Tag 14 Freitag 26.6.2015Heute geht es von Frankreich nach Spanien! Nach dem Frühstück haben wir noch mal ein paar Äpfel und Getränke eingekauft und haben uns auf den Weg gemacht. Erstes Ziel war Lourdes, ich bin zwar nicht religiös, aber wenn man schon mal in der Nähe ist...Josef war schon mal dort und fand die unterirdische Kirche so spacig, die wollte er mir zeigen.
Die Fahrt nach Lourdes war einfach, es gab eh nur eine mögliche Route und in Lourdes angekommen gibt es riesige Parkplätze die zur Hälfte frei waren, wir haben sogar einen kostenlosen Parkplatz gefunden.
Man geht dann immer dem Fluß entlang Richtung Zentrum

ein Hotel reiht sich hier an das andere

Andenkenläden gibt es auch in Massen

dann kommt man auf den großen Platz mit der Kathedrale, dort in der Kirche ist ein Reliquienschrein von der heiligen Bernadette, in der Kirche haben wir keine Fotos gemacht. Wenn man unter den Torbögen durchgeht kommt man zur Quelle, da war aber schon eine ziemlich lange Schlange, auf Schlange stehen in der Hitze hatten wir beide keine Lust.

Gruppenfoto einer spanischen Reisegruppe vor der Kathedrale

danach haben wir die unterirdische Kirche besichtigt, die ist wirklich riesig und wir waren ganz alleine dort

ich finde das sieht aus wie in einem Raumschiff oder Hangar....

überall nakter Beton, dazu diese Metallgestalten, irgendwie außerirdisch

an den Seiten hingen Bilder von Heiligen, das war neu, das hatte Josef bei seinem ersten Besuch nicht gesehen.

also wie eine Kirche schaut das nicht aus finde ich. Aber als Bauwerk ist das schon interessant und für einen Fotografen natürlich ein tolles Motiv.
Es war richtig heiß heute und weitere Spaziergänge über das große Gelände haben wir lieber gelassen. Als nächstes Ziel steuerten wir den Grenzort Canfranc in Spanien an. Das Navi haben wir erst mal ignoriert, das wollte wieder über ganz kleine weiße Straßen, wir sind nach Schildern einen etwas größeren Bogen gefahren, das hat gut funktioniert.
Im Radio gab es nix außer Terrormeldungen

wenn man die französischen Radiosprecher gehört hat, dachte man Frankreich sei im Krieg

wir haben nicht alles verstanden, aber es gab Anschläge in Lyon und Tunesien mit mehreren Toten, das ist nicht die Art Unterhaltung die man sich im Urlaub wünscht. Gegen Mittag haben wir in Sarrance (kleiner Ort in den Pyrenäen noch in Frankreich) gehalten und einen Kaffee getrunken. Und haben zuhause angerufen um zu sagen dass mit uns alles in Ordnung ist. In Deutschland war das Ausmaß der Anschläge noch gar nicht bekannt.
Kaum waren wir über die Grenze gefahren wurden wir von der spanischen Polizei angehalten. Wir hatten den Eindruck die winken alle französischen Autos raus: wer wir seien und wohin wir wollten. Als klar war dass wir harmlose deutsche Touristen sind durften wir weiter fahren. Ich glaube die haben nach Terroristen gesucht. Kein gutes Gefühl...
Bald danach sind wir im spanischen Ort Canfranc eingetroffen. Hier waren wir vor 10 Jahren schon mal. In Canfranc gibt es einen riesigen verlassenen Bahnhof, da war wohl mal eine große Bahnlinie geplant die dann doch nicht gebaut wurde, der Bahnhof stand aber schon und wurde gar nicht genutzt. Vor 10 Jahren konnte man überall im Gebäude herumstromern, ein Eldorado für Fotografen und zerfallende Gebäude oder Dinge sind bei meinem Freund ein besonders beliebtes Motiv. So war die Entäuschung groß dass das gesamte Gelände eingezäunt war und nicht betreten werden konnte.

alle Fenster und Türen waren zugenagelt oder zugemauert, das war damals auch nicht. Dafür sah das Dach neu gemacht aus, schon sehr seltsam.

