Autor Thema: VW und Winterkorn...  (Gelesen 8255 mal)

Rainer

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VW und Winterkorn...
« am: 23. September 2015, 17:43:01 »
... geht es Euch wie mir, ich könnte kotzen, wenn ich das halbseidene Gelaber vom Vorstandsvorsitzenden Winterkorn sehe und höre?

Erst müssen die amerikanischen Behörden dem betrügerischen VW-Konzern die Hölle heiß machen (indem sie den Verkauf der neuesten Modelle untersagen), bevor endlich das Zugeständnis der Manipulation kommt.

Dann "macht man" auf aufklärerisch. Aber es werden keine Namen genannt, nichts. Dann stellt sich der Topverdiener der deutschen Nieten in Nadelstreifen nach weiteren mehreren(!) Tagen vor das Mikrofon und schwallt irgendeinen Müll von "Aufklärung" und "Transparenz" und "Vertrauen" und blablablabla... Da könnte ich in den Fernseher treten, wenn ich so ein verlogenes Geschwalle höre. Wem will Winterkorn eigentlich ernsthaft beibringen, er (ohne den quasi keine einzige Schraube verschraubt wird, er, der jeden Fusel in jedem Fahrzeug kennt) habe nichts gewusst von der Manipulation?

Wieso kommt kein klares Statement, wer dafür verantwortlich ist, keine Namen, nichts? Wieso sagt er nicht "natürlich habe ich alles gewusst", denn er hat alles gewusst, alles andere glaubt kein Mensch. Wie tief will dieser Mensch noch sinken? Sein exorbitantes Gehalt wurde immer begründet mit den guten Zahlen, der einspielen würde. Gibt er jetzt konsequent die Einkünfte aus den letzten 6 Jahren wieder zurück, um wenigstens symbolisch wieder etwas gut zu machen? Den Schaden an sich kann er sowieso nicht regulieren.

Nein, nichts davon. Stattdessen geht die Lügerei und die Geheimniskrämerei weiter, unter dem Deckmäntelchen der vermeintlichen Transparenz. Es ist ekelerregend.

P.S.: Und wenn ich die merkwürdig verquirlte Sche**e höre, die Mercedes Chef Zetsche dazu sagt, dann werde ich das Gefühl nicht los, dass wir uns immer noch erst auf der Spitze des Eisbergs bewegen:

Zitat
Ich weiß viel zu wenig über den Fall, um zunächst mal beurteilen zu können, wie gerechtfertigt der Vorwurf Volkswagen gegenüber ist und ob wir zu hundert Prozent und in jeder Betrachtungsweise davor völlig sicher sein können.

Der arme, geht ihm wie allen anderen Topmanagern: er weiß viel zu wenig....

Andrea

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #1 am: 23. September 2015, 22:46:42 »
Ja ja und wenn bei uns im Laden versehentlich mal ein Preisschild nicht getauscht wurde, wird uns gleich vorgeworfen, dass das "Masche" sei...

Hat einer von euch jemals daran geglaubt, dass das 3l-auto wirklich 3l braucht? Ich nicht. Da überraschen die "neuen" Betrugsmethoden bzgl. der Abgaswerte kaum noch. Gut ist, wenn so etwas mal aufgedeckt wird. Interessieren würde mich nur, ob das amerikanische Umweltbewusstsein so erstarkt ist, dass das irgendeine Sau dort interessiert und ob wirklich durch den Betrug ein höherer Umsatz erzielt wurde.
Liebe Grüße, Andrea



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Horst

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #2 am: 24. September 2015, 00:55:35 »
Das Thema wird uns noch Jahre beschäftigen, auch wenn es aus der ersten Reihe der Nachrichten verschwunden sein sollte.

Ich bin mit dem, was Du sagst, nicht einverstanden, aber ich werde bis zum Tod Dein Recht verteidigen, es zu sagen. Voltaire.

Rainer

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #3 am: 24. September 2015, 10:20:20 »
Das ist wirklich ein Pfund. Wir sind lange Jahre VW Fahrer und ich war überzeugt, dass das eine gute Marke mit sehr fortschrittlicher Motorentechnologie ist. Dieses Sinnbild hat einen enormen Knacks bekommen und ich gehe davon aus, dass VW per sofort und auch auf lange Sicht die Vorteile im Verkaufspreis (VW ist immer etwas teurer als die ausländische Konkurrenz) verlieren wird.

Der Markt wird ganz eng werden für VW.

Und wie man inzwischen weiß, lügt auch Dobrindt das Blaue vom Himmel herunter, er weiß schon seit 12 Monaten darüber Bescheid, dass EU Kontrollen (und auch ADAC Kontrollen) grobe Unregelmäßigkeiten beim Euro-Diesel-6 Motor bzw. solchen Fahrzeugen ergeben haben.

Rainer

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #4 am: 24. September 2015, 10:30:26 »
Hat einer von euch jemals daran geglaubt, dass das 3l-auto wirklich 3l braucht? Ich nicht.

