SA, 30.5.: Sibiu, Avrig, Berge, Burg Bran, Burg Rasnov und Brasov
Wieder mal ein strammes Programm, aber alles machbar. Auf jeden Fall muss ich früh hier weg, denn heute findet in Sibiu ein Halbmarathon statt, sodass ich mit Sperrungen rechne, wenn auch nicht mit einer Teilnehmerschaft von 10.000 Personen. Im Hotel macht sich ein Paar auf: Er in Laufsachen, sie mit Kamera um den Hals...
Avrig bedeutet nur einen kleinen Umweg, kaum der Rede wert. Hier steht der Landsitz des Herrn Brukenthal, immer noch im Dornröschenschlaf versunken. Ich fühle mich in dem Garten, dessen Glanz noch spürbar ist, an Rheinsberg erinnert. Anlässlich einer Berlinreise kurz nach der Grenzöffnung, es muss Anfang 1990 gewesen sein, verließen Mutter und Tochter abenteuerlustig die Transitstrecke und besuchten mal eben Rheinsberg und Schwerin. Mich faszinierte damals der marode Charme, und vor meinem inneren Auge stiegen immer wieder Bilder auf, wie es an diesen Orten mal ausgesehen haben mag und wie es wieder aussehen könnte. Mich beeindruckte die politische Entwicklung, und voller Zuversicht und Neugier blickte ich der weiteren Entwicklung entgegen. So ergeht es mir auch heute in Avrig.


Unterwegs ein Schäfer, der mit seiner Herde Vorrang hat. Mit dem Motorradfahrer vor mir klatscht er sich ab, mir ruft er durch das geöffnete Autofenster ein breites "buna ziura" zu.

Ich versuche soweit möglich die Transfagarasan zu fahren, eine Hochstraße, die erst in einem Monat wieder geöffnet wird. Von Ferne sieht es nicht nach sehr viel Schnee aus, aber ich traue mich nicht das Verbotsschild nach 15 Kilometern eigenmächtig zu umfahren. ich beobachte die Straße, doch keiner fährt sie weiter, an dem ich mir ein Beispiel nehmen kann.
Also vielleicht per Seilbahn? Dazu müssten sich 10 Personen finden, die fahren wollen. Da die letzte Bahn gerade erst gefahren ist und alle anderen Anwesenden hier so wirken, als ob sie sich auf eine lange Wanderung freuen, sieht es schlecht aus. Also fahre ich weiter, schade!




Ich lege mir die Kette mit dem Silberkreuz um und besuche Bran, das Draculaschloss, und erlebe zum ersten Mal, wie ein touristisches Rumänien aussieht. Man wird hier totgetreten, und ein Stand mit Touristenkitsch reiht sich an den nächsten.

Die Burg an sich ist allerdings wirklich märchenhaft und eignet sich für die Verfilmung der Märchen der Gebrüder Grimm.




Nach der Rückkehr kaufe ich einem Roma-Mädchen frische Walderdbeeren ab. Hm, woran erkennt man wohl, dass man sich einen Fuchsbandwurm eingefangen hat? Na ja, für die ersten mindestens 2 Kleidergrößen bin ich bereit einen solchen zu ignorieren...

Burg Rasnov liegt hoch oben auf einem Berg, aber für 4 RON kann man eine Bimmelbahn nehmen, ist gebucht! Diese Burg ist vom Charakter anders. Während es in Bran ein intaktes Gebäude zu besichtigen gibt, ist das hier eher eine Ruine, aber man erkennt die großzügige gesamte Burganlage. Shops verkaufen Schnickschnack. Auch hier ist es sehr voll. Ich vermute, es liegt daran, dass Pfingsten in Rumänien erst dieses Wochenende ist.





Nun ab zum zweiten Besuch nach Brasov. Auch hier steppt der Bär. das Boutiquehotel 'Casa Albert' ist wunderschön und superzentral etwas von der Fußgängerzone zurückgesetzt gelegen, allerdings sind alle Parkplätze rings herum kostenpflichtig, und man kann sie nur mit den äußerst raren Münzen zahlen oder per SMS. Das will erst einmal organisiert sein und macht mich unwirsch.
Aber dann kann ich noch bei gutem Wetter die herrliche und auch brechend volle Innenstadt genießen.




Der Abend findet einen Abschluss, indem ich einem alten Mütterchen, das schon, seit ich hier angekommen bin, an derselben Ecke steht und versucht Wiesenblumensträußchen zu verkaufen, eines abnehme. Ist ganz sicher gut fürs Karma. Sie freut sich sehr und bedankt sich bei mir, und wir wechseln ein paar Worte in einem Gemisch aus Französisch, Deutsch und Rumänisch.
Lohnenswerte Sehenswürdigkeiten: Transfagarasan (wäre wohl lohnenswert gewesen), Brasov