Nach 10 Minuten sind wir wieder gegangen. In Canfranc hat das Navi in der gleichen Straße eine Santanderbank angezeigt, hier kann man Karten für die Altamira Höhle kaufen, die Bank war aber leider für 3 Tage geschlossen.
Mehr gab es hier nicht zu sehen und wir haben unser nächstes Ziel Puente la Reina ins Navi eingegeben. Laut Navi sollte der Weg über eine Stunde dauern, Josef meinte aber das könnten nur 10 Minuten sein. Also haben wir bei nächster Gelegenheit am Straßenrand angehalten und die Route auf der Papierkarte gesucht. Das war wirklich nicht weit weg, aber wir waren auf der richtigen Straße, seltsam! Nach längerem Studieren der Karte ist mir aufgefallen, dass es diesen Ort ein zweites Mal gibt etwa 100 km weg

heute war irgendwie der Wurm drin. Josef hatte den Ort ausgesucht weil er auf dem Pilgerweg nach Santiago liegt, es gibt dort eine berühmte Brücke. Aber in welchem Ort ist die nun

wir hatten die Adresse des Hotels ins Navi eingegeben: Hotel Rural El Cerco, Rodrigo Ximenez de Rada, 36, 31100 Puente la Reina
das war dann wohl in dem weiter entfernten Puente de la Reina... wir haben dann beschlossen auf dem Weg ins Hotel durch den ersten Ort diesen Namens zu fahren und nach einer Brücke zu suchen und übernachten würden wir dann in dem gebuchten Hotel. Zum Glück hat sich das Chaos schnell gelichtet, denn der erste Ort Puente den wir bald erreichten bestand nur aus ein paar Häusern an der Landstraße, hier war weder ein Fluß noch ein Hotel oder Restaurant oder sonst was, also war das zweite Ziel wohl das richtige.
Die Fahrt war so richtig angenehm: breite, gerade Straßen, man konnte endlich mal schnell fahren, gar kein Vergleich zu Frankreich und für Josef die reinste Erholung. Die Landschaft war hübsch: hügeliges Gelände, viele Weizen und Weinfelder, kleine Dörfer. Und keinerei Katastrophenmeldungen im Radio (bzw wir haben nix davon verstanden was im Radio gesagt wurde

)
Unser Hotel lag wohl mitten in der Altstadt, das Auto haben wir auf einem Parkplatz vorher stehen lassen. Es war mindestens 35 Grad heiß oder noch mehr als wir ausstiegen, ich war sehr froh, dass das Hotel in einer engen Gasse lag wo keine Sonne hinkam. Der Mann an der Rezeption sprach sehr gut englisch und als wir ihm von unserer Irrfahrt erzählt haben hat er uns berichtet dass das schon öfter passiert ist und Leute in dem anderen Puente waren und sein Hotel gesucht haben

okay jetzt kamen wir uns nicht mehr so blöd vor, wir haben das Hotel zumindest selber gefunden.
Von außen sah das Gebäude völlig unscheinbar aus, innen war aber alles neu renoviert und unser Zimmer im obersten Stock war einfach klasse.

Die Klimaanlage hat super funktioniert, in kürzester Zeit war es sehr angenehm im Zimmer und wir haben erst mal Kaffee gekocht. Ich wäre ja am liebsten hier geblieben bei der Hitze die draußen herrschte, aber eine kleine Stadtbesichtigung mußte natürlich sein. Außerdem sollte es nach Auskunft der Rezeption auf dem zentralen Platz eine Santanderbank geben. Natürlich war die Bank am Freitag Nachmittag geschlossen...
Der Ort ist klein und bis zu der Brücke am Ende der Altstadt war es nicht weit zu gehen.

ganz nett aber bestimmt keine Reise wert. Außerdem war mir hier viel zu heiß. In den engen Altstadtgassen war es eher auszuhalten und die Kirche haben wir natürlich auch besichtigt.

