immerhin 150m.
Bergab ging ja noch, aber wir müssen die Strecke am Ende auch wieder hoch - mit ca. 20kg Fotogepäck auf dem Rücken. Na denn, auf geht’s!
Der erste Teil der Strecke ist perfekt befestigt und führt zu einem Aussichtspunkt über der Insel. Laut Infotafel ist er sogar Rollstuhl-tauglich. Das trifft dann auch fast zu. Leider hat sich ca. 15m vor dem Aussichtspunkt der Weg gesenkt und eine Stufe von ca. 30cm Höhe im Belag würde wohl das Aus für jeden Rollstuhl bedeuten.

Aussicht über Gaztelugatxe.
Ab der Stelle beginnt ein ungefestigtes Stück Weg mit vielen Wurzeln und Steinen und anderen Stolperfallen. Uns tun bereits vom herunterlaufen die Beine weh.
Was mir aber wirklich Angst macht, sind die Leute die uns entgegenkommen. Obwohl die noch den größten Teil des Weges vor sich haben, stehen viele bereits "im eigenen Saft", halten an und ringen nach Luft. Entweder sind das alles Untrainierte oder das wird nachher der schlimmste Aufstieg in meinem Leben.
Unten angekommen herrscht betrieb, fast wie auf einer Kirmes. Das halbe Baskenland scheint am Sonntag Abend hier her zu spazieren. Dazu kommt, dass sich der Himmel wohl endgültig dazu entscheidet für heute wolkenlos zu bleiben. Gedanklich verabschieden wir uns schon mal von den Aufnahmen, auf die wir hier gehofft hatten. Wenn wenigstens zum Sonnenuntergang noch die Besucher wegbleiben würden, dann könnte man versuchen, mit dem Weg zum Kloster ein Bild zu gestalten. Also mal abwarten.
Während wir auf den Sonnenuntergang warten, entdecken wir einen Felsbogen im Meer, ein paar hundert Meter links von der Insel. Wenn wir es schaffen würden am Strand weiter nach Links zu kommen, könnten wir vielleicht eine Position finden, bei der die Sonne durch den Felsbogen scheint. Ist zwar extrem kitschig, aber immer noch besser als nix. Tatsächlich wäre es unten am Strand möglich über die Felsen weiter nach links zu klettern. Wir beschließen, dass wir das machen wollen, warten aber noch etwas bis wir loslaufen und das soll unser Glück sein!
Als wir eine knappe halbe Stunde später aufbrechen wollen, stellen wir fest, dass das Wasser gestiegen ist und die Bucht, wo wir hin wollten vom Weg abgeschnitten ist. Oh Shit, das hätte blöd ausgehen können, wenn wir gleich losgegangen wären. Ich ärgere mich, dass ich nicht selbst daran gedacht habe, dass zunehmende Flut ist. Anfängerfehler! Aber jetzt sind wir in der Beziehung wach für den Rest der Tour (und vermutlich darüber hinaus).
Bleibt also nur das warten bis die Sonne untergeht und das Hoffen, dass dann weniger Besucher unterwegs sein werden.
Und tatsächlich - sobald sich die Sonne dem Horizont nähert, sind wie auf einen Schlag fast alle Besucher weg!

Das warme Licht der untergehenden Sonne trifft die Mauer auf dem Weg hinüber zur Insel.
Zum Abschied noch ein Blick über das Meer:

Links sind im Ansatz die Felsbogen zu erkennen, die uns durch die einsetzende Flut beinahe zum Verhängnis geworden wären.
Dann machen wir uns im Schein der Stirnlampen auf den Weg zurück nach oben. Schweigend und in kleinem Trott erklimmen wir Meter für Meter des Weges und auf einmal taucht auch schon der Parkplatz wieder vor uns auf. Puh, war doch gar nicht so schlimm! :-)
Um 22:15 sind wir wieder zurück an der Mancave und wir haben Hunger. Also nicht etwas gepflegten Appetit auf ein paar Tapas und einen spanischen Rotwein, sondern richtig auf was zu essen und am besten ein Bier dazu. Lange Rede kurzer Sinn, wir landen wieder bei dem Gourmettempel von gestern Abend, denn die haben auch sehr leckere Pizza! Danach noch ein Bier in der Hütte und um 24:00 Uhr heist es gute Nacht! Der Wecker ist wieder auf 6:20 Uhr gestellt - Morgen wird sicher ein besserer Tag, was die Bildausbeute am Abend angeht!