Das wusste eigentlich jeder, dass da mit "idealisierten" Zahlen gerechnet wurde, natürlich hast Du Recht, die 3l wurden nicht erreicht. Aber es war nicht irrsinnig viel mehr und mit 4i hätte man sicher gut fahren können.

Aber die jetzigen Emissionswerte, da geht es ja nicht um Prozente und das letzte Quäntchen, da geht es um 10 bis 40 fache Luftverschmutzung. Eine völlig andere Liga. Das ist irgendwie unvorstellbar.

DocHoliday

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #5 am: 24. September 2015, 18:08:38 »
Mich überrascht ehrlich gesagt die riesige Erregung über ein paar manipulierte Testwerte. Dass das (Wahrscheinlich alle oder die meisten) Autofirmen sowohl bei Verbrauchs- als auch bei Abgasmessungen tun, ist doch wirklich nichts neues. Ich habe gelesen, dass es sogar eine gesetzliche Vorschrift in D gibt, das eine Software, wie die von VW benutzte ein Grund ist, dem Fahrzeug die Betriebserlaubnis zu verweigern. Es war also dem Gesetzgeber schon länger bekannt, dass so etwas passiert.

Auch die 16 Milliarden Strafe sind etwas hoch gegriffen, wenn man bedenkt, dass andere Firmen für defekte Sicherheitsgurte oder klemmende Gasoedale, de zu Dutzenden Toten geführt haben allenfalls einige 100 Mio Strafe bezahlt haben.

Natürlich ist das was VW gemacht hat, nicht in Ordnung sondern schlicht Betrug. Aber warum haben sie es denn getan. Weil der Kunde (also wir) offensichtlich nicht bereit ist, für bessere Abgaswerte auf Leistung zu verzichten oder Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen (regelmäßig neben Öl und Diesel auch noch den Harnstofftank für die Abgasreinigung auffüllen oder den Partikelfilter reinigen oder wechseln zu lassen). Die Autos können die Abgaswerte ja erreichen. Die Software sorgt ja nur dafür, dass die dazu nötigen Maßnahmen, während des Normalbetriebs (außerhalb des Mess-Stands) nicht eingesetzt werden, weil sie Leistung kosten oder sonstwie stören und VW (und andere?) offensichtlich davon ausgingen, dass die (viele) Kunden die Autos dann nicht kaufen würden.

Hier ist noch ein interessanter Artikel von einem Börsenmenschen dazu:

Wem nutzt das VW-Bashing

Wenn man zu Verschwörungstheorien neigen würde, könnte einen die Tatsache, dass die Affäre am gleichen Tag publik wird, an dem der neue Passat in den USA auf den Markt kommt und zeitgleich auch noch in Brasilien eine Klage wegen Vorgängen aus den 60er bis 80er Jahren eingereicht wird, schin stutzig machen.

Aber mir steht ja kein Aluhut ;)

Rainer

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #6 am: 24. September 2015, 18:52:07 »
Natürlich ist das was VW gemacht hat, nicht in Ordnung sondern schlicht Betrug.

Das finde nicht einmal das schlimmste daran, dass hat Andrea mit 3l Wagen ja angedeutet, man ist als Verbraucher daran gewöhnt, dass Messwerte "synthetisch" sind. Ob das sein muss oder nicht, oder ob bereits das inakzeptabel ist, ist eigentlich nicht das, was mich stört. Mich stört hier konkret das Ausmaß, Faktor 40 oder so, das hat ja nun wirklich überhaupt ganz und gar nichts mehr damit zu tun, was wirklich auf der Straße passiert. Das ist rotzfrech.

Und das zweite, was mich noch VIEL MEHR stört, ist die allgemeine und immer noch ungebrochene Unehrlichkeit und Verschwiegenheit. Selbst jetzt, wo erste Köpfe rollen, gibt es keine Namen, keine Personen, keine Beschuldigten, nichts. Nur Bauernopfer, echte Opfer und Gelaber. Aber irgendwie ist es niemand gewesen und der Gipfel der Unglaublichkeiten besteht darin, dass VW Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat - wie bitte??? Das haut echt dem Fass den Boden aus.

Aber warum haben sie es denn getan. Weil der Kunde (also wir) offensichtlich nicht bereit ist, für bessere Abgaswerte auf Leistung zu verzichten oder Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen (regelmäßig neben Öl und Diesel auch noch den Harnstofftank für die Abgasreinigung auffüllen oder den Partikelfilter reinigen oder wechseln zu lassen).

Das kann ich schlecht beurteilen. Eigentlich glaube ich das nicht unbedingt. Zum einen habe ich selbst im betroffenen Zeitraum gar kein Auto gekauft, zum anderen kann ich auch nicht erkennen, dass es für die Kunden transparent ist, dass saubere Luft auch entsprechend Geld kostet. Auch was Du da nennst, das ist nur EINE Ausprägung des Betrugs, das ist diese "Blue Technology". Aber es wurde ja an allen Ecken und Enden gepfuscht und ich habe mehr den Eindruck, dass es nicht unbedingt darum ging, den kleinen Kunden zu überzeugen (der eigentlich auch nicht das Know How hat, um das zu beurteilen), sondern die Politik und Umweltschützer. So tun als wenn. Und das ganze dann natürlich als Verkaufsargument zu mißbrauchen.

