So, jetzt geht es aber wirklich los.
Tag 1: 24.06.2015, Boston - Cape Cod (Dennisport)Gegen 7 Uhr morgen bin ich wach, Sylvia ist (wie immer) schon länger wach und wartet nur darauf, dass ich auch endlich aufwache. Nach dem obligaten Besuch im Bad werden die Klamotten gepackt, wir checken aus und packen die Koffer zurück in unseren Wagen. Das Wetter ist sehr gut, strahlend blauer Himmer, bei weitem nicht so schwül wie erwartet und es weht eine angenehme Brise. Es ist ca. 8 Uhr morgens und wir wollen heute nach Cape Cod fahren.
Das Hotelfrühstück sagt uns nicht zu (wie meistens), aber da wir mitten in Malden sind, ein nicht sonderlich attraktiver Stadtteil von Boston, haben wir auch keine Lust, den nächsten Subway aufzusuchen, sondern beschließen, erst einmal ein paar Meilen zu fahren und so schnell wie möglich den Einzugsbereich der Metropole zu verlassen. Aber 8 Uhr morgens ist natürlich an einem Werktag so eine Sache, da ist ganz Boston unterwegs und wir dann mittendrin.
Die Navi wird angeschlossen, ich gebe als Zwischenziel erst einmal "Plymouth" ein, ein angeblich netter Ort zwischen Boston und Cape Cod. Natürlich berechnet die Navi den kürzesten Weg via Autobahn, aber das werde ich noch korrigieren, wenn wir endlich unterhalb von Boston sind. Ich versuche dann immer einen kleinen Zwischenort zu finden und stelle die Navi auf diesen Ort ein, um zu erzwingen, dass sie auf bestimmten Wegen fährt. Aber so weit sind wir noch nicht. Nach ein paar Straßenzügen im stark befahrenen Malden deuten erste Hinweisschilder auf diverse Highways und Brücken hin, die Richtung Süden fahren sollen und die Navi führt uns zuverlässig auf eben so einen Highway. Natürlich fragt uns die Navi, ob wir Tollroads meiden wollen, wollen wir aber nicht, deswegen haben wir ja extra den EZPass erworben und folgerichtig befinden wir uns ein paar Meilen später auf einer zollpflichtigen Brücke. Zusammen mit vielen berufstätigen Bostonern, auf deren Weg zum Arbeitsplatz. Und zwar zusammen im Stau... fängt ja klasse an!
Sylvia nimmt das überraschend gelassen hin, sie genießt das schöne Wetter und die ebenso schöne Aussicht auf Downtown Boston. Da ich nichts zu tun habe, hole ich dann eben mal die Kamera heraus und mache die ersten Fotos des Urlaubs - auf der Brücke im Stau, mit Rundumblick auf Downtown Boston:

Bereits hier erweist sich die Investition in den EZPass als sehr sinnvoll, denn auf dieser Brücke wird kein normales Zahlungsmittel angenommen (lediglich irgendein anderer Pass), es gibt auch keine Cash Booth. Davor waren wir im Shuttle des Rentalcarcenters explizit gewarnt worden, weswegen uns die Entscheidung pro EZPass auch so leicht fiel. Man sieht übrigens auf dem Foto schon im Hintergrund das Schild "EZPass" mit den entsprechenden Hinweisen.
Links und rechts von uns befinden sich Skyline bzw. die Bürogebäude von Boston:


Im langsamen Stopp&Go geht es gemächlich weiter, ein paar Meilen später gelingt uns trotz Navi das, was eigentlich nicht gelingen sollte: wir wählen eine falsche Spur und verlassen den richtigen Weg in die falsche Richtung. Gezwungenermaßen werden wir durch einen Tunnel geführt, natürlich bemerkt die Navi unseren Irrtum und berechnet fleißig einen neuen Weg, der auf dem Screen abenteuerlich aussieht und führt uns dann doch tatsächlich (gezwungenermaßen) zum Flughafen zurück!! Das gibt es doch gar nicht - immerhin war die Strecke frei von Stau, aber wir staunen nicht schlecht, als wir uns an exakt derselben Stelle wiederfinden wie schon am Abend zuvor...
Das ist auf eine generelle Schwäche des Navis (TomTom) zurückzuführen, ich habe inzwischen in mehreren Rezensionen davon gelesen, dass das leider ein grundsätzliches Problem bei TomTom ist (obwohl die Navis ansonsten gut abschneiden, aber jeder Hersteller hat da irgendeine Gurke drin, bei TomTom ist es die Routenführung). An kritischen Stellen, wo sich die Fahrbahn in zwei Spuren trennt, die zu unterschiedlichen Zielen führen, schweigt die Navi bisweilen und man muss dann selbst einen mutige, aber leider bisweilen falsche Entscheidung treffen. Genau das war geschehen und sollte im Laufe des Urlaubs noch öfter geschehen. Aber eine Navi läßt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und führt die Insassen in aller Gelassenheit zurück auf den richtigen Pfad. Das ist das wirklich Gute an Navis, irgendwann kommt man ganz sicher an, auch wenn man mal einen Fehler begangen hat.
Also zweiter Anlauf, wieder mit viel Stau, aber je näher der Süden kommt, umso mehr läßt der Verkehr nach und irgendwann greife ich (wie geplant) in die Route ein und befehle der Navi, uns nach "Hingham" zu bringen. Diesen Ort habe ich auf der Karte gefunden und er liegt perfekt an der von mir präferierten Küstenroute. Programmgemäß verlassen wir nach einigen Meilen den Highway und werden auf einen "Shore-Drive" geleitet - das klingt schon mal viel besser und es dauert auch gar nicht lange und wir befinden uns direkt an der Küste. Links das Meer (mit ein paar hübschen Häusern ein guter Lage), rechts ein Binnensee, hier sieht es schon deutlich lauschiger aus:


