Tag 7 Mittwoch 18.3.2015 noch mehr Saguaros! Heute war ich wieder sehr früh wach und kam um 6 Uhr schon aus der Dusche, so waren wir mit die ersten beim Frühstück und hatten daher auch ein Problem in dem kleinen Raum einen Tisch zu bekommen. Für ein kostenloses Hotelfrühstück war es ganz okay und angereichert mit meinen im Walmart gekauften Haferflocken bestimmt auch sehr gesund

unsere Ziele für heute lagen im Westen von Phönix in den Superstition Mountains. Blöderweise war für heute Nachmittag Regen angesagt. Auf der Hinfahrt wollten wir am Desert Botanical Garden vorbeifahren, der praktisch mitten auf der Strecke lag. Weil es noch so früh war habe ich nochmal die Öffnungszeiten gecheckt und dabei mit Entsetzen festgestellt dass der 22 $ Eintritt pro Person kostet. Wir wollten eigentlich nur eine Stunde bleiben denn wir hatten zwei Wanderungen geplant, für eine Stunde zahle ich aber keine 22 $ Eintritt. Also wurde der botanische Garten kurzerhand gecancelt.
Wir fuhren erst zum nächsten Walmart den wir diesmal gleich gefunden haben und stockten die Vorräte auf. Danach ging es über Insterstate und Highway quer durch Phoenix. Die Strecke war auffallend gepflegt, oft waren die Rand- und Mittelstreifen schön bepflanzt und die Lärmschutzwände geschmückt. Entweder hat Arizona mehr Geld als Kalifornien oder lag es daran dass wir in der Hauptstadt waren? Jedenfalls hat Phoenix einen ganz guten Eindruck hinterlassen. Der erste Trailhead lag im kleinen Örtchen Gold Canyon. Um 10 Uhr sind wir angekommen. Es ging über laute kleine Wohnstrassen durch den Ort bis zu einem großen Parkplatz. Den hätten wir ohne Navi niemals gefunden. Gold Canyon ist ein total schöner Ort, die meisten Gebäude im Adobe Stil gebaut, alle Häuser hatten gepflegte Gärten, viele mit Saguaros und anderen Kakteen, hier hat es mir sofort gefallen.
Der Parkplatz war schon gut gefüllt. Was fehlte war ein Klohäuschen, so habe ich mich erstmals in diesem Urlaub in die Büsche geschlagen.

Wir hatten uns den Hieroglyphic Trail rausgesucht, dieser ist wohl nur ein Teilstück des Lost Goldmine Trail
Es war heute nicht so heiß wie gestern und wir waren ganz froh dass es bedeckt war denn im Gegensatz zu den Wegen gestern ging dieser nämlich stetig bergan.
Am Anfang war der Weg bepflanzt wie ein botanischer Garten (leider ohne Namensschilder)

an dieser schönen Ocotillo Pflanze labte sich ein Kolibri wollte aber leider nicht aufs Bild

Saguaros standen am Anfang nur vereinzelt in dem parkartigen Gelände

aber als wir den Hang ein Stück raufgegangen waren sah man sie stehen wie im Wald, so hab ich mir das vorgestellt

was man auf den Bilder nicht sieht sind die Massen von Leuten die uns beim Wandern begegneten, bestimmt hundert Personen darunter auch viele Kinder im schulpflichtigen Alter und das mitten in der Woche?

wie gestern sangen viele Vögel, es ging immer näher zu den Superstition Mountains hin, schöne Ausblicke, ich lasse einfach mal die Bilder sprechen

welche Tiere fressen wohl dieses stachelige Zeug?

am Ziel angekommen:

in die Felsen waren Petroglyphen eingeritzt (warum der Weg wohl Hieroglyphic Trail und nicht Petroglyphic Trail heißt?)