Ob da wirklich der Druck von unten (vom Kunden) kam, oder eher von oben, da bin ich ehrlich, ich glaube, viel eher von oben.

Inwiefern da nur VW rumgemogelt hat, oder ob nicht doch im ganz großen Stil von allen Herstellern gepfuscht wurde (was ich ja selbst auch glaube), das wird sich (hoffentlich) in den nächsten Wochen herausstellen. Aber die vollmundig angekündigte "brutale und transparente" Aufklärung, die findet wieder einmal nicht statt. Stattdessen rollen ein paar Köpfe und wieder einmal erfährt der Außenstehende genau gar nichts.

DocHoliday

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #7 am: 24. September 2015, 20:54:10 »
Selbst jetzt, wo erste Köpfe rollen, gibt es keine Namen, keine Personen, keine Beschuldigten, nichts. Nur Bauernopfer, echte Opfer und Gelaber.

Vier hochrangige Vorstandmitglieder aus der absoluten Konzernspitze würde ich jetzt nicht als Bauernopfer bezeichnen.
Aber ich verstehe, was Du meinst. Das Ausmaß des Betruges werden wir höchstens erfahren, wenn die Staatsanwaltschaft am Ball bleibt.

Paula

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #8 am: 25. September 2015, 11:59:40 »
Das ist wirklich ein Pfund. Wir sind lange Jahre VW Fahrer und ich war überzeugt, dass das eine gute Marke mit sehr fortschrittlicher Motorentechnologie ist. Dieses Sinnbild hat einen enormen Knacks bekommen und ich gehe davon aus, dass VW per sofort und auch auf lange Sicht die Vorteile im Verkaufspreis (VW ist immer etwas teurer als die ausländische Konkurrenz) verlieren wird.

Der Markt wird ganz eng werden für VW.

Und wie man inzwischen weiß, lügt auch Dobrindt das Blaue vom Himmel herunter, er weiß schon seit 12 Monaten darüber Bescheid, dass EU Kontrollen (und auch ADAC Kontrollen) grobe Unregelmäßigkeiten beim Euro-Diesel-6 Motor bzw. solchen Fahrzeugen ergeben haben.

mir geht es genauso! Als bisher überzeugter VW Fahrer bin ich echt geschockt und ich hätte das nicht für möglich gehalten.
Dass die Verbrauchswerte nicht meinen persönlichen Erfahrungen entsprechen ist mir nix Neues aber das hat für mich nix mit diesem Betrug zu tun. Die Verbrauchswerte werden auf einem Laufband erzeugt, da hat das Auto maximal aufgeblasene Leichtlaufreifen etc. und das ist bei allen Herstellern so und das ist ganz offiziell erlaubt und bekannt. Insofern kann man die Verbrauchswerte in den Prospekten auch verleichen. Wenn da Opel laut Prospekt einen halben Liter mehr braucht als der VW dann wird es in der Realität vielleicht 1 Liter sein, aber jedenfalls mehr. das ist natürlich auch Verbrauchertäuschung weil ich auf der Straße nie so fahren werde wie das Auto auf dem Prüfstand, aber was hier gelaufen ist ist Betrug und für mich nicht vergleichbar!

Und dass Dobrindt ein Idiot ist ist uns hier in Bayern nix Neues, eigentlich ist das ganze Kabinett zum Verzweifeln (schau dir nur mal an dass Seehofer den Orban eingeladen hat), aus Bayern kommt politisch seit Jahren nur Blödsinn.
Aber ich glaube das wird für die gesamte deutsche Wirtschaft ein Problem, denn hier wurde eines der Aushängeschilder Deutschlands zerdeppert. Daran werden wir ganz lange zu kauen haben. Würde mich nicht wundern wenn das der Umkehrpunkt wird wo die Wirtschaft in eine Rezession kippt...
Viele Grüße Paula

Rainer

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Re: VW und Winterkorn...
« Antwort #9 am: 25. September 2015, 12:57:08 »
Vier hochrangige Vorstandmitglieder aus der absoluten Konzernspitze würde ich jetzt nicht als Bauernopfer bezeichnen.

Deswegen habe ich die "echten Opfer" ja auch explizit inkludiert.

Dennoch wissen wir nichts, rein gar nichts. Das ist das absolute Gegenteil von "brutaler Offenheit und Transparenz". Wer hat denn nun was veranlasst, gewusst, gesteuert?? Sind die entlassenen Manager auch die Schuldigen? Wenn ja, wie genau stellt sich das dar? Und und und... es ist ein Trauerspiel.