Langsam aber wird Sylvia knatschig, ihre Stimmung verschlechtert sich ohne ersichtlichen Grund - aber ich kenne den Grund natürlich: Sylvia hat Hunger! Also machen wir uns auf die Suche nach einem Subway, aber da, wo die Navi den Subway vermutet, ist kein Subway (wir sehen zumindest keinen). Das ist ein Standardproblem und kommt öfter vor, kennen wir schon von früheren Urlauben. Also geht die Suche weiter und unverhofft taucht rechts ein "Dunkin Donut" auf. Die hatten wir im Westen relativ selten gesehen, hier ist es unser erster dieses Urlaubs, aber es sollte sich herausstellen, dass es im Osten Dunkin Donuts quasi an jeder Ecke gibt, nach unserem subjektiven Empfinden sogar häufiger als Subway (was ja angeblich die größte Kette der Welt ist, noch vor McDonalds). Der Dunkin Donut kommt jedenfalls gerade recht, wir halten an und Sylvia holt sich was zu Essen und einen großen Eiskaffee aus dem Laden. Ich selbst mache mir nichts aus Dunkin Donuts, weswegen ich hier noch nicht zuschlage. Aber zwei Ecken weiter taucht ein Burgerking auf und dort bekomme ich dann auch meinen ersten Whopper mit Pommes. Macht ordentlich satt, obwohl ich das Zeug zu Hause überhaupt nicht esse, in den USA mag ich das ausgesprochen gerne. Eigentlich aber lieber von Carls Junior oder Jack in the Box o.ä., aber so einen haben wir eben nicht gesehen und es sollte sich auch herausstellen, dass diese beiden Ketten keine Filialen in New England betreiben (auch nicht unter dem Namen "Hardees", das ist sonst das gleiche wir Carls Junior).
In Hingham erreichen wir auf der Weiterfahrt (immer an der Küste entlange, sehr schöne Route!) einen netten Jachthafen, den Hafen von Hingham. Dort steigen wir erst einmal aus und machen ein paar Fotos:


Ein kleine Gruppe Teenager bekommen dort offensichtlich Kanu-Unterricht oder ähnliches, hier das letzte Foto eines gerade noch trockenen Jungens auf einem Surfbrett:

Danach führt uns die Navi auf immer verschlungeren Wegen Richtung Plymouth, in baumreichen (eigentlich schon waldigen) Siedlungen fahren wir an faszinierenden Villen vorbei, aber wir trauen uns nicht, irgendwo mal anzuhalten und die Villen abzulichten, das ist uns dann doch zu peinlich, zu offensichtlich wäre die ganze Aktion. Etwas schade, aber auch das wird sich im Laufe des Urlaubs mehrfach wiederholen, und so können wir leider nicht alles zeigen, was wir mit eigenen Augen gesehen haben. Aber es lohnt sich in jedem Fall, selbst mal dahin zu fahren und sich die Häuser anzuschauen - da kommt ein paar Tage später noch ein ganz besonderes Highlight.
So erreichen wir am frühen Mittag die Stadt "Plymouth", das Ortseingangsschild verkündet stolz das Gründungsdatum von 1635(!), das dürfte einer der ältesten Orte der USA sein. Nett sieht es hier aus, ich wußte ja nur ganz oberflächlich, dass Plymouth sehenswert sei, aber sonst wußte ich gar nichts. Das Stadtzentrum und die Hauptstraße liegt etwas erhöht zur Küste, von dort laufen regelmäßig Straßen nach unten an den Kai:

Am meisten faszinieren mich dabei die eigentlich potthäßlichen Stromleitungen. Aber sie dominieren hier so dermaßen, dass er mir schon wieder gefällt. Die Hauptstraße selbst gleicht einer netten Einkaufsmeile, es ist einiges Volk unterwegs und natürlich taucht auch bald die absolut unvermeidbare weiße Kirche auf, das Wahrzeichen von New England schlechthin, ich glaube, es gibt keinen einzigen Ort ohne weiße Kirche.