drinnen war es wunderbar kühl

und da haben wir uns gern eine Weile in eine Bank gesetzt.

vorne war gerade ein Chor am Proben. Ich habe selber als Jugendliche im Kirchenchor gesungen und später ein paar Jahre in einem kleinen privaten Kammerchor und mir war sofort klar dass das da vorne kein simpler Kirchenchor war, das waren Profis. Kostprobe gefällig?
auf den Bänken lagen Zettel rum mit einer Konzertankündigung, das war für heute Abend 20 Uhr. Und was da vorne singt ist der Kammerchor von Pamplona. Wir können ja beide kein spanisch aber geschrieben versteht man so einiges und aus dem Prospekt ging klar hervor dass mit dem Konzert ein berühmter Musiker aus Puente La Reina geehrt werden soll der posthum eine Auszeichnung bekommen hatte (es handelt sich um D. Luis Morondo Urra geboren 1909 in Puente La Reina, gestorben in Pamplona 1983. Kennt den jemand? Ich hatte noch nie von ihm gehört, er war Komponist und Dirigent). Das Konzert war kostenlos. Haben wir ein Glück, da gehen wir natürlich hin

zunächst haben wir aber unsern Stadtbummel fortgesetzt und sind ans andere Ende der Altsdtadt gegangen, da gab es noch mal eine Kirche

und ein Storchennest

dann gings zurück ins Zimmer und unter die Dusche. Für das Konzert wollten wir etwas manierlicher aussehen und eine lange Hose sollte wohl auch sein.
Um 20 Uhr waren wir in der Kirche die sich schnell füllte. Nach einer kurzen Ansprache begann der Chor zu singen. Die waren derart gut, da bin ich richtig ins schwärmen gekommen.

nach drei Stücken war Pause und ein Redner trat ans Pult. Verstanden haben wir natürlich nix. Wir haben auf den Bürgermeister getippt

danach gab es einen lange Ansprache einer jungen Frau, sehr wortgewandt, unser Tipp: vom Kultusministerium
unsere Geduld wurde weiter auf die Probe gestellt, denn nun kam noch mal ein Herr und rief zwei ältere Herrschaften zu sich und überreichte Ihnen eine Medaille und eine Urkunde. Soweit wir das verstanden haben waren das die Kinder des Geehrten. Dann wurde es richtig interessant: ein junger Mann in weißer Kleidung, roter Schärpe, Espandrillos und Baskenmütze trat vor die beiden, nahm seine Mütze ab und vollführte eine Art Tanz oder Parade auf der Stelle wobei er oft die Beine in die Luft warf. Begleitet wurde er von zwei Musikantinnen auf einer Flöte und einer Trommel. Die gleiche Szene haben wir an einem anderen Tag vor einem Brautpaar gesehen, das muss wohl eine Art baskischer Gruß oder Ehrenbezeugung sein.
Danach durfte endlich wieder der Chor singen, es gab etliche Solos, die Sänger waren einfach phantastisch! Um 10 Uhr als wieder ein Redner ans Pult trat haben wir uns aus der Kirche geschlichen, wir waren beide völlig begeistert!
Ein paar Meter weiter war ein Tapaslokal, das wir uns vorher schon als Dinnerlocation ausgesucht hatten. Um diese Uhrzeit gab es allerdings nur noch Menü. Englisch konnte keiner und die Karte war auch nur auf spanisch und leider ziemlich unverständlich, ich habe aber richtig geraten und bekam gefüllte Paprikaschoten als Vorspeise und dann ein vorzügliches Steak und als Nachspeise ein Zitronensorbet. Ein erstklassiger Rotwein für nur 10 € und in der Summe haben wir 50 € bezahlt. Das war eins der billigsten und zugleich besten Abendessen auf unserer Reise!

Auf dem Heimweg sind wir ein paar Sängern in den Gassen begegnet und haben uns für das tolle Konzert bedankt!