Blick zurück nach Gold Canyon

am Rückweg hatten man einen besonders guten Blick auf die Hänge mit den Saguaros

kurz nach 12 Uhr nach gut zwei Stunden waren wir wieder am Parkplatz. Und bei mir hatte sich das zufriedene Gefühl eingestellt nun ausreichend Saguaros gesehen und fotografiert zu haben

also nicht so dass ich jetzt keine mehr sehen wollte aber ich war bereit meine Begeisterung neuen Objekten zu widmen

Als zweite Wanderung war ein Rundweg im Lost Dutchman State Park geplant. Auf dem Weg zum Park (es waren ungefähr 15 Minuten zu fahren) bekamen wir eine filmreife Szene zu sehen: vor einem Wohnhaus standen blinkend drei Polizeiwagen, mehrere stark bewaffnete Polizisten in Schutzwesten führten einen Mann aus dem Haus und legten ihm Handschellen an.
Kurz vor dem Eingang zum Park findet man die Goldfield Ghost Town, mein Freund steht auf Geisterstädte also haben wir dort natürlich Halt gemacht. Leider ist diese Ghosttown ein ziemlicher Tourinepp. In sämtlichen Häusern sind Andenkengeschäfte.

Es war außerdem proppenvoll, wir bekamen gerade so noch einen Parkplatz. Neben dem Parkplatz standen diese schönen Chain Friut Cholla. Wieder eine neue Pflanze gesehen


Wir blieben nicht viel länger als um eine Toilette aufzusuchen und ein (sehr leckeres) Eis zu kaufen, dann fuhren wir die wenigen restlichen Meter zum Lost Dutchman State Park. Wir zahlten unseren Obulus (7 $ soweit ich mich erinnere) und fuhren zu einem der Parkplätze, der Park ist nicht groß.
Es war nun ziemlich stark bewölkt und gerade als wir loslaufen wollten fing es an zu regnen. Wir machten also Pause im Auto. Zum Glück hat es bald wieder aufgehört und wir machten uns auf den Weg 56: der Treasure Loop Trail, den kann man sehr empfehlen!

zu diesen tollen Felsen geht man hoch

Saguaros stehen hier im Park nur vereinzelt rum. Es wurde ziemlich dunkel hat aber höchstens mal ein paar einzelne Tropfen geregnet.

wir nähern uns dem Fuß der Felsen. Es gibt auch einen Weg ganz hoch, unser Weg führte aber nach rechts ein Stück am Berg entlang und dann wieder runter

es hat uns super gefallen, natürlich wäre es bei Sonnenschein noch viel besser. Eigentlich sind diese Felsen rot, nicht braun.

Blick zur Seite

und nach unten:

um 16 Uhr waren wir wieder am Parkplatz. Hier wäre auch ein Campingplatz, es standen etliche Wohnmobile hier, also das könnte mir hier auch gefallen!
ein Abschiedsbild:

am Parkeingang sind wir noch den kleinen Native Plant Trail gegangen, hier stehen die typischen Kakteen und Bäume alle mit Namensschildern (daher stammen alle meine Informationen zu den Pflanzen im Südwesten). Das ist wirklich schön gemacht. Neben einem mehrere Meter hohen Saguaro stand ein Meßlatte, im Alter von 20 Jahren hat man begonnen jedes Jahr das Längenwachstum zu markieren. Ab da wuchs er 10 bis 20 cm pro Jahr. Er war etwa 40 Jahre alt und hatte noch keine Seitentriebe, vielleicht wenn ich im hohen Alter mal wiederkomme...
außerdem fanden wir einen abgestorbenen Saguaro, der sah wie ein Kunstwerk aus:

Kaum waren wir wieder im Auto fing es richtig an zu regnen, Punktlandung!