Nach ein paar Metern zu Fuss auf der Haupstraße, beschließen wir, mit dem Wagen auch mal runter an den Kai zu fahren. Da ist dann definitiv "die Sau los". Gerammelt voll ist alles, Menschenmassen wuseln umher, alle (wirklich alle) Parkplätze sind belegt, auch die Behindertenplätze (die grundsätzlich als letztes weggehen). Nichts zu machen, wirklich gar nichts. Was ausgesprochen schade ist, denn es ist hübsch hier am Wasser und nun erkenne ich auch die historische Bedeutung von Plymouth: ein Hinweisschild verweist auf die "Mayflower II" und tatsächlich, nach einigen Metern erreichen wir eine noch vollere Passage und im Hintergund sehen wir ein Schiff - die Mayflower II. Das ist natürlich gefundenes Fressen für Rainer ich hätte allzu gerne schöne Bilder davon gemacht - aber die Parkplatzsituation war desaströs. Hartnäckig drehen wir noch zwei bis drei Runden, aber es ist sinnlos, es tut sich nichts. Da ich nur schweren Herzens ohne jedes Foto abreisen kann, bitte ich Sylvia einfach am Bordstein möglichst nahe zur Mayflower anzuhalten, damit ich wenigstens aus dem Fenster ein paar Fotos machen kann. Mehr ist definitiv nicht drin, aber immerhin besser als gar nichts und man erkennt wenigstens auch etwas:

Dann zieht es uns weiter, wir haben noch einige Meilen vor uns, aber Plymouth wird in unserem Gedächtnis der erste (von vielen) Orten sein, den wir als sehr besuchenswert einstufen. Wer mal in der Gegend ist, einfach mal hinfahren, wir fanden es nett dort. Langsam geht es auf den Nachmittag zu und nun wird Rainer knatschig - mir wird der Tag langsam zu lang und die Navi berechnet als Ankunftszeitpunkt in unserem Motel (was ich inzwischen als Ziel einprogrammiert habe) ca. 15.00 Uhr aus. Das ist natürlich noch früh am Tag, aber wir sind schon sehr lange auf (für meine Verhältnisse) und ich muss mich endlich mal eine Weile hinlegen, einfach um zu entspannen. Also lassen wir der Navi freien Lauf, achten aber sehr wohl immer noch darauf, wo wir so entlang fahren. Es sieht nett aus auf Cape Cod, überhaupt ist alles sehr sehr grün und fruchtbar im Osten. Das ist eine ganz andere Welt als die trockenen Wüsten des Westens.
Pünktlich um 15.00 Uhr erreichen wir "Jonathan Edwards Motel", ich hatte das von zu Hause vorgebucht, nachdem ich von den vielen Meldungen über die hohen Preise verschreckt worden war. Denn dieses Motel konnte ich bei Booking.com für schlappe 49$(!) plus Tax buchen und da habe ich einfach mal zugeschlagen. Es war mir vollkommen klar, dass das eine Bruchbude sein könnte und sicherlich werden das einige so empfinden (wie es auch bei Tripadvisor dargestellt wird). Aber das ist auch eine Frage der eigenen Einstellung, die Zimmer waren zwar lieblos und mit abgewrackten Möbeln eingerichtet, aber das Kingbed war offensichtlich relativ neu und auch wirklich gut. Sauber war es auch, die Dusche war in Ordnung, das Bad zu klein (keinerlei Ablageflächen - ein Manko vieler Motels), aber zu diesem Preis vollkommen in Ordnung. Von außen sieht es richtig nett aus und auch der Pool macht einen guten Eindruck:

Das Motel befindet sich im ruhigen Ort Dennisport, nach dem Einchecken fuhren wir erst einmal zum nächsten Liquor Store und versorgten uns mit Bier und Eis. Danach gingen wir (gegen 15.30 Uhr) schon auf das Zimmer, ich war platt, legte mich auf das Bett und zischte mir ein paar leckere Bud Lite. So muss Urlaub sein! Die ersten Fotos wurden gesichtet und gesichert, im Fernsehen lief irgendein amerikanischer Käse (auch das gehört zum Urlaub) und damit waren wir endgültig richtig angekommen. Auf dem Weg zum Liquor Store hatten wir ein Fischrestaurant gesehen. Das entpuppte sich als recht schlichter, aber gut besuchter Laden ohne Bedienung am Tisch, aber das sollte uns nicht stören und so gab es bereits am ersten Abend für jeden von uns ein köstliches Hummerbrötchen (Lobsterroll) mit French Fries.
Für den nächsten Tag war Cape Cod "an sich" geplant, inkl. Fahrt bis ganz ans Ende nach Provincetown.