Zu unserem Hotel Best Western Apache Junction in waren es nur 10 Minuten zu fahren. Es war jetzt richtig kalt geworden. Das Hotel an sich ist ganz nett im Adobe Stil gebaut, steht aber an der Hauptstrasse und unser Zimmer im ersten Stock hatte einen Balkon zur Strasse raus. Da es in Strömen geregnet hat konnte man hier eh nicht sitzen, aber bei schönem Wetter hätte ich mich bestimmt geärgert. In Gold Ganyon gibt es auch ein Best Western, das wäre bestimmt die bessere Wahl gewesen, das nächste Mal dann!
Über das Zimmer gab es aber nix zu meckern, wir hatten wieder ein King Size Bed, Sofa und Sessel und Schreibtisch, sämtliche Geräte incl. Mikrowelle und Bügeleisen (was wir beides in keinem Hotel genutzt haben) und das wichtigste Utensil: die Kaffeemaschine. Wir kochten Kaffee und nutzten die Zeit endlich die vielen Postkarten zu schreiben. Ausnahmsweise haben wir mal den Fernseher angemacht, der Wetterbericht da war genauso schlecht wie die Aussichten meiner Wetter App, so haben wir die Wanderung in Wickenburg für morgen gecancelt. Mein Bruder hatte sich gemeldet, ich sollte ihm wieder mal ein paar Artikel von Clean Kanteen mitbringen, eine amerikanische Marke, die Sachen bekommt man in Deutschland schlecht. Praktischerweise fand ich im Norden von Phoenix einen REI Store, die diese Marke führen. Also wird morgen geshoppt statt gewandert.
Zum Abendessen sind wir zu einem kleinen Italiener "Scuttlebutts" schräg gegenüber gegangen (das Überqueren der Hauptstrasse war gar nicht so ohne...), es war acht Uhr und wir waren die einzigen Gäste! Ein oder zwei Leute haben eine Pizza geholt sonst kam niemand mehr. Wir bestellten einen Salat als Vorspeise und ein Amber beer (ähnlich einem deutschen Dunkelbier, ganz lecker) und jeweils eine große Pizza. Der Salat kam gleich und während wir auf die Pizza warteten fing die Bedienung an das Lokal zu kehren. Unseren Tisch hat sie ausgelassen. Dann kam sie zu uns und erzählte irgendwas das ich nur teilweise verstand: irgendwas war mit der Pizza falsch gelaufen und das Wort kostenlos habe ich noch verstanden, also hab ich einfach mal ja gesagt

schließlich kamen zwei leckere große Pizzen (ich konnte keinen Fehler erkennen) und während wir unsere Pizza aßen fing sie das Lokal zu putzen an. Das war jetzt aber wirklich störend, denn das Putzmittel hat ziemlich gestunken

von Eßkultur verstehen sie in Amiland gar nix!
Wir haben dann lieber aufgehört zu essen und die Rechnung und eine Schachtel verlangt. Nachdem wir bezahlt hatten und unsere beiden halben Pizzen in die Schachtel verstaut hatten kam sie mit noch einem Pizzakarton an mit einer weiteren Pizza

das war also das was ich umsonst bekommen sollte: die erste Pizza war irgendwie falsch und sie hatten für mich eine neue gemacht. Die andere durfte ich umsonst mit nehmen. Da waren die 55 $ die wir incl Trinkgeld bezahlt hatten echt nicht viel. Der Lunch für morgen war gesichert

Im Zimmer gabs den üblichen Schlummertrunk in Form einer Rotweinflasche.
Die Ecke hier um Gold Canyon und die Superstition Mountains haben mir super gefallen, wenn ich das nächste Mal hierher komme werde ich in Gold Canyon übernachten und das Boyce Thompson Arboretrum besuchen. Ich hatte das zuhause als Alternative für den nächsten Tag ausgesucht (falls wir keine Lust zum wandern gehabt hätten) aber bei Regen macht ein botanischer Garten ja keinen Sinn. Der Apache Trail fehlt natürlich auch noch und ein paar tolle Wanderungen wie der Peralta Trail. Und dann würde ich in Phoenix gern auf den Camelback Mountain steigen und ein paar weitere Parks um Phoenix hatte ich auch noch gefunden. Ich glaube hier könnte man problemlos eine ganze Woche verbringen. Wenn ich mal Rentner bin...